01. April 2019 - Aktualisiert 05. April 2019

Therapiehunde

therapiehund mit junge Frau

Sie senken Blutdruck, bauen emotionalen Stress ab und fördern unser soziales Wohlbefinden: Hunde haben eine beachtlich positive Wirkung auf uns Menschen. Diese Tatsache wird immer häufiger in Therapien, wie etwa der Sprach- und Ergotherapie, der Physio- oder Psychotherapie, genutzt. Doch wie Therapiehunde eigentlich genau? Was müssen sie können und welche Hunde eignen sich für den Therapeuten-Job?

Was unterscheidet den Therapiehund vom Assistenz- oder Besuchshund?

Ob Krankenhäuser, Tageskliniken, heilpädagogische Praxen, Seniorenheime oder Schulen: Der Einsatzbereich eines Therapiehundes ist vielfältig. Sein Zuhause ist und bleibt allerdings das Haus seines Besitzers, der in der Regel auch als Therapeut oder anderweitig im medizinischen oder pädagogischen Bereich arbeitet. Dies unterscheidet ihn vom Assistenzhund, der als ständiger Begleiter dauerhaft bei Menschen mit körperlichen, geistigen oder seelischen Einschränkungen lebt. Therapiehunde bilden zusammen mit ihrem professionellen Hundeführer ein enges Team und helfen in tiergestützten medizinischen Behandlungen psychisch oder neurologisch erkrankten Menschen. Allein durch ihre bloße Anwesenheit, oft aber auch durch ihre körperliche Zuwendung oder ihre erwartungsfrohe Aufforderung zum Spiel, können Therapiehunde den Heilungserfolg der Therapiesitzungen maßgeblich unterstützen.

Anders als etwa Besuchshunde, bei denen es in erster Linie um offene Begegnungen zwischen Mensch und Hund und die Förderung sozialer Kontakte geht (ohne ein bestimmtes Therapieziel), sind Therapiehunde eng in einem geplanten Therapieverlauf integriert und werden von ihren Besitzern gezielt in der mehrwöchigen Behandlung eines Patienten eingesetzt. Natürlich ersetzen die Hunde nicht den menschlichen Therapeuten, allerdings können sie – wie in vielen Fällen bewiesen – den Behandlungserfolg positiv beeinflussen und fördern.

Wo werden Therapiehunde eingesetzt?

Als Hundefreund wissen Sie sicherlich schon lange, welch positive Wirkung Hunde haben können. Mittlerweile wurde dies auch in verschiedenen Studien wissenschaftlich bestätigt. Kein Wunder, dass immer mehr Therapeuten und medizinisches Fachpersonal Hunde zur Unterstützung ihrer Arbeit und des erhofften Heilungserfolgs einsetzen. Ob bei der Behandlung von Depressionen, Angststörungen, Sprachproblemen, Lernstörungen und anderen physischen, psychischen oder neurologisch bedingten Einschränkungen: Therapiehunde werden mittlerweile in zahlreichen Bereichen eingesetzt und tragen dort auf vielseitige Weise zum Behandlungserfolg bei. Ihr Einsatzgebiet umfasst fast alle therapeutischen Bereiche, wie:

  • Psychotherapie
  • Ergotherapie
  • Lerntherapie (vorwiegend bei Kindern)
  • Sprach- und Sprechtherapie
  • Physiotherapie
  • Heilpädagogik
labrador therapiehund mit kind

Wie arbeiten Therapiehunde?

Therapiehunde begleiten ihre Besitzer zu verschiedenen Einzel- oder Gruppentherapiesitzungen und stehen den Menschen dort auf verschiedene Art und Weise zur Verfügung. Dabei unterscheidet man zwischen aktiven Therapiehunden, die die zu behandelnden Personen „aktiv“ zu etwas auffordern (etwa mit ihnen zu spielen), und reaktiven Therapiehunden, die eher abwartend auftreten und sehr empathisch auf die Befindlichkeiten der Patienten reagieren. Bei ihrer Arbeit kommen die Hunde dabei mit sehr unterschiedlichen Menschen in Kontakt: Menschen, die Probleme haben, sich zu artikulieren, Menschen, die sich kaum oder seltsam bewegen oder Menschen, die hibbelig und nervös sind. Sie arbeiten sowohl mit Kindern, als auch mit Erwachsenen und Senioren und sind in der Lage, auf die verschiedenen individuellen Eigenarten der Patienten einzugehen. Bei ihrer Arbeit als Therapiehunde sind die Vierbeiner in der Regel außerhalb ihres Zuhauses und werden mit verschiedensten Situationen, Räumen, Gerüchen und medizinischen Apparaturen konfrontiert. Dies alles bedeutet in gewisser Weise Stress für den Hund, den er bei seiner Arbeit als Therapiehund aushalten muss.

Umso wichtiger ist es, dass die Arbeitsbedingungen stimmen: Denn auch ein Therapiehund ist und bleibt in erster Linie ein Hund. Als solcher hat er natürliche Bedürfnisse und braucht – wie alle Hunde – ausreichend Auslauf im Freien, einen engen Kontakt zu seinen Menschen und Spiel- und Begegnungsmöglichkeiten mit Artgenossen. Selbst Hunde, die mit einer stoischen Ruhe scheinbar nur dafür leben, uns Menschen zu gefallen und zu helfen, brauchen ab und zu die Möglichkeit, sich zurückzuziehen und einfach nur „Hund zu sein“. Aufgrund der Stresssituationen empfehlen Experten, dass Therapiehunde nicht länger als 45 Minuten pro Tag und maximal dreimal in der Woche therapeutisch arbeiten. Natürlich hängt dies stark von den herrschenden Arbeitsbedingungen ab. Wechselt sich der Hund mit anderen Therapiehunden bei der Arbeit ab, befindet er sich in einer sehr vertrauten Atmosphäre und kann sich zum Beispiel zwischendurch auf der Wiese mit anderen Hunden austoben oder zurückziehen, kann die tägliche Arbeitszeit auch ein wenig ausgeweitet werden. Spätestens nach zwei Stunden pro Tag sollte der Arbeitstag eines Therapiehundes jedoch enden.

Welche Erfolge lassen sich mit Therapiehunden erzielen?

Hunde vermitteln ein Gefühl von Wärme, Sicherheit und Geborgenheit – einfach nur, weil sie da sind. Die Anwesenheit eines freundlichen und offenen Hundes kann, wie Wissenschaftler herausgefunden haben, nachweislich unseren Blutdruck senken, Stress, Aggressionen oder Unsicherheiten reduzieren und deutlich zum Wohlbefinden beitragen. Doch wie machen Hunde das bloß? Hunde sind sehr empathisch und nehmen verschiedene Stimmungen häufig sehr genau wahr. Anders als wir Menschen werten sie dabei jedoch nicht. Sie kritisieren nicht, urteilen nicht, machen uns keine Vorwürfe, haben keine Erwartungen und geben keine gut gemeinten Ratschläge. Sie nehmen die Menschen so wie sie sind, spenden ihnen Trost und geben Nähe – egal, wie sie aussehen, wie sie auftreten, wie sie sprechen oder sich bewegen. Gleichzeitig schütten wir Menschen beim Streicheln eines Hundes das Hormon „Oxytocin“ aus, auch Kuschel- oder Glückshormon genannt, das Menschen ruhiger, glücklicher und empathischer macht. Wie kaum einem menschlichen Therapeuten gelingt es Hunden, Menschen aus der Reserve zu locken. Das kann anfangs ein kleines Lächeln von einem Patienten sein, der zuvor aufgrund seiner Beschwerden kaum noch zu freudigen Gefühlsregungen im Stande war und kann schließlich dazu führen, dass sich die Patienten im Verlauf der Therapie mehr öffnen, flüssiger sprechen oder plötzlich einen Arm bewegen, der vorher nur schlaff herunterhing.

Therapiehunde können auf sehr vielfältige Weise auf Menschen einwirken und können sowohl im psychologischen und sozialen als auch im physiologischen Bereich erstaunliche Erfolge erzielen. Dazu gehören:

  • Stärkung der emotionalen Stabilität, Abbau von Ängsten oder Aggressionen
  • Reduzierung von Stress
  • Entspannung der Muskulatur
  • Senkung des Blutdrucks und der Pulsfrequenz
  • Förderung der eigenen Sinnes- und Körperwahrnehmung
  • Verbesserung der Motorik und des Sprachvermögens
  • Verminderung von Gleichgewichts- oder Wahrnehmungsstörungen
  • Förderung der Interaktion und Kommunikation
  • Steigerung der Aufmerksamkeit und des Verantwortungsbewusstseins
  • Steigerung des Selbstwertgefühls und Förderung der Integration in die Gesellschaft
  • Verbesserung der Konzentrations-, Merk- und Reaktionsfähigkeit und damit Steigerung der Leistungsfähigkeit

Wie wird ein Hund Therapiehund?

Nicht jeder Hund ist zum Therapiehund geboren. Hunde mit einem ausgeprägten Dickschädel oder Hunde, die von Natur aus einen starken Schutz- und Wachtrieb besitzen und dadurch zuweilen aggressives oder territoriales Verhalten an den Tag legen, würden bei den betroffenen Patienten den Stress vermutlich eher erhöhen, als dass sie positiv auf sie einwirken könnten. Entscheidend für den Erfolg als Therapiehund sind Charaktereigenschaften wie ein offenes und freundliches Wesen, eine hohe Reizschwelle und niedrige Aggressionsbereitschaft – und diese Eigenschaften hängen entscheidend mit der Kinderstube des Hundes zusammen. Im besten Fall beginnt die „Ausbildung“ zum Therapiehund also bereits im Welpenalter. Eine konsequente Erziehung und umfassende Sozialisierung sind für den späteren Einsatz als Therapiehund unerlässlich. Welche Rasse der Hund angehört, ob er ein Mischling ist, wie groß oder klein er ist, ist hingegen eher unerheblich. Grundsätzlich kann also jeder Hund zu einem Therapiehund herangezogen werden – zumindest wenn die Voraussetzungen stimmen.

Welche Voraussetzungen muss ein Therapiehund erfüllen?

Ein friedfertiges und ruhiges Wesen ist für Therapiehunde natürlich unerlässlich. An Menschen hochspringen, sie anknurren oder laut bellen, an der Leine ziehen und nicht auf die Kommandos des Herrchens hören – das alles darf sich ein Therapiehund nicht erlauben. Stattdessen muss er sich ständig und überall streicheln lassen und darf auch bei etwas „grobmotorischen“ Berührungen oder beim Ziehen am Schwanz nicht nervös oder aggressiv werden. Folgende Eigenschaften sollte ein Therapiehund deshalb unbedingt besitzen:

  • Ruhiges, friedfertiges und geduldiges Wesen
  • Enge Bindung zu seinem Hundeführer
  • Freundliche und offene Art – auch zu fremden Menschen
  • In sich ruhender Charakter
  • Geringe Aggressionsbereitschaft
  • Guter Gehorsam und leichte Führigkeit
  • Gutes Sozialverhalten
  • Kein territoriales Verhalten
  • Kein ausgeprägter Schutz- oder Wachtrieb
  • Wenig Misstrauen gegenüber Fremden
  • Sensibel, aber gleichzeitig stressresistent
golden retriever therapiehund mit oma

Sind manche Rassen besser für den Therapie-Einsatz geeignet als andere?

Erfüllt ein Hund alle oben genannten Eigenschaften, spielt seine Rassenzugehörigkeit natürlich keine Rolle mehr. Nichtsdestotrotz gibt es bestimmte Hunderassen, die von ihrem Grundwesen her eher die Anlagen zu einem Therapiehund mitbringen als andere. Freundliche und menschenbezogene Gesellschafts- und Begleithunde oder ursprüngliche Arbeitshunde, die als Jagd-, Hüte- oder Gebrauchshunde jahrzehntelang für die Zusammenarbeit mit den Menschen gezüchtet wurden, eignen sich deshalb besonders gut. Dazu gehören zum Beispiel Rassen wie Malteser, Mops, Pudel, Magyar Vizsla, Border Collie, Deutscher Schäferhund, Berner Sennenhund, Australian Shepherd, Bernhardiner, Leonberger, Neufundländer, Beagle, Labrador oder Golden Retriever. Die Zugehörigkeit zu einer dieser Rassen macht aus dem Hund natürlich nicht per se einen guten Therapiehund, denn noch wichtiger als die Herkunft sind eine gute Sozialisation, eine gute Erziehung und viel positive Erfahrungen. Auch wenn immer mehr Züchter eine zielgerichtete Zucht von Therapiehunden versuchen: Entscheidend ist immer das Individuum und wie sich der Welpe ab dem Zeitpunkt seiner Geburt entwickelt.

Wie werden Therapiehunde ausgebildet?

Egal ob nun Schäferhund, Collie oder Labrador – grundsätzlich gilt: Erwachsene Hunde, die bereits stark vorgeprägt sind, eventuell schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht haben und bei denen sich das ein oder andere unerwünschte Verhalten bereits manifestiert hat, werden wohl kaum noch zu einem erfolgreichen Therapiehund ausgebildet werden können. Eine Ausbildung im klassischen Sinn, bei der der Hund in einem halben Jahr – unabhängig seiner Vorkenntnisse – zum Therapiehund ausgebildet wird, gibt es also nicht. Auch in den USA, wo es bereits seit den 1980er Jahren eine staatlich anerkannte Therapiehund-Ausbildung gibt, müssen Hund und Führer bereits vor Ausbildungsbeginn gewisse Voraussetzungen erfüllen, die in einem Wesenstest des Hundes sowie in einem schriftlichen und mündlichen Test des Hundeführers überprüft werden.

Eine solche staatliche Prüfung müssen auch Hunde ablegen, die in Deutschland als Therapiehund zugelassen werden sollen. Dafür bieten verschiedene Institutionen und Vereine Kurse und Trainingsmöglichkeiten zur Vorbereitung auf die Arbeit als Therapiehund an. Häufig werden Hunde auch mit Hilfe des Tradierens ausgebildet, das heißt sie leben mit bereits aktiven Therapiehunden zusammen und lernen von ihnen mittels natürlicher Weitergabe.

Weitere Vorschriften für Therapiehunde

Neben der Überprüfung der Wesensfestigkeit des Hundes und des Fachwissens des Besitzers spielt natürlich auch die Gesundheit und Hygiene der angehenden Therapiehunde eine entscheidende Rolle. Wichtig ist, dass der Hund rundum gesund ist, denn ein Hund, der Schmerzen hat, kann zuweilen unerwartet und aggressiv reagieren. Er muss darüber hinaus frei von Parasiten sein, muss regelmäßig entwurmt werden und muss alle nötigen Impfungen besitzen. Überhaupt ist eine engmaschige Kontrolle durch den Tierarzt für einen Therapiehund unerlässlich, denn – je nach Einsatzort, zum Beispiel in Krankenhäusern oder Tageskliniken – ist er mehr Keimen und Bakterien ausgesetzt als andere Hunde.

Erfüllt ein Hund alle oben genannten Voraussetzungen und konnte dies in einer Prüfung unter Beweis stellen, steht seinem Weg zum Therapiehund nichts mehr im Weg. Und dabei macht er in Zukunft bestimmt nicht nur seine Patienten etwas glücklicher, sondern auch sich selbst – denn „gebraucht zu werden“ gibt auch Hunden ein gutes Gefühl.

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