Atopische Dermatitis beim Hund 

Tierärztlich bestätigter Inhalt
Verfasst von Amelie Krause, Tierärztin
Golden Retriever mit Atopische Dermatitis Juckreiz

Eine atopische Dermatitis beim Hund wird auch als Kontaktdermatitis oder Umweltallergie bezeichnet. Es handelt sich um eine chronische Entzündung der Haut (Dermatitis), welche durch den Kontakt zu bestimmten Allergenen (Allergie auslösende Proteine) entsteht. Typischerweise tritt die allergische Erkrankung bereits in jungen Jahren, zwischen etwa 8 Monaten und 3 Jahren auf.

Ursachen

Bei Hunden kann die atopische Dermatitis zum einen durch Futter und zum anderen durch verschiedenste Umwelteinflüsse hervorgerufen werden. Je nachdem, welches Allergen zu der Erkrankung führt, kann sich eine saisonale Symptomatik (z.B. bei Gräsern) oder eine ganzjährliche Klinik (z.B. bei Futterallergien) zeigen. Zu den häufigsten Ursachen einer atopischen Dermatitis beim Hund gehören folgende Allergene:

Weshalb ein Hund auf diese Allergene allergisch reagiert, ist noch nicht vollständig geklärt. Man geht jedoch davon aus, dass Faktoren wie die Gene oder auch zu viel Hygiene eine große Rolle spielen. Letzteres wird dadurch begründet, dass das Immunsystem betroffener Hunde auf plötzlich neue und ansonsten harmlose Umwelteinflüsse überreagiert. Im Mittelpunkt der allergischen Reaktion steht immer ein Allergen (Protein), welches bei Kontakt zu der sogenannten Reaktion vom Soforttyp führt.

Dabei produzieren bestimmte Zellen des Immunsystems (T-Helferzellen) vermehrt Antikörper (Immunglobulin E, IgE). Binden diese an die Allergene, kommt es zu einer massenhaften Ausschüttung von Histamin, welches im Körper allergische Symptome wie Rötung, Juckreiz und Schwellung hervorruft. Es handelt sich also um eine Überempfindlichkeitsreaktion.

Neben der eigentlichen allergischen Reaktion kann sich die atopische Dermatitis beim Hund weiterhin durch bakterielle Sekundärinfektionen verschlimmern. Durch Belecken der Hautareale dringen Bakterien und Pilze leichter in die Haut ein und können zu teilweise eitrigen Verlaufsformen führen. Dabei spielen vor allem Bakterien und Pilze der normalen Hautflora des Hundes eine Rolle, wie zum Beispiel Streptokokken oder Malassezien.

Atopische Dermatitis beim Hund:  Symptomatik

Die atopische Dermatitis des Hundes kann je nach Auslöser ganzjährig oder saisonal auftreten und verläuft typischerweise in Schüben. Die am häufigsten betroffenen Hautstellen sind die Vorderpfoten (besonders der Zwischenzehenbereich), die Ohrspitzen und Lefzen, die Bindehaut sowie der untere Hals und der Unterbauch. Da die Klinik stark von der Stärke der allergischen Reaktion und der Kontaktart abhängig ist, zeigen die betroffenen Hunde zum Teil unterschiedliche Krankheitsanzeichen:

Atopische Dermatitis beim Hund

Diagnostik

Die Diagnose einer atopischen Dermatitis beim Hund erfolgt anhand einer Ausschlussdiagnostik. Um die Ursachen der Allergie besser eingrenzen zu können, erfolgt zuallererst eine ausführliche Besitzerbefragung (Anamnese) durch den Tierarzt. Treten beispielsweise die Symptome überwiegend im Sommer auf, könnte dies ein Zeichen für eine pollenbedingte atopische Dermatitis sein.

Hat der Tierarzt alle wichtigen Hinweise durch den Hundebesitzer erfahren, erfolgt nach der Anamnese die klinische Allgemeinuntersuchung. Parameter wie das Allgemeinbefinden, die Körperinnentemperatur oder die Atmung helfen ihm bei der Interpretation des allgemeinen Gesundheitsstatus des Hundes. Dieser ist in manchen Fällen eine wichtige Voraussetzung für die weitere Diagnostik.

Zeigt der Hund einen guten Allgemeinzustand, kann nach der klinischen Allgemeinuntersuchung die spezielle Untersuchung erfolgen. Um eine futterbedingte von einer umweltbedingten atopischen Dermatitis zu unterscheiden, kann eine sogenannte Ausschlussdiät oder Eliminationsdiät durchgeführt werden. Hierbei muss der Hund für mehrere Wochen auf das bereits bekannte Futtermittel verzichten. Kommt es zu einer Besserung der Symptomatik, ist dies ein wichtiger Hinweis auf eine futtermittelinduzierte Allergie. Um den Verdacht jedoch zu bestätigen, kann der Hund erneut mit dem alten Futter gefüttert werden. Zeigt dieser wiederholt allergische Reaktionen, kann von einer futterbedingten atopischen Dermatitis ausgegangen werden. Fällt der Test dagegen negativ aus, kann der Tierarzt zur Abklärung einer umweltbedingten atopischen Dermatitis den Gehalt an Immunglobulin E im Blut oder in der Haut (Intradermaltest) messen. Da allerdings auch gesunde Hunde IgE im Blut und in der Haut besitzen, sind die Ergebnisse der beiden Tests nicht immer wahrheitsgemäß.

Therapie

Die Therapie einer atopischen Dermatitis beim Hund richtet sich nach der Ursache und dem Schweregrad der Erkrankung:

  • Allergenvermeidung: z.B. langfristige selektive Fütterung (z.B. kommerzielle Diätfuttermittel oder individuell zubereitetes Futter). Entdecken Sie unsere Auswahl an Hundefutter bei Hautkrankheiten!
  • Medikamente gegen allergische Reaktionen: Antihistaminika
  • Behandlung der Sekundärinfektion: Antibiotika oder Antimykotika
  • Symptomatische Therapie: Entzündungshemmer (Shampoos, Tabletten, Salben), Glukokortikoide (Kortison) unter tierärztlicher Beobachtung, Atopica (inaktiviert die Immunzellen), Vitaminpräparate, topische Calcineurinhemmer (z.B. Tacrolismus, entzündungshemmend und immunsuppressiv)

Ist die Allergenvermeidung nicht möglich, kann eine Desensibilisierung durchgeführt werden. Dabei handelt es sich um eine Allergen-spezifische-Immuntherapie (ASIT), bei welcher dem Hund individuell hergestellte Allergene unter die Haut injiziert werden. Zu Beginn der Therapie wird eine geringe Dosis verabreicht, welche im Laufe der Behandlung bis zu einer lebenslangen Erhaltungsdosis gesteigert wird. Wird die Dosis verringert oder die Behandlung vollständig abgesetzt, so tritt in den meisten Fällen ein erneute Verschlechterung auf.

Prognose

Da das Immunsystem ein sehr gutes Gedächtnis hat, handelt es sich bei der atopischen Dermatitis um eine nicht heilbare Erkrankung. Damit jedoch die Lebensqualität des Hundes nicht eingeschränkt wird, sind eine lebenslange Behandlung sowie eine gute Zusammenarbeit zwischen dem Hundebesitzer und dem Tierarzt sehr wichtig.

Vorbeugen

Allergien treten in den meisten Fällen schubweise und ohne jeglichen Voranzeichen auf, weshalb eine wirksame Prophylaxe nicht zur Verfügung steht. Ist die Ursache der Erkrankung jedoch bereits bekannt, können weitere Schübe durch die oben genannten Therapiemaßnahmen reduziert werden.

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