06. November 2017 - Aktualisiert 30. März 2018

Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) beim Hund 

Verfasst von Amelie Krause, Tierärztin
Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) beim Hund

Eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) ist eine Stoffwechselstörung beim Hund, die durch nicht ausreichende Produktion von Schilddrüsenhormonen und dadurch verminderte Versorgung von Köperzellen hervorgerufen wird. Die Schilddrüse liegt in Lappenform rechts und links an der Luftröhre im Halsbereich. Sie produziert die Schilddrüsen-Hormone Thyroxin und Trijodthyronin, die eine zentrale Rolle im Kohlenhydrat-, Fett- und Eiweißstoffwechsel sowie im Wärmehaushalt spielen. Bei Mangel dieser Hormone kann es zu Auswirkungen auf fast alle Organsysteme des Körpers kommen.

Die Hypothyreose tritt bei mittelgroßen und großen Rassen wie Golden Retriever, Dobermann, Irischer Setter, Bobtail, Deutsche Dogge, Riesenschnauzer und Hovawart häufiger auf als bei anderen Rassen. Meist erkranken Hunde im mittleren Alter.

Ursachen für eine Hypothyreose

Mehrere Ursachen für eine Schilddrüsenunterfunktion sind bekannt. Eine der häufigsten ist eine Entzündung der Schilddrüse (lymphozytäre Thyreoiditis), bei der man vermutet, dass der Körper Antikörper gegen sein Schilddrüsengewebe bildet und es damit zerstört. Eine andere ist die Zurückbildung des Schilddrüsengewebes ohne ersichtlichen Grund (idiopathische Atrophie), die meist unbemerkt verläuft bis ein großer Teil des Gewebes nicht mehr funktionsfähig ist. Seltenere Ursachen sind eine Hypothyreose durch Tumoren der Schilddrüse, durch Jodmangel, durch Tumoren der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) oder eine angeborene Schilddrüsen-Unterfunktion. Bei der angeborenen Form sind die Welpen gegenüber Wurfgeschwistern in ihrer Entwicklung zurückgeblieben oder werden tot geboren. Von einer echten Hypothyreose muss das „euthyreot sick syndrom“ unterschieden werden. Hier führen andere Erkrankungen oder die Gabe von Medikamenten zu einer verminderten Produktion von Schilddrüsenhormonen.

Symptome einer Hypothyreose

Durch eine Schilddrüsenunterfunktion sind der gesamte Stoffwechsel und nahezu alle Organe betroffen. Daher sind die Symptome vielseitig und nicht spezifisch für eine Hypothyreose, sie kommen auch bei vielen anderen Krankheiten vor. Außerdem entwickelt sich die Erkrankung langsam, wodurch die Krankheitserscheinungen anfangs eher schwach ausgeprägt sind. Betroffene Hunde können träger als früher sein und an Gewicht und Umfang zunehmen. Manchmal sind sie kalten Temperaturen gegenüber empfindlich und legen sich gerne an warme Plätze. Häufig zeigen sich Hautsymptome wie schütteres Fell, vor allem am Rücken und am Schwanz. Trockene Haut, vermehrt Schuppen, eine Neigung zu Hautinfektionen mit Hefepilzen und Bakterien sowie Ohrentzündungen werden oft gesehen. Die Haut kann verdickt sein, was sich im Bereich des Kopfes als „trauriger Gesichtsausdruck“ (Myxödem) darstellen kann. Da sowohl das zentrale als auch das periphere Nervensystem betroffen sein kann, treten Symptome wie eine allgemeine Schwäche, unkoordiniertes Laufen, Lähmungen, Reflexausfälle sowie Gesichtsnervenausfälle auf. Zudem kann die Fortpflanzung der Hunde betroffen sein, bei der Hündin äußert sich dies beispielsweise mit unregelmäßigen Läufigkeiten, beim Rüden mit dem Rückgang des Sexualtriebs. Auch die Pumpleistung des Herzens kann zurückgehen, sowie die Frequenz des Herzschlags.

Diagnose einer Hypothyreose

Anhand der Symptome lässt sich schwerlich eine Unterfunktion der Schilddrüse diagnostizieren. Allerdings können verschiedene Beschwerden in Kombination mit Rasse und Alter bereits einen Verdacht hervorrufen. Durch eine Blutuntersuchung mit Bestimmung der Schilddrüsenwerte (T4, fT4, TSH) sowie anderer Blutparameter kann oft der Verdacht bestätigt werden. Sollte nur der T4-Wert erniedrigt sein, könnte auch eine andere Erkrankung zugrunde liegen (euthyreot sick syndrom). In diesem Fall sind weitere Untersuchungen notwendig. Als „Goldstandard“ in der Diagnostik gilt der TSH-Stimulationstest, bei dem die funktionelle Reserve der Schilddrüse getestet wird. Da dieser Test sehr teuer ist, wird er nur sehr selten durchgeführt. Einen weiteren Anhaltspunkt kann die Messung von Antikörpern gegen Thyroglobulin (ATA) geben, falls die anderen Tests mehrdeutig sind. Außerdem ist auch die Beurteilung der Schilddrüse im Ultraschall möglich, diese Untersuchung muss jedoch von Spezialisten mit viel Erfahrung im Bereich Schilddrüse durchgeführt werden. Sollten widersprüchliche Testergebnisse und trotzdem ein starker Verdacht auf eine Hypothyreose vorliegen, ist es auch möglich eine sogenannte diagnostische Therapie zu machen. In diesem Fall erfolgt eine Therapie mit Thyroxin über mehrere Wochen. Bei Verbesserung der Symptome wird die Therapie vorübergehend wieder abgesetzt. Treten nach Absetzen die Symptome erneut auf, ist dies mit dem Vorliegen einer Schilddrüsenunterfunktion vereinbar.

Therapie einer Hypothyreose

Um eine Unterfunktion der Schilddrüse beim Hund zu behandeln, verabreicht man das fehlende Schilddrüsenhormon (L-Thyroxin) in synthetischer Form als Tablette oder Saft. Diese Therapie muss lebenslang erfolgen. Ziel ist es sowohl eine Rückbildung der Symptome als auch eine normale Schilddrüsenhormon-Konzentration im Körper zu erreichen. Die Dosis des Medikaments ist auf jeden Hund individuell angepasst, daher sollten die Schilddrüsenwerte regelmäßig kontrolliert werden. In der Regel beginnen sich die Symptome beim Hund in etwa zwei Wochen nach Start der Behandlung zu verbessern.

Vorbeugung einer Hypothyreose

Den häufigsten Ursachen einer Schilddrüsenunterfunktion des Hundes, nämlich der lymphozytären Thyreoiditis und der idiopathischen Atrophie, lässt sich nicht vorbeugen. Im seltenen Fall eines Jodmangels lässt sich durch Fütterung einer ausgewogenen und bedarfsgerechten Ernährung die Krankheit verhindern.

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