Giardien beim Hund This article is verified by a vet

Verfasst von Amelie Krause, Tierärztin
giardien beim hund

Giardien sind einzellige Parasiten, die den Dünndarm von Hunden besiedeln und bei diesen zu Durchfall und Erbrechen führen können. Insbesondere bei Welpen und bei Hunden mit einem schwachen Immunsystem kann es zu Beschwerden kommen. Giardien von unterschiedlichen Genotypen treten weltweit bei Säugetieren, dem Mensch, Vögeln, Amphibien und Reptilien auf.

Beschreibung und Entwicklung

Die Giardiose der Haustiere und des Menschen wird durch Giardia duodenalis (oder auch G. intestinalis oder G. lamblia genannt) verursacht und kommt weltweit vor. Bei dieser Art sind einige Genotypen bekannt, manche treten nur bei bestimmten Wirten auf, manche bei mehreren Tierarten sowie dem Mensch. Bei Giardien handelt es sich um Protozoen, also einzellige Parasiten, mit homoxenem Lebenszyklus, das heißt die Entwicklung dieser Parasiten findet in einem Wirt statt. In ihrem Entwicklungszyklus treten Giardien als Zysten und Trophozoiten auf. Der Hund nimmt Zysten aus der Umwelt auf, über infizierten Kot, besiedeltes Wasser oder Nahrung, sowie durch den Kontakt zu erkrankten Hunden. Der Kot von infizierten Welpen ist besonders ansteckend, da dieser meist eine große Anzahl an Zysten enthält. Durch den Einfluss des Magen-pH-Werts und der Galle wird im Dünndarm aus der Zyste ein Trophozoit freigesetzt, der sich direkt teilt. Die Trophozoiten setzen sich ins Innere und an die Schleimhaut des Dünndarms, seltener des Dickdarms. Sie vermehren sich durch Längsteilung und bilden wieder Zysten. Diese Zysten werden mit dem Kot ausgeschieden und sind sofort für andere Tiere infektiös. Betroffene Hunde scheiden meist innerhalb weniger Tage eine große Menge Zysten aus, die Ausscheidung kann über Wochen und Monate andauern, dabei aber stark schwanken oder sogar zeitweise ausbleiben. Je nach Witterung und Bedingungen können die Zysten in der Umgebung eine Woche bis ca. drei Monate infektionsfähig bleiben. Vor allem bei feuchtem Klima überleben Zysten sehr lang. Besonders häufig kommen Giardien in Tierheimen, Zwingern und Hundezuchten vor, also überall wo viele Hunde zusammenleben.

Symptome bei Giardien

Insbesondere bei Welpen und Junghunden treten Symptome durch eine Infektion mit Giardien auf. Bei gesunden erwachsenen Tieren hat die Erkrankung häufig keine Auswirkungen und verläuft symptomlos. Die Giardien-Infektion äußert sich mit wechselnden Durchfällen von unterschiedlicher Intensität, oft mit Schleim- oder Blutbeimengungen. Erbrechen und mangelnder Appetit können ebenfalls auftreten. Bei Welpen kommen Giardien gerne in Gesellschaft mit anderen Darmparasiten wie zum Beispiel Kokzidien vor.

Diagnose

Haben Welpen Durchfall ist es immer sinnvoll eine Kotprobe beim Tierarzt untersuchen zu lassen. Genauso, wenn wiederholt Magen-Darm-Probleme beim erwachsenen Hund auftreten. Für die Kotuntersuchung sollte am besten an drei Tagen Kot gesammelt werden, damit auch andere Parasiten ausgeschlossen werden können. Giardien können mithilfe eines Schnelltests (ELISA) meist direkt in der Praxis oder im Labor ermittelt werden.

Therapie von Giardien

Für die Behandlung der Giardien stehen dem Tierarzt mehrere Medikamente zu Verfügung. Welche Wirkstoffe er anwendet hängt von jeweiligen Fall ab. Eventuell vorhandene andere Erkrankungen müssen für einen Behandlungserfolg ebenfalls therapiert werden. Zusätzlich sollte dem Hund eine hochverdauliche Diät gefüttert werden. Außerdem ist es wichtig Reinfektionen mithilfe von Hygienemaßnahmen zu vermeiden. Liegeplätze, Fress- und Trinknäpfe sollten desinfiziert werden bzw. mit heißem Wasser über 65 Grad Celsius gewaschen werden. Da es sich bei der Giardien-Infektion um eine Zoonose handelt und somit für den Mensch in seltenen Fällen ansteckend sein kann, ist vor allem für Kinder und kranke Menschen besondere Hygiene wichtig.

Wohnen mehrere Tiere mit dem infizierten Hund zusammen, sollten diese ebenso gegen Giardien behandelt werden.

Vorbeugung

Um das Wiederauftreten von Giardien-Infektionen zu verhindern, sollten einige Hygienemaßnahmen beachtet werden. Sammeln Sie den Kot des Hundes und entsorgen Sie ihn über die dafür vorgesehenen Stellen. Reinigen Sie alle Liegeplätze des Hundes, auch im Auto, seine Spielsachen, Kuscheltiere, Futter- und Trinknäpfe und so weiter. Für die Reinigung und Desinfektion von Flächen eignen sich Dampfstrahlgeräte, geeignete Mittel können Sie bei Ihrem Tierarzt bekommen.

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