Haarausfall beim Hund This article is verified by a vet

Haarausfall beim Jack Russell

Starker Haarausfall beim Hund.

Haarausfall beim Hund oder auch wissenschaftlich Alopezie genannt, ist ein krankhafter, massiver Ausfall von Haaren an üblicherweise behaarten Körperstellen. Alopezie muss streng von physiologischem Haarausfall unterschieden werden, welcher zum Beispiel beim Übergang vom Welpenfell zum adulten Fell auftritt.

Haare wachsen nach einem genauen Ablauf, welcher in eine Wachstumsphase (anagen), eine Übergangsphase (katagen) sowie eine Ruhepause (telogen) eingeteilt wird. Sie werden von Wachstumshormonen, die unter anderem in der Schilddrüse oder der Nebennierenrinde gebildet werden, reguliert. Dies ist der Grund dafür, dass hormonelle Erkrankungen zu Haarausfall führen können.

Das Symptom kann aber auch die Folge vieler anderer Erkrankungen und Reize sein, weshalb eine Aufteilung der Ursachen in verschiedene Kategorien für das Verständnis sinnvoll ist.

Demnach kann in juckreizbedingte und nicht-juckreizbedingte Ursachen unterschieden werden:

Ursachen

Juckreizbedingte Ursachen

Juckreiz kann durch verschiedene Reize oder Erkrankungen hervorgerufen werden und führt in den meisten Fällen zu einer scheinbaren Alopezie, da durch das Kratzen und Jucken die Haare lediglich abbrechen und nicht vollständig ausfallen.

Darunter fallen allergische Reaktionen, Ektoparasiten und bakterielle sowie pilzbedingte Infektionen.

Auch reibende Accessoires wie Halsbänder oder Geschirre können zu vermehrtem Kratzen führen.

Zu den häufigsten Ursachen gehören Parasiten wie Ohrmilben, Flöhe oder Haarbalgmilben.

Eine bakterielle Infektion oder auch Pyodermie genannt, kann schnell durch Mikroverletzungen und nachfolgendes Kratzen und Lecken entstehen. Die häufigsten eitererregenden Bakterien stellen Staphylokokken und Streptokokken dar, während die häufigsten Pilze Malassezia sowie Dermatophyten sind.

Nicht-juckreizbedingte Ursachen

Diese Kategorie kann ein weiteres Mal in nicht-entzündliche und entzündliche Ursachen unterteilt werden.

Zu den nicht-entzündlichen Ursachen zählen zum Beispiel funktionelle oder strukturelle Störungen der Haarwurzeln, welche auch durch verschiedene Erbkrankheiten hervorgerufen werden können. Ein Beispiel ist die sogenannte follikuläre Dysplasie, wobei es sich um eine gestörte Bildung des Haarbalges handelt.

Häufig spielen aber auch hormonelle Erkrankungen wie ein Hyperadrenokortizismus (Cushing-Syndrom, Nebennierenüberfunktion) oder eine Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion) eine Rolle. Daneben können auch tumoröse Veränderungen wie ein Sertoli-Zell-Tumor zu vermehrtem Haarausfall führen.

Obwohl tiefe bakterielle Hautinfektionen (Pyodermie) und Pilzinfektionen zu Juckreiz führen können, können sie auch ohne Juckreiz ablaufen und einzig durch die Entzündung selbst zu vermehrtem Haarausfall führen.

Weiterhin kann auch eine Demodikose, verursacht durch die Haarbalgmilbe, anfänglich ohne Juckreiz verlaufen.

Symptome

Je nach Ursache kann Haarausfall unterschiedlich ausgeprägt sein und an unterschiedlichen Körperstellen auftreten. Gelegentlich zeigen die betroffenen Hunde starken Juckreiz, vermehrtes Lecken und Kratzen an den Hautarealen.

Beidseits auftretende, symmetrische kahle Stellen an den Flanken, dem Hals oder dem Nasenrücken sind meist ein Zeichen für hormonelle Störungen. Eine Schilddrüsenunterfunktion ist eine der häufigsten hormonellen Erkrankungen und wird oft begleitet von Schwäche, Gewichtszunahme sowie neurologischen und zusätzlichen dermatologischen Problemen.

Eine Nebennierenüberfunktion (Hyperadrenokortizismus, Cushing-Syndrom) wird ebenfalls häufig bei älteren Hunden beobachtet und äußert sich neben Haarausfall durch Schwäche, vermehrtes Trinken und Wasserlassen sowie Fettleibigkeit.

Sollten sich an den betroffenen Hautarealen Wunden mit eitrigem Sekret bilden, liegt der Verdacht nahe, dass Bakterien am Geschehen beteiligt sind. Durch vermehrtes Kratzen und Lecken können in schwerwiegenderen Fällen auch Schmerzen, tiefe Hautinfektionen sowie Fieber auftreten. Weiterhin sind Bewegungsunlust und Teilnahmslosigkeit möglich.

Kahle Stelle am Hund
Kahle Stellen am Hundekörper.

Diagnostik

Um die zugrundeliegende Ursache einer Alopezie zu finden, muss durch den Tierarzt teilweise akribisch geforscht werden. Es ist sehr wichtig, dem Tierarzt wichtige Informationen über Verhaltens- und Fressveränderungen sowie andere mögliche Anhaltspunkte zu berichten. Dieser kann dadurch eventuell bereits einschätzen, ob es sich um eine Hormonstörung oder Allergie handeln könnte. Eine Allergie kann per Allergietest durch Blut- oder Hauttests ermittelt werden.

Bei hormonellen Erkrankungen nutzt man spezielle Hormontests. So wird beispielswiese bei Verdacht auf einen Hyperadrenokortizismus ein ACTH-Stimulationstest durchgeführt.

Nach einem gründlichen Gespräch betrachtet der Tierarzt die kahlen Stellen des Hundes genauer. Möglicherweise sind bereits Entzündungszeichen wie eine Schwellung und Rötung, oder sogar Ektoparasiten wie Flöhe zu erkennen. Es sollte auch unterschieden werden, ob die Haare vollständig ausfallen oder ob sie lediglich stumpfer sind und dadurch vermehrt abbrechen.

Ist die Ursache äußerlich nicht zu erkennen, können andere labordiagnostische Methoden durchgeführt werden. Beispielsweise kann durch ein Trichogramm der Haarzyklus beurteilt werden. Hierfür werden Haare auf einem Objektträger unter dem Mikroskop betrachtet und auf bestimmte Charakteristika der Haaranatomie untersucht.

Weiterhin kann eine Biopsie durch die Entnahme mehrerer Stücke Haut mit Haaren mittels Biopsiestanze veranlasst werden. So können nicht nur die Haare an sich, sondern auch die umliegenden Hautschichten auf mögliche Entzündungszellen und Erreger wie Bakterien und Parasiten untersucht werden.

Therapie

Die Therapie orientiert sich stark an der jeweiligen Ursache.

Während bei allergischen Reaktionen Kortison-Präparate eingesetzt werden können, erfolgt die Behandlung einer Schilddrüsenunterfunktion durch die lebenslange Verabreichung von Schilddrüsenhormonen. Eine Nebennierenüberfunktion kann durch die Gabe von Steroid-Präparaten kompensiert werden.

Sollte es sich um eine bakterielle Infektion handeln, steht eine regelmäßige Wundhygiene mittels desinfizierender Lösungen und entzündungshemmender Shampoos im Mittelpunkt. Führt die Therapie zu keiner Besserung, sollte ein Resistenztest durchgeführt werden. Das Ergebnis erlaubt eine gezielte Gabe von wirkenden Antibiotika, um Antibiotikaresistenzen zu verhindern.

Bei tumorösen Erkrankungen ist die Behandlung davon abhängig, um welche Art Tumor es sich handelt. Je nachdem kann eine Strahlentherapie, Chemotherapie oder Operation zum Erfolg führen.

Prognose

Wie die Therapie ist auch die Prognose eines Haarausfalles abhängig von der Ursache und dem Schweregrad. Ob der nächste Haarzyklus normal verlaufen kann, ist abhängig vom Ausmaß der Haarbalgschäden und dem Therapieerfolg zugrundliegender Erkrankungen.

Vorbeugen von Alopezie

Gegen Haarausfall aufgrund von Ektoparasitenbefall können Halsbänder oder Spot Ons als Prophylaxe eingesetzt werden. Diese sind mit Pyrethroiden versetzt und verhindern neben Flohbissen auch einen Zecken- und Milbenbefall.

Eine regelmäßige Fellpflege sorgt zusätzlich für eine gesunde Hautflora.

Für tumoröse und hormonelle Erkrankungen gibt es kaum Möglichkeiten der Prophylaxe, in manchen Fällen kann jedoch das Risiko durch eine bewusste Ernährung und Bewegung gesenkt werden.

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