Hot Spot beim Hund This article is verified by a vet

Tierärztlich bestätigter Inhalt
Verfasst von Franziska Gütgemann, Tierärztin
beagle gesicht

Ein Hot Spot, vom Englischen „Heißer Punkt“ abgeleitet, beschreibt eine oberflächliche, nässende Entzündung der Haut. Wegen des stinkenden Wundsekretes und der runden roten Hautstellen wird die Erkrankung im medizinischen Fachjargon „pyotraumatische Dermatitis“ genannt.

Es handelt sich um eine häufige Hauterkrankung, welche bei allen Hunden vorkommen kann, wobei besonders lang- und dichthaarige Rassen wie Golden Retriever, Neufundländer und Berner Sennenhunde betroffen sind. Die häufigsten Lokalisationen befinden sich in Nähe des Ohres, des Rumpfes sowie der Beinvorderseiten.

Da Entzündungen durch warme Temperaturen und Feuchtigkeit weiterhin begünstigt werden, treten Hot Spots besonders zu Sommermonaten vermehrt auf. Die Ursachen gestalten sich jedoch vielseitig.

Einer der häufigsten Gründe ist ein Flohbiss, genauer einer Flohspeichelallergie. Durch das vermehrte juckreizbedingte Lecken infiziert sich die oberflächliche Wunde schnell mit Bakterien und entzündet sich. Auch kann ein Befall mit Ohrmilben zu vermehrten Juckreiz führen. Des Weiteren entsteht die oberflächliche Hautentzündung durch andere juckreizauslösende Erkrankungen wie eine Pilzinfektion, allergische Reaktionen sowie Kontaktreaktionen auf beispielweise Brennnesseln. Auch kann eine fehlende oder unzureichende Fellpflege zu vermehrtem Juckreiz und damit einhergehende Entzündungsreaktionen führen. Dies kann besonders bei älteren Hunden oder streunenden Tieren vorkommen. Darüber hinaus kann bereits eine kleine traumatische Verletzung zu einem Hot Spot führen, indem der Hund an der Wunde leckt, kratzt oder beißt. Dies kann sogar durch Schmerzen innerhalb der darunterliegenden Muskulatur oder Knochen ausgelöst werden.

Symptome

Ein Hot Spot stellt sich typischerweise als kreisrunde, rote, oberflächliche Hautentzündung dar, welche innerhalb von wenigen Stunden aufflammen kann. Oft erkennen die Besitzer die Mikroverletzungen durch das lange und dichte Haar zu spät, weshalb starke Entzündungsprozesse schnell zur Bildung eines übel riechendes Wundsekret führen. Kommt dieses in Kontakt zu den angrenzenden Haaren, können verklebte Haarareale entstehen. Die Wundränder der Entzündung sind klar von den umgrenzenden gesunden Hautgebieten abzugrenzen. Da Hot Spots bei Hunden zu starkem Juckreiz führen, entsteht durch das Belecken der Wunden ein Teufelskreis. Im Speichel befinden sich viele Bakterien, welche in die Wunde eindringen und zu einer erneuten Entzündung führen. So flammen Hot Spots trotz beginnender Heilung immer und immer wieder auf. Werden die entzündeten Hautstellen nicht langfristig behandelt, kann es zu sehr großen und schmerzhaften, zum Teil eitrigen Entzündungsherden kommen. In seltenen Fällen kann es zu einer tiefen Hautentzündung kommen, bei der das Risiko für eine bakterielle Blutvergiftung steigt. Dann kann neben Fieber vermehrt Schwäche und ein schlechtes Allgemeinbefinden auftreten.

Diagnostik

Auf Grund der äußerlichen Charakteristika von Hot Spots sind diese durch den Tierarzt relativ leicht zu erkennen. Sie können jedoch durch verschiedene Abstriche von anderen Erkrankungen wie eine Pilzinfektion schnell unterschieden werden. Dafür nutzt der Tierarzt einen sterilen Tupfer und streicht diesen auf einem Objektträger aus. Unter dem Mikroskop kann er Bakterien und Pilze anhand verschiedener Merkmale voneinander abgrenzen. Die Bakterien mit der häufigsten Beteiligung sind Staphylokokken. Sie sind ein wichtiger Bestandteil der normalen Hautflora eines Hundes und gelangen deshalb sehr schnell in die Wunde. Neben Bakterien zeigen sich runde Entzündungszellen wie Neutrophile Granulozyten, welche zum angeborenen Immunsystem gehören. Ihre Aufgabe ist es, die Krankheitserreger zu finden sowie anschließend zu zerstören.

Therapie

Da Hot Spots die Eigenschaft haben, nach anfänglicher Genesung erneut wiederzukehren, gestaltet sich die Therapie meist beschwerlich. Die Behandlung sollte daher langfristig (bis zu drei Wochen) und regelmäßig (mindestens jeden zweiten Tag) durchgeführt werden. Sollte der Hund große Schmerzen empfinden, kann in den ersten Therapiesitzungen eine Narkose oder beruhigende Sedation eingeleitet werden.

Die Basis einer erfolgreichen Therapie ist eine gute Wundhygiene. Die Wundränder sollten anfangs großzügig geschoren werden. Anschließend ist es wichtig, die verkrustete Wunde mit steriler Kochsalzlösung oder Chlorhexidin zu säubern, damit der Bakterienfilm unter den Krusten gelöst werden kann. Als nächstes folgt ein schaumiges Aufweichen mittels verschiedenen entzündungshemmenden sowie milden Wundshampoos. Das Shampoo sollte mindestens 10 Minuten einwirken und etwa 10 Minuten gründlich ausgespült werden. Die Wundhygiene sollte in jedem Fall zuhause durch den Besitzer fortgesetzt werden.

hot spot beim hund

Sollte keine Besserung eintreten, muss die Therapiefrequenz erhöht werden oder eine bakteriologische Untersuchung eingeleitet werden. Sollte sich in der mikroskopischen Untersuchung herausstellen, dass multiresistente Bakterien die Wunde infiziert haben, so kann nach Einleiten eines Resistenztests mittels Antibiotika lokal sowie systemisch gezielt gegen die Infektion vorgegangen werden. Weiterhin kann der Einsatz von Kortikosteroiden wie Kortison-Präparaten das Entzündungsgeschehen mildern. Der lokale oder systemische Einsatz sollte jedoch unter strenger tierärztlicher Beobachtung geschehen.

Trotz Heilung sollte die Behandlung einige Tage weiter durchgeführt werden, um eine erneute Infektion zu verhindern. Wichtig ist auch, das Lecken und Eindringen neuer Bakterien zu verhindern.

Dazu kann beispielsweise über Nacht eine Halskrause oder Maulkorb eingesetzt werden.

Prognose

Ob und wie schnell ein Hot Spot heilt, ist stark abhängig von der Therapieart, der Therapiefrequenz sowie der beteiligten Bakterien. Wenn die Behandlung regelmäßig und strikt eingehalten wird, können Hot Spots jedoch nach wenigen Wochen heilen.

Vorbeugen von Hot Spots

Um Hot Spots zu verhindern, sollten Sie eine geeignete Flohprophylaxe durchführen.

Als Anti-Flohmittel gibt es verschiedene Halsbänder und Spot Ons zur Auswahl, welche mit Pyrethroiden versetzt sind. Halsbänder wirken bis zu 8 Monate und werden dauerhaft getragen. Spot Ons dagegen müssen alle paar Wochen in die Nackenregion aufgeträufelt werden.

Neben einer Flohprophylaxe sollte beim Gassi gehen darauf geachtet werden, den Kontakt zu juckreizfördernden Pflanzen zu vermeiden. Eine regelmäßige Fellpflege wie das Bürsten und Lösen von verklebten Haarstellen ist für eine gesunde Haut notwendig. Um weitere Hot Spots nach bereits erfolgter Therapie zu verhindern, können Shampoos sogar prophylaktisch eingesetzt werden.

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