06. Juni 2018 - Aktualisiert 11. Juni 2018

Hüftgelenksdysplasie beim Hund

Verfasst von Tierärztin Amelie Krause
hüftgelenkdysplasie Hund

Die Hüftgelenksdysplasie (HD) beim Hund ist eine genetisch bedingte Störung der Gelenkentwicklung. Äußere Einflüsse wie Umweltfaktoren, Haltung und Ernährung können zusätzlich eine negative Wirkung auf die Entwicklung der Gelenke haben.

Hüftgelenksdysplasie tritt vorwiegend bei mittelgroßen und großen Rassen auf, kleine Rassen sind seltener betroffen. Bei Rassen wie dem Golden und Labrador Retriever, Berner Sennenhund, Boxer, Rottweiler, Deutschen Schäferhund und Bernhardiner kommt sie häufig vor, selten bei Greyhounds oder Barsois. Hunde werden nicht mit einer Dysplasie der Hüfte geboren, sie haben jedoch die Veranlagung dazu. Die betroffenen Welpen entwickeln im Alter von etwa zwei Monaten eine „lockere“ Hüfte (Subluxation). Der Oberschenkelkopf sitzt nicht ausreichend fest in der Gelenkpfanne der Hüfte, sondern bewegt sich hin und her. Daraus folgende Veränderungen wie Arthrose an den Hüftgelenken entstehen ab einem Alter von vier Monaten. Viele Hunde mit einer milden Form der Hüftgelenksdysplasie zeigen häufig erst im Alter Symptome wie Lahmheit. Faktoren wie ein hohes Körpergewicht oder schnelles Wachstum können die HD verstärken, weshalb eine gesunde Fütterung mit moderatem Energie- und angepasstem Mineralstoffgehalt im Welpenalter so wichtig ist. Ein zu hoher Energiegehalt oder hohe Mineralstoffzufuhr wie beispielsweise Kalzium kann einen negativen Einfluss auf die Hüftgelenksdysplasie haben.

Symptome der Hüftgelenksdysplasie

Die Symptome einer Hüftgelenksdysplasie können je nach Alter des Hundes, Schweregrad der Erkrankung und Einschränkung der Hüftgelenksfunktion unterschiedlich schwer ausfallen. Bei jungen Hunden mit etwa vier bis acht Monaten können ein breitbeiniger watschelnder Gang und geringer Bewegungsdrang auffallen. Im weiteren Verlauf zeigen die Hunde Lahmheit, haben Probleme beim Aufstehen und werden unbeweglicher in den Hinterbeinen. Die Muskulatur an den Hinterbeinen nimmt ab, da die betroffenen Hunde die Hinterbeine schmerzbedingt schonen. Ebenso die das Hüftgelenk umgebenden Muskeln können durch Muskelkontrakturen schmerzhaft sein.

Diagnose der Hüftgelenksdysplasie

Eine Hüftgelenksdysplasie wird mit einer Röntgenuntersuchung diagnostiziert. Um eine Röntgenaufnahme der Hüfte optimal beurteilen zu können, muss die Hüftgelenksdysplasie-Aufnahme immer in Sedation in standardisierter Lagerung des Hundes erfolgen. Die Sedation des Hundes ist erforderlich, damit seine Muskulatur entspannt ist und er bei der Lagerung für die Aufnahme keine Schmerzen empfindet. Anhand der Röntgenbilder kann der Tierarzt die Schwere der Hüftdysplasie und der Veränderungen am Hüftgelenk beurteilen. Ein wesentliches Auswertungskriterium ist der „Norberg-Winkel“, der mit zwei Linien zwischen den Zentren beider Oberschenkelköpfe und vorderem Pfannenrand bestimmt wird. Bei einem Hund ohne HD sollte der Winkel mehr als 105 Grad betragen. Die folgenden Veränderungen sind zudem Zeichen einer Hüftgelenksdysplasie: Die Hüftgelenkpfanne oder der Oberschenkelkopf oder beides ist abgeflacht, so dass der optimale Sitz des Oberschenkelkopfs in der Hüftpfanne nicht gewährleistet ist. Außerdem sieht man häufig eine Fehlstellung des Oberschenkelhalses oder -kopfs. Oft sind bereits Anzeichen einer Arthrose wie Zubildungen an vorderem und hinteren Pfannenrand und am Übergang von Oberschenkelhals zu -kopf zu erkennen. Für die Auswahl von Zuchttieren sind gewisse Kriterien zur Anfertigung der Röntgenaufnahmen und deren Beurteilung erforderlich. Bei manchen Rassen, in einigen Ländern oder für Obergutachten ist zudem eine weitere Röntgenaufnahme mit gespreizten Oberschenkeln und angehobenen Sprunggelenken (sog. „Froschaufnahme“) gefordert, da so Veränderungen an Pfannenrand und Oberschenkelknochen besser zu sehen sind. Die Einteilung für Zuchttiere erfolgt nach Vorgaben der F.C.I. (Fédération Cynologique Internationale) in fünf Kategorien:

  • A = kein Hinweis für Hüftgelenksdysplasie
  • B = Grenzfall
  • C = leichte Hüftgelenksdysplasie
  • D = mittlere Hüftgelenksdysplasie
  • E = schwere Hüftgelenksdysplasie

Für die Behandlung des Hundes sind neben den Röntgenbildern auch die Ergebnisse der klinischen Untersuchung und die Symptome ausschlaggebend.

Therapie

Für die Behandlung der Hüftgelenksdysplasie stehen mehrere Möglichkeiten zur Verfügung, wobei keine zur Heilung führt. Die Therapieformen können Schmerz und Entzündung lindern, das Fortschreiten von Arthrose verzögern und die Gelenkmechanik und Bewegung verbessern. Welche Form der Behandlung gewählt wird, ist von vielen unterschiedlichen Faktoren wie Schwere der Symptome, Röntgenbefund, Rasse, Alter und Gewicht des Hundes sowie vom Tierhalter abhängig. Man unterscheidet zwischen einer konservativen und einer operativen Therapie bei Hüftgelenksdysplasie. Bei der konservativen Therapie stehen eine reduzierte Belastung und die Unterstützung der Gelenke im Vordergrund. Bei Übergewicht ist eine Gewichtsabnahme erforderlich, damit die Gelenke nicht zusätzlich durch ein zu hohes Körpergewicht belastet werden. Mithilfe von Nahrungsergänzungsmitteln wie Omega-3-Fettsäuren, Grünlippmuschel, Chondroitin und Glukosamin können die Gelenke unterstützt und die Symptome verbessert werden. Das Vermeiden von Überbelastung des Hundes durch kontrollierte Bewegung auf weichem Untergrund zur Schonung der Gelenke und Aufbau der Muskulatur beispielsweise durch Schwimmen ist anzuraten. Wogegen abrupte Bewegungen wie sie beim Spielen, Springen und Drehen entstehen, wegen der starken Belastung der Gelenkflächen, der Gelenkkapsel und des Gewebes um das Gelenk herum zu vermeiden sind.  Zusätzlich können physiotherapeutische Maßnahmen zur Verminderung von Schmerzen und Entzündungen sowie zum Lösen von Verspannungen der Muskulatur zum Einsatz kommen. Medikamentell werden häufig Entzündungshemmer und Schmerzmittel, teilweise in Kombination miteinander, angewandt. Für die chirurgische Therapie steht eine Reihe von Methoden zur Verfügung. Bei der Wahl der Methode muss zwischen jungen Hunden ohne Gelenkveränderungen und erwachsenen Hunden mit bereits bestehenden Veränderungen an den Gelenken unterschieden werden.

Prognose bei Hüftgelenksdysplasie

Die Prognose ist vom Schweregrad und den auftretenden Symptomen der Hüftdysplasie abhängig. Durch die Kombination der Behandlungsmöglichkeiten kann die Symptomatik bei vielen Hunden verbessert werden und eine möglichst lange beschwerdefreie oder -arme Zeit erreicht werden. Die Heilung der Hüftgelenksdysplasie ist nicht möglich, lediglich die Linderung der Symptome und das Verzögern von Veränderungen an den Gelenken.

Vorbeugen der Hüftgelenksdysplasie

Da die Hüftgelenksdysplasie genetisch bedingt ist, kann sie nur durch strenge züchterische Maßnahmen verhindert werden. Nur HD-freie Hunde sollten zur Zucht zugelassen werden. In gewissen Maßen kann allerdings der Hundehalter helfen einer schweren Hüftgelenksdysplasie vorzubeugen. Gerade bei großwüchsigen Rassen ist zu empfehlen die Welpen nicht zu stark zu belasten. Außerdem ist eine energiereiche Fütterung zu vermeiden, auf bedarfsgerechte Mineralstoff- und Vitamingehalte im Futter sollte geachtet werden.

Lesen Sie auch unsere Artikel über Hundefutter bei Gelenkproblemen.

Meistgelesene Beiträge

Erkältung beim Hund

Husten, Schnupfen, Heiserkeit. Vor einer Erkältung, vorzugsweise im Herbst oder Winter, ist selbst ein Hund nicht gefeit. Wie beim Mensch auch, kann vor allem zu diesen Jahreszeiten bei nasskaltem Wetter eine Erkältung beim Hund auftreten. Sogar die Symptome ähneln sich bei Hund und Mensch.

Juckreiz beim Hund

Jeder Hundebesitzer kennt es: der Hund kratzt sich dann und wann mal. Wenn man aber bemerkt, dass das Kratzen über ein normales Maß hinaus geht und der Hund sich zudem auch vermehrt leckt und putzt, sollte man dem Juckreiz dringend auf die Spur gehen. Juckreiz kann das Wohlbefinden des Hundes enorm einschränken und die Lebensqualität herabsetzen. Teilweise ist der Juckreiz so schlimm, dass sowohl Hund als auch Herrchen nicht mehr schlafen können.

Leishmaniose beim Hund

Die Leishmaniose ist eine durch Sandmücken übertragene Infektionskrankheit, die bei Hunden häufig tödlich verläuft. Erfahren Sie, wie Sie Ihren Vierbeiner schützen und wie Sie die Krankheit im Falle eines Ausbruchs erkennen und behandeln können.