Epilepsie beim Hund This article is verified by a vet

Tierärztlich bestätigter Inhalt
Verfasst von Franziska Gütgemann, Tierärztin
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Epilepsie ist ein neurologisches Syndrom und entsteht ursprünglich durch Störungen der Erregungsbildung und Reizweiterleitung von Nervenzellverbänden im Teilen des Gehirns. Definitionsgemäß liegt bei einem Hund Epilepsie vor, wenn beispielsweise mindestens zwei epileptische Anfälle im Abstand von mehr als 24 Stunden auftreten. Ein epileptischer Anfall dahingegen bezeichnet das Krankheitsgeschehen zu einem bestimmten Zeitpunkt. Da der genaue Mechanismus noch nicht grundlegend erforscht ist, gehen Forscher davon aus, dass ein Ungleichgewicht zwischen Erregung und Hemmung vorliegt. Eine erregende Wirkung wird durch das Salz Glutamat oder die Aminosäure Aspartat hervorgerufen. Der Neurotransmitter Gamma-Aminobuttersäure (GABA) wirkt im Gegensatz dazu hemmend auf die Nervenzellen.

Ursachen

Als Ursache für Epilepsie bei Hunden kommen sehr viele verschiedene Erkrankungen in Frage, weshalb die oftmals erschreckend wirkende Erkrankung in zwei unterschiedliche Formen eingeteilt wird. Dabei ist die Region der Störung der ausschlaggebende Faktor. Die sogenannte zerebrale Epilepsie wird durch Ursachen hervorgerufen, welche innerhalb des Gehirns auftreten. Diese Form wird nochmals unterteilt in eine symptomatische und idiopathische Form. Die symptomatische Form entsteht beispielsweise durch Traumata, Infektionen (z.B. bakteriell, viral, etc.) oder Tumore des Gehirns oder der Hirnhäute. Sie wird am häufigsten bei mittelalten bis alten Tieren beobachtet.

Bei der idiopathischen Form können jedoch keine Veränderungen festgestellt werden. Diese Form tritt besonders häufig bei Schnauzern, Cocker-Spaniels und Pudeln in einem Alter von etwa 1-5 Jahren auf. Neben Störungen innerhalb des Gehirns können aber auch Schäden außerhalb des Gehirns zu einer Epilepsie bei Hunden führen. Diese Form wird als extrazerebrale Epilepsie bezeichnet. Dazu zählen unter anderem Stoffwechselstörungen, die Verabreichung von bestimmten Medikamenten (z.B. Insulin bei Diabetes mellitus), ein Mangel an wichtigen Vitaminen (z.B. Thiamin = Vitamin B1) und Vergiftungen.

Symptomatik

Allgemein verläuft Epilepsie bei Hunden in vier verschiedenen Phasen:

  1. Prodromalphase = die betroffenen Tiere zeigen bereits mehrere Stunden bis Tage vor dem eigentlichen Anfall Unruh
  2. Aura = die meisten Hunde suchen verstärkt die Nähe zum Besitzer und zeigen eventuell weitere Verhaltensänderungen.
  3. Iktus = der Hund zeigt die oben genannte Hauptsymptomatik
  4. Postiktale Phase = Erholungsphase

In diesen Phasen können folgende Krankheitsanzeichen auftreten:

  • Plötzliches Hinfallen
  • Tonische (stark angespannte Muskulatur) und klonische (krampfhaft zuckende Muskulatur) Krämpfe
  • Unwillkürlicher Harn- und Kotabsatz
  • Bewusstlosigkeit
  • Kaubewegungen
  • Halluzinationen (z.B. Fliegenschnappen, Raserei, Bellen oder Schwanzbeißen)
  • Übermäßige Speichelproduktion (Salivation)
  • Wesensveränderungen

Epileptische Anfälle können unterschiedlich stark ausgeprägt sein und werden je nach Dauer und Vorkommen von Symptomen in unterschiedliche Formen unterteilt. Eine besonders schwere Form ist der sogenannte Grand Mal Anfall. Es handelt sich um einen epileptischen Anfall, welcher mit starken tonisch-klonischen Krämpfen und Bewusstlosigkeit einhergeht. Typisch ist sein protrahierter Krankheitsverlauf. Er beginnt mit starken tonischen Krämpfen und Versteifung der Muskulatur, was zu einem Atemstillstand führen kann. Dabei sind die Hunde nicht ansprechbar und strecken alle Gliedmaßen von sich, während das Maul fest verschlossen ist. Diese Phase dauert in den meisten Fällen nur wenige Sekunden. Anschließend erfolgen klonische Krämpfe mit Muskelzuckungen. Häufig kommt es dabei zum unwillkürlichen Harn- oder Kotabsatz. Diese Phase kann 3-5 Minuten dauern. Danach hört die Symptomatik auf und die Hunde erholen sich von dem Leiden.

Treten mehrere Anfälle in kurzen Zeitabständen nacheinander auf und der Hund verliert über 5 Minuten das Bewusstsein, so wird von einem Status epileptikus gesprochen. Dieser lebensbedrohliche Zustand  zeichnet sich häufig durch eine sehr ausgeprägte Symptomatik aus.

kranke hunde mit epilepsie

Diagnose

Um Epilepsie bei Hunden zu diagnostizieren, wird die Diagnosestellung nach dem Ausschlussprinzip abgearbeitet. Zuallererst kann der Tierarzt durch eine ausführliche Besitzerbefragung (Anamnese) wichtige Hinweise über das Krankheitsgeschehen erfahren. Details wie eine vorherige Medikamentenverabreichung, die Aufnahme von giftigen Substanzen oder eine familiäre Disposition können die Diagnosestellung beschleunigen. Auch Videoaufnahmen des Geschehens können sehr hilfreich sein. Nach einer klinischen Allgemeinuntersuchung erfolgt die spezielle Untersuchung. Diese kann mit Hilfe von verschiedenen Methoden durchgeführt werden.

Beispielsweise können durch eine Blutabnahme Infektionen und verschiedene Stoffwechselerkrankungen ausgeschlossen werden. Um eine zerebrale Epilepsie zu erkennen, kann eine Liquoruntersuchung eingeleitet werden. Die Menge an Liquor (Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit) sowie veränderte Werte an Protein oder Zellen sind weitere wichtige Hinweise. Daneben lassen sich morphologische Veränderungen wie Tumore oder Folgen von Traumata durch bildgebende Verfahren wie das Röntgen, den Computertomographen (CT) oder Magnetresonanztomographen meist gut erkennen.

Therapie

Während eines epileptischen Anfalls sind folgende Notfallmaßnahmen durch einen Tierarzt empfehlenswert:

  • Sofortiges Überprüfen von Blutwerten
  • Gabe von Benzodiazepinen (Diazepam): wirken muskelentspannend, beruhigend und antiepileptisch
  • Zuckerinfusion
  • Tritt innerhalb weniger Minuten keine Besserung auf, können Barbiturate (Phenobarbital) verabreicht werden. Währenddessen sollte der Hund künstlich beatmetet werden, da das Medikament krampflösend, narkotisierend und schlaffördernd wirkt.

Eine wirkungsvolle Langzeitbehandlung richtet sich nach der vorliegenden Erkrankungsform:

  • Idiopathische Form: lebenslange Einstellung auf Barbiturate (Phenobarbital) oder Antikonvulsiva (Primidon)
  • Symptomatische und extrazerebrale Form: die Therapie kann nicht verallgemeinert werden. Während eine bakterielle Infektion mit Antibiotika behandelt werden kann, können Traumata oder tumuröse Veränderungen durch chirurgische Maßnahmen therapiert werden.

Prognose

Obwohl die idiopathische Epilepsieform bei Hunden nicht heilbar ist, kann sie bei korrekter medikamentöser Einstellung in den meisten Fällen gut durch den Besitzer und den Tierarzt kontrolliert werden. Dahingegen ist die Prognose der symptomatischen und extrazerebralen Epilepsie stark abhängig von der Grunderkrankung. Wichtig für einen guten Therapieerfolg sind eine angemessene Therapiemethode, die Zusammenarbeit von Hundebesitzer und Tierarzt, das rechtzeitige Erkennen von frühen Anzeichen und die korrekte Eingabe von Medikamenten.

Vorbeugen

Epilepsie bei Hunden kann leider nicht verhindert werden. Eine gute Zusammenarbeit mit dem Tierarzt kann jedoch das Ausmaß weiterer epileptischer Anfälle reduzieren.

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