Canicross: Tierischer Laufspaß mit Hund

Verfasst von zooplus Redaktion
hund bei canicross-rennen auf feldweg

Beim Gassigehen verboten, beim Canicross erlaubt: Ziehen an der Leine.

Viele Hundefreunde genießen es, gemeinsam mit ihrem Vierbeiner sportlich aktiv zu sein – gerne auch auf weniger ausgetretenen Pfaden. Für fitte Mensch-Tier-Duos oder solche, die es werden möchten, ist Canicross eine optimale Hundesportart.

Was bedeutet Canicross eigentlich?

Kurz gesagt: Beim Canicross zieht der Hund seinen menschlichen Mitläufer mittels einer flexiblen Canicrossleine durchs Gelände. Bei dieser noch relativ jungen Hundesportart bilden Mensch und Hund also ein sportliches Team.

Das Besondere am Canicross ist, dass der Hund das Tempo vorgibt. Anders als beim Gassigehen und Joggen ist das Ziehen an der Leine hier ausdrücklich erwünscht. Die Sportart macht nicht nur fit, sondern stärkt, verantwortungsvoll ausgeübt, auch den Grundgehorsam sowie die Bindung zwischen Mensch und Tier.

Das Bezeichnung setzt sich übrigens zusammen aus dem lateinischen Wort für Hund (Canis lupus familiaris) und dem englischen Wort für Geländelauf (Cross-Country).

Übrigens: Die Links zu den im Video gezeigten Produkten finden Sie in der YouTube-Videobeschreibung.

Für wen ist dieser Hundesport geeignet?

Grundsätzlich sind alle lauffreudigen Hunde für Canicross geeignet. Zu beachten ist dabei allerdings ein ausgewogenes Verhältnis des Gewichts von Mensch und Hund: Ein zierlicher Windhund wird kaum relevanten Zug auf einen 100 Kilogramm schweren Zweibeiner ausüben können.

Als Faustformel gilt: Hunde können etwa das Drei- bis Fünffache ihres eigenen Körpergewichts ziehen. Geradezu prädestiniert sind natürlich Schlittenhunde wie Huskys, aber auch ein sportlicher Königspudel kann viel Freude am Querfeldeinlauf haben.

Was sind die typischen Strecken für Canicross-Rennen?

Meistens geht es querfeldein: Canicross-Rennen zeichnen sich durch abwechslungsreiche Strecken aus, die selten gerade und eben verlaufen. Gras- und Waldböden sind optimal für die sensiblen Hundepfoten, doch natürliche Hindernisse wie Wurzeln und Steine erfordern die volle Konzentration des Gespanns.

Bei offiziellen Rennen ist die Orientierung simpel und effizient: Ein rotes Schild links am Wegrand bedeutet „links abbiegen“, steht es auf der rechten Seite heißt dies „rechts abbiegen“.

Blaue Schilder markieren den richtigen Weg, gelbe warnen vor Gefahrenstellen. Zu vermeiden sind auch beim Training längere Asphalt-Strecken, die den empfindlichen Hundepfoten schaden.

Die Canicross-Ausrüstung: Schutz für Mensch und Hund

Neben guten Laufschuhen mit grobem Profil und dem üblichen Equipment eines Joggers brauchen Sie für Canicross einen Canicross-Gurt sowie eine rund zwei Meter lange Leine mit Ruckdämpfer.

Die Dämpfung schützt die Wirbelsäulen von Hund und Mensch. Der Hüftgurt sollte zudem idealerweise über einen Panikhaken verfügen, der die Verletzungsgefahr minimiert.

Wichtig ist außerdem ein spezielles Canicross-Geschirr für Ihren Vierbeiner, das vergleichbar mit dem für Schlittenhunde ist. Bei diesen Geschirren sind die Druckpunkte so ausgelegt, dass der Hund beim Lauf nicht eingeschränkt ist und frei atmen kann.

Los geht’s: Die ersten Schritte beim Canicross

Für Canicross sollte der Vierbeiner mindestens ein Jahr alt sein. Dann können Sie mit dem gemeinsamen Training beginnen. Bei der Sportart geben Sie die Führung an den Hund ab, den Sie mittels weniger Befehle („rechts“, „links“, „zieh“) lenken.

Das Ziehen, das beim normalen Gassigehen nicht erwünscht ist, erlernt Ihr Hund am besten mithilfe einer zweiten Person. Sie lockt ihn von vorne an und belohnt ihn nach dem Ziehen entsprechend. Kommt der zweibeinige Läufer nicht mehr hinterher, verstärkt sich automatisch der Zug auf die Leine – der Hund wird langsamer.

Gute Kondition ist Voraussetzung

Natürlich sollten Sie als „Mitläufer“ gut trainiert sein, damit Sie Schritt halten können. Vermutlich werden Sie dennoch nach den ersten Läufen Muskelkater verspüren. Denn durch den Zug Ihres Gefährten kann sich Ihre Geschwindigkeit beim Canicross-Lauf um bis zu 4 km/h erhöhen.

Beim Canicross ist es außerdem wichtig, dass der Vierbeiner sich nicht ablenken lässt. Eine gute Starthilfe in die Welt der Sportart können Ihnen Zughunde- oder Schlittenhundevereine geben, die Sie auch bezüglich der Ausrüstung optimal beraten können.

zwei hund ziehen besitzer © Raquel Pedrosa / stock.adobe.com
Beim Canicross sind Mensch und Hund durch ein Zuggurtsystem miteinander verbunden.

Tipps fürs Training: Was muss ich beim Canicross beachten?

Vor dem eigentlichen Lauf empfiehlt es sich, einen Aufwärm-Spaziergang zu machen. Dabei kann Ihr Vierbeiner auch sein Geschäft erledigen.

Zu Beginn sollten Sie mit ein bis zwei Kilometer langen Strecken ohne Unebenheiten trainieren. So gewöhnen Sie sich beide an das Laufen als Gespann und an den Zug durch die Leine. Dies gilt übrigens auch für sportliche Vierbeiner, die problemlos zehn Kilometer am Stück frei mit Ihnen laufen. Denn die Herausforderungen beim Canicross sind anders gelagert.

Intensität langsam steigern

Nach einigen Wochen können Sie die Streckenlänge erhöhen und den Hund durch kleine Herausforderungen wie beispielsweise einen Endspurt zusätzlich trainieren.

Laufen Sie auch mit dem trainierten Hund immer vorausschauend und überfordern Sie Ihren Vierbeiner nicht: Wenn Sie eine lange Strecke vor sich haben, senken Sie die Geschwindigkeit entsprechend.

Bergab lassen Sie Ihren Sportsfreund am besten neben oder hinter sich laufen. Denn das Ziehen könnte hier schnell zu Stürzen führen.

Achtung vor Überhitzung

Trainieren Sie nur bei Temperaturen bis zu 20 Grad Celsius, um eine Überhitzung oder gar einen Hitzschlag bei Ihrem Vierbeiner zu vermeiden. Im Sommer sollten Sie die Canicross-Einheiten also auf die frühen Morgenstunden oder den Abend verlegen.

Achten Sie außerdem immer darauf, dass Ihr Vierbeiner ausreichend trinkt.

mann und hund beim canicross © Raquel Pedrosa / stock.adobe.com
Beim Canicross werden höhere Geschwindigkeiten als beim gewöhnlichen Joggen erzielt.

Vorläufer Frankreich: Canicross in Europa

Canicross hat seine Ursprünge im Skijöring, bei dem ein Skifahrer von Hunden oder einem Pferd gezogen wird. Erste Canicross-Lauf-Wettkämpfe fanden bereits in den 80er-Jahren des 20. Jahrhunderts in Frankreich statt, wo die gemeinsamen Läufe von Zughund mit Mensch ihren Ursprung haben.

Neben den am weitesten verbreiteten Varianten, dem Canicross-Lauf und dem Skijöring, können sich sportliche Duos außerdem noch beim Bikejöring austoben: Hier haben Hunde ihren Zweibeiner auf dem Fahrrad und verbunden mit einer zweieinhalb Meter langen Leine im „Schlepptau“.

Steigende Beliebtheit

Vor allem in Belgien und den Niederlanden, wo im Herbst zahlreiche Veranstaltungen stattfinden, ist die tierische Sportart sehr beliebt.

In anderen Ländern wie beispielsweise Deutschland entdecken aktuell zahlreiche Hundehalter und ihre vierpfotigen Gefährten die Vorzüge der Sportart für sich. Die erste Canicross-Weltmeisterschaft fand 2002 im italienischen Ravenna statt.

Quellen:


zooplus Redaktion
zooplus Redaktion

Die zooplus Redaktion besteht aus einem engagierten Team von Experten und Redakteuren mit langjähriger Erfahrung im Bereich der Tierhaltung: Florian, Luisa mit ihrem Schweizer Schäferhund Elyos und Franziska mit ihrer Malterserhündin Emmy sowie ihrem Pferd Rubi. Gemeinsam arbeiten wir mit einem großen Netzwerk aus Tierexperten daran, das zooplus Magazin zu einer vertrauenswürdigen Informationsquelle für alle Tierbesitzer und -liebhaber zu machen. Unser Ziel ist es, spannendes Tierwissen und relevante Informationen zur artgerechten Haltung von Haustieren bereitzustellen.


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