Tosa Inu

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Der japanische Tosa Inu ist nicht nur eine der seltensten Hunderassen der Welt, sondern auch die weltweit letzte Rasse, die offiziell zu Hundekämpfen eingesetzt wird. Der riesige Molosser ist ein Musterbeispiel für Ausdauer, Tapferkeit und Gelassenheit und gehört ausschließlich in starke und erfahrene Hände.

Charakter

Die Stillsten sind die Tapfersten: Dieses Sprichwort der Samurai trifft auf die größte Hunderasse Japans erstaunlich gut zu. Der Tosa ist ein stiller, sensibler Hund mit einer erhabenen, fast schon majestätischen Ausstrahlung. Aus der Distanz beobachtet er genau, was um ihn herum geschieht, ohne jedoch nervös oder aggressiv zu reagieren. Zwar ist der selbstbewusste Riese dank seines Mutes und seiner Unerschrockenheit ein zuverlässiger Wachhund und Beschützer, doch ist er dabei stets auf Ruhe bedacht. Wildes und lautes Kläffen ist nicht seine Art.

Bitte Abstand halten?

Einen aggressiven oder lautstarken Auftritt hat der Tosa Inu auch gar nicht nötig, denn seine kräftig-muskulöse Statur, seine Größe und sein Gewicht, das bei ausgewachsenen Rüden bis zu 90 kg erreicht, sind Abschreckung genug. Angst braucht man vor diesem Hunderiesen deswegen nicht zu haben. Zwar steht er in einigen Ländern auf der Liste für gefährliche Hunderassen, doch grundlos aggressiv oder gar blutrünstig ist der japanische Kampfhund keineswegs. Den nötigen Respekt sollten Sie ihm dennoch zollen, denn dieselbe höfliche Distanz, die Tosas bei der Begegnung mit Fremden an den Tag legen, erwarten Sie auch von der Gegenseite. Sie möchten nicht ungefragt angefasst werden und empfinden Berührungen durch Fremde als äußerst unangenehm.

Trotz Dominanzneigung extrem anhänglich

So reserviert der Tosa Fremden begegnet, so anhänglich verhält er sich gegenüber seiner Familie. Auch wenn er ursprünglich als japanischer Kampfhund gezüchtet wurde und damit viel Selbstbewusstsein und Dominanz mitbringt, so besitzt er doch einen ausgesprochenen Familiensinn. Wer einen Tosa als Familienhund hält, ihn konsequent erzieht und sozialisiert, wird verwundert sein, wie treu und sensibel dieser sanfte Riese sein kann. Im Kreise seiner Menschen fühlt er sich am wohlsten und zeigt sich besonders im Umgang mit Kindern extrem geduldig und liebevoll.

Ein Kampfhund als Familienhund?

Ein ausgewiesener Familienhund ist der Tosa trotz allem nicht. Denn neben der für ihn typischen Geduld und Gelassenheit besitzt der Tosa Inu auch seinen eigenen Kopf. Gepaart mit seinem bemerkenswerten Selbstbewusstsein, seinem Stolz und seiner Unerschrockenheit macht ihn dies zu einem Hund, der sich unseren gesellschaftlichen Schranken und Ansprüchen nicht so leicht fügt. Er braucht unbedingt eine frühe und umfassende Sozialisierung sowie eine fortwährende und konsequente Erziehung, um sich in unserem modernen Alltag zurechtzufinden. Wer genügend Erfahrung besitzt, um sich dieser Herausforderung zu stellen und wer auch körperlich dem großen und schweren Japaner standhalten kann, findet im Tosa allerdings einen unglaublich treuen Kamerad, der seiner Familie in jeder Lebenslage bedingungslos zur Seite steht.

Erscheinungsbild

Innerhalb der FCI (Fédération Cynologique Internationale), dem größten kynologischen Dachverband, wird der Tosa mit der Standardnummer 260 den doggenartigen Hunden zugeordnet. Mit einer Widerristgröße von 60 bis 70 cm und einem Gewicht von 50 bis 70 kg ist der Tosa Inu ein sehr großer und muskulöser Hund, der von seinem Herrchen einiges an Kraft abverlangt.

Fell und Farbe

Unterstrichen wird die imposante Erscheinung durch die stolze und elegant wirkende Haltung des Tosas. Dank seines kurzen Fells kommt sein kraftvoller Körper gut zur Geltung. Das Haarkleid gibt es in den Farben Rot, Schwarz, Falb, Apricot oder Gestromt, wobei ein warmer, kräftiger Rotton am gängigsten ist. Diskrete, weiße Abzeichen an Brust oder Pfoten werden akzeptiert.

tosa inu welpe

Geschichte

Im Gegensatz zu anderen bekannten Hunderassen aus Japan, wie der Akita Inu, Kishu, Hokaido oder Shikoku Ken ist der Tosa Inu keine native Hunderasse, da seine Rasse durch Kreuzungen mit westlichen Hunden entstand. Als Mitte des 19. Jahrhunderts die Zeit des Kriegeradels der Samurai endete und nach langen Jahren der Isolationspolitik die Moderne in Japan eingeläutet wurde, kamen immer mehr Ausländer ins Land und brachten auf diesem Weg auch neue Hunderassen nach Japan. Im Gegensatz zu den einheimischen Hunden waren die westlichen Rassen oftmals größer, kampffreudiger und beharrlicher – Eigenschaften, die man für den Hundekampf, der in dieser Zeit in ganz Japan seine Blütezeit erlebte, überaus zu schätzen wusste.

Kreuzungsversuche mit westlichen Hunderassen

Zur Entwicklung eines einheimischen und überlegenen Hundes für den japanischen Hundekampf kreuzte man 1872 deshalb zum ersten Mal einen Shikoku Ken mit einem Bulldog. Weitere Kreuzungen mit Mastiffs (1874) und mit Deutschen Vorstehhunden (1876) folgten. Ebenso waren vermutlich englische Bullterrier und Bernhardiner an der Entstehung der Tosa-Rasse beteiligt. Zwar war mit dem Wunsch nach einem idealen Kampfhund das Zuchtziel klar, doch gab es zu dieser Zeit noch keine planmäßige Zucht. Erst in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts begann man gezielt, westliche Hunde für die Zucht des Tosa Inus nach Japan zu importieren. Ein erster Erfolg dieser professionellen Zuchtbemühungen konnte 1924 verzeichnet werden, als in die junge Rasse die Deutsche Dogge mit eingekreuzt wurde. In den 1950er Jahren importierte man zu diesem Zweck auch die Bordeaux Dogge, wobei ihr Einfluss auf die Zucht des Tosas nicht belegt werden konnte.

Einsatz in Hundekämpfen

Der Tosa Inu ist die weltweit einzige Hunderasse, die allein für die Verwendung in Hundekämpfen gezüchtet wurde und die noch heute in Japan offiziell bei Kämpfen eingesetzt wird. Wobei der japanische Hundekampf, dessen Ursprünge bis ins 14. Jahrhundert reichen, nicht mit den brutalen und blutigen Hundekämpfen zu vergleichen ist, die im 18. Jahrhundert vor allem in England ein begeistertes Publikum fanden und die heutzutage zu Recht verboten sind. In den Ringkämpfen der japanischen Tosas kämpften die Hunde hingegen eher wie Sumoringer, indem sie ihre Gegner ausschließlich mit den Läufen und dem Körper zu Boden zu brachten. Aggressives Verhalten, wie Knurren oder Beißen, führte bereits damals zur Disqualifikation. Diesen besonderen Riten und Handlungen folgen die Hundekämpfe in Japan bis heute.

Sumo-Inu, Tosa-Kampfhund oder japanischer Mastiff

Die FCI erkannte die neu entwickelte Hunderasse erstmalig 1964 an, wich in ihrem Standard allerdings in einigen Punkten von dem des „Japan Kennel Klubs“ ab. Während im japanischen Standard vor allem die Charaktereigenschaften definiert sind, die den Tosa allesamt für den Einsatz im Hundekampf prädestinieren, geht der FCI-Standard mehr ins Detail und rückt neben der Kampftüchtigkeit auch optische Faktoren in den Blickwinkel. Den Rassenamen Tosa Inu, der übersetzt schlicht „Hund aus Tosa“ bedeutet, hat die Rasse übrigens vom japanischen Lehen Tosa-han übernommen, dem Gebiet, in dem die ersten Zuchtversuche stattfanden. Aber auch als „japanischer Mastiff“, „Sumo-Inu“ oder „Tosa-Kampfhund“ ist die Rasse bekannt.

Tosa-Zucht heute

In seinem Ursprungsland Japan wird der Tosa teilweise noch bei Hundekämpfen eingesetzt. Im Rest der Welt, fernab der Tradition des japanischen Hundekampfs, wird er hingegen vornehmlich als Wachhund und vereinzelt als Familienhund gehalten. Die Chance, einen Tosa Inu zu begegnen, ist in Europa allerdings äußerst gering, denn der japanische Mastiff zählt zu den seltensten Hunderassen der Welt. Eine eigene Zucht aufzubauen ist in Europa entsprechend schwierig, denn die Anzahl von Zuchttieren ist hierzulande verschwindend gering. Erschwerend kommt hinzu, dass der Tosa Inu in vielen europäischen Ländern auf der Rasseliste der gefährlichen Hunde steht. In Deutschland, Frankreich und Liechtenstein ist die Einreise und Haltung der Rasse zum Teil nur unter strengen Auflagen möglich. In Dänemark, Irland und im Schweizer Wallis sind Einfuhr und Zucht komplett untersagt.

Kauf und Haltung eines Tosa Inu

Wenn Sie sich für den Kauf eines Tosa Inus interessieren, sollten Sie sich deshalb unbedingt vorab mit den geltenden Auflagen Ihres Landes vertraut machen. Außerdem sollten Sie bedenken, dass ein Urlaub mit dem Tosa nicht überall möglich ist. Selbst wenn dies alles kein Hindernis für Sie darstellt, sollten Sie sich den Kauf eines Tosas gründlich überlegen. Zwar gilt dies prinzipiell für jeden Hundekauf, doch bei dieser Rasse ist die Beantwortung der Frage wichtiger denn je.

Bin ich als Halter eines Tosa Inu geeignet?

Tatsächlich werden diese Frage nur sehr wenige Menschen eindeutig mit „Ja“ beantworten können. Denn die Haltung eines Tosa Inus ist im wahrsten Sinne des Wortes „Schwerstarbeit“. Allein aufgrund seiner Größe und seines Gewichts gehört dieser Hund nur in die Hände von sportlichen und kräftigen Menschen, die auch körperlich in der Lage sind, diesen Koloss zu „halten“. Ein Tosa braucht ausreichend Auslauf und ist sicherlich kein Hund für eine kleine Stadtwohnung. Auf Spaziergängen sollte der zu Dominanz neigende Hund am besten stets an der Leine geführt werden, denn die Begegnung mit anderen Hunden – besonders mit Rüden – verläuft nicht immer problemlos. Kinder oder ältere, gebrechliche Menschen sollten deshalb niemals alleine mit einem Tosa unterwegs sein.

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Erziehung und Sozialisation

Doch auch wenn Sie körperlich Ihrem manchmal bis zu 90 kg schweren Molosser standhalten können, sind eine intensive Sozialisation und eine konsequente Erziehung des Tosas unumgänglich. Nur so können Sie seinen „Macho-Allüren“ gegenüber anderen männlichen Hunden von Anfang an Einhalt gebieten. Bereits im Welpenalter sollte er in Kontakt mit vielen anderen Hunden kommen und lernen, dass sich sein dominantes Gehabe nicht lohnt. Der Besuch einer Welpenschule und einer anschließenden Hundeschule ist in diesem Zusammenhang sicherlich sehr empfehlenswert. Auch das Ablegen der Begleithundeprüfung ist eine gute Möglichkeit, um das harmonische Zusammenleben mit dem Tosa zu fördern.

Pflege und Gesundheit

Im Gegensatz zur Erziehung, die bei diesem selbstbewussten, aber auch sensiblen Rassehund sicherlich nur mit viel Knowhow, Konsequenz und Einfühlungsvermögen gelingt, stellt der Tosa an seine Pflege nur geringe Ansprüche.  Regelmäßiges Striegeln reicht bei seinem kurzen und eng anliegenden Fell absolut aus. Überhaupt ist der Tosa gesundheitlich sehr robust. Rassetypische Krankheiten sind bei ihm so gut wie keine bekannt. Wobei die bekannte Hüftgelenksdysplasie (HD) auch beim Tosa – wie bei fast allen mittelgroßen bis großen Hunden – ein Problem darstellt.  Besonders in der Wachstumsphase sollte er körperlich auf keinen Fall überbelastet werden. Lange Joggingeinheiten oder zu häufiges Treppenlaufen sind in dieser Zeit tabu. Wichtig ist außerdem, eine weiche Hundedecke im Haus zu haben, denn der Tosa neigt schnell zu Liegeschwielen, wenn er zu lange auf hartem Untergrund liegt.

Tosa Inu Ernährung

Zur Vorbeugung einer Hüftgelenksdysplasie sollten Halter außerdem immer das Futter Ihres Hundes im Blick haben. Während Welpen noch ein sehr energiereiches Futter benötigen, sollte etwa nach dem sechsten Monat die Energiedichte der Nahrung nach und nach heruntergefahren werden, um ein zu schnelles Wachstum zu vermeiden. Denn Gelenkproblemen, wie Hüftgelenks- und Ellbogendysplasie, entstehen häufig, wenn Hunde zu schnell in die Höhe schießen und die Knochen mit dem schnellen Muskelaufbau nicht mithalten können.

Braucht der Tosa Inu spezielles Hundefutter?

Ansonsten stellt der Tosa Inu keine besonderen Ansprüche an seine Ernährung. Er liebt Fleisch und Fisch gleichermaßen und frisst dies in der Regel sowohl roh, als auch gekocht, trocken oder nass. Allerdings sollten Halter beachten, dass der Tosa leicht Fett ansetzt. Besonders wenn bereits in seiner Familie Fälle von Übergewicht bekannt sind, sollte auf die richtige Futtermenge geachtet werden und auf zu viele Leckerlis zwischendurch verzichtet werden. Um herauszufinden, was und wie viel genau in den Futternapf Ihres Tosas kommen sollte, empfiehlt sich ein Gespräch mit dem Tierarzt oder einem Ernährungsberater für Hunde. Denn nicht nur die Menge des Futters, auch seine Inhaltsstoffe und die Zusammensetzung der darin enthaltenen Mineralstoffe hängt von sehr individuellen Kriterien des Hundes ab, wie zum Beispiel Alter, Gewicht, Aktivitätspensum und Haltungsbedingungen. Schläft der Tosa zum Beispiel häufig bei kühlen Temperaturen draußen, so erhöht sich sein Energiebedarf etwa um 20 bis 30 Prozent. Unter „normalen“ Haltungsbedingungen braucht ein ausgewachsener Tosa Rüde mit einem durchschnittlichen Bewegungspensum etwa 1,5 bis 2 kg Fleisch und ca. 500 Gramm Gemüse.

Was gibt es noch zu beachten?

Wichtig ist, dass dem Tosa jederzeit frisches Trinkwasser zur Verfügung steht. Da er aufgrund seiner großen Lefzen viel sabbert und ihm besonders beim Essen lange Fäden aus dem Maul hängen, sollte der Wassernapf mehrmals am Tag ausgespült und mit frischem Wasser aufgefüllt werden, da sich sonst leicht Bakterien ansiedeln können.

Ist der Tosa Inu der richtige Hund für mich?

Wer viel Erfahrung im Umgang mit großen und selbstbewussten Hunden besitzt, sich psychisch wie physisch die Haltung dieser stolzen und faszinierenden Hunderasse zutraut und nicht zuletzt über das nötige Kleingeld zur Haltung eines so großen Hundes verfügt, bekommt mit dem Tosa-Kampfhund sicherlich einen verlässlichen und überaus imposanten Beschützer an seine Seite, der sich trotz seiner Größe eher unauffällig benimmt. Er ist ein Hund der „leisen Töne“, der sich nur selten aus der Ruhe bringen lässt und der sensibel für die Stimmungen seiner Menschen ist. Für schwache Menschen, die einen großen und schweren Kampfhund zum Ausgleich ihres Selbstbewusstseins suchen, ist der stolze Tosa ganz bestimmt nicht geeignet.

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