BARF für Hunde: Was ist das? Dieser Artikel ist tierärztlich verifiziert

Barf für Hunde

Barfen für Hunde besteht nicht nur aus rohem Fleisch, sondern erfordert noch zahlreiche andere Zutaten.

Immer mehr Hundebesitzer begeistern sich für die an die Natur angelehnte Fütterungsform „BARF“ („biologisch artgerechte Rohfütterung“). Doch wie funktioniert Barfen für Hunde und was gibt es dabei zu beachten? Wir haben für Sie alle Vor- und Nachteile sowie die wichtigsten Tipps zusammengefasst. 

Was ist Barfen für Hunde? 

Die Ernährungsform Barf kommt eigentlich aus dem englischen Sprachraum und ist dort die Abkürzung für „bones and raw food“ oder „biologically appropriate raw foods“. Letztendlich bezeichnet Barf die Rohfütterung des Hundes in Anlehnung an seine ursprüngliche Ernährung als Fleischfresser. Aus frischem Fleisch, Innereien, Gemüse, Obst, Ölen und Kräutern wird versucht, das natürliche Beutetier des wilden Hundes so weit wie möglich nachzuahmen. 

Mit einem etwas größeren Arbeitsaufwand und unter Berücksichtigung des individuellen Bedarfs eines Hundes an bestimmten Nährstoffen kann das Barfen für Hunde eine gute Alternative zu kommerziellem Futter sein.

Vorteile: Was macht Barfen für Hunde so beliebt?

Wir Menschen achten immer mehr auf unsere eigene Ernährung und die Herkunft unserer Nahrungsmittel. Da ist es naheliegend, auch für unsere Hunde nur das Beste zu wollen. Beim Barfen für Hunde bestimmen Sie selbst, woher die Zutaten für den Hundenapf kommen.  

Individuelle Zusammenstellung – auch für Allergiker

Bei Erkrankungen, wie Futtermittelunverträglichkeiten, ist die Zusammensetzung der einzelnen Futterkomponenten genau auf die individuellen Bedürfnisse abstimmbar. Unverträgliches kann ganz einfach weggelassen werden.  

Die Fütterung von größeren Fleischbrocken oder fleischigen Knochen befriedigt das Kaubedürfnis und kann zur Zahnpflege beitragen. Dies funktioniert aber nur bei Futterstücken, die nicht im Ganzen heruntergeschlungen werden können. 

Nachteile: Was spricht gegen Barfen beim Hund? 

Bei allen positiven Seiten des Barfens für Hunde sollten Sie auch mögliche Probleme sowie Risiken bedenken und abwägen:

Unausgewogene Nährstoffversorgung

Eines der Hauptprobleme vieler Barf-Rationen stellt eine massive Mangelversorgung der Hunde mit vielen wichtigen Nährstoffen dar.

Verschiedene Studien untersuchten mittels computergestützter Rationsberechnung die Nährstoffversorgung von Hunden durch eine selbstgemachte Barf-Ration. Dabei zeigte sich, dass viele der hausgemachten Barf-Rationen in ihrer Zusammensetzung nicht ausgewogen sind.

Deshalb kommt es insbesondere bei Calcium, Kalium, den Spurenelementen und den fettlöslichen Vitaminen häufig zu einer Mangelversorgung mit zum Teil erheblichen gesundheitlichen Folgen.  

Hohe Keimbelastung

Neben der Mangelversorgung mit ihren gesundheitlichen Folgen für den Hund, sorgen auch die hygienischen Probleme der Rohfleischfütterung für eine kritische Haltung der Tierärzte gegenüber dem Barfen von Hunden.  

Dies ist ein großes, vielfach diskutiertes und untersuchtes Problem. Verschiedene Studien belegen eine starke Belastung des rohen Fleisches mit Salmonellen und anderen pathogenen Keimen. Teilweise sind diese resistent gegenüber vielen der üblichen Antibiotika.  

Beim Barfen können diese Keime den Hund infizieren, führen aber häufig nicht zu einer Erkrankung. Der Hund scheidet die Krankheitserreger jedoch mit dem Kot aus und dient damit als potenzieller Überträger auf den Menschen. Gerade Säuglinge, Kleinkinder und immungeschwächte Menschen sind besonders gefährdet für eine Ansteckung.  

Eine weitere mögliche Infektionsquelle für den Menschen ist das rohe Fleisch selbst und der Umgang damit. Bei einem unsauberen Arbeiten in der Küche können Speisen für den Menschen kontaminiert und die Infektionserreger so übertragen werden.  

Fehler bei der Knochenfütterung 

Knochen sind ein wichtiger Bestandteil beim Barfen, da sie einen Großteil des benötigten Calciums liefern. Jedoch sind auch einige nicht unerhebliche Risiken der Knochenfütterung zu bedenken. Durch das harte Knochenmaterial kann es zu Zahnfrakturen (Brüche der Zähne) kommen.  

Auch Verletzungen von Magen oder Darm durch geschluckte Knochensplitter sind möglich und dann oftmals lebensbedrohlich.

Werden zudem größere Mengen an Knochen auf einmal verfüttert, dann kann das Knochenmehl zu Verstopfungen im Enddarm und dem sogenannten Knochenkot führen. Dieser muss in vielen Fällen chirurgisch entfernt werden oder führt im schlimmsten Fall auch zum Tod des Tieres. 

Lesetipp: Welche Knochen dürfen Hunde fressen?

Ist Barfen für alle Hunde gut?

Ein gesunder, erwachsener Hund kann mit der richtig zusammengestellten Ration problemlos gebarft werden.

Bei Hunden mit organischen Erkrankungen, alten Tieren und Hunden mit besonderen Ansprüchen müssen die Vor- und Nachteile des Barfens genau abgewogen werden und eventuell zum Wohle des Hundes auf die Rohfleischfütterung verzichtet werden.  

Für Welpen ist eine Barf-Fütterung als kritisch anzusehen, da sich die Ansprüche an die Nährstoffe fast wöchentlich ändern und regelmäßig angepasst werden müssen. Eine professionelle Hilfe ist hier unbedingt erforderlich, um lebenslange körperliche Schäden zu verhindern. 

Für einen Haushalt mit Säuglingen, Kleinkindern oder immungeschwächten Personen ist eine Rohfleischfütterung aufgrund des hohen Infektionsrisikos nicht zu empfehlen.  

Barfen für Hunde mit Knochen
Fleischige Knochen liefern wichtiges Kalzium beim Barfen und befriedigen das Kaubedürfnis.

Die ideale Zusammensetzung: Wie barfe ich richtig beim Hund? 

Was muss also alles in den Napf meines Hundes rein für eine gesunde Ernährung? Wichtig ist die ausgewogene Zusammensetzung der einzelnen Zutaten und Nährstoffe. Eine Überversorgung mancher Nährstoffe hat einen negativen Einfluss auf die Versorgung mit einem anderen Nährstoff.  

Tierische Produkte als Hauptbestandteil 

Einen großen Teil der Ration beim Barfen für Hunde machen tierische Produkte aus. Diese liefern den Hunden wichtige Aminosäuren als Baustoffe körpereigener Proteine. Diese wiederum sind wichtig als Bestandteile von zum Beispiel Geweben, Enzymen oder Hormonen.  

Tipp: Einige wenige pflanzliche Eiweißlieferanten enthalten die für den Hund essenziellen Aminosäuren in der passenden Zusammensetzung und in ausreichender Menge. Soja ist eine dieser Quellen. 

Reines Muskelfleisch enthält hochwertiges, leicht verdauliches Protein. Deshalb macht dieses den größten Teil der Produkte tierischen Ursprungs in einer Barf-Ration aus. Gut geeignet ist Fleisch von Rind, Huhn, Pute, Lamm oder Ziege.  

Exotischere Fleischsorten, wie Pferd, Strauß oder Känguru, sollten Sie dabei alternative Proteinquellen für Erkrankungen wie Futtermittelunverträglichkeiten aufsparen. 

Die Auswahl der Fleischsorten orientiert sich an den unterschiedlichen Fett- und Eisengehalten. Wechseln Sie idealerweise zwischen mindestens zwei Sorten.

Achtung: Rohes Schweinefleisch ist tabu!

Schweinefleisch darf auf keinen Fall roh verfüttert werden. Schweine sind potenzielle Überträger des Aujeszky-Virus, welches bei Hunden und Katzen zum Tod führt. Wenn Schweinefleisch als Proteinquelle genutzt werden soll, dann muss es immer gut durchgegart sein. 

Innereien enthalten sehr viel Bindegewebe und sind schwerer verdaulich. Deshalb sollte der Anteil an Innereien 25 Prozent des gesamten Fleischanteils nicht übersteigen. Sonst kann es zu Blähungen und Veränderungen der Kotkonsistenz kommen.  

Für eine gesunde Ernährung sind sie in einer Ration nicht unbedingt notwendig. Bei einer sehr strengen Barf-Ration, vollständig ohne künstliche Zusätze, müssen aber manche Innereien als Lieferanten wichtiger Vitamine, Spurenelemente und Mineralstoffe zugefügt werden.  

Verwenden können Sie hierfür insbesondere Pansen, Blättermagen, Milz, Euter, Lunge und Nieren. Da Leber sehr viel Vitamin A enthält sollte Sie diese nur in kleinen Mengen verfüttern.

Bei der Verwendung von fertigen Mineral- und Vitaminpräparaten muss in der Regel ganz auf Leber verzichtet werden, um eine Überversorgung mit Vitamin A zu vermeiden. 

Achtung: Bei der regelmäßigen Verfütterung von Schlundfleisch können eventuell daran verbliebene Schilddrüsenreste zu einer Schilddrüsenüberfunktion führen. Verzichten Sie daher sicherheitshalber auf die Gabe von Schlundfleisch.

Je nach Art liefert Fisch die Nährstoffe Jod, Vitamin A und Vitamin D beim Barfen für Hunde. Insbesondere fettreiche Fischsorten, wie der Lachs, haben außerdem einen hohen Gehalt an essenziellen Omega-3-Fettsäuren.  

Insgesamt ist Fisch jedoch als Vitamin-Quelle nicht sehr relevant und sollte im Barf-Plan nur ein- bis zweimal pro Woche vorkommen. 

Knochen sind eine Möglichkeit, den Hund mit ausreichend Kalzium zu versorgen. Um Schwankungen in der Versorgung mit Kalzium vorzubeugen, sollten mindestens alle zwei Tage, besser täglich, Knochen in der Ration enthalten sein.  

Gut eignen sich rohe Knochen mit fünfzig Prozent Fleischanteil, wie zum Beispiel Hühnerhälse. Diese können im Ganzen oder gewolft verfüttert werden. 

Doch Vorsicht: Eine übermäßige Gabe von Knochen führt zu Harnsteinbildung, Verstopfung und hemmt die Aufnahme von Kupfer und Zink aus der Nahrung.  

Auch Milchprodukte liefern hoch verdauliche Eiweiße und viele essenzielle Aminosäuren. Sie können als teilweiser Ersatz des Muskelfleisches beim Barfen für Hunde verwendet werden. Gut geeignet sind Hüttenkäse, Quark, Joghurt oder Schmand.

Die meisten Hunde vertragen kleinere Portionen normaler Milchprodukte sehr gut. Die Menge sollten Sie nur langsam steigern. Bei möglicherweise entstehendem Durchfall sollten Sie die Milchprodukte jedoch entweder weglassen oder laktosefreie Alternativen werden.  

Wichtig: Zur Versorgung des Hundes mit ausreichend Kalzium reichen Milchprodukte auf keinen Fall aus. 

Ausnahme: Eier besser kochen

Ein Ei pro Woche ergänzt eine Barf-Ration sehr gut, da es weitere wichtige Nährstoffe liefert. Das Eigelb enthält zum Beispiel reichlich Biotin. Auch die Eierschalen können Sie gemahlen als zusätzlichen Kalziumlieferant verfüttern. 

Die Aufnahme von Biotin und Proteinen wird jedoch durch Stoffe im rohen Eiweiß gehemmt. Erhitzen inaktiviert diese Hemmstoffe. Auch aus hygienischen Gründen ist es sicherer, Eier nur in gekochter Form zur Ration dazuzugeben.  

Nicht nur Fleisch: Was sollte eine gute Barf-Ration für Hunde noch enthalten?  

Neben Muskelfleisch und anderen tierischen Erzeugnissen braucht der Hund noch einige weitere Zutaten in seinem Napf. Diese liefern Nährstoffe für eine gesunde Darmflora und den gesamten Organismus. 

Neben vielen Vitaminen enthalten Obst und Gemüse wichtige Ballaststoffe für eine gesunde Darmtätigkeit. Generell lässt sich sagen: Was wir Menschen roh vertragen, kann der Hund auch roh bekommen. Trotzdem gibt es Lebensmittel, die der Hund auf keinen Fall fressen darf! Informieren Sie sich daher unbedingt darüber, bevor Ihr Hund etwas in seinen Napf bekommt. 

Das Gemüse können Sie am Stück, geraspelt oder püriert füttern. Dabei ist die Akzeptanz von gekochtem Gemüse oft besser. Manche Sorten, wie Brokkoli, Kürbis oder Hülsenfrüchte, müssen Sie allerdings vor der Verwendung garen. Roh eignen sich beispielsweise Karotten, Zucchini, Fenchel, Pastinake, Gurke oder verschiedene Salate. 

Obst nur in Maßen

Durch seinen hohen Zuckergehalt ist Obst nur bedingt für den Hund geeignet und muss nicht zwingend in einer Ration beim Barfen für Hunde enthalten sein. Setzen Sie das Obst stattdessen als kleinen Leckerbissen zwischendurch ein. Gerne können Sie dafür beispielsweise Äpfel, Birnen oder Erdbeeren verwenden. 

Achtung: Zwiebeln, Knoblauch, Lauch, Avocado und Trauben gehören auf keinen Fall in den Hundenapf! 

Ein weiterer wichtiger Bestandteil in jeder Ration beim Barfen von Hunden sind verschiedene Öle, die den Hund mit essenziellen Fettsäuren und Vitamin E versorgen. Außerdem werden Öle bei der Verdauung und Aufnahme fettlöslicher Vitamine aus der Nahrung benötigt. 

Der Gehalt und die Zusammensetzung der Fettsäuren, insbesondere Omega-3 und Omega-6, in den einzelnen Ölen variieren. Wechseln Sie daher idealerweise täglich zwischen mehreren Sorten ab. Gut geeignet ist eine Kombination aus Lein-, Lachs- und Sonnenblumenöl.

Eine tatsächlich bedarfsgerechte Barf-Ration kommt nicht ohne Nahrungsergänzungen aus, da ein exakter Nachbau eines Beutetieres mit den genannten Futterkomponenten nicht erreicht wird. Ein Hund benötigt jedoch alle wichtigen Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente in ausreichender Menge, um gesund alt werden zu können.  

Greifen Sie je nach Vorliebe auf natürliche oder fertige Präparate zurück. 

Möglichst detaillierte Analysedaten zu den enthaltenen Nährstoffen helfen bei der Einschätzung, ob ein Produkt einige oder alle fehlenden Vitamine und Mineralstoffe ausreichend ergänzen kann.  

Natürliche Ergänzungsmittel beim Barfen 

Möchten Sie Ihren Hund barfen und mit natürlichen Zutaten ergänzen? Dies erfordert einen etwas höheren zeitlichen Aufwand und ein gutes Fachwissen, da die fehlenden Nährstoffe durch zahlreiche einzelne Komponenten ergänzt werden. Dabei dürfen diese weder in zu geringer noch in zu großer Menge in der Barf-Ration enthalten sein. 

Lebertran ist beispielsweise ein sehr guter Vitamin D Lieferant. Eine zu große Menge davon führt jedoch zu einer Vitamin D Überversorgung und somit zu massiven gesundheitlichen Problemen. 

Seealgen können zur Ergänzung von Jod genutzt werden. Da der Jodgehalt in den Produkten je nach Herstellungsort und Jahreszeit schwankt, sollten unbedingt Produkte mit ausgewiesenem Jodgehalt je Charge verwendet werden. Süßwasseralgen, wie Spirulina oder Chlorella, enthalten kein Jod!  

Für eine bedarfsgerechte Ergänzung der Ration sind noch zahlreiche weitere natürliche Zutaten notwendig. Wählen Sie diese individuell, zur jeweiligen Fütterung Ihres Hundes passend, aus. 

Fertige Mineral- und Vitaminpräparate 

Sie haben nur wenig Erfahrung oder nicht genügend Zeit alle natürlichen Ergänzungsmittel zur Ration hinzuzufügen? Geeignete fertige Mineral- und Vitaminpräparate sind auf das Barfen für Hunde abgestimmt. Ergänzen Sie die tägliche Fütterung mit der vom Hersteller angegebenen Menge. So ist eine bedarfsgerechte Versorgung mit allen Nährstoffen gesichert.

Kohlenhydrate beim Barfen: Ja oder nein? 

Die Fütterung von Kohlenhydraten beim Hund ist ein sehr strittiges Thema, insbesondere beim Barfen für Hunde. Da Kohlenhydrate niemals ungekocht gefüttert werden, sind diese in einer klassischen Barf-Ration nicht enthalten. Sie erfüllen jedoch wichtige Aufgaben und sollten daher für eine gesunde Ernährung des Hundes mit eingeplant werden. 

Durch Erhitzen wird die Stärke aufgeschlossen und kann jetzt verdaut werden. Dies geschieht durch Kochen oder die Herstellung von Flocken. So verarbeitet, liefern Getreide und Kartoffeln reichlich Energie. Als teilweiser Ersatz zum Fleisch senken die Kohlenhydrate den Protein- und Phosphorgehalt in der Barf-Ration und entlasten somit insbesondere die Nieren. 

Verträglichkeit und Menge individuell abwägen

Untersuchungen haben eine genetische Anpassung des Hundes an die Verdauung von Stärke nachgewiesen. Jedoch fällt die Ausprägung dieser Fähigkeit zwischen den Rassen und auch zwischen einzelnen Hunden einer Rasse sehr unterschiedlich aus. Deshalb sollten Sie individuell prüfen und entscheiden, ob Ihr Hund Kohlenhydrate verträgt und welche Menge für ihn gut ist.

Barfen für Anfänger: Die größten Fehler und wichtigsten Tipps 

Möchten Sie die Ernährung Ihres Hundes auf Barf umstellen? Gerade als Anfänger sollten Sie ein paar Punkte unbedingt beachten:

Möglichen Aufwand einschätzen 

Barfen kann eine sehr aufwändige Futtermethode sein. Informieren Sie sich vorab über die verschiedenen Barf-Methoden, so können Sie die beste Variante für Ihren Hund und Ihre Lebensumstände wählen.  

Auf jeden Fall müssen stets der Kauf und die Lagerung größerer Mengen rohen Fleisches, gekühlt oder gefroren, eingeplant werden. Außerdem muss die Futterzusammensetzung genauestens kalkuliert werden.

Vor einer Futterumstellung sollte Ihr Hund von einem Tierarzt auf mögliche körperliche Erkrankungen untersucht werden, da eine Umstellung auf eine Barf-Fütterung bei manchen Krankheiten nicht zu empfehlen ist. 

Berechnung einer ausgewogenen Barf-Ration 

Eine Barf-Mahlzeit im Napf besteht nicht nur aus Fleisch und Innereien. Für eine ausgewogene Ernährung sind noch zahlreiche andere Zutaten notwendig. Dies kann eine Fütterung sehr aufwendig und zeitintensiv machen.  

Lesen Sie sich sehr gründlich in die Fachliteratur ein, um Ihren Hund mit allen notwendigen Nährstoffen bedarfsgerecht zu versorgen. Zusätzlich ist, gerade für Anfänger, die Unterstützung durch einen fachlich versierten Ernährungsberater zu empfehlen.  

Alternativen zur eigenen Ration: Barf-Menüs aus dem Fachhandel  

Wer unkompliziert barfen möchte, der kann mittlerweile auf Barf-Komplettmenüs aus dem Fachhandel setzen, die aus frischem Fleisch und einem optimal abgestimmten Anteil Gemüse und Obst bestehen. Die tiefgekühlten, portionierten Produkte können online bestellt werden und eignen sich nicht nur wunderbar für Barf-Neulinge, sondern können auch immer dann zum Einsatz kommen, wenn es schnell gehen soll. Auch speziell auf Welpen abgestimmte Mischungen sind erhältlich.  

Ebenso bietet der Fachhandel reine Fleisch-Zusammenstellungen an, die Sie entsprechend mit Obst, Gemüse, Ölen und Mineralpräparaten ergänzen können. Natürliche Snacks befriedigen das Kaubedürfnis oder dienen als kleine Belohnung.  

Achten Sie beim Kauf jedoch auf die genaue Angabe der einzelnen Fleischanteile. So können Sie die Zusammensetzung nachvollziehen und fehlende Nährstoffe gezielt ergänzen. 

Vorsicht bei der Wahl fertiger Menüs für den Welpen 

Gerade beim Barfen von Welpen ist eine bedarfsgerechte Versorgung mit allen Nährstoffen unbedingt notwendig. Nur so können langfristige gesundheitliche Schäden durch eine mangelhafte Ernährung verhindert werden.

Viele fertige Barf-Mischungen für den Welpen erfüllen die Anforderungen an eine ausgewogene Ernährung nicht ausreichend. Diese sollten unbedingt professionell überprüft und an die individuellen Ansprüche angepasst werden.  

Kompromisse und Alternativen zum Barfen beim Hund

Sie haben nicht die nötige Zeit, den ausreichend großen Gefrierschrank oder fühlen sich mit Ihrem aktuellen Wissen über die Hundeernährung nicht ausreichend fit? Sie haben Kleinkinder oder eine immungeschwächte Person im Haushalt und Ihnen ist das Infektionsrisiko durch das rohe Fleisch zu groß?  Das ist kein Problem. Es gibt mittlerweile eine große Auswahl an Fertigfuttermitteln, die ebenfalls hohen Ansprüchen genügen.

Fertigfutter oder Selbstgekochtes

So sind reine Fleischdosen, die mit Gemüseflocken ergänzt werden, sind ebenso möglich wie komplett fertige Nassfuttermenüs. Denn diese stellen unkompliziert sicher, dass Ihr Hund mit allem, was er braucht, versorgt wird.  Alternativ stellen Sie für Ihren Hund die Barf-Rationen zusammen und verfüttern diese gekocht.  

Natürlich können Sie auch dann, wenn Sie sich für Fertigfütterung entscheiden, „Teilbarfen“ oder ab und an Barf-Mahlzeiten einbauen. Wichtig ist dabei nur, dass Ihr Vierbeiner diese Wechsel in der Fütterung verträgt. 

Im Zweifel: BARF-Beratung vom Experten  

Haben Sie wenig Zeit, sich mit der bedarfsgerechten Fütterung von Hunden auseinanderzusetzen? Oder wolle Sie sich absichern, dass Ihr Hund mit allen Nährstoffen versorgt ist? Dann empfiehlt sich eine Barf-Beratung durch geschulte Fachleute.

Diese können einen individuell abgestimmten Plan erstellen und auf besondere Bedürfnisse eingehen. Auch in Spezialfällen – wie Trächtigkeit, Futtermittelunverträglichkeiten oder Lebererkrankungen – können sie einen passenden Futterplan erstellen.  

Wie erkenne ich einen guten Ernährungsberater für BARF? 

Achten Sie bei der Auswahl eines geeigneten Ernährungsberaters auf eine fundierte und seriöse Ausbildung durch anerkannte Institutionen. Insbesondere im Krankheitsfall, aber auch für den gesunden Hund, sind auf Ernährung des Tieres spezialisierte Tierärzte und Fachtierärzte für Ernährungsberatung gute Ansprechpartner.  

Eine Ausbildung über wenige Tage kann das umfassende Wissen rund um die Ernährung des Hundes nicht ausreichend vermitteln. Dabei entstehen oftmals Barf-Pläne mit einer massiven Unterversorgung wichtiger Vitamine und Mineralstoffe. 

Wo kann ich BARF-Produkte kaufen?

Im Fachhandel und zooplus Online-Shop finden Sie eine große Palette an Frostfutter und BARF-Fertig-Menüs für Hunde in vielen leckeren Sorten. BARF-Ergänzungen helfen Ihnen beim täglichen Zusammenstellen des individuellen Rohfutters für Ihren Hund.

Quellen:

  • Dillitzer et al.: Intake of minerals, trace elements and vitamins in bone and raw food rations in adult dogs. Br J Nutr (2011), 106: 53-56 
  • Dr. Julia Fritz: Fertigfutter und hausgemachte Rationen – kennen Sie sich wirklich aus?;  Veterinärspiegel (2013), 2: 79-85 
  • Erik Axelsson et al.: The genomic signature of dog domestication reveals adaptation to a starch-rich diet, Nature Nr. 495 (2013), S. 360-364 (Online-Version)
  • Ollivier M. et al.: Amy2B copy number variation reveals starch diet adaptations in ancient European dogs, R. Soc. open sci.3: 160449 (2016) (Online Version)
  • van Bree, F.P.J. et al.: Zoonotic bacteria and parasites found in raw meat-based diets for cats and dogs. Veterinary Record, 182: 50-50. (2018) (Online Version)
  • Mack JK, Kienzle E.: Fehlversorgungen in „BARF”-Futterplänen für einen Wurf Berner-Sennenhund-Welpen. Ein Fallbericht. Tierarztl Prax Ausg K Kleintiere Heimtiere (2016); 44(05): 341-347 (Online Version)
  • Zimmermann Sandra: Umfrage zum Thema Rohfütterung „BARF“ unter Hundebesitzern in Österreich und Deutschland und rechnerische Überprüfung von BARF-Rationen, Diplomarbeit (2013) (PDF)

Dr. Cornelia Kolo, Tierärztin
frau zwei hunde

Während meines Studiums der Tiermedizin und meiner Promotion an der Ludwigs-Maximilians-Universität in München konnte ich zahlreiche Einblicke in die vielfältigen Bereiche der Tiermedizin sammeln. Seit 2011 habe ich in meiner praktischen Tätigkeit als Tierärztin mit den verschiedensten Tieren und ihren Erkrankungen zu tun. Meine Leidenschaft gehört dabei der Aufgabe, meinen Patienten bestmöglich zu helfen und zu ihrem Wohle zu handeln. Mein Wissen als Tierärztin und als langjährige Hundebesitzerin und Hundesportlerin teile ich zudem gerne als Autorin.


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