Analdrüsenentzündung beim Hund 

Tierärztlich bestätigter Inhalt
Verfasst von Franziska Gütgemann, Tierärztin
corgi mit Analdrüsenentzündung

Eine Analdrüsenentzündung beim Hund ist eine Entzündung der Analbeutel. Neben Hunden können auch Katzen an einer Analdrüsenerkrankung erkranken, jedoch ist sie beim Hund, besonders bei kleineren Hunderassen (z.B. Chihuahua) und alten Hunden, häufiger vorzufinden.

Die sogenannten Analbeutel (Sinus paranales) sind etwa erbsengroße Drüsen beim Rüden und der Hündin, welche sich links und rechts des Rektums befinden. Das gebildete Sekret spielt durch seine Duftstoffe eine zentrale Rolle im Sexualverhalten sowie während der Reviermarkierung. Steigt der Druck auf die Analbeutel durch beispielsweise Kotpressen, kann das Analdrüsensekret über die dazugehörigen Ausführungsgänge nach außen transportiert werden. Das Sekret besitzt einen sehr unangenehmen, stechenden Geruch und zeigt sich als dünnflüssige, leicht gelbliche Flüssigkeit mit eventuellen bräunlichen Anteilen.

Ursachen

Die Hauptursachen einer Analdrüsenentzündung beim Hund sind eine Verstopfung der Ausführungsgänge sowie eine Veränderung der Sekretproduktion:

Gründe für eine Verstopfung der Ausführungsgänge kann langanhaltender Durchfall (z.B. ernährungsbeding oder infektiös) oder auch ungepflegtes, sehr dicht gewachsenes Fell sein. In selteneren Fällen spielen jedoch auch Entzündungen anderer Nachbarorgane oder tumuröse Veränderungen durch Raumforderung und Einengung der Ausführungsgänge eine Rolle.

Analbeutelkarzinome sind jedoch eher seltene Tumore des Hundes, welche überwiegend bei alten Hunden beobachtet werden. Zu den häufigsten Ursachen einer Veränderung der Sekretproduktion gehören vorwiegend hormonelle Erkrankungen sowie allergische Reaktionen.

Kann das in den Analdrüsen gebildete Sekret nur noch teilweise oder sogar gar nicht mehr ablaufen, staut es sich bis in die Analbeutel zurück. Die Folge ist eine steigende Größenzunahme der Drüsen, welche nach und nach zu Schmerzen in der Region führen kann. Kommt es währenddessen zu einer starken Besiedlung durch Bakterien, bedingen diese gelegentlich stark entzündliche Infektionen der Analbeutel. Häufig handelt es sich dabei um Bakterien der normalen Hautflora des Hundes oder fäkale Bakterien, welche dem Sekret einen eitrigen Charakter verleihen. In den meisten Abstrichen werden Escherichia coli, Streptokokken, Clostridien und Proteus nachgewiesen. Auf Grund der Tatsache, dass eine Entzündung zu einer gesteigerten Sekretproduktion führt, handelt es sich bei dieser Erkrankung häufig um einen Teufelskreis. Der Druck auf die Analbeutel steigt immer weiter an und bedingt ab einem gewissen Schwellenwert die Ausbildung von Analbeutelrissen sowie Fisteln (Verbindungen in andere Organe oder nach außen). Dies kann dazu führen, dass die Bakterien weiter aufsteigen, wodurch andere Organe infiziert werden können.

Analdrüsenentzündung beim Hund Symptome

Zu den häufigsten Anzeichen einer Analdrüsenentzündung beim Hund gehören folgende Symptome:

  • Vermehrtes Belecken und Anknabbern der Ausführungsgänge
  • Starker Mundgeruch durch orale Aufnahme des stinkenden Sekrets
  • Schwanzbeißen
  • „Schlittenfahren“: typisches Rutschen über den Boden auf Grund von starkem Juckreiz
  • Angeschwollene Analbeutel durch verstopfte Ausführungsgänge
  • Schmerzhaftes Kotpressen (Tenesmus) und Bewegungsunlust
  • vereitertes Sekret an der Hautoberfläche sowie eine rötliche Färbung
  • Analbeutelabszesse (Eiteransammlung in den Analbeuteln) und Fistelbildung (röhrenartige Verbindung zwischen Analbeuteln und Hautoberfläche)
jack russell terrier mit Analdrüsenentzündung

Diagnostik

Durch die Besitzerbefragung (Anamnese) erhält der Tierarzt wichtige Informationen über die Symptome des Hundes sowie weitere wichtige Hinweise, welche einen Verdacht einer Analbeutelentzündung erhärten können. Beispielweise ist das sogenannte Schlittenfahren ein wertvoller Hinweis zur genaueren Untersuchung der Analbeutel.

Nach der Anamnese erfolgt jedoch zuerst eine klinische Allgemeinuntersuchung, um den allgemeinen Gesundheitsstatus des Hundes zu bewerten. Per Thermometer kann die Körperinnentemperatur rektal ermittelt werden, um Fieber auszuschließen. Dies ist sehr wichtig, da Fieber ein Zeichen für eine bereits geschehene bakterielle Blutvergiftung (Sepsis) ist, welche unter Umständen zu lebensgefährlichen Komplikationen führen kann. Um eine Resistenzbildung durch leichtfertige Antibiotikagabe zu verhindern, ist die Durchführung einer bakteriellen Untersuchung des Sekretes ratsam.

Anschließend erfolgt eine spezielle Untersuchung der Analbeutel. Nach der Adspektion (visuelle Begutachtung) erfolgt die Palpation (Abtasten der veränderten Regionen) der Analbeutel.

Dabei orientiert sich der Tierarzt an der Linea anucutanea, einer Übergangslinie zwischen behaarter Haut und haarloser Schleimhaut. Auf etwa 4 und 8 Uhr kann er die Drüsen anhand der Größe, Wärme, Konsistenz, Rötung und Schmerzhaftigkeit bewerten. Sind die Drüsen zum Beispiel stark vergrößert und reagiert der Hund mit einer starken Abwehrreaktion, kann von einem entzündlichen Geschehen ausgegangen werden. Ist nur ein Analbeutel stark vergrößert und zeigt der Hund ansonsten keine weiteren Anzeichen, sollte eine tumuröse Veränderung beispielsweise durch eine Biopsie ausgeschlossen werden.

Therapie

Die Behandlung einer Analdrüsenentzündung beim Hund sollte durch einen Tierarzt erfolgen, um eine möglichst gute Wundhygiene zu gewährleisten. Folgende Maßnahmen stehen dabei im Mittelpunkt der Therapie:

Konservative Therapie:

  • Spülen der Analbeutel mit antibiotischen oder entzündungshemmenden Flüssigkeiten (z.B. Kochsalzlösung)
  • Auspressen des entzündlichen Sekretes durch vorsichtiges Ausmassieren der Analbeutel
  • Abszesse und Fisteln offen halten und tägliches Waschen und desinfizieren der Wundhöhlen
  • Bei Fieber und schlechtem Allgemeinbefinden: systemische Antibiose

Chirurgische Therapie:

  • Tritt nach konservativer Therapie keine Besserung auf, können die Analbeutel operativ entfernt werden

Prognose

In der Regel haben Hunde mit einer Analbeutelentzündung eine sehr gute Prognose, welche jedoch abhängig von der Therapie ist. In manchen Fällen kann es zu Fieber kommen, sodass eine systemische Gabe von Antibiotika erfolgen muss, um eine bakterielle Blutvergiftung (Sepsis) zu verhindern. Anderenfalls kann diese zu lebensgefährlichen Komplikationen führen.

Vorbeugen

Damit es nicht zu einer Analdrüsenentzündung beim Hund kommt, sollte eine Verklebung der Ausführungsgänge verhindert werden. Dafür ist es ratsam, bei besonders betroffenen Hunden alle paar Wochen die Analbeutel auszudrücken. Dies kann ein Tierarzt oder bei gegebener Sachkenntnis auch der Hundebesitzer persönlich durchführen. Dabei sollte jedoch stets auf Hygiene geachtet werden, um bakterielle Infektionen zu vermeiden.

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