Gelenkschmerzen beim Hund This article is verified by a vet

Tierärztlich bestätigter Inhalt
Verfasst von Franziska Gütgemann, Tierärztin
beagle mit gelenkschmerzen beim tierarzt

Allgemein können in jedem Gelenk Schmerzen beim Hund auftreten. Es gibt jedoch einige typische Lokalisationen, welche besonders häufig davon betroffen sind, etwa die Hüfte oder der Ellbogen.

Dabei kann die Ursache der Schmerzen sehr vielseitig sein. Zu den häufigsten schmerzauslösenden Erkrankungen zählen besonders Entzündungen der Gelenke (Arthritiden), Verletzungen (Traumata) sowie degenerative und erblich bedingte Gelenkerkrankungen wie die Arthrose. Generell kann jede Hunderasse Gelenkschmerzen zeigen, jedoch sind beispielsweise im Falle einer Arthrose typischerweise große Rassen wie der Deutsche Schäferhund davon betroffen.

Welche Ursachen für Gelenkschmerzen gibt es?

Arthrose

Eine der häufigsten Ursachen für Gelenkschmerzen beim Hund ist die Arthrose, welche auch als Osteoarthrose oder Gelenkverschleiß bezeichnet wird. Dabei handelt es sich um eine degenerative Erbkrankheit, bei welcher der Knorpel des Gelenks nach und nach geschädigt wird und diese Fehlbildungen irreversibel sind. Das bekannteste Beispiel hierfür ist die Hüftdysplasie, welche besonders häufig bei großen Rassen wie dem Deutschen Schäferhund auftritt.

Sie entsteht bereits im sehr jungen Alter und wird durch Faktoren wie die Genetik und Ernährung sowie die Haltung und Belastung beeinflusst:

  • Genetik: Leiden beide Elterntiere (oder nur ein Elternteil) an Arthrose, steigt das Risiko für den Welpen, ebenfalls an Arthrose zu erkranken
  • Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung ist nicht nur für die richtige Form wichtig, sondern übernimmt auch wichtige Funktionen im Wachstum des Bewegungsapparates. Nährstoffe wie Calcium und Phosphor können bei Unterversorgung oder Überversorgung sowie einem falschem Verhältnis zueinander zu schwerwiegenden Gelenkschädigungen und weiteren Entgleisungen im Körper führen.
  • Haltung und Belastung: Obwohl Bewegung für die Hundegesundheit enorm wichtig ist, kann eine Überbelastung zu einer extremen Druckausübung auf die Gelenke führen. Die Folge sind Knorpelschäden und Knochenzuwächse. Eine fehlende Bewegung ist jedoch keine Alternative, da auch Übergewicht und ständiges Liegen zu Gelenksschäden führen können

Gelenkentzündungen

Eine Gelenksentzündung (Arthritis) kann in erster Linie durch Infektionen hervorgerufen werden. Zu den häufigsten Erregern zählen beim Hund Bakterien wie Mykoplasmen, Borrelien oder Rickettsien. Nach dem Eindringen in die Blutbahn gelangen sie zu den Gelenken und führen dort zu einer lokalen Schädigung. Daneben können auch tumuröse Veränderungen, Verletzungen und Immunerkrankungen wie Rheuma entzündliche Reaktionen in den Gelenken hervorrufen.

Gelenkschmerzen beim Hund: Welche Symptome treten auf?

Die Ursachen von Gelenkschmerzen verursachen in der Regel keine einheitliche Klinik. Besonders häufig werden jedoch folgende Begleitsymptome beobachtet:

  • Schmerzen und daraus resultierende Bewegungsunlust: Ein typisches Bild der Arthrose (besonders bei der Hüftdysplasie) ist eine Schmerzhaftigkeit während des Aufstehens nach einer langen Ruhepause
  • Abnorme Bewegungen (z.B. Humpeln)
  • Bei Entzündungen: Fieber, Fressunlust und Gewichtsverlust, Verdickung der Gelenke und vermehrte Wärmebildung

Welche diagnostischen Maßnahmen sind möglich?

Der Besuch beim Tierarzt beginnt in der Regel mit einer ausführlichen Besitzerbefragung (Anamnese). Während des Gespräches erfragt der Tierarzt wichtige Hinweise, welche mögliche Differentialdiagnosen bereits eingrenzen können. Beispiele hierfür sind eventuelle Verletzungsvorgänge oder die Einstufung von Hüftdysplasie der Elterntiere.

Hat der Tierarzt alle wichtigen Fragen gestellt, erfolgt eine klinische Allgemeinuntersuchung. Das Ziel dieser Untersuchung ist es, den aktuellen Gesundheitsstatus anhand der Vitalparameter, etwa der rektalen Körperinnentemperatur, zu bestimmen.

golden retriever tierarzt gelenkschmerzen

Während der speziellen Untersuchung des Bewegungsapparates hat der Tierarzt verschiedene diagnostische Möglichkeiten. Einige Veränderungen der Gelenke und umgebenden Knochen können bereits von erfahrenen Ärzten palpatorisch, also mit Hilfe der Hände, abgetastet werden. Auch können verschiedene Funktionstest bereits manche Differentialdiagnosen ausschließen.

Zur Bestätigung der tatsächlichen Diagnose sind meistens jedoch bildgebende Verfahren wie das Röntgen, die Magnetresonanztomographie (MRT) oder Computertomographie (CT) notwendig.

Anhand von Verdickungen der Gelenkstrukturen, Krepitation (fühlbares Knirschen beim Aneinanderreiben von Knochen), Größe der Gelenkspalten wie auch das Vorkommen von Knochenzysten (gutartige tumorähnliche Strukturen) können Diagnosen getroffen werden und gegebenenfalls in Grade eingeteilt werden. Entzündungszellen wie Neutrophile Granulozyten können zusätzlich durch eine Blutabnahme oder Punktion des Gelenks entdeckt werden. Die Gelenksflüssigkeit (Synovia) erscheint normalerweise als klare, visköse Flüssigkeit. Liegt eine Entzündung vor, kann diese blutig oder eitrig, sowie stark verdickt erscheinen.

Wie können Gelenkschmerzen beim Hund behandelt werden? Welche Medikamente?

Um die primäre Schmerzsymptomatik des Hundes auszuschalten, sind folgende symptomatische Maßnahmen zu empfehlen:

  • Schmerzlindernde Medikamente
  • Massagen und Schonung der Gelenke

Anschließende spezielle therapeutische Maßnahmen variieren je nach Grunderkrankung und sollten nur nach strenger Indikation erfolgen:

  • Entzündungen: ggf. entzündungshemmende Medikamente, Antibiotika, kühle Wickel
  • Degenerative Gelenkerkrankungen (z.B. Arthrose): Physiotherapie, Entzündungshemmer, Goldakupunktur, ggf. chirurgische Maßnahmen

Wie ist die Prognose?

Die Prognose einer Gelenksentzündung beim Hund je nach Ausmaß und Ursache in der Regel recht günstig. Sind die Gelenkstrukturen allerdings zu stark geschädigt, dass eine normale Funktion ausgeschlossen werden kann, können chirurgische Maßnahmen wie eine Gelenkversteifung zu einer Besserung führen. Im Gegensatz dazu sind degenerative Erkrankungen wie die Arthrose als auch rheumatische Krankheiten nicht ursächlich behandelbar. Durch eine medikamentelle und eventuell operative Behandlung kann die Lebensqualität des Hundes jedoch gesteigert werden.

Wie können Gelenkschmerzen beim Hund verhindert werden?

Um Gelenkerkrankungen bei Hunden zu vermeiden, sind folgende prophylaktische Maßnahmen empfehlenswert:

  • Kontrollierte Zucht und Welpenkäufe: Zur Vermeidung von Erbkrankheiten (z.B. Hüftdysplasie) ist eine gesunde Hundezucht enorm wichtig. Züchter sollten daher alle ihre Zuchttiere frühzeitig von einem Tierarzt untersuchen lassen. Auch beim Welpenkauf sollte nicht auf eine vom Tierarzt ausgestellte Gesundheitsbescheinigung verzichtet werden.
  • Regelmäßige Bewegung: Neben einer Überbelastung durch zu häufige Trainingszeiten sollte auch eine unzureichende Bewegung vermieden werden
  • Ausgewogene Ernährung

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