Ohrmilben beim Hund (Otodectes cynotis) This article is verified by a vet

Verfasst von Amelie Krause, Tierärztin
ohrmilben Hund

Beschreibung und Entwicklung der Ohrmilbe

Der Parasit Otodectes cynotis gehört zur Familie der Psoroptidae und besiedelt die Gehörgänge von Fleischfressern (Carnivoren). Sie ist die häufigste Räudemilbe bei Fleischfressern.

Die Ohrmilbe Otodectes cynotis entwickelt sich in ca. 3 Wochen vom Ei über ein Larvenstadium sowie über zwei Nymphenstadien, der Proto- und Deutonymphe, zur erwachsenen Milbe. Die Entwicklung der Milben findet vollständig im äußeren Gehörgang des Hundes statt. Die Milben-Weibchen kleben ihre Eier an die Haut des Gehörgangs. Alle Entwicklungsstadien der Milbe ernähren sich von Gewebsflüssigkeit und Hautzellen des Hundes. Adulte Milben haben eine Lebensdauer von etwa 2 Monaten. Die Übertragung der Milben erfolgt durch direkten Kontakt zu befallenen Tieren, meist von infizierten Muttertieren auf ihre Welpen oder von Welpe zu Welpe. Selten werden Ohrmilben durch Ohrschmalz und Krusten, die aus dem Ohr herausgeschüttelt werden, übertragen. Erwachsene Tiere sind weniger häufig betroffen.

Otodectes cynotis kommt weltweit vor und ist nicht wirtsspezifisch, das heißt, sie kann auch von Tierart zu Tierart übertragen werden, zum Beispiel von Katzen auf Hunde. Besonders häufig tritt die Ohrmilbe dort auf, wo viele Tiere zusammen leben, wie zum Beispiel in Tierheimen, Zuchtbetrieben oder Bauernhöfen.

Symptome bei Ohrmilbenbefall

Durch die Nahrungsaufnahme, ihre Fortbewegung und das Anstechen der Haut verursachen die Ohrmilben Irritationen der Haut und entzündliche Reaktionen im Ohr des Hundes. Das Ergebnis daraus ist eine Ansammlung von Ohrschmalz, Entzündungssekret, Blutbestandteilen und Ausscheidungen der Milben im Gehörgang, die ein kaffeesatzähnliches braun-schwarzes und bröckeliges Aussehen hat. Typisch für den Befall mit Ohrmilben ist bei Hunden ein starker Juckreiz. Sie kratzen sich an den Ohren und schütteln permanent mit dem Kopf. Die innere Ohrmuschel kann stark gerötet und geschwollen sein, teilweise kommt es dort durch das Kratzen sogar zu Wunden. Der Juckreiz kann sich außerdem auch auf andere Teile des Kopfes wie zum Beispiel die Wangen ausbreiten. Meist, aber nicht zwingend, sind beide Ohren des Hunds von Ohrmilben betroffen. In selteneren Fällen kommen Otodectes cynotis auch an anderen Bereichen des Körpers, wie der Stirn und des Rückens, vor. Hier kann es zu einer Dermatitis, die Symptomen einer Allergie ähnelt, kommen.

Diagnose von Ohrmilben

Einen Hinweis auf Ohrmilben geben bereits die kaffeesatzähnlichen, dunkelbraunen bis schwarzen Krümel im Gehörgang des Hundes. Oft sind sich bewegende Milben bereits beim Hineinleuchten in den Gehörgang erkennbar. Für eine sichere Diagnose der Ohrmilben sollte jedoch ein Abstrich der bröckeligen Masse genommen werden. Unter dem Mikroskop sind dann Eier oder Milben sichtbar. Bei einer stark ausgeprägten Entzündungsreaktion, bei der sich Bakterien dazugesellt haben, sind die Parasiten manchmal nicht mehr nachweisbar.

Therapie von Ohrmilben

Aufgrund der hohen Ansteckungs- und Übertragungsgefahr ist die Behandlung des erkrankten Hundes sowie aller empfänglichen Tiere im Haushalt empfohlen. Für die Behandlung stehen verschiedene Milbentherapeutika, die beim Tierarzt erhältlich sind, zur Verfügung.  Auch der Einsatz von Nicht-Insektiziden im Ohr ist erfolgsversprechend, allerdings mit einer längeren Behandlungsdauer. Vor der Behandlung sollte in jedem Fall der Gehörgang genau untersucht werden und beurteilt werden, ob das Trommelfell intakt ist. Der Gehörgang sollte zudem von den kaffeesatzartigen Belägen mit geeigneten Mitteln befreit werden. Je nach Behandlungsform sollte die Therapie mehrfach wiederholt werden, damit alle Entwicklungsstadien der Milben abgetötet werden.

Vorbeugung

Einem Befall von Otodectes cynotis beim Hund kann durch eine Behandlung mit Medikamenten, die akarizide Wirkstoffe enthalten, vorgebeugt werden. Hier eignen sich vor allem Spot-on-Präparate und Medikamente in Tablettenform. Außerdem sollte der Kontakt zu infizierten Tieren vermieden werden.

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