Läufigkeit bei der Hündin

Läufigkeit bei der Hündin

Die Läufigkeit ist die Fruchtbarkeitsphase Ihrer unkastrierten Hündin. Wie häufig die Läufigkeit bei der Hündin auftritt und was Sie noch alles über die heiße Phase ihrer Hündin wissen sollten, erfahren Sie hier:  

Wieso graut es vielen Hundebesitzern vor der Läufigkeit? 

Für viele Hundebesitzer wird die Zeit der Läufigkeit ihrer Hündin zum Spießrutenlauf. Sie verbarrikadieren sich zu Hause und vermeiden lange Spaziergänge im Park. So möchten sie stressige Begegnungen mit unkastrierte Rüden vermeiden, die nur auf ihre heißen Hündinnen „lauern“.  

Gleichzeitig überziehen sie ihre Betten und Polstermöbel panisch mit alten Bettlaken, um unschöne Blutflecken zu vermeiden. Schließlich sind Möbel teuer und eine ungewollte Schwangerschaft können wohl die wenigsten Hundebesitzer gebrauchen.  

Doch entspannen Sie sich: Mit ein paar Tricks und Tipps können Sie die Phase problemlos überstehen und brauchen ungewollten Nachwuchs nicht zu fürchten. Dabei gilt wie so oft: Je besser Sie über den Vorgang der Läufigkeit und den damit verbundenen Veränderungen informiert sind, desto stressfreier werden Sie und Ihre Hündin diese Zeit erleben. 

Die häufigsten Fragen zur Läufigkeit bei der Hündin 

Die Läufigkeit (auch Hitze genannt) bezeichnet die fruchtbare Phase (Brunstphase) des Zyklus der Hündin. Die Hormone stellen sich um und der Körper sowie das Verhalten verändern sich. Dieser natürliche Vorgang tritt bei allen Hündinnen ein, die ihre Geschlechtsreife erreicht haben. 

Wann tritt die Läufigkeit das erste Mal ein? 

Wie beim Menschen sind der Eintritt in die Pubertät und der damit verbundene Beginn der Sexualreife auch bei Hündinnen sehr variabel. Entscheidend für den Zeitpunkt der ersten „Regel“ ist, dass die Hündin ausgewachsen ist und ihre vollständige Größe erreicht hat.  

Die erste Läufigkeit tritt bei großen Hunden in der Regel etwas später ein als bei kleinen Rassen. Große Hunderassen erreichen ihre erste Läufigkeit daher meist ab etwa zehn Monaten. Kleine Rassen hingegen können bereits ab sechs Monaten das erste Mal läufig sein. In seltenen Fällen erreichen Hunde daher auch erst nach mehr als 18 Monaten ihre erste Läufigkeit. 

Wie häufig ist eine Hündin läufig? 

Der Abstand zwischen zwei Läufigkeiten hängt ebenfalls von persönlichen Faktoren wie der Hunderasse ab. Kleine Hunde werden meist zweimal im Jahr läufig. Dahingegen kann es sein, dass große Hündinnen nur einmal im Jahr läufig sind.   

Wie lange blutet eine Hündin wenn sie läufig ist? 

Die Blutung hält maximal über die Dauer der Läufigkeit an – also etwa 18 Tage. Abhängig von der Konsistenz und Menge kann der Ausfluss jedoch unterschiedlich stark wirken. 

Wie verhält sich eine Hündin wenn sie läufig ist? 

Das Verhalten Ihrer Hündin schwankt innerhalb der Läufigkeit sehr. Anfangs ist sie Rüden noch sehr abweisend gegenüber. Im Laufe der Brunst sucht sie dann ihre Nähe und ist für den Deckakt bereit. Auch das Verhalten zu Hause kann sich ändern. So wirken manche Hündinnen auf ihre Besitzer ruhiger als sonst. Andere wiederum drehen umso mehr auf und gehorchen nicht wie gewohnt.  

Wie lange dauert die Läufigkeit? 

Die gesamte Läufigkeit (Proöstrus + Östrus) dauert etwa 18 Tage. 

Kommen Hunde in die Wechseljahre? 

Im Gegensatz zum Menschen kennen Hunde keine Menopause. Wechseljahre, in denen die Menstruation ausbleibt, gibt es bei diesen Vierbeinern nicht. Ihre intakte Hündin wird also bis an ihr Lebensende läufig. Allerdings kann es sein, dass das Läufigkeitsintervall im zunehmenden Alter zunimmt. 

Was sind Anzeichen für die fruchtbaren Tage der Hündin? 

Die fruchtbare Zeit, in der Ihre Hündin paarungsbereit ist, dauert in der Regel fünf bis sechs Tage. Doch da die Übergänge von Phase zu Phase fließend sind, können Sie die „heißen Tage“ nicht immer eindeutig bestimmen. Dennoch deuten einige Hinweise darauf, dass Ihre Hündin deckbereit sein könnte: 

  • die Blutfarbe verändert sich von dunkelrot zu einem hell-wässrigen Ausfluss 
  • Ihre Hündin hebt beim Kraulen des Rückens ihre Rute zur Seite und die Vulva erhebt sich nach oben (Duldungsreflex)

Diese Hinweise geben Ihnen nie eine hundertprozentige Sicherheit. Denn es gibt auch Hündinnen, die sich decken lassen, obwohl ihr Blut noch dunkelrot ist. Eine genaue Auskunft über die fruchtbaren Tage Ihrer Hündin kann Ihnen daher nur Ihr Tierarzt geben. So kann dieser den Zeitpunkt des Eisprungs bestimmen. 

Wann ist die Läufigkeit gestört? 

Bleibt die Läufigkeit Ihrer erwachsenen Hündin aus, kann dies die Folge verschiedener Ursachen sein. So kommen dafür eine Störung der Eierstockfunktion oder andere Erkrankungen (z.B. Schilddrüsenunterfunktion oder Nebennierenüberfunktion) infrage.  

Sie sollten in diesem Fall Ihre Hündin sicherheitshalber von Ihrem Tierarzt untersuchen lassen. Dasselbe gilt, wenn die Deckbereitschaft Ihrer Hündin länger als drei Wochen andauert oder die Läufigkeit deutlich verkürzt ist. 

Ist eine Läufigkeitshose in der Läufigkeit notwendig? 

Eine Läufigkeitshose entspricht einer Hundewindel, die Sie ihrer Hündin während der Läufigkeit anziehen können. Empfehlenswert ist dies, wenn Ihre Hundedame im Proöstrus stark blutet und sich rote Flecken in Ihrer Wohnung nicht vermeiden lassen. Aber Vorsicht: Ein Keuschheitsgürtel ist diese Windel nicht! Eine Schwangerschaft kann eine Läufigkeitshose nicht verhindern. 

Die vier Phasen der Läufigkeit 

Gleichwohl Intervall und Dauer der Läufigkeit (Dauer 18 Tage) recht unterschiedlich sind, verläuft die Brunstphase bei allen Hündinnen nach demselben Muster. Daher ist der Sexualzyklus der Hündin in vier Phasen unterteilt: 

  1. Proöstrus (Vorbrunst): Läufigkeit

Der Beginn des Proöstrus können Sie in der Regel recht genau feststellen, denn er geht mit deutlich sichtbaren Veränderungen bei Ihrer Hündin einher: Die Vulva Ihrer Hündin schwillt an und sondert blutigen Ausfluss ab. 

Äußerliche Merkmale:  

Die Menge des blutigen Ausflusses ist von Hund zu Hund verschieden. Während dieser bei der einen Hündin kaum auffällt, bluten andere Hündinnen sehr stark. Manche Besitzer müssen daher ihre Möbel vor roten Flecken schützen.  

Verhalten: 

Während der Vorbrunst können Sie zudem ein gesteigertes Interesse von Rüden erkennen. Diese wollen plötzlich nicht mehr von Ihrer Hündin ablassen. Auch wenn Ihre Hündin zu diesem Zeitpunkt noch nicht fruchtbar ist, sondert sie bereits einen sehr „verführerischen“ Geruch ab. Allerdings reagiert sie auf die Annäherungsversuche ihrer männlichen Verehrer noch zickig und abweisend. Sie bellt und weicht aus. Manchmal zeigt sie auch ihre Zähne, wenn ein Rüde zu aufdringlich wird. 

Dauer: etwa 9 Tage 

  1. Östrus (Brunst): Läufigkeit

Die Brunst trägt auch den Namen „Standhitze“. In dieser Zeit finden mehrere Eisprünge statt. Sollte es in diesen Tagen zu einem Deckungsakt kommen, ist die Wahrscheinlichkeit einer Befruchtung hoch. 

Äußerliche Merkmale:  

Die Vulva schwillt etwas ab. Auch der Scheidenausfluss verändert sich, wirkt wässriger und manchmal schleimiger.  

Verhalten: 

Während der Brunstphase (Duldungsphase) des Östrus legt Ihre Hündin ihr abweisendes Verhalten ab. Sie zeigt sich den Avancen der Rüden plötzlich aufgeschlossen und interessiert. Denn nun ist sie deckbereit und fruchtbar. Nähert sich in dieser Zeit ein Rüde, bleibt sie bereitwillig stehen und dreht ihre Rute zur Seite.  

Dauer: etwa 9 Tage 

  1. Metöstrus (Nachbrunst)

Der Metöstrus tritt nach der Läufigkeit (Proöstrus + Östrus) ein. Unabhängig davon, ob es zu einer Befruchtung kam oder nicht, produzieren die im Eierstock liegenden Gelbkörper das Hormon Progesteron. Dieses fördert die Einnistung und das Wachstum des Embryos in der Gebärmutter.  

Erst nach neun bis zwölf Wochen baut der Körper die Gelbkörper, die nach dem Eisprung an den Eierstöcken entstanden sind, wieder ab. Der damit sinkende Progesteron-Spiegel kurbelt wiederum die Bildung des Hormons Prolaktin an.  

Äußerliche Merkmale:  

Die typischen Läufigkeitssymptome (angeschwollene Vulva, wässriger Ausfluss) verschwinden nach und nach. Äußerlich können Sie bald kaum noch Anzeichen einer Läufigkeit erkennen. Doch im Inneren sorgen Hormone für allerlei Veränderungen im Körper der Hündin. 

Verhalten: 

Die Prolaktin-Ausschüttung regt die Milchproduktion Ihrer Hündin an. Bei manchen Hündinnen führt dies zu einer Scheinträchtigkeit. Ist Ihre Hündin scheinträchtig, ist sie meist anhänglicher und ruhiger als sonst. Zudem schwillt ihr Gesäuge an und gegebenenfalls beginnt sie mit dem Nestbau, obwohl keine Trächtigkeit vorliegt. 

Dauer: etwa 90 bis 120 Tage 

  1. Anöstrus (Ruhephase)

Nach den vielen Wochen der starken hormonellen Veränderungen pendeln sich die Sexualhormone Ihrer Hündin wieder auf den „Normalzustand“ ein. Das Progesteron bleibt konstant und der Östrogen-Spiegel weist nur noch leichte Schwankungen auf. Die Hündin weist in dieser Zeit keinerlei Anzeichen einer Läufigkeit vor und ist nicht fruchtbar. 

Dauer: etwa 60 bis 90 Tage 

Besonderheiten der ersten Läufigkeit 

Die erste Läufigkeit Ihrer Hündin hält sich oft nicht an den von der Natur vorgebenden festen Regeln.  

Stille Läufigkeit 

Nicht selten kommt es beim ersten Mal zu einer sogenannten „stillen Läufigkeit“. Hierbei können Sie trotz der hormonellen Umstellung in der Hitze keine äußeren Anzeichen erkennen. Problematisch wird es, wenn Sie als Hundebesitzer gar nicht mitbekommen, dass ihre Hündin zum ersten Mal läufig ist. Dann kann es schlimmstenfalls passieren, dass Ihre Hündin fehlgedeckt wird. Rassen wie American Staffordshire Terrier, Beagle oder Cocker Spaniel sind häufiger davon betroffen.  

Split-Östrus 

Auch der sogenannte „Split-Östrus“ ist bei jungen Hündinnen nicht ungewöhnlich. Dabei treten im Proöstrus zunächst typische Läufigkeitsanzeichen wie Ausfluss auf. Danach münden diese allerdings nicht in einer Brunstphase, sondern klingen zunächst wieder vollständig ab. Erst nach ein paar Tagen oder Wochen zeigt Ihre Hündin erneut Anzeichen der Vorbrunst, auf die dieses Mal ein Östrus folgt. 

So können Sie eine Schwangerschaft ohne Kastration verhindern 

Auch wenn Sie die Brunstphase Ihrer Hündin nicht auf den Tag benennen können – es gibt einige Zeichen, die darauf hindeuten, dass sie sich in ihrer heißen Phase befindet. Spätestens wenn die Blutung wässriger wird und Ihre Hündin bei den Annäherungsversuchen ihrer männlichen Verehrer stehen bleibt, ist Vorsicht geboten.  

In der Regel haben Sie in dieser Situation noch ein kleines Zeitfenster, die beiden Hunde vor der eigentlichen Begattung voneinander zu trennen. Denn die wenigsten Rüden fallen direkt über Ihre Hündin her, sondern beginnen mit einem Vorspiel. Folgendes können Sie in dieser Situation tun: 

  • geben Sie Ihrer Hündin das Kommando „Sitz“ oder „Platz“
  • stellen Sie sich hinter Ihre Hündin 
  • halten Sie den Rüden auf Abstand und warten Sie bis sein Besitzer ihn an die Leine nimmt 

Um solche Stresssituationen von vornherein zu vermeiden, sollten Sie während der Läufigkeit ein paar Punkte beachten: 

  • gehen Sie zu möglichst hundefreien Zeiten spazieren  
  • meiden Sie Grünflächen, wo viele Hunde (frei) herumlaufen 
  • lassen Sie Ihre Hündin während der Läufigkeit nur von der Leine, wenn sie Ihnen zuverlässig folgt 
  • leinen Sie sie sofort wieder an, sobald Ihnen ein anderer Hund begegnet 
  • versuchen Sie Ihre Hündin auf Spaziergängen mit intensiven Spielen abzulenken 
  • sorgen Sie auch zu Hause dafür, dass die liebestollen Rüden aus der Nachbarschaft nicht einfach auf Ihr Grundstück laufen können
  • halten Sie Haustüre und Gartentüre besser verschlossen 

Kastration: Was sind Vor- und Nachteile einer Kastration bei der Hündin? 

Um dem Stress der Läufigkeit aus dem Weg zu gehen, ergreifen viele Hundebesitzer die Möglichkeit einer Kastration. Anders als bei einer Sterilisation (bei der die Hündin keinen Nachwuchs bekommen kann, aber dennoch hormonelle Veränderungen durchläuft) verhindert die Kastration die Läufigkeit komplett. 

Bevor Sie sich für eine Kastration Ihrer Hündin entscheiden, sollten Sie die Vor- und Nachteile gegeneinander abwiegen. Bei der Entscheidungsfindung sollten Sie sich auch unbedingt von Ihrem Tierarzt beraten lassen. 

Mehr dazu im Beitrag: Kastration beim Hund 

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