Atopische Dermatitis beim Hund This article is verified by a vet

Golden Retriever mit Juckreiz

Juckreiz ist ein klassisches Symptom der atopischen Dermatitis beim Hund.

So wie wir Menschen, leiden auch unsere Hunde immer häufiger unter Allergien. Bei manchen Hunden zeigen sich diese Allergien in Form einer entzündlichen Hauterkrankung – der atopischen Dermatitis. Erfahren Sie im folgenden Artikel alles, was Sie über diese Erkrankung wissen müssen.

Symptome: Was sind die wichtigsten Krankheitszeichen?

Das wichtigste Anzeichen für eine atopische Dermatitis beim Hund ist Juckreiz in Verbindung mit Schwellungen und Rötungen. Dieser kann ganzjährig oder saisonal auftreten. Am häufigsten zeigt sich die Erkrankung an Gesicht, Ohren, Pfoten, Achseln und der unteren Halsseite. Atopische Hunde leiden zudem oft an wiederkehrenden Ohrentzündungen.

Die Hautbarriere erkrankter Hunde ist außerdem geschwächt. Dadurch können Bakterien und Pilze leichter in die Haut eindringen und Sekundärinfektionen verursachen. Auch das Kratzen oder Belecken der juckenden Hautstellen trägt dazu bei. Leider verschlimmern solche Infektionen den Juckreiz meist noch zusätzlich.

Im weiteren Verlauf können folgende Krankheitszeichen auftreten:

  • Haarlosigkeit (Alopezie)
  • schuppiges Fell
  • Pusteln oder Krusten
  • Hot Spots

Nicht jeder Hund zeigt die ganze Bandbreite an möglichen Symptomen einer atopischen Dermatitis. Ein wichtiger Hinweis ist aber das typische Verteilungsmuster.

Atopische dermatitis haarlose Stellen
Im Verlauf einer atopischen Dermatitis können haarlose Stellen und Sekundärinfektionen auftreten.

Diagnose: Wie lässt sich die atopische Dermatitis beim Hund nachweisen?

Die Diagnose einer atopischen Dermatitis beim Hund erfolgt anhand einer Ausschlussdiagnostik. Um die mögliche Ursache für die Hauterkrankung besser eingrenzen zu können, erfolgt zunächst eine ausführliche Besitzerbefragung (Anamnese) durch den Tierarzt.

So können das Auftreten der Symptome nur in einer bestimmten Jahreszeit oder Erkrankungen der Elterntiere schon wichtige Hinweise sein. Auch das Alter Ihres Hundes ist wichtig. Die Atopie tritt nämlich meist im Alter zwischen sechs Monaten und drei Jahren erstmalig in Erscheinung.

Auf die Besitzerbefragung folgen die Allgemeinuntersuchung des Hundes und spezielle Untersuchungen. Der Tierarzt kann etwa Antikörper gegen Umweltallergene wie Pollen oder Hausstaubmilben nachweisen. Hierbei kommen Bluttests oder besser Intrakutantests zum Einsatz.

Da allerdings auch gesunde Hunde solche Antikörper in der Haut und im Blut besitzen, ist ein positives Ergebnis allein nicht Beweis genug. Daher müssen zunächst auch noch andere mögliche Ursachen wie zum Beispiel ein Parasitenbefall, Flohbiss- oder Futtermittelallergien ausgeschlossen werden.

Therapie: Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Die wahrscheinlich einfachste und effektivste Behandlung einer Allergie ist immer die Vermeidung des auslösenden Stoffes (Allergen). Leidet der Hund aufgrund einer Futtermittelallergie an atopischer Dermatitis helfen spezielle tiermedizinische Diäten für Allergiker.

Die atopische Dermatitis aufgrund von Umweltallergien bedarf einer individuell auf den einzelnen Hund zugeschnittenen Therapie und muss auch häufig neu angepasst werden. Hier ist eine gute Zusammenarbeit zwischen Tierarzt und Besitzer essentiell.

Zudem stützt sich die Therapie auf mehrere Pfeiler, mit denen zum einen die Allergie an sich behandelt wird, zum anderen aber auch die Symptome und die Begleiterscheinungen behandelt werden.

© Chalabala / stock.adobe.com

Ursächliche Behandlung der atopischen Dermatitis

Im Fall von Umweltallergien ist die einzige ursächliche Behandlung die sogenannte allergenspezifische Immunotherapie. Besser bekannt ist sie unter dem Namen Hyposensibilisierung oder Desensibilisierung.

Hierbei wird in einem spezialisierten Labor eine Lösung hergestellt, die genau die Allergene enthält, auf die der Hund allergisch reagiert. Der Körper des Hundes soll sich damit langsam wieder an das Allergen gewöhnen.

In der Einleitungsphase werden dem Hund nach und nach immer größere Mengen beziehungsweise Konzentrationen der Lösung verabreicht. Darauf folgt die Erhaltungstherapie. Die Lösung wird dann nur noch ein- bis zweimal monatlich verabreicht. Diese Erhaltungstherapie sollte mindestens zwei Jahre durchgeführt werden, ist unter Umständen aber auch lebenslang nötig.

Leider ist diese Behandlung nicht nur kosten- und zeitintensiv. Sie führt auch nicht bei jedem Hund zu einem langfristigen Erfolg. Bei circa 20 Prozent der Hunde mit atopischer Dermatitis zeigt sich nur eine leichte Verbesserung, und bei weiteren rund 20 Prozent ist die Behandlung nicht erfolgreich.

Symptomatische Therapie

Die symptomatische Therapie hat das Ziel, den Juckreiz sowie die Entzündungen der Haut zu lindern. Zum Einsatz können bei einer atopischen Dermatitis folgende Medikamente kommen:

  • Antibiotika (gegen Bakterien) und Antimykotika (gegen Pilze) bei Sekundärinfektionen
  • Systemische Therapie: Cortison, Ciclosporin, Oclacitinib oder Lokivetmab, essentielle Fettsäuren. Früher wurden auch Antihistaminika eingesetzt. Diese sind bei der Atopie allerdings nicht ausreichend wirksam.
  • Lokale Therapie: gezielte Behandlung der betroffenen Hautareale
  • Stärkung der Hautbarriere zum Beispiel durch spezielle Shampoos

Welche der vielen Behandlungsmöglichkeiten zum Einsatz kommen, entscheidet der Tierarzt immer individuell.

Prognose: Wie stehen die Heilungschancen bei der atopischen Dermatitis?

Eine Heilung der atopischen Dermatitis beim Hund ist leider nicht möglich, sondern lediglich eine Linderung der Symptome. Denn es handelt sich um eine chronische Erkrankung, die meist ein Leben lang behandelt und überwacht werden muss. Mit der richtigen Behandlung steht einem langen und glücklichen Hundeleben aber nichts im Weg.

Ursachen: Wie kommt es zur Erkrankung?

Bei Hunden kann die atopische Dermatitis zum einen durch verschiedenste Umwelteinflüsse und zum anderen durch Futter hervorgerufen werden. Je nachdem, welches Allergen zu der Erkrankung führt, kann sich eine saisonale Symptomatik (zum Beispiel bei Gräsern) oder eine ganzjährige Klinik (zum Beispiel bei Hausstaubmilben) zeigen.

Zu den häufigsten Ursachen einer atopischen Dermatitis beim Hund gehören folgende Allergene:

  • Gräser, Pollen und Pilze
  • Milben
  • Futter

Weshalb ein Hund allergisch reagiert, ist noch nicht vollständig geklärt. Vermutet wird eine Kombination aus genetischer Veranlagung und verschiedenen Umwelteinflüssen. So leiden zum Beispiel Terrierrassen (West Highland White Terrier, Jack Russell Terrier, Border Terrier), Retrieverarten (Golden Retriever, Labrador und Flat Coated Retriever), Shar Pei, Boxer und der Deutsche Schäferhund besonders häufig an Allergien.

Im Mittelpunkt einer allergischen Reaktion steht immer ein Allergen (meist ein Protein). Bei Kontakt mit diesem Stoff kommt es zur sogenannten Reaktion vom Soforttyp. Dabei produzieren bestimmte Zellen des Immunsystems (T-Helferzellen) vermehrt Antikörper (Immunglobulin E, IgE). Binden sich diese an die Allergene, kommt es zu einer massenhaften Ausschüttung von Histamin. Dieses verursacht im Körper allergische Symptome wie Rötung, Juckreiz und Schwellung.

Prophylaxe: Wie vermeide ich die atopische Dermatitis beim Hund?

Wirklich vorbeugen kann man einer atopischen Dermatitis leider nicht. Allerdings lässt sich das Risiko im besten Fall zumindest minimieren. Gehört die Fellnase Ihrer Wahl zu den Rassen, die besonders häufig an Allergien leiden, schauen Sie sich die Mutter Ihres Welpen genau an. Leidet die Mutter nämlich an Allergien, haben auch die Welpen ein höheres Risiko zu erkranken.

Weiterhin gaben Studien Hinweise darauf, dass eine gesunde Lebensweise mit viel Bewegung in der freien Natur scheinbar einen schützenden Effekt hat.

Ist Ihre Fellnase bereits an atopischer Dermatitis erkrankt, ist der wichtigste Baustein die Zusammenarbeit zwischen Ihnen und dem Tierarzt. Stellen Sie Ihren Hund regelmäßig zu Kontrolluntersuchungen vor, um ein erneutes Aufflammen der Symptome zu vermeiden, oder diese zumindest schnell abzumildern.

Unsere beliebtesten Beiträge
10 min

Läufigkeit bei der Hündin

Auch wenn die Läufigkeit der Hündin ein ganz natürlicher Vorgang ist – das seltsame Verhalten der Hündin, der Ärger um Flecken auf dem neuen Teppich oder die Angst vor einer ungewollten Schwangerschaft bereitet vielen Hundebesitzern Sorge. Was Sie über die „heißen Tage“ Ihrer Hündin wissen sollten und wie Sie und Ihre Hündin die Zeit der Läufigkeit stressfrei überstehen, erfahren Sie hier.
5 min

Bauchspeicheldrüsenentzündung beim Hund (Pankreatitis)

Die Bauchspeicheldrüse ist ein Organ, das Verdauungsenzyme produziert, speichert und freisetzt. Dies birgt allerdings auch die Gefahr, dass sich das Organ selbst verdaut. Eine schwere Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) beim Hund ist die Folge. Lesen Sie im folgenden Artikel alles Wissenswerte zu dieser Erkrankung.
10 min

Coronavirus beim Hund

Viele Hundebesitzer bewegt gerade die Frage, ob sich Hunde mit dem Coronavirus (SARS-CoV-2) infizieren und das Virus übertragen können. Forscher schließen dies und somit auch den Ausbruch der Atemwegserkrankung Covid-19 nach aktuellem Stand aus!