Scheinschwangerschaft bei der Hündin

Hündin mit angebildetem Gesäuge

Auch bei der Scheinträchtigkeit schwillt das Gesäuge der Hündin an.

Ihre Hündin verhält sich so, als wäre sie trächtig oder hätte Welpen, obwohl dies nicht der Fall ist? Eine Scheinschwangerschaft bei Ihrer Hündin könnte die Ursache sein. Aber woran erkennt man, dass die Hündin scheinträchtig ist? Und wie kann man ihr am besten helfen?

Symptome: Anzeichen einer Scheinschwangerschaft bei der Hündin

Eine Scheinschwangerschaft (Lactatio falsa) bei der Hündin ist teilweise mit sehr unterschiedlichen Symptomen gekoppelt. Sie treten ca. drei bis zwölf Wochen nach der Läufigkeit auf und können mehrere Wochen andauern. Manche Hündinnen haben keine Anzeichen für eine Scheinträchtigkeit, einige sind etwas schlapper als normal.

Viele Hündinnen reagieren ausschließlich mit einer Anbildung des Gesäuges bis hin zur Milchproduktion. Bei manchen Hündinnen jedoch hat die Scheinträchtigkeit zudem Auswirkungen auf das Verhalten: sie bauen Nester und sind sehr anhänglich. Spielzeug oder andere Gegenstände wie Hausschuhe erkennt die Hündin als Welpe verschleppt diese, meist auf den Schlafplatz. Außerdem verteidigt die Hündin ihre Welpen, zum Teil sogar mit aggressivem Verhalten dem Besitzern gegenüber. Andere Hündinnen sind eher depressiv und lustlos, auch der Appetit ist oft reduziert.

Diagnose: Wie lässt sich die Scheinträchtigkeit bei der Hündin diagnostizieren?

Der zeitliche Zusammenhang zur Läufigkeit, die typische Symptomatik, der Bericht der Besitzer und die klinische Untersuchung beim Tierarzt geben Anhaltspunkte für eine Scheinschwangerschaft bei der Hündin. Meist ist das Gesäuge der Hündin angeschwollen, sogar die Absonderung von Milch ist möglich.

Der Tierarzt kann außerdem durch eine Ultraschall- oder Röntgenuntersuchung feststellen, ob nicht doch eine echte Trächtigkeit vorhanden ist. Eine weitere Möglichkeit ist die Bestimmung von Relaxin im Blut der Hündin. Bei einer tatsächlichen Trächtigkeit ist Relaxin circa ab dem 21. Tag im Blut nachweisbar. Ist die Hündin scheinträchtig ist kein Relaxin im Blut zu finden.

Hündin mit Kuscheltier
Scheinträchtige Hündinnen behandeln Kuscheltiere oft wie Welpen.

Therapie: Wie lässt sich die Scheinschwangerschaft der Hündin behandeln?

Je nach Ausprägung der Scheinschwangerschaft der Hündin ist eine Behandlung erforderlich oder auch nicht. Ein Besuch beim Tierarzt ist meist nur in schwerwiegenderen Fällen notwendig. Bei geringgradigen Veränderungen des Verhaltens reicht es meist, Ihre scheinträchtige Hündin gut abzulenken. Sie sollten die Spielsachen und die verschleppten Gegenstände wegräumen und häufiger mit der Hündin spazieren gehen.

Lassen Sie Ihre Hündin nicht an ihrem angeschwollenen Gesäuge lecken, da dies die Milchproduktion anregt. Können Sie sie nicht durch Ablenkung davon abhalten, hat sich das Tragen eines T-Shirts oder eines Halskragens schon oft bewährt. Auch Sie selbst sollten nicht versuchen das Gesäuge mit kühlenden Salben, Ausmelken oder mit kalten Umschlägen selbst zu behandeln. Auch diese Maßnahmen regen die Sekretion von Milch nur zusätzlich an.

Bei einer ausgeprägteren Form der Scheinträchtigkeit mit starken Veränderungen des Verhaltens wie z.B. Aggressivität oder bei sehr angeschwollenem Gesäuge, das die Hündin beeinträchtigt, ist hingegen eine Behandlung notwendig. Hierbei setzt der Tierarzt Medikamente ein, die die Produktion von Prolaktin hemmen und damit die Symptome reduzieren. Diese Präparate sollten Sie nach Verschwinden der Symptome noch zwei Tage länger verabreichen, damit kein Rückfall auftritt.

Vorbeugen: Wie kann ich die Scheinträchtigkeit meiner Hündin vermeiden?

Ist einmal eine starke Scheinschwangerschaft bei der Hündin aufgetreten, müssen Sie nach den folgenden Läufigkeiten mit einem ähnlichen Verlauf rechnen. In solchen Fällen sollten Sie eine Kastration der Hündin in Erwägung ziehen. Die Kastration sollte allerdings nicht während der Scheinträchtigkeit durchgeführt werden, sondern immer im Anöstrus, der hormonellen Ruhephase des Zyklus.

Nach einer Kastration kann keine Scheinträchtigkeit mehr bei einer Hündin auftreten. Somit ist in schwerwiegenden Fällen die Kastration der Hündin als vorbeugende Maßnahme sinnvoll. Am besten lassen Sie sich hierzu von Ihrem Tierarzt beraten.

Ursachen: Wie entsteht eine Scheinschwangerschaft bei der Hündin?

Während das Hormon Progesteron nach dem Decken einer Hündin eine Schwangerschaft erhält, fällt nach der Läufigkeit der Progesteron-Spiegel bei der ungedeckten Hündin ab. Da der Progesteronspiegel aber auch kurz vor der Welpengeburt absinkt, wird dem Körper möglicherweise eine Geburt vorgegaukelt und bewirkt den Anstieg von Prolaktin. Das Hormon Prolaktin bewirkt in den Milchdrüsen die Bildung von Milch an – die Scheinträchtigkeit entsteht.

Es wird jedoch nicht jede Hündin nach einer Läufigkeit scheinträchtig. Tierärzte gehen davon aus, dass ein rascher Abfall des Progesterons und die dadurch entstehende hohe Prolaktin-Konzentration eine Scheinträchtigkeit bei der Hündin hervorrufen. Außerdem reagieren Hündinnen scheinbar unterschiedlich empfindlich auf die Prolaktin-Konzentrationen. Bei manchen reicht ein geringer Anstieg aus, andere benötigen höhere Werte von Prolaktin um scheinträchtig zu werden.

Quellen:
Barbara Kohn und Günter Schwarz, Praktikum der Hundeklinik, 12. Auflage (2018)

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