30. August 2019 - Aktualisiert 04. September 2019

Blähungen beim Hund 

Tierärztlich bestätigter Inhalt
Verfasst von Franziska Gütgemann, Tierärztin
rote Hund Blähungen

Blähungen, oder auch Flatulenzen genannt, sind eine übermäßige Bildung von Gas im Magen-Darm-Trakt und das nachfolgende Entweichen dieser Gase aus dem Darm. Größenteils handelt es sich dabei um Methan, Schwefelwasserstoff oder Kohlendioxid. Es ist ein Symptom, welches sehr häufig bei allen Altersklassen sowie Hunderassen zu beobachten ist. Dabei ist es nicht nur für den Hund belastend, sondern es wird auch von uns Besitzern meist als störend empfunden.

Zwar können schwerwiegende Krankheiten und akute Vergiftungen zu Blähungen führen, jedoch liegt die Ursache meist an der Fütterung von schlechtverdaulichem Futter. Darunter fallen vor allem Hülsenfrüchte wie Erbsen und Bohnen, unreifes Obst und Futter mit einem erhöhten Zuckeranteil.

Auch kann die Aufnahme von unzerkautem Futter wie große Apfelstücke oder vollständige Pflaumen durch das Festsetzen im Darm und Gärungsprozesse zu einer massiven Gasbildung führen.

Ebenfalls besitzen Kohl und Zwiebeln eine starke blähende Wirkung, wobei letztere auf Grund der starken Toxizität nicht an Hunde verfüttert werden sollten.

Neben unverdaulichem Futter sind auch Futterunverträglichkeiten, etwa eine Milcheiweißallergie, Fruktoseintoleranz oder Laktoseintoleranz sowie eine Glutenunverträglichkeit Gründe für Blähungen beim Hund. Letzteres kommt vermehrt in Getreide vor, weshalb auch getreidereiches Futter zu Blähungen führen kann.

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Neben den fütterungsbedingten Ursachen kommen jedoch auch andere Krankheiten in Frage.

Darunter fallen beispielsweise Infektionen, hervorgerufen durch Darmparasiten wie Würmer und Giardien oder Bakterien und Viren. Des Weiteren führen chronische Darmkrankheiten wie das Reizdarmsyndrom, Maldigestionssyndrom oder die sogenannte Inflammatory Bowel Disease (IBD) neben allgemeinen Bauchbeschwerden auch zu vermehrter Gasbildung.

Ferner können strukturelle Veränderungen, wie zum Beispiel eine Brachyzephalie beim Mops oder der Französischen Bulldogge, ebenfalls durch das vermehrte Abschlucken von Luft während des Fressvorganges zu einer Anhäufung von Luft im Magen-Darm-Trakt führen.

Symptome

Je nach Ausmaß können neben den typischen Anzeichen wie Gasabweichen und Gestank auch Plätscher- und Blubbergeräusche im Bauch entstehen. Nach und nach können Druckbeschwerden, Schmerzen und eine daraus resultierende krümmende Haltung und Appetitlosigkeit auftreten.

Falls die Gase nicht genügend aus dem Darmtrakt entweichen können, kann ein gefährlicher Meteorismus, also eine starke Ansammlung von Gas im Magen-Darm-Trakt, entstehen. In diesem Notfall sollten Sie umgehend Ihren Tierarzt konsultieren, da die Luft beispielsweise zu einer gefährlichen Darm- oder Magendrehung führen kann.

Kennzeichnend dafür sind starke Koliken mit einer krampfartigen Symptomatik und sehr starken Schmerzen. Die sogenannte Gebetshaltung ist ein typisches Anzeichen dafür und sollte immer als Zeichen der Not erkannt werden.

Die folgende Beschreibung sollten Sie sich daher unbedingt merken:

  • Ihr Hund streckt die Vorderbeine weit nach vorne
  • Seine Hinterbeine stehen normal

Häufiges Auf- und Abgehen sowie Hinlegen sind weitere Anzeichen für starke Bauchbeschwerden.

Da Blähungen meist durch eine falsche Fütterung entstehen, können auch andere gastrointestinale Beschwerden wie Durchfall, Erbrechen und Gewichtsabnahme auftreten.

Hund hat Blähungen

Diagnose

Um den Blähungen ein Ende zu bereiten, ist eine Ursachenforschung zwingend notwendig.

Als Besitzer können Sie dem Tierarzt eine Auflistung der Futtergewohnheiten sowie andere wertvolle Anhaltspunkte geben. Sollten Sie nach einer langfristigen Futtermittelumstellung eine Futterunverträglichkeit oder eine Fehlfütterung ausschließen, kann ihr Tierarzt verschiedene spezielle Tests durchführen. Dazu gehören eine Kotuntersuchung auf Parasiten und Giardien, sowie weitere bakterielle Tests. Möglicherweise hilft ein Blutbild, chronisch entzündliche Darmkrankheiten ausfindig zu machen.

Sollte keiner dieser Tests ein hilfreiches Ergebnis bieten, kann der Tierarzt Ihren Hund auf strukturelle oder funktionelle Störungen untersuchen. Dazu gehört die adspektorische, also eine äußerliche Untersuchung, und zum Teil eine palpatorische, also abtastende Untersuchung der Maulhöhle, der Speiseröhre sowie des folgenden Magen-Darm-Traktes.

Therapie

Falls es nur gelegentlich zu Blähungen kommen sollte, ist dies noch nicht als krankhaft anzusehen.

Sollte sich das Problem jedoch häufen, sollten folgende Therapiemaßnahmen in Betracht gezogen werden:

  • Bei akuten Beschwerden können die Gase durch Bauchmassagen und viel Bewegung abgetrieben werden. Sollte es jedoch bereits zu einer Notsituation wie einer Magendrehung gekommen sein, ist nur noch eine operative Maßnahme förderlich.
  • Bei langfristiger Symptomatik hilft in den meisten Fällen eine gezielte Futtermittelumstellung, indem Sie Ihrem Hund mehrere Tage lang Schonkost geben. Als Schonkost eignet sich gekochtes Hühnchen mit ungewürztem Reis. Achten Sie darauf, die Mahlzeiten über den Tag zu verteilen, damit der bereits überforderte Magen-Darm-Trakt entlastet wird. Danach sollten Sie auf ein leicht verdauliches Futter umschwenken, welches einen besonders geringen Anteil an Getreide und Zuckern hat.

Sollte eine chronische Darmerkrankung ursächlich für die Blähungen sein, kann ein gezielter Medikamenteneinsatz die Symptomatik lindern.

Prognose bei Blähungen

Die Prognose ist wie in den meisten Fällen stark von der jeweiligen Ursache abhängig.

Handelt es sich um Futterunverträglichkeiten oder milde Infektionen, können diese durch eine gezielte Therapie meistens schnell behandelt werden.

Seltener können gravierende Krankheiten zu Blähungen führen, wobei diese meist weitere schwerwiegendere Symptome mit sich bringen.

Vorbeugen von Blähungen

Eine ausgewogene und gesunde Ernährung kann bereits Blähungen gezielt vorbeugen. Ein Blick auf das Zutatenverzeichnis gibt häufig Aufschluss über Inhaltsstoffe wie Gluten, Zucker, Milcheiweiße oder Getreide. Auch die Fütterungsmethode kann vorbeugend wirken. Zum Beispiel wird durch einen erhöhten Futternapf weniger Luft während des Futterns abgeschluckt. Sogenannte Näpfe mit Anti-Schling-Funktion als auch das Verteilen der Futterzeiten auf drei Mahlzeiten pro Tag entlasten zusätzlich den Magen-Darm-Trakt. Die Aufnahme von fremden Kot oder Abfällen besonders bei Spaziergängen sollte unterbunden werden, da dies zum einen zu vermehrter Gasbildung als auch zu einem Parasitenbefall führen kann. Aus diesem Grund sollten regelmäßig Kotuntersuchungen eingeleitet und bei Wurmbefall eine gezielte Wurmtherapie durchgeführt werden.

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