Leckekzem beim Hund This article is verified by a vet

jack russell welpe hat Leckekzem

Ekzeme werden als entzündliche Veränderungen der Haut definiert. Somit handelt es sich bei einem Leckekzem beim Hund um eine Hautentzündung (Dermatitis), welche durch vermehrtes Lecken durch den Hund entsteht. Die Ursachen können vielfältig sein und allgemein kann jede Hunderasse und jedes Alter betroffen sein.

Ursachen

Bei einem Leckekzem beim Hund handelt es sich nicht um eine eigenständige Krankheit, sondern vielmehr um ein Symptom, welches durch andere Erkrankungen hervorgerufen wird. Führt ein Reiz oder eine Erkrankung zu vermehrtem Leckverhalten, verletzt der Hund durch die raue Oberfläche der Zunge die Haut. Da Hunde auf ihrer Körperoberfläche eine physiologische Hautflora tragen, welche ebenfalls auf der Oberfläche der Zunge existiert, wird diese während des Leckaktes in die Hautwunden übertragen.

Zum größten Teil besteht die Hautflora aus Umweltkeimen wie Staphylokokken (runde Bakterien) und Pilzen wie Malassezien. In begrenzter Menge führen sie zu keinen entzündlichen Reaktionen. Sie können sich jedoch in der Wunde stark vermehren oder dringen in tiefere Hautschichten ein, so kann es zu einer Hautentzündung kommen. Zu den häufigsten Ursachen gehören Allergische Reaktionen und Unverträglichkeiten, Schmerzen und Stress:

Allergische Reaktionen und Unverträglichkeiten

Allergische Reaktionen können rassebedingt sein oder durch Umwelteinflüsse hervorgerufen werden. Zu den häufigsten Auslösern gehört eine Flohspeichelallergie. Der Katzenfloh (Ctenocephalides felis) und der Hundefloh (lat.: Ctenocephalides canis) gehören zu den parasitär lebenden Insekten. Beide Arten befallen den Hund und ernähren sich von seinem Blut und anderen Zellbestandteilen. Ein Flohbefall kommt besonders in sommerlichen Monaten vor, wobei das Krankheitsgeschehen über mehrere Monate hinauslaufen kann.

Der Grund des vermehrten Leckverhaltens ist eine überschießende Reaktion des Immunsystems auf Anteile des Flohspeichels. Dabei reicht ein einziger Flohbiss aus, um starken Juckreiz auszulösen. Durch vermehrtes Lecken kommt es zur Infektion der Mikroverletzungen mit Bakterien, welche anschließend zu einer oberflächlichen Entzündung führt. Neben den parasitär bedingten Allergien stellen Futtermittelunverträglichkeiten und Futtermittelallergien ebenfalls einen sehr großen Anteil der Ursachen für Leckekzeme beim Hund dar.

Schmerzen

Schmerzen in den Gelenken durch beispielsweise Arthrose können den Hund dazu verleiten, an der betroffenen Stelle vermehrt zu lecken. Auch führen heilende Wunden nach operativen Eingriffen oder Verletzungen zu vermehrtem Juckreiz, was wiederum das Lecken des Hundes bestärkt.

Stress und psychogene Ursachen

Nicht selten wird vermehrter Juckreiz und Lecken als Anzeichen für starken Stress erkannt. Unter anderem können Auslöser von Stress ein Umzug, eine Reise oder ein Neuzugang im Zuhause sein. Daneben kann auch enorme Langeweile zu einem übermäßigem Leckverhalten führen.

Symptomatik

Die begleitende Symptomatik eines Leckekzems beim Hund ist abhängig von der vorausgehenden Grunderkrankung. Besonders häufig werden jedoch folgende Krankheitsanzeichen beobachtet:

  • Starker Juckreiz: Kratzen, Lecken und Knabbern an der betroffenen Hautstelle
  • Rötungen
  • Gegebenenfalls eitrige Blasen (Pusteln) durch bakterielle Sekundärinfektionen
  • Ausfallendes Haar (Alopezie)
  • Ständiges Aufflammen der Entzündungsreaktionen nach beginnender Heilung
  • tiefe Hautentzündungen mit Gefahr einer bakteriellen Blutvergiftung, Fieber und verschlechtertem Allgemeinbefinden
  • Bei Flohbefall: Typische Lokalisationen bei einer Flohspeichelallergie sind die Schwanzwurzel und Kruppe, der Rücken, Leistenbereich und die Oberschenkel.
Leckekzem beim Hund

Diagnostik

Ein Leckekzem beim Hund kann durch eine ausführliche Besitzerbefragung (Anamnese) anhand des vermehrten Leckverhaltens und der entzündlichen Hautareale schnell diagnostiziert werden. Welche Grunderkrankung hinter dem Leiden steckt, muss folgend durch weitere Anhaltspunkte, eine klinische Allgemeinuntersuchung sowie spezielle Untersuchung ermittelt werden. Damit die entzündlichen Sekundärinfektionen erfolgreich therapiert werden können, ist es wichtig zu erfahren, welche Keime zu der Hautentzündung geführt haben. Dafür werden mittels eines sterilen Tupfers Abstriche der Hautoberfläche gemacht.

Unter dem Mikroskop zeigen sich Staphylokokken als typische in Haufen liegende Kugeln, dahingegen haben Malassezien ein typisches erdnussartiges Aussehen. Ein Parameter von eitrigen Geschehnissen sind Neutrophile Granulozyten, eine Art Entzündungszelle des angeborenen Immunsystems. Sie haben die Aufgabe, Keime zu entdecken und zu zerstören. Um einen Flohbefall beweisen zu können, kann ein Flohkamm eingesetzt werden. Dafür fährt der Tierarzt mit einem Flohkamm durch die Fellareale, in welchen besonders häufig Flöhe nachgewiesen werden.

Anschließend entnimmt der Tierarzt die Haare, welche sich im Kamm festgesetzt haben. Reibt er diese auf einem befeuchteten Tuch aus, wird Flohkot als rötliche Farbveränderungen sichtbar. Ein negatives Ergebnis schließt einen vorhandenen Flohbefall jedoch nicht immer aus. Futtermittelallergien können anhand von bestimmten Blut- oder Hauttests (Serumtest, Patch Test, Intradermaltest) ermittelt werden. Hier ist jedoch zu beachten, dass diese Tests nicht jede Futtermittelallergie nachweisen können und einen hohen diagnostischen Aufwand verursachen. Deshalb wird in den meisten Fällen eine Eliminationsdiät durchgeführt. Hierfür wird der Hund mindestens 2 Monate lang mit bisher unbekanntem Futter gefüttert. Kommt es zu einer Verbesserung der Symptomatik, ist von einer Futtermittelallergie auszugehen.

Therapie

Um ein Leckekzem beim Hund erfolgreich zu behandeln, sind folgende therapeutische Maßnahmen empfehlenswert:

  • Wundhygiene
  • Entzündungshemmende Shampoos
  • Antibiotische Behandlung der Sekundärinfektionen: Vor jeder Antibiotikagabe sollte ein Resistenztest durchgeführt werden, um unnötige Resistenzbildungen zu vermeiden
  • Eventuelle Gabe von Glukokortikoiden (Kortison) in Form von Tabletten, Salben, Sprays oder Injektionen zur Unterdrückung von starkem Juckreiz und Vermeiden von weiterem Belecken durch den Hund
  • Anbringen eines Leckschutzes: zum Beispiel ein Halskragen oder Pfotenschuhe

Wichtig ist es jedoch, nicht nur das Symptom, sondern auch das Grundleiden zu behandeln. Je nach Ursache können weitere therapeutische Maßnahmen ratsam sein:

  • Flohbefall: Verabreichung spezifischer Medikamente (Entwicklungshemmer und Adultizide) sowie Begasung des Haushaltes zur Abtötung weiterer Flöhe und anderer Entwicklungsstadien
  • Allergien: Vermeidung von weiteren allergischen Reaktionen durch selektive Ernährung, Gabe von Antihistaminika (Antiallergika), Allergen-spezifische-Immuntherapie (Desensibilisierung) durch individuell dosierte Allergenverabreichung
  • Schmerzen: Schmerzmedikamente
  • Stress: Stressoren ergründen und wenn möglich beseitigen

Prognose

Die Prognose eines Leckekzems ist in der Regel gut, sofern die Grunderkrankung ermittelt und erfolgreich therapiert werden kann.

Vorbeugen von Leckekzemen

Leckekzeme beim Hund können durch Vermeidung der möglichen Ursachen verhindert werden.

Um einen Flohbefall zu vermeiden, ist eine ganzjährige Flohprophylaxe sehr empfehlenswert. Damit sich keine Futterunverträglichkeit entwickelt, sollten zu schnelle und häufige Futterwechsel vermieden werden. Gegen Stress hilft regemäßige Bewegung und mentale Auslastung des Hundes.

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