Leishmaniose beim Hund

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Was ist eine Leishmaniose?

Endlich Urlaub! Doch die Vorfreude auf lange Strandspaziergänge und laue Sommerabende schlägt schnell in Panik um, wenn Hundebesitzer zum ersten Mal von der gefürchteten Leishmaniose erfahren. Die oft tödlich verlaufende Infektionskrankheit, die über Stechmücken übertragen wird, ist eine der bekanntesten Tropenkrankheit bei Hunden. Da die Sandmücken beziehungsweise Schmetterlingsmücken, die die Leishmanien-Erreger übertragen, wärmeres Klima bevorzugen, ist die Krankheit vor allem südlich des 45. Breitengrades verbreitet. Aber auch Hunde aus nördlicheren Regionen können von der Krankheit betroffen sein, wenn sie zum Beispiel mit ihrer Familie im Süden im Urlaub waren oder von dort aus mit Tierschutz-Organisationen eingeführt wurden. Bis die Krankheit bei Hunden ausbricht, vergehen nach einer Leishmanien-Infektion jedoch mindestens zwei Monate, häufig sogar mehrere Jahre.

Wie wird Leishmaniose übertragen?

Die Leishmanien-Erreger, benannt nach dem schottischen Tropenarzt William Boog Leishman, sind einzellige Blut-Parasiten. In der Regel werden sie durch einen Stich der Sand- oder Schmetterlingsmücke übertragen, die beim Blutsaugen den Hund mit den gefährlichen Leishmanien infiziert. Aber auch eine Übertragung durch eine Bluttransfusion oder durch den Kontakt mit einem infizierten Hund ist nicht auszuschließen. Bei letzterem ist dies jedoch nur möglich, wenn der Hund bereits eine offene Hautverletzung hatte und diese direkt mit Geschwüren oder Fisteln kranker Hunde in Berührung kam. Nach einer Infektion nisten sich die Leishmanien in Gewebezellen (Makrophagen/ Fresszellen) ein. Dort vermehren sie sich und greifen nach und nach Lymphknoten, Milz, Knochenmark, Leber und weitere Organe des Tieres an.

Auswirkungen des Klimawandels

Die Sandmücken, die die Leishmanien verbreiten, sind in Europa vor allem im Mittelmeerraum verbreitet. Das Risiko eines Stichs durch eine Träger-Mücke ist in Südfrankreich, Spanien, Portugal, Italien, Kroatien, Griechenland und der Türkei entsprechend höher als in anderen, kälteren Regionen des Kontinents. Allerdings konnte sich die Sandmücke im Zuge des Klimawandels auch in bisher untypische Regionen ausbreiten. Eine Leishmaniose-Infektion ist daher auch außerhalb der genannten Urlaubsregionen möglich, wenn auch vergleichsweise selten. Neben dem europäischen Mittelmeerraum ist die Sand- und Schmetterlingsmücke in Teilen Südamerikas, Mexiko, Süd-Ost-Asien und Afrika angesiedelt.

Kann ich meinen Hund vor Leishmaniose schützen?

Durch die steigende Ausbreitung der Sand- und Schmetterlingsmücken hilft es kaum, wenn man Hundebesitzern rät, Länder mit hoher Leishmaniose-Gefahr zu meiden. Und wer möchte schon auf seinen lang verdienten Urlaub am warmen Mittelmeer verzichten? Zum Schutz vor Leishmaniose empfiehlt es sich stattdessen, lieber vor Ort die Wahrscheinlichkeit eines Stichs zu reduzieren. Wenn Sie mit Ihrem Hund in südlichen Regionen Urlaub machen, können Sie ihm zum Beispiel ein Protektor-Halsband umlegen. Dieses sondert einen speziellen Geruch ab, der Mücken, Flöhe und Zecken abwehrt. Außerdem gibt es so genannte „Spot-On-Präparate“ für Hunde, die ähnlich wie unsere Anti-Mücken-Sprays wirken.  Der unbehaarte Nasenansatz, Augenlider, bei jungen Hunden auch Bauch oder Genitalien sind für die Sandmücken besonders anziehend und sollten entsprechend sorgfältig „besprüht“ werden.

Wie Sie den Stich einer Sandmücke vermeiden

Da die Sandmücken auf gelb-orangenes Licht reagieren (vornehmlich von herkömmlichen Glühbirnen erzeugt), sollten Fenster und Türen im besten Fall mit Moskitonetzen versehen werden. Beachten Sie außerdem, dass die Mücken nachtaktiv sind und mehrere (ungestörte) Minuten zum Blutsaugen benötigen. Sie stechen ihre Opfer deshalb vornehmlich nachts, wenn diese schlafen. Als Alternative zu feinmaschigen Fliegengittern an Fenster und Türen, können Sie auch nur den Schlafplatz Ihres Hundes mit einem Moskitonetz schützen. Während der aktiven Phase der Mücken (mit Einsetzen der Dunkelheit bis zum Sonnenaufgang) sollten Hunde am besten im Haus bleiben. Falls Sie doch mal raus müssen: Gehen Sie in Bereichen spazieren, wo viel Wind ist, zum Beispiel vorne am Strand. Sandmücken sind äußerst windempfindlich und halten sich in erster Linie in geschützten Häusergassen oder Wald- und Sumpfgebieten auf.

Gibt es einen Impfstoff gegen Leishmaniose?

Einen Impfstoff, der die Aufnahme von Leishmanien-Erregern verhindert, gibt es nicht. Allerdings ist seit 2011 ein europaweiter Impfstoff (CaniLeish®) zugelassen, der das Risiko einer aktiven Infektion und einer Leishmaniose-Erkrankung deutlich reduziert. Es handelt sich dabei um einen so genannten „adjuvantierten Impfstoff“, der mit Hilfe von parasiteneigenen Eiweißen und einem Zusatzstoff (Adjuvans) das Immunsystem des Körpers bei der Bekämpfung der Leishmanien unterstützt. Die Gefahr, dass Ihr Hund an einer Leishmaniose aktiv erkrankt und womöglich stirbt, kann in ca. 90 Prozent der Fälle durch den neuen Impfstoff verhindert werden.

Impfschema und Vorsichtsmaßnahmen

Grundsätzlich können alle gesunden Hunde ab dem sechsten Lebensmonat geimpft werden. Allerdings muss vor der Anwendung des Impfstoffs sichergestellt sein, dass bisher keine unentdeckte Leishmaniose-Infektion vorliegt. Wenn das Ergebnis der Blutuntersuchung negativ ist, kann die erste Injektion erfolgen. In einem Abstand von jeweils drei Wochen wird die Impfung anschließend noch zweimal wiederholt. Ab dann reicht eine jährliche Auffrischung des Impfstoffs, um die Wirkung aufrecht zu erhalten. Die Nebenwirkungen der Leishmaniose-Impfung sind mit denen der üblichen Schutzimpfungen vergleichbar. So können zum Teil Lokalreaktionen um die Injektionsstelle auftreten, wie eine Schwellung, Rötung oder Verhärtung, die jedoch in der Regel nach zwei Tagen abklingen. Aufgrund der Fremdeiweiße im Impfstoff sind außerdem vorübergehende Reaktionen wie Fieber, Schmerz oder Mattigkeit möglich.

Soll ich meinen Hund gegen Leishmaniose impfen lassen?

Bei Hunden, deren Besitzer viel Zeit in den bei Sandmücken beliebten Gebieten verbringen, ist eine Impfung gegen „Leishmania infantum“ sicherlich sinnvoll. Studien haben gezeigt, dass bei 93 Prozent der geimpften Hunde eine Leishmaniose-Infektion symptomfrei verläuft. Die hohe Wirksamkeit und die vergleichsweise geringen Nebenwirkungen sprechen auf jeden Fall für eine Impfung. Allerdings sollten Sie sich natürlich vorher vergewissern, dass Ihr Hund rund um gesund ist und die Impfung gut verträgt. Lassen Sie sich von Ihrem Tierarzt beraten, ob eine Impfung in Ihrem Fall zu empfehlen ist. Die oben genannten Prophylaxe-Maßnahmen wie die eines Protektor-Halsbandes und eines Moskiotnetzes über der Schlafstätte des Hundes, sollten Sie übrigens trotz Impfung ergreifen. Schließlich schützt der Impfstoff „nur“ bei der wirksamen Bekämpfung der Leishmanien – eine Infektion durch die erregerübertragenden Mücken kann sie nicht verhindern.

Woran erkenne ich, ob mein Hund bereits eine Leishmaniose hat?

Das Tückische an der Leishmaniose ist, dass die Krankheit häufig erst Jahre nach dem Stich einer Erreger-Mücke ausbricht. Bevor die ersten Anzeichen einer Leishmaniose sichtbar werden, ist der Urlaub im warmen Süden bei vielen Hundebesitzern längt vergessen. Doch nicht nur die lange Inkubationszeit, sondern auch die weltweite Vielzahl der Leishmania-infantum-Stämme mit jeweils unterschiedlichen Ausprägungen und Krankheitsbildern sorgt dafür, dass die Symptome häufig nicht oder sehr spät auf eine Leishmaniose-Infektion zurückgeführt werden.

Wenn Sie die folgenden Zeichen bei Ihrem Hund beobachten können und Ihr Tierarzt andere Krankheiten als Ursache ausschließen konnte, sollten Sie den Mediziner zur Sicherheit um einen Bluttest und Gewebeproben bitten. Nur so kann der Leishmaniose-Erreger nachgewiesen und eine sichere Diagnose gestellt werden.

hund zecke

Anzeichen einer Leishmaniose:

(anfangs meist schubweise)

  • Gewichtsverlust
  • Apathie/ Trägheit/ Lahmheit
  • Haut- und Fellveränderungen
  • Offene und schlecht heilende Hautwunden
  • Hautausschläge auf dem Nasenrücken, an den Ohrenspitzen und um die Augen herum (große, weiße und fettige Schuppen, allerdings nicht juckend)
  • Haarausfall
  • Augenerkrankungen
  • Nasenbluten
  • Geschwollene Lymphknoten
  • Schmerzempfindlicher Bauch
  • Blutiger Kot
  • Übermäßiger Krallenwuchs

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es nach einer Diagnose?

Wie bei vielen Krankheiten gilt auch bei der Leishmaniose: Je früher sie erkannt wird, desto besser sind ihre Heilungschancen. Sobald Sie Veränderungen oder eins der oben genannten Symptome bei Ihrem Hund erkennen, sollten Sie unverzüglich einen Tierarzt aufsuchen. Unbehandelt führt Leishmaniose binnen zwölf Monaten zum Tod (meist durch Nierenversagen).  Darüber hinaus können erkrankte Hunde, die etwa offene Wunden aufweisen, nicht nur andere Tiere, sondern auch Menschen anstecken. Besonders gefährdet sind dabei Kleinkinder unter zwei Jahren oder Menschen mit einem schwachen Immunsystem.

Medikamentöse Therapie

Wenn Ihr Tierarzt die Diagnose „Leishmaniose“ gestellt hat und sie mittels Blut- und Gewebeproben abgesichert hat, sollte die Therapie sobald wie möglich beginnen. Die Behandlung konzentriert sich dabei in erster Linie auf die Linderung der Symptome durch eine Stärkung der körpereigenen Abwehr oder durch eine Hemmung der Erreger-Entwicklung. Leider führt keines der bislang zur Verfügung stehenden Medikamente zu einer vollständigen Heilung der Leishmaniose. Eine lebenslange Therapie mit den entsprechenden Wirkstoffen ist in der Regel unumgänglich und kann entsprechend hohe Kosten mit sich bringen. Ebenso unumgänglich sind leider auch die vielen Nebenwirkungen, die die medikamentöse Behandlung mit sich zieht.

 

Die bislang bekanntesten Medikamente zur Behandlung einer Leishmaniose und ihre häufigsten Nebenwirkungen sind:

 

Wirkstoffe gegen Leishmaniose Häufigste Nebenwirkungen
Glucantim (Wirkstoff N-Mathylglucamin-Antimonat) Magen-Darm-Beschwerden, schmerzhafte Schwellungen an den Einstichstellen
Miltefosin Magen-Darm-Beschwerden
Allopurinol Harnstein-Leiden (Urolithiasis)

 

Im Falle einer Resistenz-Entwicklung gegenüber den aufgeführten Wirkstoffen, bleibt dem Mediziner nur eine Behandlung mit Antibiotika Amphotericin B, Aminosidin und Antizykotika. Häufig wird der Tierarzt auch zu einer Umstellung der Ernährung raten. So ist bei der Behandlung mit dem Wirkstoff Allopurinol etwa ein proteinarmes, also eiweißarmes Diätfutter zu empfehlen.

Leben mit Leishmaniose

Trotz dieser Schwierigkeiten kann ein Leishmaniose infizierter Hund ein langes Leben führen – vorausgesetzt die Krankheit wurde rechtzeitig erkannt und behandelt. Falls Sie sich häufiger in gefährdeten Gebieten aufhalten, sollten Sie Ihren Hund am besten regelmäßig auf Leishmanien-Erreger bzw. auf deren Antikörper testen lassen. So lässt sich eine Infektion noch vor ihrem aktiven Ausbruch, wenn die Organe noch nicht befallen sind, diagnostizieren. Die Symptome lassen sich durch die Medikamente in diesem Fall sehr gut lindern und ein weiteres Ausbreiten der Erreger kann gestoppt werden.

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