Kokzidiose beim Hund This article is verified by a vet

golden retriever im grass

Kokzidien zählen zu den sogenannten Protozoen, dabei handelt es sich um einzellige Lebewesen. Sie kommen weltweit vor und werden oral aufgenommen. Im Magen-Darm-Trakt führen die Parasiten zu teils starken Durchfällen, besonders bei Welpen und Junghunden. Bisher sind beim Hund drei Arten bekannt, welche alle zu der Gattung der Isospora gehören.

Was sind Kokzidien und wie werden sie übertragen?

Von Kokzidien gibt es eine Vielzahl an Gattungen und Arten, weshalb die Parasiten weltweit vorkommen und einen Großteil der Tiere befallen können. Da die meisten Arten aber wirtspezifisch sind, findet eine Übertragung der hundespezifischen Cystoisospora- bzw. Isospora-Arten I. canis, I. ohiosensis und I. burrwoski auf andere Lebewesen wie die Katze oder auch den Menschen nicht statt. Typischerweise häufen sich die Krankheitsfälle besonders in Tierheimen oder großen Zwingern, da dort der Infektionsdruck besonders hoch ist.

Auch in Deutschland kommen die Darmparasiten vor, wobei besonders Junghunde auf Grund ihres unerfahrenen Immunsystems betroffen sind. Erwachsene Hunde können trotz fehlender Symptomatik jedoch eine Übertragungsquelle darstellen, indem sie die Parasiten in Form von sogenannten sporulierenden Oozysten (Eier) im Kot ausscheiden. Diese Oozysten haben die Eigenschaft, sich in eine schützende Hülle einbetten zu können, in welcher sie in der Umwelt lange Zeit überleben. Andere Hunde können sich dann über Kontakt zu infizierten Hunden oder die orale Aufnahme von kontaminierten Futter (z.B. rohes Fleisch) infizieren. Auch stellen sogenannte Dermozoiten (Ruhestadien) in Organen von paratenischen Wirten eine wichtige Infektionsquelle dar. Dabei handelt es sich um Tiere (z.B. Rinder oder Nagetiere), in welchen die Kokzidien zwar viele Organe befallen, sich allerdings nicht vermehren können.

Über den Speisetrakt gelangen die Oozysten anschließend in den Dünn- und Dickdarm, wo sich die Parasiten in die oberflächlichen Epithelzellen einnisten. Dabei kommt es zur Zerstörung der Darmzellen und weiterhin zu entzündlichen Reaktionen des Darms. Etwa eine bis zwei Wochen später kommt es dann zur erneuten Ausscheidung von sporulierenden Oozysten, wodurch der Lebenszyklus fortgeführt wird.

Kokzidien beim Hund: Welche Symptome treten auf?

Auf Grund des unerfahrenen Immunsystems bei Welpen und Junghunden zeigen diese Altersgruppen eine ausgeprägtere Klinik als erwachsene Hunde. Letztere erkranken in der Regel nur, wenn auch ihr Immunsystem durch andere Grunderkrankungen geschwächt ist. Da die Kokzidien den Magen-Darm-Trakt befallen, treten daher überwiegend Darmbeschwerden und weitere unspezifische Symptome auf:

  • Durchfall: Dieser kann in seinem Verlauf und seiner Konsistenz her stark variieren. So kann der Kot dünnbreiig bis wässrig ausfallen und teilweise Blutbeimengungen aufweisen
  • Allgemeine Symptome: Müdigkeit, verminderter Appetit, Fieber und Dehydratation (Wasserverlust), teils gefährliche Elektrolytentgleisungen
  • Nährstoffmangel: verzögerte Entwicklung sowie Abmagerung
  • Besonders starke Durchfälle können bei Welpen wegen der geringen Energiedepots zu Todesfällen führen

Wie werden Kokzidien beim Hund diagnostiziert?

Besonders Welpen können durch Durchfall schnell in Lebensgefahr geraten. Daher sollte in solchen Fällen nicht lange gezögert und ein Tierarzt aufgesucht werden. Anhand wichtiger Anhaltspunkte wie dem derzeitigen Impfstatus, der Haltung (Einzelhaltung oder Gruppentierhaltung) sowie der Fütterung (z.B. Barfen oder Trockenfutter) können weitere Durchfallerkrankungen wie die Parvovirose, mögliche Futtermittelunverträglichkeiten oder die Aufnahme toxischer Substanzen eingegrenzt werden.

Um den aktuellen Gesundheitsstatus des Hundes beurteilen zu können, führt der Tierarzt nach der Besitzerbefragung (Anamnese) eine klinische Allgemeinuntersuchung durch. Dies ist von großer Bedeutung, da besonders Welpen wegen der fehlenden Energiedepots stark gefährdet sind.

Ist der Kreislauf des Hundes instabil, kann dieser anschließend durch die sofortige Gabe von Flüssigkeit, Zucker und Elektrolyten (z.B. Kalium) in Form von Infusionen ausgeglichen werden. Erst dann ist eine weiterführende Untersuchung möglich.

Um Kokzidien beim Hund nachweisen zu können, ist im Rahmen der speziellen Untersuchung des Magen-Darm-Traktes eine Kotuntersuchung notwendig. Hierfür wird das sogenannte Flotationsverfahren genutzt, welches einen visuellen Nachweis der Isospora-Oozysten im Mikroskop ermöglicht. Für die Behandlung ist die Unterscheidung der drei Isospora-Arten allerdings nicht notwendig, da die Wirkstoffe ubiquitär wirken. Um ein möglichst sichere Ergebnis zu erhalten, ist jedoch die Untersuchung von Sammelkotproben über etwa 3 Tage empfehlenswert.

zwei welpen im grass

Wie wird eine Kokzidiose beim Hund behandelt?

Zeigen Hunde auf Grund eines Befalls mit Isospora-Arten wiederkehrenden Durchfall, so sollte dieser behandelt werden. In der Regel erfolgt die Therapie von Kokzidien beim Hund mit Hilfe von Medikamenten. Zum einen wirken diese spezifisch gegen die Parasiten und zum anderen unterstützen sie das Immunsystem zur Milderung der Symptomatik:

  • Spezifische Medikamente gegen Kokzidien: Sulfonamide (Resistenzen bekannt), Toltrazuril
  • Diätetische Maßnahmen: Schonkost, genügende Wasseraufnahme
  • Stabilisierung des Kreislaufes: Infusionen mit Flüssigkeit, Elektrolyten und Zucker (Glukose)
  • Bakterielle Sekundärinfektionen können ggf. mittel Antibiotika verhindert werden

Um den Infektionsdruck weiterhin senken zu können, ist es ratsam, Hygienemaßnahmen zu befolgen:

  • Behandlung aller Kontakttiere (auch ohne klinische Anzeichen)
  • Entfernung von Kot sowie regelmäßige Reinigung von Kotplätzen (z.B. durch Hochdruckreiniger und kochendem Wasser)
  • Wasser- und Futternäpfe sollten täglich gereinigt und anschließend bei über 65°C hitzebehandelt werden, um sporulierende Oozysten abtöten zu können
  • Vorsicht beim Barfen: Rohes Fleisch sollte vor Verfütterung auf mindestens 70°c erhitzt oder für 4-5 Tage bei -20°c eingefroren werden
  • Kontaminierte Flächen, Spielzeuge und weitere Gegenstände können ebenso hitzebehandelt oder mittels wirksamer Desinfektionsmittel (z.B. Kresole) behandelt werden

Kokzidien beim Hund: Wie ist die Prognose?

Wird die Kokzidiose des Hundes früh erkannt und wirksam behandelt, so ist die Prognose in den meisten Fällen gut. Trotzdem können starke Verläufe besonders bei Welpen zu Entwicklungsstörungen und sogar Todesfällen führen.

Wie kann ich meinen Hund vor Kokzidien schützen?

Um Hunde frühzeitig vor einer Infektion mit Kokzidien zu schützen, sind folgende prophylaktische Maßnahmen ratsam:

  • Einhaltung von regelmäßigen Hygienemaßnahmen
  • Strenge Futterhygiene (besonders beim Barfen)
  • Regelmäßige Kotuntersuchung (3 mal pro Jahr)
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