Addison-Krankheit beim Hund This article is verified by a vet

Addison-Krankheit beim Hund

Unter einem Morbus Addison oder auch Hypoadrenokortizismus versteht man eine Unterfunktion der Nebennieren. Diese sind kleine Drüsen, welche den vorderen Nierenpolen aufliegen. Sie sind in einen Rinden- und Markbereich aufgeteilt und haben die Aufgabe, lebenswichtige Hormone zu produzieren und diese in die Blutbahn auszuschütten.

Zum einen handelt es sich um Cortisol, ein natürliches Kortison. Das Hormon gehört zu den Glukokortikoiden und reguliert wichtige Stoffwechselprozesse in Stresssituationen. Deshalb besitzt es den beiläufigen Namen „Stresshormon“.

Neben dem Cortisol bilden die Nebennieren aber auch Aldosteron, ein Mineral-Glukokortikoid. Als Dursthormon bezeichnet, reguliert es den Wasser- und Mineralstoffhaushalt im Körper. Fehlt dieses, kommt zu einem Abfall der Natriumkonzentration, wohingegen der Kaliumspiegel im Blut ansteigt.

Ein Morbus Addison beim Hund kommt im Gegensatz zu einer Überfunktion der Nebennieren (Hyperadrenokortizismus oder Morbus Cushing) sehr selten vor. Am häufigsten wird die hormonelle Erkrankung bei Hündinnen großer Rassen, besonders im jungen bis mittleren Alter beobachtet. Sie kann aber auch bei anderen Rassen zu jedem Zeitpunkt auftreten.

Addison-Krankheit beim Hund Ursachen

Die Ursachen eines Morbus Addison beim Hund sind sehr vielfältig und noch nicht vollständig ergründet. Einfachheitshalber werden die Krankheitsauslöser in einen primären und sekundären Morbus Addison gegliedert:

  1. Primärer Morbus Addison = von der Nebenniere ausgehend

Die Mehrzahl der betroffenen Hunde erkranken an einem primären Morbus Addison, hervorgerufen durch die Zerstörung des Nebennierengewebes. Am häufigsten treten die Schäden an der Nebennierenrinde auf, in welcher die Aldosteron- und Cortisolproduktion abläuft. Durch die fehlenden funktionstüchtigen Zellen werden vermindert Hormone produziert, wodurch der Hormonspiegel von Cortisol und Aldosteron im Blut gesenkt wird. Kommt es zu einer Verschiebung der Elektrolyte durch fehlendes Aldosteron, wird auch von einem typischen Morbus Addison gesprochen. Kommt es nur zu einer fehlenden Cortisolbildung, wird dies als atypisch bezeichnet. Schäden des Drüsengewebes können durch folgende Ursachen entstehen:

  • Vererbung: Es ist möglich, dass bestimmte große Rassen wie die Deutsche Dogge, Leonberger oder Großpudel ein höheres Risiko haben, an Morbus Addison zu erkranken
  • Autoimmunerkrankungen: Der Körper bildet Immunzellen, welche die körpereigenen Zellen angreift. So können Schäden an unterschiedlichsten Organen, wie den Nebennieren auftreten
  • Erworben: Erkrankungen wie Infektionen oder Tumore sowie eine übermäßige Gabe von Medikamenten wie Glukokortikoiden (Kortison) können sich negativ auf das Gewebe der Nebennieren auswirken. Letzteres entsteht bei plötzlichem Weglassen der Medikation, indem der Körper nicht schnell genug Cortisol bilden kann. Diese Sonderform wird in medizinischen Fachkreisen auch als iatrogener Morbus Addison benannt. In wenigen Fällen kann sogar eine Nebennierenüberfunktion (Morbus Cushing) bei Totalversagen in einem Morbus Addison enden.
  1. Sekundärer Morbus Addison = von der Hypophyse ausgehend

Von einem sekundären Morbus Addison wird gesprochen, wenn eine Störung der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) oder des Hypothalamus, einem wichtigen Teil des Zwischenhirns, vorliegt. Sie sind die übergeordneten Steuerzentren der Nebennieren und regulieren deren Hormonaktivität über das Adrenocorticotrope Hormon (ACTH) und Corticotropes Releasing Hormon (CRH). Wird kein ACTH ausgeschüttet oder wird CRH zu stark gebildet, bleibt die Cortisolbildung aus.

Symptome

Je nachdem, ob nur Cortisol oder auch Aldosteron fehlt, können unterschiedliche Krankheitsbilder auftreten. Da Aldosteron zu der Verschiebung von Natrium und Kalium führt, geht diese Form mit stärkeren Symptomen einher. Einige der häufigsten Anzeichen sind in der nachfolgenden Liste erfasst:

  • Allgemeine Symptome: Schwäche, schlechtes Allgemeinbefinden, depressives Verhalten
  • Magen-Darm-Beschwerden: starker Durchfall (ggf. mit Blutbeimengungen), Erbrechen, Appetitlosigkeit, Abmagerung
  • Vermehrtes Trink- und Harnabsatzverhalten (Polyurie und Polydipsie)
  • Muskelzittern bis hin zu Krämpfe
  • Addison Krise (schockähnlicher Zustand): Herz-Kreislauf-Versagen, Unterkühlung, Schwäche, niedriger Blutdruck, Lebensgefahr durch einen plötzlichen Anstieg von Kalium (Hyperkaliämie)

Diagnostik

Ein Morbus Addison beim Hund wird wegen seines seltenen Vorkommens und Variabilität der Symptome häufig nicht oder fehldiagnostiziert. Zeigt der Hund jedoch häufig starken Durchfall und andere Krankheitsanzeichen, kann ein Tierarzt verschiedene diagnostische Maßnahmen durchführen. Das Besitzergespräch (Anamnese) dient in erster Linie dazu, wichtige Anhaltspunkte wie Verhaltens- und Gesundheitsänderungen festzustellen. Nach einer gründlichen Allgemeinuntersuchung folgt eine spezielle Untersuchung. Mittels einer Blutuntersuchung und Blutdruckmessung lassen sich bereits wichtige Parameter wie Elektrolytverschiebungen ermitteln. Zusätzlich kann eine Urinuntersuchung den Verdacht erhärten, indem die Dichte des Harns (spezifisches Gewicht) erniedrigt ist.

Bildgebende Verfahren wie das Röntgen oder der Ultraschall können durch das Anzeigen schmaler Gefäße und verkleinerter Nebennieren ebenfalls Hinweise auf die Erkrankung geben. Um die Diagnose letztendlich bestätigen zu können, kann ein ACTH-Stimulationstest durchgeführt werden. Dafür wird dem Hund Blut abgenommen, um den basalen Cortisol-Spiegel zu ermitteln. Danach folgen die Gabe von ACTH und eine erneute Blutabnahme nach etwa einer Stunde. Der Endwert lässt schlussendlich erkennen, ob die ACTH-Gabe zu einer Änderung des Cortisolspiegels im Blut führt. Bei gesunden Hunden sollte es zu einem Anstieg des Cortisolgehalts kommen, währenddessen zeigen erkrankte Tiere einen unveränderten Cortisolspiegel.

Therapie

Die Therapie eines Morbus Addison beim Hund lässt sich in eine Langzeittherapie und in die Behandlung einer Addison Krise unterteilen:

Langzeittherapie:

  • Gabe von Glukokortikoiden: Prednisolon
  • Gabe von Mineralkortikoiden: Fludrokortison

Addison Krise:

  • Infusionen als Flüssigkeitstherapie zur Stabilisierung des Kreislaufes
  • Gabe von Kristalloiden (z.B. Natrium)
  • Durchführen eines ACTH-Tests
  • Mehrfache Gabe von Glukokortikoiden: z.B. Methylprednisolon oder Dexamethason
  • Behandlung des Kaliumüberschusses (Hyperkaliämie) durch Gabe von Kalzium-Gluconat

Da es sich um einen lebensgefährlichen Zustand handelt, sollte der Therapieerfolg über mehrere Stunden hinweg tierärztlich kontrolliert werden, um bei Verschlechterung schnell eingreifen zu können.

Prognose

Die Prognose ist stark abhängig von der Ursache und dem Grad der Erkrankung. Wird ein langsam verlaufender Morbus Addison früh erkannt, kann eine Langzeittherapie ein normales Leben ermöglichen. Dahingegen kann eine akute Addison Krise bei falscher oder fehlender Behandlung lebensgefährlich enden.

Vorbeugen

Die Erkrankung selbst kann nicht abgewandt werden. Sollte der Hund jedoch ein ähnliches Krankheitsbild zeigen, kann eine frühe Diagnose eine lebensgefährliche Addison Krise verhindern. Steht die Diagnose also fest, so sollten Stresssituationen wie große Reisen, Sport und Hundeausstellungen vermieden werden.

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