Schlittenhunde: Artgerecht oder Tierquälerei?

Verfasst von Natalie Decker
Schlittenhunde

Beim Thema Schlittenhunde scheiden sich die Geister. So steht der Hochleistungssport immer wieder im Spannungsfeld zwischen artgerechter Auslastung, Tradition und dem Vorwurf der Tierquälerei.

Welche Rassen zählen zu den Schlittenhunden? Was zeichnet diese sportlichen Vierbeiner aus? Und sind Schlittenhunderennen eigentlich tierschutzwidrig? Das und mehr lesen Sie im Folgenden.

Was ist ein Schlittenhund?

Grundsätzlich kann man alle Hunde als Schlittenhunde bezeichnen, die vor einen Hundeschlitten gespannt werden. Mittels Geschirr und Leinen sind die mittelgroßen Tiere mit dem Schlitten verbunden und sausen zusammen mit dem Gespannfahrer, dem sogenannten Musher, durch verschneite Winterlandschaften.

Im engeren Sinne versteht man unter dem Begriff Schlittenhunde bestimmte Rassen, die sich aufgrund ihrer Herkunft, ihrer Merkmale und ihres natürlichen Verhaltens besonders gut für den Zughundesport eignen. Die Fédération Cynologique Internationale (FCI), der größte kynologische Dachverband, erkennt nur vier Rassen als klassische Schlittenhunde an.

Schlittenhunderassen

Anerkannte Schlittenhunderassen laut der FCI sind der Siberian Husky, der Alaskan Malamute, der Samojede und der Grönlandhund. Darüber hinaus gibt es weitere nordische Hunderassen, die als Schlittenhunde eine gute Figur machen, etwa der Kanadische Eskimohund, der Jakutische Laika und der Scandinavian Hound.

Gut zu wissen: Die meisten Tiere, die heutzutage bei Schlittenhunderennen antreten, sind Mischlinge. Sie sind entweder Kreuzungen der oben genannten nordischen Rassen oder haben eine ganz andere Abstammung.

Jagdhunde vs. Schlittenhunde

Auf kurzen und mittleren Distanzen werden gerne jagdhundartige Vierbeiner eingesetzt, da diese schneller an ihre Leistungsgrenze gehen. Dagegen haben sich bei längeren Strecken die ursprünglichen nordischen Schlittenhunde bewährt. Denn diese sind rassebedingt optimal an eisige Temperaturen angepasst und können bei größeren Distanzen dauerhaft Leistung erbringen.

Siberian Husky © sir_j / stock.adobe.com
Gut trainierte Siberian Huskys können das Neunfache ihres eigenen Körpergewichts ziehen.

Merkmale und Eigenschaften

Die klassischen Schlittenhunderassen Siberian Husky, Alaskan Malamute, Samojede und Grönlandhund sind eng mit dem Wolf verwandt. Sie sehen dem wilden Vorfahren unserer Haushunde nicht nur besonders ähnlich – sie bellen normalerweise auch nicht. Stattdessen heulen und jaulen Schlittenhunde wie Wölfe.

Typisch für Schlittenhunde sind ihre hohe Ausdauer und ihre enorme Leistungsbereitschaft. Sie besitzen einen ausgeprägten Bewegungsdrang und einen unbedingten Laufwillen. Das Rennen liegt ihnen im Blut, schließlich werden sie seit Jahrhunderten genau dafür gezüchtet.

Was Schlittenhunde leisten

Gut trainierte Tiere können einen Schlitten an einem Tag bis zu 200 Kilometer weit ziehen. Auf kurzen Distanzen erreichen sie Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 40 Kilometern pro Stunde. Bei längeren Rennstrecken beträgt das Durchschnittstempo zwischen 16 und 23 Kilometern pro Stunde.

Schlittenhunde sind robuste Vierbeiner, die unempfindlich gegenüber Kälte sind. Selbst bei großer Belastung und niedrigen Temperaturen können die anpassungsfähigen Hunde ihre Leistung abrufen.

Sie besitzen raues Deckhaar mit reichlich Unterwolle, werden bis ungefähr 70 Zentimeter groß und bis zu 45 Kilogramm schwer. Dank ihrer Widerstandsfähigkeit und ihres starken Herz-Kreislauf-Systems kommen Schlittenhunde trotz sportlicher Höchstleistungen auch mit einem vergleichsweise knappen Futterangebot zurecht.

Als Familienhund geeignet?

Die Vierbeiner zeigen ein ausgeprägtes Sozialverhalten und möchten wie Wölfe in Rudeln zusammenleben. Innerhalb der Gruppe herrscht eine strenge Rangordnung, die immer wieder „ausdiskutiert“ wird – teilweise mit den Zähnen. Übrigens muss der Leithund, der an der Spitze des Gespanns läuft, nicht zwangsläufig der Rudelchef sein.

Schlittenhunde schätzen zwar die Nähe zu ihrer Familie, zeigen sich aber oftmals weniger personenbezogen und sind naturgemäß eigenwilliger als andere Rassen. Von den klassischen vier Schlittenhunderassen gilt der soziale Samojede als der familienfreundlichste.

Ursprung und Geschichte der Schlittenhunde

Die Geschichte der Schlittenhunde lässt sich bis ca. 100 v. Chr. zurückverfolgen. In den nördlichen Regionen der Erde setzen die Menschen demnach seit Jahrhunderten auf die Kraft und Ausdauer der Schlittenhunde. Es wird vermutet, dass im nördlichen Sibirien Hunde vor allen anderen Zugtieren wie Pferden und Rindern eingesetzt wurden.

Die Namen der verschiedenen Rassen gehen auf die indigenen Volksstämme zurück, die sie ursprünglich gezüchtet haben bzw. auf die Region, aus der sie stammen. So war der Siberian Husky einst treuer Begleiter der sibirischen Nomadenvölker, etwa der Tschuktschen und der Jakuten. Der Alaskan Malamute kommt aus der nordwestlichen Arktis und ist nach den dort lebenden Mahlemiut benannt.

Zucht und Einsatzgebiete

Vor allem in Kanada und Alaska waren Schlittenhunderennen zu Beginn des 20. Jahrhunderts sehr beliebt. Während des Ersten Weltkriegs wurden die Tiere aber auch in verschiedenen Regionen für militärische Zwecke eingesetzt, beispielsweise um Güter oder Verletzte zu transportieren.

Mitte des 20. Jahrhunderts verloren viele Menschen das Interesse an Schlittenhunderennen, was sich auch auf die Zucht auswirkte. Fortan wurden Schlittenhunde hauptsächlich für Hundeausstellungen gezüchtet, wo die schönsten Tiere prämiert wurden. Bei der Zucht wurde deshalb immer mehr Wert auf die Erfüllung der Rassestandards gelegt, weniger auf die Leistungsfähigkeit der Tiere.

Verschiedene Zuchtlinien

Nur wenige Schlittenhunde wurden damals noch für den Hundesport gezüchtet. Die Aufteilung der Zuchtlinien in Show-Dogs und Arbeitstiere wirkt bis heute nach. Denn die Optik allein gibt keinerlei Aufschluss darüber, wie sportlich ein Schlittenhund ist. Seit den 70er-Jahren sind Schlittenhunderennen wieder beliebter, geraten aber zunehmend ins Visier von Tierschützern.

Sind Schlittenhunderennen Tierquälerei?

Viele Tierschützer halten Schlittenhunderennen und -fahrten für Tierquälerei. Denn so mancher Hund geht bei den anstrengenden Rennen an seine Leistungsgrenze – und darüber hinaus. Pfotenverletzungen, Knochenbrüche und/ oder Gelenkentzündungen können die Folge der sportlichen Höchstleistungen sein. Beim Iditarod, dem längsten Hundeschlittenrennen der Welt, sind auch schon einige Tiere ums Leben gekommen.

Zusätzlich leiden zahlreiche Schlittenhunde an rassebedingten Krankheiten. Zum Beispiel werden bei Huskys auffallend oft Dysplasien und Rückenmarkserkrankungen festgestellt. Samojeden sind anfällig für Diabetes und einige andere Krankheiten. Aus diesem Grund sehen Tierschützer bei Schlittenhunden den Tatbestand der Qualzucht erfüllt.

Unterschiedliche Meinungen

Ein weiterer Vorwurf betrifft die Hundebesitzer: Sie würden ihre Tiere in Zwingern oder an Ketten halten und diese nur für das Training bzw. für Wettbewerbe herauslassen. Ausgediente Hunde, die keine Leistung mehr erbringen können, würden ins Tierheim abgeschoben – oder kurzerhand getötet.

Fans des Hundesports halten dagegen. Ihrer Meinung nach würden das Laufen und die Zugarbeit der Natur der Schlittenhunde entsprechen. Aus ihrer Sicht wäre es Tierquälerei, diese agilen Rassen in einer engen Stadtwohnung und ohne ausreichend Auslauf zu halten.

Fazit: Hochleistungssportler auf vier Pfoten

Schlittenhunde sind faszinierende Vierbeiner: Ihr ursprüngliches Aussehen, ihr unbedingter Leistungswille und ihre sportliche Ausdauer machen sie zu etwas ganz Besonderem. Als brave Haus- und Familienhunde eignen sich die meisten von ihnen nicht. Sie gehören in die Hände erfahrener Halter, die mit den speziellen Bedürfnissen dieser tierischen Hochleistungssportler umzugehen wissen.

Quellen:


Natalie Decker
Profilbild Natalie Decker (mit Pferd)

„Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos“, hat Loriot einmal gesagt. Dem würde ich uneingeschränkt zustimmen und ergänzen: „Ein Leben ohne Pferd, Katze und Kaninchen ebenfalls!“ Mein Herz schlägt für alle großen und kleinen Tiere und ich habe das große Glück, als freie Autorin über meine Leidenschaft schreiben zu dürfen. Mit meinen Artikeln möchte ich für den Tierschutz sensibilisieren und Tierfreund/innen nützliche Tipps geben.


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Die Wahrscheinlichkeit, dass Ihr Hund glücklich ist, ist dann besonders hoch, wenn er ausgelastet ist. Das erreichen Sie unter anderem dadurch, dass Sie sich viel mit ihm beschäftigen. Zum Beispiel, indem Sie einen großen Anteil des Tages dem gemeinsamen Spiel widmen.

Auch hochwertiges Futter ist für seine körperliche und seelische Gesunderhaltung und damit für seine positive Stimmungslage maßgeblich entscheidend.

Endgültigen Aufschluss über die Zufriedenheit Ihres geliebten Vierbeiners gibt letztendlich nur das Hormonbild.