05. November 2018

Verstopfung (Konstipation) beim Hund 

Verfasst von Amelie Krause, Tierärztin
verstopfung beim hund

Bei einer Verstopfung, die medizinisch „Konstipation“ oder „Obstipation“ heißt, hat der Hund Probleme beim Kotabsatz. Er setzt seltener oder gar keinen Kot ab, da dieser im Dickdarmbereich angestaut ist. Dem Tierhalter fällt meist auf, dass der Hund versucht Kot abzusetzen, jedoch keinen Erfolg hat und oft Schmerzen dabei zeigt. Eine Verstopfung kann akut, das bedeutet nur kurzzeitig, oder chronisch, das heißt über einen längeren Zeitraum, auftreten. Die akute Verstopfung ist in den meisten Fällen weniger schlimm als eine chronische Verstopfung, sie ist einfacher zu behandeln und verursacht seltener Komplikationen. Im Gegensatz dazu sollte bei einer chronischen Konstipation frühzeitig eine Diagnose gestellt und eine Behandlung gestartet werden, um weitere Symptome und mögliche Folgen zu vermeiden.

Ursachen für eine Verstopfung

Die Ursachen für eine Verstopfung sind vielfältig. In jedem Fall kann der Futterbrei im Darm nicht weitertransportiert werden, er wird immer mehr eingedickt und bleibt im Darm stecken. Fütterungs- und Haltungsfehler gehören zu den häufigsten Gründen für eine Verstopfung beim Hund. Hierzu zählen:

  • Knochenfütterung
  • Zu geringe Flüssigkeitsaufnahme oder Flüssigkeitsverluste, beispielsweise bei fieberhaften Erkrankungen oder sehr ballaststoffreicher Ernährung
  • Aufnahme von Fremdkörpern
  • Reduzierte Bewegung, mangelnde Möglichkeit für Kotabsatz
  • Ballaststoffarme Fütterung

Außerdem können auch folgende Ursachen zu einer Verstopfung führen:

  • Schmerzen des Bewegungsapparats oder Entzündungen der Analbeutel
  • Frakturen im Beckenbereich
  • Tumoren oder andere Massen wie Lymphknoten oder Hämatome, die auf den Enddarm drücken sowie diverse Prostataerkrankungen
  • Einfluss von Medikamenten
  • Schwächung der Darmwand, z.B. durch Ausstülpungen
  • Stoffwechselerkrankungen wie eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) und neurologische Störungen des Dickdarms

Besonders häufig treten Verstopfungen bei schwachen oder alten Hunden auf. Gerade bei diesen Hunden sollte man frühzeitig einen Tierarzt aufsuchen um die Ursache herauszufinden und zu beheben.

Symptome

Meist zeigt sich eine Konstipation dadurch, dass der Hund wiederholt vergeblich versucht Kot abzusetzen. Manchmal gelingt es ihm lediglich, einige kleine harte Kotballen auszuscheiden. Dies ist häufig nur unter Schmerzen möglich, der Kot kann außerdem mit Blut oder Schleim vermengt sein. Der Hund kann außerdem sog. Pseudodurchfall ausscheiden, wenn sich Blut und Schleim durch das starke Pressen an den harten Kotballen vorbeischieben. Durch die Kotstauung im Dickdarm kann bei längerem Andauern eine Überstreckung und Überdehnung der Darmwand, ein sog. Megakolon, entstehen. Die Muskulatur des Darms wird hierdurch dauerhaft geschädigt und die Darmperistaltik ist erloschen. Diese Folge einer chronischen Verstopfung ist nicht reversibel und kann dauerhaft Probleme bereiten. Es können außerdem allgemeine Symptome wie Appetit- und Lustlosigkeit, Erbrechen und Blähungen auftreten.

Diagnose einer Verstopfung

Die Vermutung, dass eine Verstopfung vorliegt, kann der Tierarzt meist sehr einfach durch den Vorbericht des Tierhalters und eine klinische Untersuchung bestätigen. Die Diagnose der Ursache, vor allem bei länger andauernden oder immer wieder auftretenden Verstopfungen, kann sich jedoch schwieriger gestalten. Hierzu gehören anfangs eine ausführliche Anamnese-Erhebung, und neben einer klinischen Untersuchung auch Röntgenaufnahmen von Abdomen, Becken und der Wirbelsäule. Vor allem bei chronischen Konstipationen ist häufig die Darmwand durch Überdehnung so vorgeschädigt, dass man bei der rektalen Untersuchung sehr vorsichtig vorgehen muss. Hierbei besteht die Gefahr, dass die strapazierte Darmwand durch die Manipulation der Untersuchung reißt. Zusätzlich können zur Ursachensuche Ultraschalluntersuchungen notwendig sein. Um Stoffwechselerkrankungen oder Entzündungen festzustellen werden Blutuntersuchungen durchgeführt. Besteht der Verdacht auf einen Darmtumor oder einen Fremdkörper im Darm, kann außerdem eine Darmspiegelung durchgeführt werden. Bei der sog. Koloskopie wird der Darm mithilfe eines flexiblen Geräts mit Kamera von innen untersucht und gegebenenfalls Gewebeproben entnommen. In besonders schlimmen Fällen kann sogar eine Operation mit Eröffnung der Bauchhöhle notwendig sein.

Therapie einer Verstopfung

Für die Therapie einer Konstipation sollte die Ursache bekannt sein. Man muss zwischen den harmlosen, kurz andauernden und den schweren, immer wieder auftretenden oder länger bestehenden Fällen unterscheiden. Bei harmlosen Fällen kann eine kurzfristige Futteranpassung in Form von Laktulose, Milch, Flohsamenschalen mit viel Flüssigkeit ausreichend sein. Zusätzlich kann der Kot durch verschiedene Arten von Einläufen besser gleitfähig gemacht werden. Bei schwerwiegenderen Fällen wird der Hund vom Tierarzt zuerst durch Infusionen gut mit Flüssigkeit versorgt. Anschließend wird, falls notwendig in Narkose, der Kot mithilfe spezieller Klistiers und vorsichtiger Massage entfernt. Teilweise sind für die Entfernung des Kots auch Instrumente nötig, in besonders schweren Fällen muss der Hund sogar operiert werden. Für die weitere Therapie und die Vermeidung von Rückfällen ist natürlich eine Behandlung der Ursache unabdingbar.

Vorbeugen einer Verstopfung

Einer Verstopfung beim Hund lässt sich bei den meisten Hunden bereits durch eine ausgewogene Ernährung, die Ballaststoffe enthält, vorbeugen. Außerdem sollte man auch hier auf das Gewicht des Hundes achten, übergewichtige Hunde neigen mehr zu Verstopfung als normalgewichtige. Selbstverständlich sollten zudem die regelmäßige Bewegung und der Auslauf für den Hund sein, sowie immer ausreichend Wasser zum Trinken. Bei älteren Hunden mit Schmerzen im Bewegungsapparat kann man durch Schmerztherapie auch einer Konstipation vorbeugen. Hunde, die als „Staubsauger“ alles Auffindbare fressen, sollte man nicht nur wegen der Gefahr einer Verstopfung unbedingt davon abhalten. Der Kotabsatz sollte vom Tierhalter immer kontrolliert werden, damit er im Fall von Durchfall oder Verstopfung des Hundes sofort eingreifen kann.

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