Haarausfall beim Hund This article is verified by a vet

Tierärztlich bestätigter Inhalt
Verfasst von Franziska Gütgemann, Tierärztin
haarausfall beim jack russell

Haarausfall beim Hund oder auch wissenschaftlich Alopezie genannt, ist ein krankhafter, massiver Ausfall von Haaren an üblicherweise behaarten Körperstellen. Alopezie muss streng von physiologischem Haarausfall unterschieden werden, welcher zum Beispiel beim Übertritt vom Welpenfell zum adulten Fell auftritt.

Haare wachsen nach bestimmten Zyklusphasen, welche in eine Wachstumsphase (anagen), eine Übergangsphase (katagen) sowie eine Ruhepause (telogen) eingeteilt werden. Diese unterschiedlichen Phasen werden von Wachstumshormonen, welche unter anderem in der Schilddrüse oder der Nebennierenrinde gebildet werden, reguliert. Dies ist der Grund dafür, dass hormonelle Erkrankungen zu Haarausfall führen können. Das Symptom kann aber auch die Folge vieler anderer Erkrankungen und Reize sein, weshalb eine Aufteilung der Ursachen in verschiedene Kategorien für das Verständnis sinnvoll ist.

Demnach kann in juckreizbedingte und nicht-juckreizbedingte Ursachen unterschieden werden:

Ursachen

Juckreizbedingte Ursachen

Juckreiz kann durch verschiedene Reize oder Erkrankungen hervorgerufen werden und führt in den meisten Fällen zu einer scheinbaren Alopezie, da durch das Kratzen und Jucken die Haare lediglich abbrechen, als vollständig auszufallen.

Darunter fallen allergische Reaktionen, Ektoparasiten und bakterielle sowie pilzbedingte Infektionen.

Auch können reibende Accessoires wie Halsbänder oder Geschirre zu vermehrtem Kratzen führen.

Mit zu den häufigsten Ursachen gehören Parasiten wie Ohrmilben, Flöhe oder Haarbalgmilben.

Eine bakterielle Infektion oder auch Pyodermie genannt, kann schnell durch Mikroverletzungen und nachfolgendes Kratzen und Lecken entstehen. Die häufigsten eitererregenden Bakterien stellen Staphylokokken und Streptokokken dar, während die häufigsten Pilze Malassezia sowie Dermatophyten sind.

Nicht-juckreizbedingte Ursachen

Diese Kategorie kann ein weiteres Mal in Nicht-entzündliche und entzündliche Ursachen unterteilt werden.

Zu den Nicht-Entzündlichen Ursachen zählen zum Beispiel funktionelle oder strukturelle Störungen der Haarwurzeln, welche auch durch verschiedene Erbkrankheiten hervorgerufen werden können. Ein Beispiel ist die sogenannte follikuläre Dysplasie, welche die gestörte Bildung des Haarbalges beschreibt. Häufig spielen aber auch hormonelle Erkrankungen wie ein Hyperadrenokortizismus (Cushing-Syndrom, Nebennierenüberfunktion) oder eine Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion) eine Rolle. Daneben können auch tumuröse Veränderungen wie ein Sertoli Zell Tumor zu vermehrtem Haarausfall führen.

Obwohl tiefe bakterielle Hautinfektionen (Pyodermie) und Pilzinfektionen zu Juckreiz führen können, können sie auch ohne Juckreiz ablaufen und einzig durch die Entzündung selber zu vermehrtem Haarausfall führen. Auch kann eine Demodikose, verursacht durch die Haarbalgmilbe, anfänglich ohne Juckreiz verlaufen.

Symptome

Je nach Ursache kann Haarausfall unterschiedlich ausgeprägt und an unterschiedlichen Körperstellen vorkommen. Gelegentlich zeigen die betroffenen Hunde starken Juckreiz, vermehrtes Lecken und Kratzen an den Hautarealen. Beidseits auftretende, symmetrische kahle Stellen an den Flanken, dem Hals oder dem Nasenrücken sind meist ein Zeichen für hormonelle Störungen. Eine  childdrüsenunterfunktion ist eine der häufigsten hormonellen Erkrankungen und wird oft begleitet von Schwäche, Gewichtszunahme sowie neurologischen und zusätzlichen dermatologischen Problemen. Eine Nebennierenüberfunktion (Hyperadrenokortizismus, Cushing-Syndrom) wird ebenfalls häufig bei älteren Hunden beobachtet und äußert sich neben Haarausfall durch Schwäche, vermehrtes Trinken und Wasserlassen sowie Fettleibigkeit. Sollten sich an den betroffenen Hautarealen Wunden mit eitrigem Sekret bilden, liegt der Verdacht nahe, dass Bakterien am Geschehnis beteiligt sind. Durch vermehrtes Kratzen und Lecken können in schwerwiegenderen Fällen auch Schmerzen, tiefe Hautinfektionen sowie Blutvergiftungen mit Fieber auftreten. Weiterhin sind Bewegungsunlust und Teilnahmslosigkeit möglich.

Uitslag waardoor haaruitval ontstaat

Diagnostik

Um das grundliegende Problem einer Alopezie herauszufinden, muss eine Ursachenforschung durch den Tierarzt durchgeführt werden. Es ist sehr wichtig, dem Tierarzt wichtige Informationen über Verhaltens- und Fressveränderungen sowie andere mögliche Anhaltspunkte zu berichten. Dieser kann dadurch eventuell bereits einschätzen, ob es sich um eine Hormonstörung oder Allergie handeln könnte. Eine Allergie kann per Allergietest durch Blut- oder Hauttests ermittelt werden.

Bei hormonellen Erkrankungen nutzt man spezielle Hormontests. So wird beispielswiese bei Verdacht auf einen Hyperadrenokortizismus ein ACTH-Stimulationstest durchgeführt.

Nach einem grundliegenden Gespräch betrachtet der Tierarzt die kahlen Stellen des Hundes genauer. Möglicherweise sind bereits Entzündungszeichen wie eine Schwellung und Rötung, oder sogar Ektoparasiten wie Flöhe zu erkennen. Auch sollte unterschieden werden, ob die Haare vollständig ausfallen oder ob sie lediglich stumpfer sind und dadurch vermehrt abbrechen. Ist die Ursache äußerlich nicht zu erkennen, können andere labordiagnostische Methoden durchgeführt werden. Beispielsweise kann durch ein Trichogramm der Haarzyklus beurteilt werden, indem einzelne Haare auf einem Objektträger unter dem Mikroskop auf bestimmte Charakteristika der Haaranatomie untersucht werden. Weiterhin kann eine Biopsie durch die Entnahme mehrerer Stücke Haut mit Haaren mittels Biopsiestanze veranlasst werden. So können nicht nur die Haare an sich, sondern auch die umliegenden Hautschichten auf mögliche Entzündungszellen und Erreger wie Bakterien und Parasiten untersucht werden.

Therapie

Die Therapie orientiert sich stark an der jeweiligen Ursache.

Während bei allergischen Reaktionen Kortison-Präparate eingesetzt werden können, erfolgt die Behandlung einer Schilddrüsenunterfunktion durch die lebenslange Verabreichung von Schilddrüsenhormonen. Eine Nebennierenüberfunktion kann durch die Gabe von Steroid-Präparaten kompensiert werden. Sollte es sich um eine bakterielle Infektion handeln, steht eine regelmäßige Wundhygiene mittels desinfizierender Lösungen und entzündungshemmender Shampoos im Mittelpunkt. Führt die Therapie zu keiner Besserung, sollte ein Resistenztest durchgeführt werden. Das Ergebnis erlaubt eine gezielte Gabe von wirkenden Antibiotika, um Antibiotikaresistenzen zu verhindern. Bei tumurösen Erkrankungen ist die Behandlung davon abhängig, um welche Zellart es sich handelt. Je nachdem kann eine Strahlentherapie, Chemotherapie oder Operation zum Erfolg führen.

Prognose

Wie die Therapie ist auch die Prognose eines Haarausfalles abhängig von der Ursache und dem Schweregrad. Ob der nächste Haarzyklus normal verlaufen kann, ist abhängig vom Ausmaß der Haarbalgschäden und dem Therapieerfolg von grundliegenden Erkrankungen.

Vorbeugen von Alopezie

Gegen juckreizbedingten Haarausfall können Halsbänder oder Spot Ons als Parasitenprophylaxe eingesetzt werden. Diese sind mit Pyrethroiden versetzt und verhindern neben Flohbissen auch einen Zecken- und Milbenbefall. Eine regelmäßige Fellpflege sorgt zusätzlich für eine gesunde Hautflora. Für tumuröse und hormonelle Erkrankungen gibt es kaum Möglichkeiten der Prophylaxe, in manchen Fällen kann jedoch das Risiko durch eine bewusste Ernährung und Bewegung gesenkt werden.

Unsere beliebtesten Beiträge

Coronavirus beim Hund

Viele Hundebesitzer bewegt gerade die Frage, ob sich Hunde mit dem Coronavirus (SARS-CoV-2) infizieren und das Virus übertragen können. Forscher schließen dies und somit auch den Ausbruch der Atemwegserkrankung Covid-19 nach aktuellem Stand aus!

Pankreatitis beim Hund

Eine Pankreatitis beim Hund (Entzündung der Bauchspeicheldrüse) ist eine entzündliche Erkrankung des Pankreas (Bauchspeicheldrüse), die akut oder chronisch verlaufen kann. Sowohl die akute als auch die chronische Form können sich durch einen milden oder einen schweren Verlauf äußern. Die milde Verlaufsform geht meist mit nur geringgradigen lokalen Störungen einher, während ein schwerer Verlauf starke Veränderungen an der Bauchspeicheldrüse und anderen Organen nach sich ziehen kann. Eine akute Entzündung des Pankreas verläuft meist schwer wohingegen eine chronische Pankreatitis häufig mild ist mit einer besseren Prognose. Die Bauchspeicheldrüse ist ein Organ, das Verdauungsenzyme produziert, speichert und freisetzt. Dies birgt allerdings auch die Gefahr, dass sich das Organ selbst verdaut, was eine schwere Entzündung nach sich ziehen kann, eine Pankreatitis.

Läufigkeit bei der Hündin

Auch wenn die Läufigkeit der Hündin ein ganz natürlicher Vorgang ist – das seltsame Verhalten der Hündin, der Ärger um Flecken auf dem neuen Teppich oder die Angst vor einer ungewollten Schwangerschaft bereitet vielen Hundebesitzern Sorge. Was Sie über die „heißen Tage“ Ihrer Hündin wissen sollten und wie Sie und Ihre Hündin die Zeit der Läufigkeit stressfrei überstehen, erfahren Sie hier.