12. Februar 2018

Allergien beim Hund

Verfasst von Tierärztin Amelie Krause
hundars allergier

Wenn ein Hund sich häufig kratzt, denkt man oft zuerst an Parasiten als Ursache. Aber es gibt darüber hinaus weitere Gründe für Juckreiz, wie beispielsweise Allergien. Selbst Hunde sind von Allergien betroffen und die Anzahl an allergischen Erkrankungen steigt.

 

Die wichtigsten Allergien beim Hund sind die Flohspeichelallergie, die Umweltallergie (Atopie) und die Futtermittelallergie. Alle drei Allergien äußern sich beim Hund mehr oder weniger mit den gleichen Symptomen, weshalb sich eine Diagnostik oftmals schwierig gestalten kann. Außerdem können bei einem Hund sogar mehrere Allergien gleichzeitig auftreten.

Für eine Flohallergie sind bisher keine Rasseprädispositionen bekannt, zudem sind Hunde beiden Geschlechts gleichermaßen betroffen. Sie wird meist durch den wenig wirtsspezifischen Katzenfloh (Ctenocephalides felis) verursacht, aber auch andere Flohspezies können die Allergie hervorrufen. Eine Flohallergie kann in jedem Alter auftreten, jedoch nicht vor dem sechsten Lebensmonat. Die Flohallergie wird von Eiweißstoffen im Flohspeichel ausgelöst. Durch den Biss des Flohs wird nicht nur das Blut des Hundes gesaugt, sondern gleichzeitig auch Flohspeichel injiziert. Es handelt sich hierbei entweder um eine Reaktion vom Soforttyp (Typ-I-Reaktion), bei der der Körper innerhalb von 30 Minuten reagiert oder um eine verzögerte Reaktion (Typ-IV-Reaktion) mit Symptomen nach Stunden bis 2 Tagen. Meist sind die Hunde, die sporadisch Kontakt zu Flöhen haben, von einer Allergie betroffen. Hunde mit viel Kontakt zu Flöhen können eine Toleranz ausbilden.

Die Atopie (Umweltallergie) betrifft in etwa 15% der Hundepopulation. Im Gegensatz zur Flohallergie sind für die Atopie einige Rassen prädisponiert, nämlich Terrier, Golden Retriever, Labrador Retriever, Dalmatiner, Deutscher Schäferhund, Boxer, Englische Bulldogge, Englischer und Irish Setter sowie Shar Pei. Die Krankheit tritt meist zwischen dem ersten und dritten Lebensjahr auf, sehr selten vor dem sechsten Lebensmonat oder bei älteren Hunden.  Eine Bedingung für den Ausbruch einer Atopie ist die Veranlagung des Hundes überschießend auf ein Allergen zu reagieren. Diese Hunde reagieren auf harmlose Umweltsubstanzen wie Pollen, Gräser, Hausstaubmilben, Schimmelpilze mit einer starken und unangemessenen Antikörperbildung, die eine massive entzündliche Folgereaktion mit Gewebeschäden bewirkt. Die Symptome sind bei Reaktionen auf beispielsweise Gräser saisonal zu beobachten. Die Allergene gelangen über die Atemwege oder über die Haut in den Körper.

Für eine Futtermittelallergie gibt es keine Rasse- oder Geschlechtsprädisposition und sie kann in jedem Alter beginnen. Eine echte Allergie auf Futter setzt voraus, dass ein Hund ein bestimmtes Futter über einen längeren Zeitraum zu sich nimmt, bevor es zu einer Überreaktion kommt. Gegen die Futterbestandteile entsteht bei einem gesunden Tier eine immunologische Toleranz. Ist die Schutzfunktion der Darmschleimhaut jedoch reduziert, können Allergene die Darmbarriere überwinden und eine allergische Reaktion auslösen. Nach heutigem Wissensstand sind Allergene beim Hund Eiweiße oder Eiweißverbindungen mit einer gewissen Größe, die im Futter enthalten sind. Jedes Eiweiß kann also zu allergischen Reaktionen führen, die Wahrscheinlichkeit steigt mit der Häufigkeit der Aufnahme. Bei uns sind die häufigsten Allergieauslöser Rind, Milch und Milchprodukte, Eier, Weizen und Huhn.  Bei der Futtermittelallergie handelt es sich um Sofort- und Spätreaktionen, eventuell auch Kombinationen miteinander. Somit können Symptome innerhalb von 30 Minuten, einigen Stunden oder auch Tagen und Wochen nach der Aufnahme des Allergens auftreten.

Symptome von Allergien

Das Hauptsymptom bei allen Allergien ist Juckreiz. Bei der Flohallergie ist hiervon vor allem die hintere Körperhälfte betroffen, der hintere Rücken, die Kruppen, der Schwanzansatz, die Hinterbeinen und der Bauch. Die Hunde kratzen und schubbern sich an diesen Stellen, wodurch nicht selten ein sog. Hot Spot entsteht, eine durch den starken Juckreiz selbst zugefügte, entzündete und nässende Wunde. Diese Bereiche werden gerne zusätzlich mit Bakterien und Hefepilzen besiedelt, was den Juckreiz noch weiter verstärkt. Bei Atopie und Futtermittelallergie ist das Verteilungsmuster des Juckreizes sehr ähnlich, was die Unterscheidung schwierig gestaltet. Der Juckreiz tritt im Kopfbereich, den Pfoten, den Achseln, dem Bauch und Innenschenkelbereich und den Ohren auf. An den Pfoten kommen Entzündungen des Zwischenzehenbereichs und der Pfotenunterseite vor, an den Ohren Entzündungen des äußeren Gehörgangs. Auf die lädierte Haut setzen sich oftmals Bakterien und Hefepilze, die eine Infektion (Sekundärinfektion) hervorrufen und zusätzlich Juckreiz verursachen. Bei der Futtermittelallergie können zusätzlich Magen-Darm-Symptome wie Erbrechen, Durchfall, Blähungen, starke Bauchschmerzen sowie ungeformter Kot hinzukommen.

Diagnose von Allergien

Da sich die Symptome der einzelnen Allergien sehr ähneln, stellt die Diagnostik eine Herausforderung dar. Darüber hinaus kann ein Hund unter mehreren Allergien gleichzeitig leiden. Zudem stehen keine einfach durchzuführenden und zuverlässigen Tests zur Verfügung, die die Allergien voneinander unterscheiden. Eine Allergie identifiziert man somit anhand einer Ausschlussdiagnostik. Außerdem können eine ausführliche Anamnese und das Signalement bereits Anhaltspunkte geben. Dazu gehören Rasse, Geschlecht, Alter, Alter zu Beginn der Symptome, Lokalisation des Juckreizes oder der Hautsymptome, Vorhandensein von ähnlichen Symptomen bei Wurfgeschwistern oder Eltern der Hunde und Saisonalität der Symptome.

Auch, wenn die Symptomatik nicht auf eine Flohallergie hindeutet, sollte man diese zu Anfang ausschließen. Der Tierarzt untersucht den Hund mit einem Flohkamm auf Flöhe und Flohkot. Das Auffinden eines von beiden bestätigt den Verdacht. Ein Intrakutantest kann ebenso zur Diagnose herangezogen werden. Bei diesem Test wird Flohallergen und Kontrollsubstanzen in die Haut an der Brustwand injiziert und nach 15-30 Minuten, 4 bis 6, 24 und 48 Stunden nach allergische Reaktionen geschaut. Ferner existieren Bluttests für die Diagnose einer Flohallergie, die allerdings nur Aufschluss für Typ-I-Reaktionen geben. Zusätzlich ist noch eine sogenannte diagnostische Therapie möglich. Dabei werden der Hund sowie alle im Haushalt lebenden Tiere mit geeigneten Präparaten gegen Flöhe behandelt. Eine Flohallergie ist wahrscheinlich, wenn der Therapieversuch anschlägt.

Für die Bestätigung oder den Ausschluss einer Futtermittelallergie ist nach Empfehlungen von Dermatologen nur eine Eliminationsdiät oder Ausschlussdiät sinnvoll. Der Hund soll bei dieser Diät für einen Zeitraum von mindestens acht Wochen mit einer Protein- und einer Kohlenhydratquelle, die er bisher noch nie bekommen hat, gefüttert werden. Da er zu diesen Stoffen noch keinen Kontakt hatte, kann er darauf nicht reagieren. Während der Zeit der Diät sollte der Hund nichts anderes zu fressen bekommen, Leckerli und Belohnungen müssen aus den für die Diät bestimmten Inhaltsstoffen bestehen. Dermatologen empfehlen eine selbst gekochte Diät. Falls es dem Hundehalter nicht möglich sein sollte, das Futter für die Diät selbst zuzubereiten, stehen hydrolisierte Diäten zur Verfügung, bei denen die Bestandteile so klein sind, dass der Körper sie nicht als Allergen erkennen kann. Des Weiteren ist die Fütterung von Monoprotein-Sorten möglich. Während der Diät sollten sich die Symptome deutlich verbessern. Nach Abklingen der Symptome sollte eine Provokation mit dem Futter durchgeführt werden, das vor der Diät gegeben wurde. Treten nun die Symptome wieder auf, ist das der Beweis für ein Vorliegen einer Futtermittelallergie.

Die Diagnose einer Atopie wird klinisch und durch Ausschluss anderer Erkrankungen gestellt. Wenn die Symptomatik, das Alter, das Juckreizmuster und andere Punkte passen, die auf eine Atopie hindeuten, sowie andere Ursachen für Juckreiz sorgfältig ausgeschlossen wurden, kann man die Diagnose Atopie stellen. Nun kann der Tierarzt spezifische Tests durchführen um die auslösenden Allergene zu identifizieren. Gut geeignet ist ein Intrakutantest, bei dem Allergene in die Haut gespritzt werden und die Reaktionen darauf abgelesen werden. Diesen Test sollte immer ein erfahrener Dermatologe durchführen. Ebenso ist ein Allergietest im Blut möglich, der allerdings falsch positive Reaktionen anzeigen kann.

Therapie von Allergien

Die beste Therapie bei Allergien ist die Vermeidung des auslösenden Allergens, dies kann sich aber je nach Allergie schwierig gestalten. Die Behandlung einer Flohallergie besteht aus einer konsequenten Flohbekämpfung und -prophylaxe des Hundes. Ebenso sollten andere im Haushalt lebende Tiere regelmäßig gegen Flöhe behandelt werden, damit der allergische Hund möglichst keinen Kontakt zu Flöhen hat. Zudem ist gerade bei Allergikern bei vorhandenem Flohbefall die Behandlung und gründliche Reinigung der Umgebung notwendig. Sollte Juckreiz vorhanden sein, kann man diesen mit geeigneten Präparaten behandeln um sekundäre Infektionen zu vermeiden.

Für die Futtermittelallergie ist die Identifizierung des auslösenden Allergens (z.B. Rind) von Vorteil, da der Hund so unter Vermeidung des Allergens normal weiter gefüttert werden kann. Sollte das Allergen nicht auffindbar sein oder der Hund auf mehrere Proteine reagieren, ist die Fütterung einer hydrolisierten Diät möglich. Seit einiger Zeit sind außerdem Futtermittel mit Insekten als Proteinquelle auf dem Markt, was einen neueren Ansatz in der Diagnostik und Therapie von Futtermittelallergikern darstellt. Der Juckreiz ist wesentlich schlechter mit Präparaten wie Glukokortikoiden oder Antihistaminika behandelbar, diese Medikamente sind bei der Futtermittelallergie nicht so gut wirksam wie bei Flohallergie oder Atopie. Sekundäre Erkrankungen wie Ohrentzündungen und Infektionen der Haut müssen zusätzlich therapiert werden.

Entdecken Sie unsere Auswahl an hypoallergenem Hundefutter.

Die Behandlung der Atopie stellt eine ganz besondere Herausforderung dar, da es so gut wie unmöglich ist das auslösende Allergen zu vermeiden. Ist der Juckreiz auf wenige Monate im Jahr beschränkt, ist es möglich den Hund während dieser Zeit mit juckreizstillenden Medikamenten zu behandeln. Sollte der Hund über längere Zeit von Juckreiz betroffen sein, empfiehlt sich eine Hyposensibilisierung. Hierbei handelt es sich um eine Immuntherapie, bei der dem Hund gezielt die Allergene, auf die er reagiert, in steigender Konzentration verabreicht werden. Damit soll das Immunsystem des Hundes stimuliert und eine Toleranz den juckreizauslösenden Allergene gegenüber erreichet werden. Leider hat diese Therapie nicht immer den gewünschten Effekt. Es kann  eine zusätzliche Therapie mit juckreizmindernden Medikamenten wie Kortison, Antihistaminika, Cyclosporin, essentiellen Fettsäuren oder Oclacitinib von Nöten sein. Seit letztem Jahr ist ein neues Therapeutikum gegen Juckreiz bei Atopie auf dem Markt, ein Präparat mit monoklonalen Antikörpern. Diese Antikörper fangen den Stoff weg, der bei der Atopie für den Juckreiz zuständig ist und werden wie körpereigene Proteine verstoffwechselt. Diese Therapieform ist bisher sehr erfolgreich, darüber hinaus ist sie sehr gut verträglich.

Vorbeugung von Allergien

Einer Allergie vorzubeugen ist schwierig, da viele Faktoren für die Entstehung einer Allergie notwendig sind. Sollte bereits eine Allergie bei einem Hund bekannt sein, können weitere folgen. Um eine Flohallergie zu vermeiden, sollte man auf eine konsequente Floh- und Parasitenbehandlung achten. Außerdem ist es ratsam einen Hund mit mehreren Proteinquellen abwechslungsreich zu füttern. Allerdings sollten exotische Proteine ausgespart werden, da diese für den Fall einer auftretenden Allergie als Grundlage einer Diät von Nutzen sein können.  Da es sich bei der Atopie um eine vererbte Allergieform handelt, ist es ratsam mit allergischen Tieren nicht zu züchten.

Meistgelesene Beiträge

Kastration und Sterilisation bei Katzen

Es gibt wohl kaum etwas Niedlicheres auf der Welt als Katzenbabys. Doch leider finden nicht alle Katzenkinder ein schönes Zuhause. Wenn sich besitzerlose Streuner untereinander oder mit freilaufenden Hauskatzen paaren, ist ein Leben im Elend für ihren Nachwuchs quasi vorprogrammiert. Kastration und Sterilisation beugen unnötigem Leid vor.

Parasiten beim Hund: Zecken und Flöhe entfernen

Zecken und Flöhe gehören zu den Parasiten, die unsere Hunde befallen können. Sie ernähren sich von Blut und sind wahre Quälgeister. Lesen Sie im Folgenden alles, was Sie über Zecken und Flöhe bei Hunden wissen sollten.

Antennenwels

Der Antennenwels ist ein robustes und friedliches Tier, der sich sehr gut mit anderen Fischarten aus dem Amazonasgebiet verträgt. Trotzdem muss man bei der Haltung verschiedene Dinge berücksichtigen, damit sich die Tiere wohlfühlen.