Impfungen beim Hund Dieser Artikel ist tierärztlich verifiziert

Impfungen beim Hund

Impfungen beim Hund tragen dazu bei, Epidemien einzudämmen oder zu verhindern.

Keine Frage, Impfungen schützen das Leben Ihres Hundes vor tödlichen Infektionskrankheiten. Doch welche Impfungen sollten Hunde unbedingt haben? Was steckt hinter der Grundimmunisierung des Welpen und wie oft muss der Tierarzt die Impfungen auffrischen?

Warum soll ich meinen Hund impfen lassen?

Das Impfen ist in den letzten Jahren zunehmend in die Kritik geraten. Der Ärger über teure Impf-Wirkstoffe, die Profitgier von manchen Pharmakonzernen und die vermeintlich unnötig vielen Impf-Auffrischungen, ist bei einigen Hundehaltern größer, als die Angst vor den Krankheiten selbst.

Dabei sollte jedoch nicht übersehen werden, dass es nur durch strikte Impfpläne gelungen ist, einige gefährliche Infektionskrankheiten unter Kontrolle zu bringen.

Dank der flächendeckenden Impfung gegen hochansteckende Bakterien und Viren konnte man ihr Infektionsrisiko und die Anzahl der damit verbundenen Todesfälle stark reduzieren. Jeder geimpfte Hund trägt dazu bei, dass man Epidemien eindämmen oder verhindern kann. So schützen Sie mit einer Impfung nicht nur das Leben Ihres eigenen Hundes, sondern auch das anderer Tiere.

Gegen was sollte mein Hund geimpft sein?

Impfungen bieten den zuverlässigsten Schutz, den Sie Ihrem Vierbeiner bieten können. Sie bewahren unseren besten Freund vor lebensgefährlichen Krankheiten, wie Staupe, Parvovirose, Leptospirose, Hepatitis contagiosa canis, Tollwut, Zwingerhusten, Babesiose oder etwa Borreliose. Die Impfempfehlungen, die von nationalen Impfkommissionen herausgegeben werden, unterscheiden dabei zwischen Core-Vakzinen (Pflichtimpfstoffe) und Non-Core-Vakzinen (Wahlimpfstoffe).

Übrigens: Die Links zu den im Video gezeigten Produkten finden Sie in der YouTube-Videobeschreibung.

Core- und Non-Core-Komponenten

So genannte Core-Komponenten sind Impfungen, die jeder Hund zu jeder Zeit haben sollte. Sie richten sich gegen Erreger, die meist tödlich verlaufen und die sowohl das Leben der Tiere selbst als zum Teil auch das ihrer Besitzer gefährden. Diese „Pflichtimpfungen“ sollte Ihr Hund auf jeden Fall bekommen. Auch die Einreiseerlaubnis von Kleintieren wird in vielen Ländern von diesen Impfungen abhängig gemacht und so gehören sie unbedingt in den Impfpass Ihres Vierbeiners.

Bei den Non-Core-Impfungen ist die Empfehlung hingegen nicht so umfassend. Zwar sind sie nicht weniger wichtig, doch betreffen sie nicht alle Hunde zu jeder Zeit. Die Notwendigkeit einer Impfung hängt dabei von verschiedenen Faktoren ab, wie zum Beispiel Alter, Konstitution und Lebensraum des Hundes. Ob eine Impfung sinnvoll ist, muss also im Einzelfall geklärt werden. Gemeinsam mit Ihrem Tierarzt sollten Sie Nutzen und Risiken dieser Non-Core-Impfungen genau abwägen, bevor Sie sich für oder gegen eine solche Impfung entscheiden.

Wichtige Impfungen: Gegen diese Krankheiten sollte Ihr Hund geimpft sein

Staupe

Die Staupe oder auch Carrésche Krankheit genannt, ist eine hoch ansteckende Viruserkrankung. Dabei kann es zu schweren Magen-Darm-Problemen, Atemwegs-Erkrankungen (starker Husten, eitriger Nasen- und Augenausfluss) oder zu tödlichen Krämpfen und Lähmungserscheinungen (nervöse Staupe) kommen.

Hepatitis contagiosa canis (H.c.c.)

Das canine Adenovirus, der Erreger der Hepatitis contagiosa canis, wird meist durch urinhaltiges Wasser oder Futter aufgenommen. Die Krankheit verursacht Fieber, Augen-, Leber- und Nierenentzündungen. Weitere Symptome sind Erbrechen, Durchfall und Schmerzen. Besonders bei jungen oder schwachen Hunden führt H.c.c. zum Tod.

Parvovirose

Parvovirose wird durch das hochansteckende und enorm widerstandsfähige DNA-Virus CPV (canine Parvovirus) hervorgerufen. Besonders junge Hunde sterben an den Folgen einer Dehydrierung oder Intoxikation aufgrund starken Erbrechens, hohen Fiebers (bis 41,5°C) und blutigen Durchfalls. Aber auch wenn ein Tier die Krankheit scheinbar überstanden hat, kann es ein paar Jahre später an den Spätfolgen der Parvovirose, durch Immunschwäche oder Herzprobleme, sterben.

Leptospirose

Die Leptospirose, auch Stuttgarter Hundeseuche genannt, wird durch das Bakterium Leptospira verursacht. Nagetiere dienen als Reservoir. Die über ihren Urin ausgeschiedenen Erreger sammeln und vermehren sich in Pfützen und Gewässern und werden so auf den Hund übertragen. Besonders bei jungen und immunschwachen Hunden kann die hochansteckende Krankheit schwere Organschäden hervorrufen, die in vielen Fällen auch tödlich enden. Die Leptospirose hat sich in den vergangenen Jahren deutlich ausgebreitet. Da sie auch auf Menschen übertragbar ist und gefährlich werden kann, wird dringend zur Impfung geraten.

Tollwut

Ebenso wie die Leptospirose kann auch die Tollwut auf den Menschen übertragen werden. Da der Verlauf der Tollwut beim Mensch nach dem Ausbruch der Erkrankung immer tödlich verläuft, ist der Verdacht einer Infektion beim Hund anzeigepflichtig. Bei Hunden wird die Tollwut durch das Lyssa-Virus übertragen und führt zu den typischen Symptomen wie starker Speichelfluss und erhöhte Aggressivität. Eine Erkrankung endet in jedem Fall tödlich.

Optionale Impfungen: Bei diesen Krankheiten kann eine Impfung sinnvoll sein

Zwingerhusten

Vom Zwingerhusten oder der Parainfluenza sind vor allem Tiere in größeren Ansammlungen, wie Hundeausstellungen oder Hundetreffen gefährdet. Jahreszeitlich bedingt kann es aber auch zu örtlichen Ausbrüchen in kleinen Hundegruppen, wie Hundesportgruppen oder Gassi-geh-Gruppen kommen. Die hochansteckende Viruserkrankung führt zu starken Atemwegsbeschwerden (meist unangenehmer, trockener Husten). Besonders bei immunschwachen Tieren kann es infolgedessen zu einer schweren Lungenentzündung kommen, die zum Tod führen kann. Eine Impfung ist daher in den meisten Fällen sehr empfehlenswert.

Borreliose

Diese Bakterien-Erkrankung wird durch einen Zeckenbiss übertragen. Sie verläuft meist harmlos, kann aber auch Fieber, Mattigkeit, Lymphknotenschwellung und Lahmheiten verursachen. Im unbehandelten Fall kommt es zu chronischen Gelenksentzündungen mehrerer Gelenke. Nur in Gebieten mit einem hohen Infektionsrisiko wird die Impfung empfohlen. Für alle anderen ist ein ausreichender und guter Zeckenschutz sinnvoller.

Babesiose

Ebenfalls durch einen Zeckenbiss kann die Babesiose (auch Hundemalaria genannt) übertragen werden. Die aggressive Infektionskrankheit, die mit hohem Fieber einhergeht, führt bei ausbleibender Behandlung binnen weniger Tage zu einer Zerstörung der roten Blutkörperchen und damit zum Tod des Hundes. In Ländern, in denen Babesiose infizierte Zecken vermehrt vorkommen, wird neben den natürlichen Schutzmaßnahmen, wie das Absuchen des Hundes auf Zecken und eine gute Zeckenprophylaxe, ein Impfwirkstoff als zusätzlicher Schutz angeboten. Dieser schützt aber nur vor schweren Verläufen der Erkrankung und nicht vor der Infektion selbst.

Pilzinfektionen

Dabei handelt es sich in erster Linie um Hautpilz-Erkrankungen, die bei Hunden weit verbreitet sind. Der häufigste Erreger bei Hunden ist der Dermatophyt Microsporum canis, der zu Schuppen- und Krustenbildung auf dem Fell und häufig zu Haarausfall an den befallenen Stellen führt. Der Pilz kann sowohl von anderen infizierten Tieren als auch durch eine infizierte Umgebung (Körbchen, Teppiche oder Kämme) übertragen werden. In Beständen mit einer bestehenden Infektion kann die Impfung begleitend zu einer Therapie sinnvoll sein.

Leishmaniose

Die Leishmaniose wird von der in Südeuropa vorkommenden Sand- oder Schmetterlingsmücke übertragen. Die Blut-Parasiten greifen die Zellen und Organe des Hundes an und führen bei Nichtbehandlung zum Tod des Tieres (in der Regel Tod durch Nierenversagen). Der neu entwickelte Impfstoff kann eine Infektion zwar nicht verhindern, jedoch die Immunantwort des Hundes auf die gefährlichen Erreger verstärken.

Impfung bei Welpen
Impfungen schützen Welpen vor schweren Erkrankungen.

Wann und wie oft muss ich impfen?

Wenngleich über die Häufigkeit und die Abstände der Impfungen bei Hunden nicht immer Einigkeit herrscht, sind sich Tiermediziner und Hundebesitzer zumindest in Bezug auf die dringend erforderliche Grundimmunisierung der Welpen einig. Wenn im Alter von acht Wochen der Schutz durch die Antikörper aus der Muttermilch nach der Saugphase langsam nachlässt, sollte mit der Grundimmunisierung begonnen werden.

Bei einer Impfung werden dem Hund lebende oder abgeschwächte Bakterien/ Viren oder Teile davon zugeführt. Der Körper reagiert auf diese Stoffe, indem er Antikörper produziert, die bei einer späteren Infektion die gefährlichen Keime und Erreger bekämpfen können.

Eine vollständige Immunität gegen eine der geimpften Krankheiten erlangt der Hund jedoch in der Regel erst mit der zweiten oder dritten Injektion. Die erste Impfung in der achten bzw. zwölften Lebenswoche aktiviert erst einmal nur das Immunsystem. Diese wäre sinnlos, wenn man auf eine Wiederholung verzichten würde.

Abschluss der Grundimmunisierung

Wenn die dritte Impfung erfolgt ist (im Alter von 16 Wochen bzw. 15 Monaten, je nach Impfstoff), ist die Grundimmunisierung abgeschlossen. Mit der Zeit lässt die Stärke der Immunantwort des Körpers jedoch wieder nach. Um den hohen Schutz gegen die gefährlichen Infektionskrankheiten ein Leben lang aufrecht zu erhalten, müssen die Impfungen in gewissen Abständen aufgefrischt werden.

Von der bis vor wenigen Jahren gängigen Praxis der jährlichen Auffrischung kann mittlerweile jedoch Abstand genommen werden. Auch der Weltverband für Kleintierärzte (World Small Animal Veterinary Association (WSAVA)) hält eine Auffrischung in Abstand von drei Jahren bei den meisten Impfungen (z. B. Tollwut) für absolut ausreichend. Beim Zwingerhusten und der Leptospirose hingegen ist eine jährliche Wiederholung der Impfung unumgänglich.

Empfohlene Impfungen im Überblick

Um jederzeit einen vollständigen Schutz gegen die aufgeführten Krankheiten zu besitzen, ist es wichtig, dass sich Hundebesitzer streng an den Impfplan ihres Tierarztes halten. Das folgende Impfschema orientiert sich an den allgemein anerkannten Empfehlungen. Es sollte jedoch nicht das Gespräch mit Ihrem Tierarzt ersetzen, der Ihnen auch hinsichtlich der möglichen Wahlimpfungen genaue Empfehlungen für Ihren Hund aussprechen kann.

Impfungen gegen Grundimmunisierung Auffrischung
8 Wochen 12 Wochen 16 Wochen 15 Monaten Jährlich Ca. alle 3 Jahre
Staupe (S)
Hepatitis (H.c.c.)
Parvovirose (P)
Leptospirose (L)
Tollwut (T)
Zwingerhusten

Was muss ich bei kranken oder besonders gefährdeten Hunden beachten?

Die hier dargestellten Empfehlungen gelten für gesunde Hunde ohne besonderes Infektionsrisiko. Bei besonders gefährdeten Welpen oder Hunden mit einem Infektionsrisiko, zum Beispiel für Zwingerhusten kann eine umfassendere Impfung sinnvoll sein. Sprechen Sie mit Ihrem Tierarzt, welche Impfwirkstoffe bei Ihrem Hund zusätzlich zu empfehlen sind.

Kranke Hunde können grundsätzlich nicht geimpft werden. Um das Risiko möglicher Nebenwirkungen so gering wie möglich zu halten, sollte Ihr Hund zum Zeitpunkt des Impfens rund um gesund, entwurmt und frei von Parasiten sein. Falls Ihr Hund Fieber, Durchfall oder andere Symptome einer Krankheit aufweist, müssen diese zunächst behandelt werden.

Welche Nebenwirkungen können die Impfungen haben?

In der Regel sind die zugelassenen Impfstoffe gut verträglich. Wichtig ist, dass der Welpe gesund ist und ein gewisses Alter (mindestens acht Wochen) erreicht hat, um adäquat auf die Wirkstoffe reagieren zu können. Die Wahrscheinlichkeit für schwerwiegende Nebenwirkungen ist in diesem Fall auf ein Minimum reduziert. Mögliche Nebenwirkungen, die für gewöhnlich nach zwei bis drei Tagen, spätestens nach einer Woche wieder verschwinden, sind:

  • Fieber
  • (schmerzhafte) Schwellung der Einstichstelle
  • Müdigkeit
  • Appetitlosigkeit

Falls Sie diese oder andere Symptome bei Ihrem Hund beobachten und diese länger als zwei Tage anhalten, sollten Sie sich unbedingt an Ihren Tierarzt wenden.

Wie viel kosten die Impfungen?

In der Regel verabreichen Tierärzte Kombinationsimpfstoffe, so reicht häufig eine Spritze für die Impfung gegen mehrere Hundekrankheiten aus (zum Beispiel 6-fach-Impfung für Staupe, Parvovirose, H.c.c., Leptospirose, Zwingerhusten und Tollwut). Die Kosten für solche Kombi-Impfungen liegen in der Regel zwischen 50 bis 70 Euro. Je nach Tierarzt und Hersteller des verwendenten Impfstoffes können die Preise nach oben oder unten variieren. Erkundigen Sie sich deshalb am besten vorher, welche genauen Kosten Ihr Tierarzt für die erforderlichen Leistungen nimmt.

Grundsätzlich sollten Sie bedenken, dass die Kosten für eine Impfung weit unter denen liegen, die im Falle einer Infektion mit den gefährlichen Erregern auf Sie zukommen würden.

Die Gesundheit Ihres Hundes sollte in jedem Fall oberste Priorität haben.

Wir wünschen Ihnen und Ihrem Hund alles Gute!


Dr. Cornelia Kolo, Tierärztin
frau zwei hunde

Während meines Studiums der Tiermedizin und meiner Promotion an der Ludwigs-Maximilians-Universität in München konnte ich zahlreiche Einblicke in die vielfältigen Bereiche der Tiermedizin sammeln. Seit 2011 habe ich in meiner praktischen Tätigkeit als Tierärztin mit den verschiedensten Tieren und ihren Erkrankungen zu tun. Meine Leidenschaft gehört dabei der Aufgabe, meinen Patienten bestmöglich zu helfen und zu ihrem Wohle zu handeln. Mein Wissen als Tierärztin und als langjährige Hundebesitzerin und Hundesportlerin teile ich zudem gerne als Autorin.


Unsere beliebtesten Beiträge
6 min

Bauchspeicheldrüsenentzündung beim Hund (Pankreatitis)

Die Bauchspeicheldrüse ist ein Organ, das Verdauungsenzyme produziert, speichert und freisetzt. Dies birgt allerdings auch die Gefahr, dass sich das Organ selbst verdaut. Eine schwere Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) beim Hund ist die Folge. Lesen Sie im folgenden Artikel alles Wissenswerte zu dieser Erkrankung.