Puppy Yoga: Neuer “Welpen-Trendsport” in der Kritik

Verfasst von Natalie Decker
Puppy Yoga

Beim Puppy Yoga tollen niedliche Hundewelpen durchs Studio. Bei Tierschützern stößt diese Praxis auf Kritik.

Puppy Yoga, oder auch Welpen Yoga beziehungsweise Yoga mit Welpen, ist ein neuer Trendsport aus den USA und Großbritannien. Dabei wuseln Hundekinder durch das Studio, während die Teilnehmer ihre Übungen machen – Streicheln und Kuscheln mit den Welpen sind dabei ausdrücklich erwünscht. Tierschützer kritisieren den Social-Media-Hype.

Wie funktioniert Puppy Yoga?

Von Wien bis Paris, von London bis München: Puppy Yoga erobert Europas Großstädte. Der neue Trendsport wird in speziellen Studios angeboten, wo sich die Teilnehmer zum gemeinsamen Üben treffen. Das Besondere dabei: Während die Yogis ihre Asanas wie den Schulterstand, das Kamel oder das Boot machen, tapsen süße Welpen durch den Raum.

Die zwischen den Yogamatten umhertollenden Hundekinder sollen die Herzen der Teilnehmer berühren, für gute Laune sorgen und dadurch das „Qi“, die Lebensenergie, zum Fließen bringen.

Puppy Yoga auf TikTok und Instagram

Bei den meisten Anbietern von Yoga mit Welpen gehören das Kuscheln, Streicheln, Fotografieren und Filmen der Tiere zum Konzept. Kein Wunder: Das weiche Fell, die großen Kulleraugen und die kleinen Schnäuzchen der Hundebabys sind schließlich einfach unwiderstehlich.

Puppy Yoga verbindet zwei Themenkomplexe miteinander, die auf Social Media ohnehin gut funktionieren: Yoga bzw. Wellness und niedliche Welpen. Dementsprechend viele Views und Likes erhoffen sich die Yogis, die ihre Fotos und Videos aus dieser ganz besonderen Yogastunde hinterher auf Instagram, TikTok und Co. posten.

Kurze Pause, dann geht’s weiter

Während die Teilnehmer noch die besten Schnappschüsse für ihre Posts auswählen, erhalten die Hundekinder in der Regel eine kurze Pause, bevor der nächste Kurs beginnt. Denn Hundebabys brauchen viel Schlaf.

Es kann also durchaus vorkommen, dass die putzigen Welpen während der Yogastunde ein Nickerchen halten, statt den Yogis als Foto- und Kuschelobjekt zu dienen.

Welpen Yoga kam vor einigen Jahren in den USA und Großbritannien auf. Seit 2023 verbreiten sich Fotos und Videos der neuen Trendsportart zunehmend in den sozialen Netzwerken. Auch viele Influencer und Sportler haben Puppy Yoga bereits ausprobiert, beispielsweise die Fußballerinnen des FC Bayern München.

Im Fernsehen, in Magazinen und Zeitungen wird immer wieder über den herzigen Fitness-Trend berichtet. Die Folge: Neue Anbieter kommen hinzu, vor allem in den Großstädten eröffnen derzeit neue Studios.

Die menschlichen Teilnehmer profitieren von Yoga mit Welpen: Denn zu wohltuenden Stretching- und Atemübungen gibt’s was fürs Herz – und außerdem Content für die Social-Media-Accounts.

Insbesondere Menschen mit Angststörungen sollen durch die Yogastunde mit Welpen Linderung erfahren. Und tatsächlich kann der Kontakt mit Tieren heilsam sein. Schließlich sind die therapeutischen Erfolge der tiergestützten Intervention lange bekannt.

Förderlich für die Sozialisierung der Welpen?

Und wie sieht es mit den vierbeinigen Mini-Yogis aus? Die Hundebabys sollen durch die Teilnahme an der Yogastunde verschiedene Umweltreize kennenlernen, wodurch sie gut sozialisiert würden. Das sagen zumindest die Anbieter von Puppy Yoga. Ob das stimmt? Tierschützer haben da so ihre Zweifel.

Puppy Yoga in der Kritik

Tierschützer machen darauf aufmerksam, dass jedes Hundebaby ein Individuum ist. Während manche tatsächlich Freude an den vielen streichelnden Händen beim Puppy Yoga haben können, sind andere eher verängstigt oder überfordert. Für sensible Welpen kann die Teilnahme an einer Yogastunde eine totale Reizüberflutung bedeuten.

Wenn die Hundekinder dann lernen, dass sie sich in solchen Situationen nicht auf ihre Bezugsperson verlassen können, so sei dies für ihre Sozialisierung hinderlich. Außerdem könnten sich die Kleinen verletzen, wenn sie während der Yogastunde um die sich bewegenden Teilnehmer herumlaufen würden, warnen Tierschützer.

Rechtliche Probleme

Generell lehnen viele Tierfreunde den kommerziellen Einsatz von Tieren als Sportgerät bzw. zu Unterhaltungszwecken ab. Denn dabei würde stets ihr Nutzen für den Menschen im Vordergrund stehen, nicht das Tierwohl.

Um die Vierbeiner vor Missbrauch zu schützen, gibt es das Tierschutzgesetz. Dieses sieht beispielsweise in Deutschland vor, dass für das gewerbsmäßige Einsetzen von Welpen eine Erlaubnis der zuständigen Behörde eingeholt werden muss (§ 11 TierSchG). Viele Anbieter von Puppy Yoga haben diese Genehmigung nicht – und so wurden in Stuttgart bereits entsprechende Yogakurse vom Veterinäramt untersagt.

Woher stammen die Welpen?

Viele Anbieter von Puppy Yoga geben an, selbst keine Hunde zu züchten. Stattdessen arbeiten sie mit Züchtern zusammen, deren wenige Wochen alte Tiere sie für ihre Yogastunden ausleihen. Das bedeutet: Die Kleinen haben bereits eine anstrengende Autofahrt hinter sich, bevor sie den Yogaraum betreten und an einem oder mehreren Kursen hintereinander teilnehmen.

Zwar beteuern die meisten Anbieter, ausschließlich mit seriösen Züchtern zusammenzuarbeiten und die Zuchtstätten vorab zu besuchen. Es lässt sich jedoch nicht ganz ausschließen, dass beim Puppy Yoga auch Hundebabys dubioser Herkunft eingesetzt werden – etwa aus den „Vermehrer-Betrieben“ der berüchtigten Welpenmafia.

Was wird aus „Adopt don’t shop“?

Zudem befürchten Tierschützer, dass Social-Media-Hypes wie Puppy Yoga die ohnehin hohe Nachfrage nach niedlichen Welpen weiter befeuern. Betroffen seien vor allem Moderassen wie Mops, Zwergspitz und Französische Bulldogge, die oftmals unter Qualzucht-Merkmalen leiden.

Tierschützer appellieren seit Langem an Hundefreunde, lieber einen Hund aus dem Tierheim zu adoptieren, statt einen Welpen beim Züchter zu kaufen. Doch Trends wie Puppy Yoga scheinen ihre Bemühungen zu torpedieren: Sie lassen die Nachfrage nach putzigen Welpen bestimmter Rassen steigen, während die Tierheime oftmals so voll sind, dass sie Aufnahmestopps verhängen müssen.

Puppy Yoga mit Tierheimhunden?

Übrigens ist Welpen Yoga mit Tierheimhunden kaum möglich. In vielen Einrichtungen fehlt schlicht das Personal, um die Vierbeiner zum Yogastudio zu fahren und anschließend wieder abzuholen. Zudem sehen viele Tierschützer diesen neuen Trendsport aus den bereits genannten Gründen kritisch.

Unterschied zum Dog Yoga

Nicht verwechselt werden sollte Puppy Yoga mit dem bereits seit Jahren etablierten Dog Yoga. Den eigenen (erwachsenen) Hund daheim in die persönliche Yogapraxis miteinzubinden, ist aus Tierschutzsicht kein Problem – solange dessen Bedürfnisse dabei respektiert werden.

Fazit: Im Vorfeld gut informieren

Wer Puppy Yoga ausprobieren möchte, sollte sich unbedingt vorab genau informieren: Woher kommen die Welpen? Wie lange werden sie pro Tag eingesetzt und viele Ruhepausen gesteht man ihnen zu? Sollten Zweifel daran bestehen, dass es den Hundekindern im Yogastudio wirklich gutgeht, sollten Sie lieber auf eine Teilnahme verzichten – zum Wohle der Welpen.


Natalie Decker
Profilbild Natalie Decker (mit Pferd)

„Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos“, hat Loriot einmal gesagt. Dem würde ich uneingeschränkt zustimmen und ergänzen: „Ein Leben ohne Pferd, Katze und Kaninchen ebenfalls!“ Mein Herz schlägt für alle großen und kleinen Tiere und ich habe das große Glück, als freie Autorin über meine Leidenschaft schreiben zu dürfen. Mit meinen Artikeln möchte ich für den Tierschutz sensibilisieren und Tierfreund/innen nützliche Tipps geben.


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