Epilepsie beim Hund: Ursachen, Symptome und Behandlung Dieser Artikel ist tierärztlich verifiziert

Eine Horrorvorstellung für jeden Hundebesitzer: Der geliebte Vierbeiner liegt plötzlich krampfend auf dem Boden. Ihr Hund hat einen epileptischen Anfall. Lesen Sie im folgenden Artikel die wichtigsten Fakten zum Thema Epilepsie beim Hund. 

Epilepsie beim Hund

Der Tierarzt führt unter anderem eine neurologische Untersuchung durch.

Was ist Epilepsie überhaupt? 

Epilepsie beim Hund ist eine häufige neurologische Erkrankung und entsteht ursprünglich durch Störungen der Erregungsbildung und Reizweiterleitung von Nervenzellverbänden in Teilen des Gehirns. Ganze Nervenzellverbände geben gleichzeitig unkontrolliert Stromstöße ab – es kommt zu einem epileptischen Anfall. 

Daran können Sie einen epileptischen Anfall bei Hunden erkennen

Allgemein verläuft ein epileptischer Anfall bei Hunden in vier verschiedenen Phasen: 

  • Prodromalphase = die betroffenen Tiere zeigen bereits mehrere Stunden bis Tage vor dem eigentlichen Anfall Unruhe 
  • Aura = die meisten Hunde suchen verstärkt die Nähe zum Besitzer und zeigen eventuell weitere Verhaltensänderungen
  • Iktus = der Hund zeigt die Hauptsymptomatik (siehe unten) 
  • Postiktale Phase = Erholungsphase 

Was ist, wenn mein Hund öfter Krampfanfälle hat?

Definitionsgemäß liegt bei einem Hund Epilepsie vor, wenn beispielsweise mindestens zwei epileptische Anfälle im Abstand von mehr als 24 Stunden auftreten. Ein epileptischer Anfall hingegen bezeichnet das Krankheitsgeschehen zu einem bestimmten Zeitpunkt.  

Symptome: Woran erkenne ich Epilepsie beim Hund? 

In den verschiedenen Phasen eines epileptischen Anfalls treten folgende Symptome auf: 

  • Plötzliches Hinfallen 
  • Tonische (stark angespannte Muskulatur) und klonische (krampfhaft zuckende Muskulatur) Krämpfe 
  • Unwillkürlicher Harn- und Kotabsatz 
  • Bewusstlosigkeit 
  • Kaubewegungen 
  • Halluzinationen (z.B. Fliegenschnappen, Raserei, Bellen oder Schwanzbeißen) 
  • Übermäßige Speichelproduktion (Salivation) 
  • Wesensveränderungen 

Epileptische Anfälle können unterschiedlich stark ausgeprägt sein und werden je nach Dauer und Vorkommen von Symptomen in verschiedene Formen unterteilt. Besonders hervorzuheben sind hier zwei Sonderformen eines epileptischen Anfalls: 

Status epilepticus 

Als Status epilepticus bezeichnet man einen Anfall, der mehr als 5 Minuten andauert bzw. zwei oder mehrere Anfälle hintereinander, bei denen der Hund in der Zeit zwischen den Anfällen nicht wieder zu Bewusstsein kommt. Befindet sich Ihr Hund in einem Status epilepticus, müssen Sie schnellstmöglich einen Tierarzt aufsuchen, denn es droht Lebensgefahr

Cluster- oder Serienanfälle 

Hat ihr Hund in einer Zeitspanne von 24 Stunden zwei oder Anfälle oder mehr, spricht man von Clusteranfällen. Da ein gehäuftes Auftreten von Anfällen ein Anzeichen dafür ist, dass die Medikation angepasst werden sollte, sollten Sie auch in diesem Fall Ihren Tierarzt aufsuchen. 

Hund nach Epilepsie-Anfall © Khaligo / stock.adobe.com
Nach einem epileptischen Anfall braucht Ihr Hund Ruhe.

Ursachen: Wie kommt es zur Epilepsie beim Hund? 

Als Ursache für Epilepsie bei Hunden kommen sehr viele Erkrankungen infrage. Der Tierarzt unterscheidet zwischen zwei verschiedenen Formen, der symptomatischen Epilepsie mit bekannter Ursache und der idiopathischen Epilepsie ohne bekannte Ursache.

Was löst epileptische Anfälle beim Hund aus?

Eine symptomatische Epilepsie kann durch verschiedenste Erkrankungen ausgelöst werden: 

  • Anomalien (z.B.: Hydrocephalus) 
  • Trauma (z.B.: Kopfverletzungen
  • Tumore
  • Leber– und Nierenprobleme 
  • Infektionen/Entzündungen 
  • Niedrige Blutzuckerwerte 
  • Vergiftungen  
  • Selten: Speicherkrankheiten 

Genetische Ursachen werden vermutet

Viel häufiger tritt jedoch die idiopathische Form der Epilepsie auf. Betroffene Tiere sind beim ersten Anfall zwischen 1 bis 5 Jahren alt und zunächst treten die Anfälle mit großen zeitlichen Abständen auf. Besonders häufig erkranken Rassen wie z. B. Schnauzer, Cocker Spaniel und PudelDas spricht dafür, dass es eine Veranlagung für diese Erkrankung gibt, die vererbbar ist.

Diagnostik: Welche Untersuchungen macht der Tierarzt? 

Die Diagnose der Epilepsie beim Hund erfolgt quasi nach dem Ausschlussverfahren. Der Tierarzt schließt also zunächst hauptsächlich andere Differentialdiagnosen aus. 

Zuallererst sammelt der Tierarzt durch eine ausführliche Besitzerbefragung (Anamnese) wichtige Hinweise über das Krankheitsgeschehen. Details wie eine vorherige Medikamentenverabreichung, die Aufnahme von giftigen Substanzen oder eine familiäre Disposition beschleunigen die Diagnosestellung. Auch Videoaufnahmen des Geschehens können sehr hilfreich sein.  

Diese Tests helfen, Epilepsie beim Hund zu diagnostizieren

Nach einer klinischen Allgemein- und einer neurologischen Untersuchung folgen weitere Tests: 

  • Blutuntersuchung: um organische Ursachen auszuschließen 
  • Röntgen von Brustkorb und Bauchraum: um evtl. Metastasen oder Tumore zu erkennen 
  • MRT oder CT 
  • Liquoruntersuchung 
  • EEG

Therapie: Wie behandelt man die Epilepsie beim Hund? 

So erschreckend der Anblick Ihres krampfenden Lieblings ist, leider können Sie in dem Moment nicht viel für ihn tun. Sollte Ihr Hund deutliche Anzeichen eines bevorstehenden Anfalls zeigen, können Sie ihn in eine Umgebung mit möglichst geringem Verletzungsrisiko bringen und ggf. für Ruhe im Raum sorgen. 

Bitte versuchen Sie nicht, die Zunge Ihres Hundes aus dem Maul zu ziehen. In dieser Situation hat Ihre Fellnase keine Kontrolle über die Kiefermuskulatur und es besteht große Gefahr, gebissen zu werden. 

Was kann ich tun, wenn mein Hund einen Anfall hat?

Dokumentieren Sie den Anfall möglichst genau. Ein Video oder eine genaue Beschreibung enthält für den Tierarzt oft wertvolle Informationen. Vor allem die Dauer des Anfalls sollten Sie notieren. 

Wenn es sich nicht um einen Status epilepticus handelt, versuchen Sie bitte nicht, während des Anfalls schnell mit Ihrem Liebling zum Tierarzt zu fahren. Sie treffen mit größter Wahrscheinlichkeit erst nach dem Anfall beim Tierarzt ein. Aber in gewohnter Umgebung fällt es Ihrem Hund deutlich leichter, sich zu erholen. 

Was hilft bei der idiopathischen Form von Epilepsie beim Hund? 

Wurde bei Ihrem Hund die idiopathische Form der Epilepsie diagnostiziert und nimmt die Häufigkeit der Anfälle zu, leitet der Tierarzt eine Langzeittherapie ein. Diese zielt darauf ab, sowohl die Häufigkeit und Dauer als auch die Schwere der Anfälle zu reduzieren.  

Hierfür stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung, die unter Umständen auch miteinander kombiniert werden müssen. Bis die richtige Dosierung gefunden ist, erfolgen in immer größer werdenden Abständen Untersuchungen bei Ihrem Tierarzt.  

Für besonders schwere Anfälle bespricht Ihr Tierarzt mit Ihnen auch die Verabreichung von Notfallmedikamenten

Welche Therapie gibt es für die symptomatische Form? 

Hier richtet sich die Behandlung ganz nach der Ursache. Bei einigen auslösenden Erkrankungen kann eine erfolgversprechende Therapie eingeleitet werden, allerdings gibt es auch Grunderkrankungen, die nicht geheilt werden können. 

Prognose: Wie stehen die Heilungschancen? 

Obwohl die idiopathische Epilepsieform bei Hunden nicht heilbar ist, ist sie bei korrekter medikamentöser Einstellung in den meisten Fällen gut durch den Besitzer und den Tierarzt kontrollierbar.  

Dahingegen ist die Prognose der symptomatischen und extrazerebralen Epilepsie stark abhängig von der Grunderkrankung. Wichtig für einen guten Therapieerfolg sind eine angemessene Therapiemethode, die Zusammenarbeit von Hundebesitzer und Tierarzt, das rechtzeitige Erkennen von frühen Anzeichen und die korrekte Eingabe von Medikamenten

Wie lange kann ein Hund mit Epilepsie leben?

Ein betroffener Hund muss in der Regel ein Leben lang behandelt werden. Doch die gute Nachricht lautet: Ist er medikamentös gut eingestellt, ist seine Lebenserwartung nicht eingeschränkt und er kann ein langes, glückliches Hundeleben führen.

Wann sollte man den Hund erlösen, wenn er epileptische Anfälle hat?

Die Diagnose Epilepsie allein ist kein Grund, den Hund einzuschläfern. Denn mit den richtigen Medikamenten lassen sich die Symptome meist gut in den Griff bekommen. Zeigen die Antiepileptika keine Wirkung, leidet der Hund sehr unter den Anfällen und/ oder steckt eine schwere Grunderkrankung wie Krebs hinter der Epilepsie, kann es allerdings infrage kommen, den Hund zu erlösen. Ihr Tierarzt wird Sie zu dieser schweren Entscheidung beraten.

Prophylaxe: Wie kann ich Epilepsie beim Hund vorbeugen? 

Epilepsie beim Hund können Sie leider nicht durch vorbeugende Maßnahmen verhindern. Eine gute Zusammenarbeit mit dem Tierarzt reduziert jedoch das Auftreten weiterer epileptischer Anfälle. 

Fazit: Ein Tipp fürs Leben mit einem betroffenen Hund

Bei Epilepsie kommt es im Hundegehirn zu plötzlichen, unkontrollierten elektrischen Entladungen. Die daraus resultierenden Krampfanfälle wirken erschreckend, lassen sich aber mit den richtigen Medikamenten in der Regel gut kontrollieren. Neben der korrekten, regelmäßigen Tablettengabe sorgen ein stressarmes Umfeld und eine feste Tagesstruktur dafür, dass betroffene Vierbeiner ein möglichst langes, glückliches Hundeleben führen können.

Quellen: 


Dr. Franziska G., Tierärztin
Profilbild von Tierärztin Franziska Gütgeman mit Hund

An der Justus-Liebig-Universität Gießen wurde ich zur Tierärztin ausgebildet und durfte Erfahrungen in verschiedensten Bereichen sammeln. Seitdem arbeite ich nicht nur als tierärztliche Autorin, sondern auch an meiner Dissertation. Mein Ziel ist es, Tiere vor krankheitserregenden bakteriellen Erregern zukünftig besser zu schützen. Neben meinem tierärztlichen Wissen teile ich meine eigenen Erfahrungen als glückliche Hundebesitzerin. Dadurch kann ich Ängste und Probleme nachvollziehen und zugleich über diese aufklären.


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