Demodexmilben beim Hund This article is verified by a vet

Hund mit haarlosen Stellen durch Demodexmilben

Haarlose, schuppige Stellen sind typisch für einen Befall mit Demodexmilben.

Hat Ihr Hund auf einmal kahle Stellen im Fell, obwohl es ihm sonst gut geht? Dann könnten Demodexmilben die Ursache sein. Die kleinen Parasiten besiedeln das Fell von Hunden und lösen bei starker Vermehrung die Demodikose aus. Wie Sie Ihrem Liebling helfen können und was Sie sonst noch über Demodexmilben beim Hund wissen müssen, erfahren Sie in unserem Ratgeber.

Wie problematisch sind Demodexmilben beim Hund?

Die Demodexmilben (Demodex canis, Haarbalgmilben) gehören zur normalen Hautfauna des Hundes. Sie werden meistens von den Muttertieren auf ihre Welpen übertragen.

Bei bis zu 50 Prozent aller gesunden Hunde lassen sich die Milben nachweisen, die in den Haarfollikeln (Haarbälgen), sowie in Talg- und Scheißdrüsen des Hundes leben. Sie lösen keinen Juckreiz aus und haben auch sonst keine Krankheitssymptome zur Folge – auch ansteckend sind sie in der Regel nicht.

Problematisch werden die Haarbalgmilben nur, wenn sie sich massenhaft vermehren. Erst dann lösen sie Krankheitssymptome aus.

Ausprägungen & Symptome: Was sind die wichtigsten Krankheitszeichen?

Vermehren sich Demodexmilben unkontrolliert auf dem Hund, spricht der Mediziner von einer Demodikose. Diese tritt beim Hund in verschiedenen Formen und mit unterschiedlicher Symptomatik auf. Insgesamt lassen sich sechs Varianten unterscheiden:

1. Die lokalisierte (spontane) Demodikose

An dieser Form der Demodikose können Hunde aller Rassen erkranken. Meist sind Hunde im jugendlichen Alter betroffen.

Bei der lokalisierten Form treten bis zu fünf umschriebene haararme oder haarlose Hautstellen auf. Sind es mehr als fünf Stellen auf, handelt es sich um die generalisierte Form. Die Bereiche sind gerötet und schuppig, wobei der Hund oftmals keinen Juckreiz verspürt. Die Veränderungen durch die Demodexmilben können Sie bei Ihrem Hund an Kopf, Hals, Gliedmaßen und am Rumpf finden.

Nicht selten wird die Erkrankung ganz zufällig oder gar nicht entdeckt. Bei über 90 Prozent der Fälle mit lokalisierter Demodikose kommt es außerdem zu Spontanheilungen.

2. Lokalisierte, iatrogene Demodikose

Eine weitere Form stellt die lokalisierte Demodikose dar, die manchmal durch eine örtliche Schwächung des Immunsystems ausgelöst wird. Dies geschieht zum Beispiel durch die Injektion eines Depot-Kortisonpräparats oder durch die lokale Anwendung einer Kortisoncreme. Meist ist nur die Hautstelle betroffen, an der die Injektion oder die Anwendung der Salbe erfolgt ist.

Die Hautveränderungen äußern sich ähnlich wie bei der spontanen Form: Es kommt zu Stellen im Fell mit umschriebenem Haarverlust, Hautrötungen und Schuppenbildung. Oft ist die Haut auch sehr dünn. Sie bleiben bedingt durch die Depot-Wirkung des injizierten Kortisonpräparats teilweise lange Zeit bestehen. Wenn keine Komplikationen wie zum Beispiel Entzündungen entstehen, können Sie die Heilung ohne Therapie abwarten.

3. Generalisierte, erbliche Demodikose

Bei dieser Form geht man von einem erblich bedingten Immundefekt in Kombination mit einer zusätzlichen Immunsuppression als Ursache aus. Sie tritt bei jungen Hunden abhängig von der Rasse bis zum Alter von eineinhalb bis zwei Jahren auf.

Die Hautveränderungen beginnen häufig mit einzelnen Stellen – ähnlich der lokalen Form mit Schuppenbildung, Hautrötung und Haarverlust, die sich aber schnell ausbreiten (Generalisierung). Der Kopf und die Vordergliedmaßen sind oft als erstes betroffen, die Veränderungen breiten sich dann aber über die gesamte Haut aus.

Bei dieser Form entstehen meist – als Folge des Befalls durch Demodexmilben beim Hund – bakterielle Infektionen, die Juckreiz verursachen und schwerwiegende Hautsymptome nach sich ziehen können. Dazu zählen unter anderem Fisteln, Ödeme, Papeln und Pusteln, aber auch schwere Allgemeinstörungen wie Fieber oder Schwellung der Körperlymphknoten.

4. Generalisierte Demodikose durch Immunsuppression

Auch ältere Hunde können unabhängig von der Rasse an einer generalisierten Form der Demodikose erkranken.

Die Entstehung kann zum einen iatrogen erfolgen, das heißt durch Verabreichung immunsuppressiver Medikamente wie Kortison. Zum anderen können auch bestehende Grunderkrankungen wie Tumore und Stoffwechselerkrankungen (Cushing, Diabetes, Hypothyreose etc.) Auslöser für die übermäßige Vermehrung der Demodexmilben sein.

5. Pododemodikose

Bei dieser Form der Demodikose treten entzündliche Hautveränderungen im Pfotenbereich auf. Die Pfoten sind dann geschwollen und schmerzhaft.

Meist sind Rassen wie Doggen, Bobtails und andere große Rassen, aber auch West Highland White Terrier, Möpse, französische und englische Bulldoggen sowie Shar Pei betroffen. Diese Form kann zusätzlich zur generalisierten Form oder als eigenständiges Problem auftreten.

6. Demodikose durch Demodex cornei und Demodex injai

Es gibt noch weitere Formen der Demodikose, die jedoch von anderen Milbenarten als den bisher erwähnten Demodex canis verursacht werden. Allerdings konnten Forscher bei diesen Arten noch nicht klären, ob eine Übertragung von betroffenen Hunden auf gesunde Hunde erfolgt.

Demodex cornei geht mit Hautrötung, Schuppung und im Gegensatz zu anderen Demodexmilben beim Hund mit deutlichem Juckreiz einher. Demodex injai lebt scheinbar in den Talgdrüsen und führt dadurch zu fettiger Haut, schlechter Fellqualität und schütterem Fell vor allem auf dem Rücken.

Diagnose: Wie lassen sich die Demodexmilben beim Hund nachweisen?

Die Diagnose wird bei allen Formen der Demodikose auf die gleiche Weise gestellt. Dazu benötigt der Tierarzt ein tiefes Hautgeschabsel. Je nach Lokalisation der Hautveränderungen können auch Quetschpräparate, Klebesteifenpräparate und die Untersuchung der Wurzeln ausgezupfter Haare einen Nachweis sichern.

Manchmal kann – bedingt durch Entzündungen – bei chronisch verdickter Haut keine Diagnose auf die oben beschriebene Weise gestellt werden. Bei starkem Verdacht auf Demodexmilben nimmt der Tierarzt deshalb eine Hautbiopsie bei Ihrem Hund vor.

Demodexmilbe unter dem Mikroskop
Unter dem Mikroskop werden die Demodexmilben sichtbar.

Therapie: Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Die Behandlung der Demodikose ist abhängig von der Ausprägung und den Krankheitssymptomen. Der behandelnde Tierarzt entscheidet entsprechend, welche Therapie notwendig ist.

Gegen die Demodexmilben beim Hund selbst helfen Spot on-Produkte und Shampoos. Kommt es allerdings zu einer Sekundärinfektion, muss der Tierarzt womöglich ein Antibiotikum verabreichen. Mit immunstärkenden Mitteln lässt sich außerdem der Therapieerfolg unterstützen.

Prognose: Wie stehen die Heilungschancen bei Demodexmilben?

Die Prognose richtet sich danach, an welcher Form der Demodikose der Hund erkrankt ist. Während die lokalisierten Formen teilweise sogar ohne Therapie ausheilen, kann die Behandlung der generalisierten Formen sehr anspruchsvoll sein. Oft sind dabei viele Behandlungszyklen nötig.

Im Fall einer generalisierten Demodikose aufgrund von Immunsuppression muss der Tierarzt vor allem die Grunderkrankungen behandeln.

Vorbeugen: Wie vermeide ich die Demodikose beim Hund?

Da die Demodex-Milbe zur normalen Hautfauna des Hundes gehört, ist hier eine Prophylaxe mit Medikamenten nicht möglich. Um vor allem der lokalisierten, spontanen Form vorzubeugen, ist es stattdessen ratsam das Immunsystem zu unterstützen und zu stärken.

Eine Anlage für das Entstehen einer Demodikose besteht bei kurzhaarigen barchycephalen (kurzschnauzigen) Rassen wie der englischen oder französischen Bulldogge und dem Mops, dem Shar Pei sowie dem Dobermann, dem Deutschen Schäferhund, dem Dackel und einigen Terrierrassen. Da diese Anlage erblich ist, sollten Hunde, die an einer generalisierten Demodikose erkrankt sind, nicht für die Zucht vorgesehen werden.


Franziska Pantelic, Tierärztin
Franziska Pantelic

Ich unterstütze das zooplus Magazin seit einigen Jahren mit meiner umfangreichen Expertise. Bereits seit 2009 bin ich approbierte Tierärztin und derzeit mit einer mobilen Kleintierpraxis im Großraum München tätig.


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