Tamaskan

Verfasst von Natalie Decker
Tamaskan Hund

Der Tamaskan sieht aus wie ein Wolf, ist aber ein treuer Familien- und Arbeitshund.

Beim Tamaskan handelt es sich um eine sogenannte Abbildzüchtung. Darunter versteht man eine Rasse, die dem wilden Vorfahren unserer Haushunde, dem Wolf, möglichst ähnlich sieht. Trotz seines ursprünglichen Erscheinungsbildes gilt der finnische Tamaskan als umgänglicher, gehorsamer Vierbeiner, der als Arbeits- und Begleithund geeignet ist.

Wolfsähnliches Aussehen: Wie groß wird ein Tamaskan?

Optisch erinnert der Tamaskan an den nordamerikanischen Timberwolf. Rüden erreichen eine Schulterhöhe zwischen 65 und 76 Zentimetern, Hündinnen werden 60 bis 70 Zentimeter groß. Das Gewicht liegt bei männlichen Tieren zwischen 30 und 50 Kilogramm, bei weiblichen zwischen 22 und 40 Kilogramm.

Damit gehört die finnische Züchtung zu den mittelgroßen bis großen Hunderassen. Der Körperbau ist kräftig und muskulös, mit einer tiefen Brust und einem geraden Rücken. Die Statur ähnelt der des Deutschen Schäferhundes.

Grobes Deckhaar mit weicher Unterwolle

Das Haarkleid des Tamaskans trägt zur Ähnlichkeit mit dem Wolf bei. Das wetterfeste Fell ist kurz, gerade und rau. Es verfügt, je nach Jahreszeit, über mehr oder weniger dichte, weiche Unterwolle.

Die Fellfarbe variiert zwischen Schwarzgrau, Wolfsgrau, Rotgrau und Silbergrau. Charakteristisch ist die Wolfsmaske, die das Gesicht der Tiere ziert. Einfarbige sowie weiße Exemplare kommen zwar vor, entsprechen aber nicht dem Zuchtziel.

Insbesondere die Rüden können über eine auffällige Halskrause verfügen.

Augen, Ohren und Nase des Tamaskans

Die mandelförmigen Augen besitzen eine gelbliche, bernsteinfarbene oder braune Farbe. Die mittelgroßen, dreieckigen Ohren stehen aufrecht und sind gut behaart. Seine Nase ist schwarz und kann im Winter helle Stellen aufweisen. Man spricht in diesem Fall von einer Schneenase.

Die lange, buschige Rute des Tamaskans sollte idealerweise bis zum Sprunggelenk des Hundes reichen. Zum Zuchtziel gehören außerdem ein vollständiges Scherengebiss mit 42 Zähnen sowie schmale, enganliegende Lippen.

Charakter: Liebenswerter Begleiter im Wolfspelz

Sein wildes Äußeres verleiht dem Tamaskan Stärke, Stolz und Würde. Dennoch soll er laut Standard die positiven Eigenschaften eines anhänglichen, loyalen Haushundes mitbringen. Dementsprechend gilt die finnische Rasse als freundlich, intelligent und tolerant.

Der Tamaskan ist ein absolutes Rudeltier und sollte daher am besten mit anderen Hunden zusammenleben dürfen. Auch mit Katzen und weiteren Haustieren ist er in der Regel verträglich, wenn er entsprechend sozialisiert wurde.

Sein Jagdtrieb ist meist eher gering ausgeprägt und lässt sich mit sanften Erziehungsmaßnahmen gut kontrollieren.

Ist der Tamaskan ein Familienhund?

Auch mit Kindern kommt der liebenswerte, ausgeglichene Vierbeiner normalerweise gut zurecht. Als Familienhund macht der arbeitswillige Tamaskan allerdings nur dann eine gute Figur, wenn er körperlich und geistig ausgelastet wird.

Lange alleine zu Hause bleiben möchte er nicht.

Ist der Tamaskan ein Anfängerhund?

Langweilt sich dieser leistungsfähige Hund, kann er unerwünschte Eigenschaften an den Tag legen und beispielsweise ausbüxen oder die Einrichtung zerstören. Wie die meisten nordischen Rassen besitzt auch der Tamaskan einen gewissen Eigensinn.

Er tendiert dazu, Kommandos und Befehle seines Besitzers zu hinterfragen, weshalb er für Anfänger nicht unbedingt zu empfehlen ist.

Haltung und Beschäftigung: Wie viel Auslauf braucht ein Tamaskan?

Der Tamaskan ist ein sportlicher, bewegungsfreudiger Hund, der viel Auslauf benötigt – mindestens zwei Stunden pro Tag dürfen es schon sein. Ergänzend zu den täglichen Gassirunden sollte er Zugang zu einem Garten haben, in dem er sich austoben darf.

Darüber hinaus eignet sich der agile Finne für verschiedene Hundesportarten, darunter Agility und Canicross.

Da sich unter seinen Vorfahren verschiedene Schlittenhunderassen befinden, kann der Tamaskan auch im Zughundesport wie etwa beim Bikejöring eingesetzt werden. Und auch als ausdauernder Packhund sowie bei der Fährtenarbeit bringt er beeindruckende Leistungen.

Bellt der Tamaskan viel?

Dank seiner freundlichen, sanftmütigen Art ist auch eine Ausbildung zum Therapiehund denkbar. Als Wachhund ist der Tamaskan jedoch nicht zu gebrauchen, da er Fremden gegenüber aufgeschlossen oder zumindest zurückhaltend ist.

Wie viele andere nordische Rassen neigt auch dieser wolfsähnliche Vierbeiner dazu, verstärkt zu bellen und zu heulen. Eine ländliche Umgebung, am besten ohne direkte Nachbarn, ist für ihn daher am besten geeignet.

Eine reine Wohnungshaltung ist nicht empfehlenswert.

Pflege und Ernährung des Tamaskans

Das doppelte, kurze Fell des Tamaskans braucht nicht viel Pflege. Für gewöhnlich reicht es aus, das Haarkleid einmal pro Woche zu brüsten. Lediglich während des Fellwechsels sollte man öfter zur Bürste greifen, um lose Haare und Schmutz zu entfernen.

Währenddessen kann die Haut auf Verletzungen, Ekzeme und Parasiten untersucht werden.

Augen, Ohren, Krallen regelmäßig checken

Die Augen des Vierbeiners sollten regelmäßig in Hinblick auf Rötungen, Entzündungen und Tränenfluss überprüft werden. Und auch die Ohren müssen von Zeit zu Zeit kontrolliert werden, um etwaige Ohrenentzündungen frühzeitig zu entdecken.

Sollten sich die kräftigen, schnell wachsenden Krallen des Vierbeiners nicht von selbst abzunutzen, müssen sie gekürzt werden.

Die Gabe von Kauartikeln und -spielzeug beugt Zahnproblemen wie Zahnstein vor. Zudem ist es ratsam, den Vierbeiner frühzeitig ans Zähneputzen zu gewöhnen.

Proteinreiches Futter wählen

Ein großer, aktiver Hund wie der Tamaskan benötigt hochwertiges Futter mit einem ausgewogenen Nährstoffgehalt. Empfehlenswert ist proteinreiches Trocken- oder Nassfutter ohne Zusatz von Zucker, Getreide, Geschmacks-, Farb- und Konservierungsstoffen. Es ist auch möglich, den Tamaskan zu barfen.

Gesundheit: Genetisch vorbelastet

Generell gilt der Tamaskan als robuster Vierbeiner. Da die Rasse aber noch jung ist und lediglich über einen kleinen Genpool verfügt, kommen bestimmte Erbkrankheiten immer wieder vor.

Seriöse Züchter testen ihre Tiere daher auf Ellenbogen- und Hüftgelenkdysplasie, Zwergenwuchs, progressive Retinaatrophie sowie auf degenerative Myelopathie.

Typische Krankheiten beim Tamaskan

In der Zuchtgeschichte kam es zu Inzucht, weshalb es bei dieser Rasse eine genetische Vorbelastung in Bezug auf Kryptorchismus gibt. Dieses gesundheitliche Problem wird auch Hodenhochstand genannt: Dabei steigt ein Hoden nicht in den Hodensack ab, sondern verbleibt in der Bauchhöhle.

Dadurch steigt das Risiko für eine Tumorerkrankung.

Zu den weiteren Krankheiten, die bei dieser Rasse vermehrt beobachtet werden, zählen Morbus Addison und Epilepsie.

Wie alt wird ein Tamaskan?

Für einen großen Hund besitzt der Tamaskan eine vergleichsweise hohe Lebenserwartung. Tiere dieser Rasse können bis zu 14 oder 15 Jahre alt werden.

Geschichte: Woher stammt der Tamaskan?

In den 80er-Jahren begann die walisische Züchterin Edwina Harrison, möglichst wolfsähnliche Hunde mit familienfreundlichen Eigenschaften zu züchten. Dafür setzte sie importierte Schlittenhunde und Schlittenhund-Mischlinge ein.

Diese verpaarte sie mit Siberian Huskys, Alaskan Malamutes, Samojeden, Kanadischen Eskimohunden und Deutschen Schäferhunden.

Deren Nachkommen wurden nach Finnland exportiert und weiter mit ursprünglich aussehenden Schlittenhunden gekreuzt. Zunächst hieß die neue Rasse „Wolf-Hund“, später wurde sie in „Northern Inuit“ umbenannt. Ob es sich beim Northern Inuit und beim Tamaskan tatsächlich um ein und dieselbe Rasse handelt oder ob beide nur denselben Ursprung haben, ist allerdings bis heute strittig.

Nicht offiziell anerkannt

Um die durch Inzucht entstandenen gesundheitlichen Probleme zu bekämpfen und der neuen Rasse weitere positive Merkmale zu verleihen, wurden weitere Rassen wie der Saarloos Wolfhond und der Tschechoslowakische Wolfshund eingekreuzt. Auch ausgewählte Mischlinge, die dem Tamaskan ähnlich sehen, werden bei der Zucht eingesetzt.

Vom kynologischen Dachverband FCI ist der Tamaskan bislang nicht offiziell als eigenständige Rasse anerkannt.

Welche Rasse ist der Schattenwolf?

Serienfans kennen die finnische Rasse aus der ersten Staffel der Fantasy-Serie „Game of Thrones“, wo diese Tiere in die Rolle der Schattenwölfe schlüpften. Der Name „Tamaskan“ bedeutet übersetzt übrigens „starker Wolf“.

Tamaskan Hunde © Jakub Vít/Wirestock / stock.adobe.com
Der soziale Vierbeiner liebt Gesellschaft und sollte daher mindestens einen Artgenossen an seiner Seite haben.

Zucht und Anschaffung: Wo finde ich einen Tamaskan?

Der Tamaskan ist eine sehr seltene Rasse. Einen seriösen Züchter zu finden, kann daher schwierig sein. Wer auf der Suche nach einem Welpen ist, sollte sich an die Tamaskan-Gesellschaft wenden, die in verschiedenen europäischen Ländern vertreten ist.

Wegen der geringen Anzahl an Würfen kann die Wartezeit für einen Welpen zwei bis drei Jahre betragen. Die Preise für ein reinrassiges Tier liegen in der Regel zwischen 1.800 Euro und 2.500 Euro.

Nordische Rassen im Tierheim

Im Tierheim ist der Tamaskan aufgrund seiner geringen Verbreitung kaum zu finden. Dennoch lohnt sich ein Besuch bei den Tierschützern vor Ort.

Denn in vielen Tierheimen warten verschiedene nordische Rassen und Schlittenhund-Mixe auf ein neues Zuhause. Nicht selten wurden diese arbeitseifrigen Tiere unüberlegt angeschafft und schließlich wegen Überforderung abgegeben.

Fazit: Anspruchsvolle Rasse für erfahrene Halter

Der Tamaskan begeistert Hundefreunde durch sein wildes, wolfsähnliches Aussehen und sein freundliches Wesen. Er braucht erfahrene Halter, die mit seinem Bewegungsdrang und seinem leichten Dickkopf umzugehen wissen. Wer seinen Tamaskan konsequent erzieht und rassegerecht auspowert, hat einen Freund fürs Leben an seiner Seite.

Steckbrief zum Tamaskan

Besonderheiten: Der Tamaskan verbindet wildes, wolfsähnliches Aussehen mit den positiven Eigenschaften eines Haushunds.
Charakter: ausgeglichen, intelligent, loyal, eigensinnig
Widerristhöhe: 65-76 cm (Rüden) 60-70 cm (Hündinnen)
Gewicht: 30-50 kg (Rüden) 22-40 kg (Hündinnen)
Fell: kurz, gerade, rau, mit Unterwolle Schwarzgrau, Wolfsgrau, Rotgrau oder Silbergrau, mit charakteristischer Maske
Fellpflege: geringer Aufwand
Auslauf: braucht viel Beschäftigung und Bewegung
Anfängerhund: nein
Bellen: bellt viel
Lebenserwartung: bis 15 Jahre
Typische Krankheiten: Kryptorchismus, progressive Retinaatrophie, Morbus Addison, Epilepsie, Hüftdysplasie.
Preis: ca. 1.800-2.500 €
FCI-Gruppe: nicht anerkannt
Bewegungsbedarf: hoch
Herkunft: Finnland

Quellen:


Natalie Decker
Profilbild Natalie Decker (mit Pferd)

„Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos“, hat Loriot einmal gesagt. Dem würde ich uneingeschränkt zustimmen und ergänzen: „Ein Leben ohne Pferd, Katze und Kaninchen ebenfalls!“ Mein Herz schlägt für alle großen und kleinen Tiere und ich habe das große Glück, als freie Autorin über meine Leidenschaft schreiben zu dürfen. Mit meinen Artikeln möchte ich für den Tierschutz sensibilisieren und Tierfreund/innen nützliche Tipps geben.


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