Bullterrier

Verfasst von Jana Schubert
Bullterrier

Dem Bullterrier sieht man seine Kraft und Energie förmlich an. Er ist ein Muskelpaket auf vier Pfoten.

Aggressiv und unberechenbar? Der Bullterrier hat leider einen schlechten Ruf. Zu Unrecht! Kenner lieben den „Bully“, weil er ein besonders verspieltes und menschenfreundliches Wesen hat.

Steckbrief zum Bullterrier

Kurzinfo: mutiger, lebhafter Hund mit einem verspielten Wesen; wurde in England im 19. Jahrhundert für Hundekämpfe gezüchtet
Widerristhöhe: 45-50 cm
Gewicht: 20-35 kg
Durchschnittliche Lebenserwartung: 10-12 Jahre
Preis: 1.200-1.600 €
Wesen: treu, agil, fröhlich, freundlich zu Menschen
Fell: kurz, glatt, haart kaum
Fellfarben: weiß (häufig), gestromt, schwarz, rot, rehbraun, tricolor
Erziehungsaufwand: hoch
Pflegeaufwand: gering
Bewegungsbedarf: hoch
Herkunft: England
Anspruch: sehr anspruchsvoll

Aussehen: Eiförmiger Kopf, bulliger Körper

Der Bullterrier ist kompakt gebaut. Mit seiner stämmigen Erscheinung vermittelt er schon im ersten Eindruck Kraft, Entschlossenheit und Präsenz. Seine recht kurzen Beine gehen in einen kräftigen Rumpf mit breitem Brustkorb über. Die Rute des Bullterriers ist eher mäßig lang, mit breiter Wurzel und schmaler Spitze.

Eine einmalige Schnauze

Besonders auffällig ist beim Bullterrier der kompakte, gebogene Kopf mit den kleinen, mandelförmigen Schlitzaugen. Die charakteristische Schnauze mit der sogenannten römischen Nase wölbt sich sichelartig gen Boden. In der Zucht nennt man dies „downface“. Außen am Kopf sitzen aufgerichtete, spitze Ohren.

Nicht groß, aber oho!

Der Bullterrier wird mit 45 bis 50 Zentimetern nicht sonderlich groß. Jedoch bringt er es nicht selten auf bis zu 35 Kilogramm Gewicht. Er ist also eher der Typ „quadratisch“.

Sein kompakter Körper strotzt bei gutem Trainingsstand nur so vor Kraft, das Muskelspiel ist wegen des kurzen Fells und des geringen Körperfettanteils sehr gut zu beobachten.

Bullterrier sind meistens weiß

Die Zucht strebt Bullterrier in reinweißer Färbung an – daher sind Hunde dieser Rasse meistens durchgängig weiß. Bullterrier gibt es aber auch in den Farbvarianten Schwarz, Gestromt, Rot, Rehbraun und Tricolor. Die entsprechende Farbe muss dabei vorherrschend sein. Flecken am Kopf werden aber akzeptiert.

Das leicht glänzende Haarkleid der Bullterrier ist kurz und glatt und fühlt sich hart an. Einige Vertreter bekommen im Winter eine wärmende, weiche Unterwolle.

Nicht verwechseln! Ist Ihnen schon einmal ein Bullterrier begegnet, der kleiner war als sonst? Dann könnte es ein „Mini-Bullterrier“ gewesen sein. Was aussieht wie eine Miniaturversion des Bullterriers, ist tatsächlich eine eigene Rasse.

Bullterrier schmust © EverGrump / stock.adobe.com
Der Bullterrier zeigt seine sanfte und kuschlige Seite.

Charakter: Sind Bullterrier aggressiv?

Wer „Bullterrier“ hört, denkt oftmals an einen beißwütigen Kampfhund. Dabei ist dieses Vorurteil in der Regel das einzige, wogegen der Bully kämpft. Entgegen der landläufigen Meinung ist die Rasse weder bösartiger noch aggressiver als andere Hunderassen.

Kleiner Hund – großes Herz

Es stimmt: Der Bullterrier kann sich lebhaft, energiegeladen und willensstark zeigen. Doch um ihn zu einer kampfbereiten Bestie zu machen, braucht es eine entsprechende Abrichtung. Von sich aus ist er kinderlieb, verschmust und sogar lustig – in der Familie spielt er gerne den Clown und sorgt für gute Stimmung.

Sein verspieltes Wesen und seine lebhafte Art zeigen sich besonders im Umgang mit Kindern, allerdings sollten kleine Kinder nicht unbeaufsichtigt mit dem Hund spielen. Denn auch Kinder müssen zunächst lernen, wie sie mit dem feurigen Temperament und der spielerischen Rauflust des Bullterriers umzugehen haben.

Verhalten: Ist der Bullterrier ein Kampfhund?

Der Bullterrier wurde früher bei Hundenkämpfen eingesetzt. Das bedeutet jedoch nicht, dass er sich im Alltag grundsätzlich angriffslustig verhält. Der Bullterrier ist mutiger, treuer Begleiter, der sich bei entsprechender Erziehung wunderbar als Familienhund eignet.

Zu ihrer Bezugsperson pflegen sie einen sehr engen Kontakt und genießen deren körperliche Zuwendungen in vollen Zügen. Der FCI-Standard Nr. 11 beschreibt Bullterrier als „sehr gut gegenüber Menschen“, wenngleich ein gewisser Eigensinn eingeräumt wird.

Umfassende Sozialisation ist beim Bullterrier Pflicht

Wie viele andere Hunderassen neigen auch Bullterrier zu Dominanz. Aufgrund ihrer Intelligenz und ihres Selbstbewusstseins stehen sie Befehlen ihres Herrn zum Teil etwas kritisch gegenüber und schalten bei Aufgaben, die in ihren Augen als sinnlos erscheinen, gerne mal auf stur.

Umso wichtiger ist es, mit der Erziehung eines Bullterriers so früh wie möglich zu beginnen und sie schon im Welpenalter an die Regeln der Menschen zu gewöhnen. Mit einer konsequenten Erziehung und einer umfassenden Sozialisation lässt sich der Bullterrier zu einem überaus disziplinierten und ausgeglichenen Familienhund ausbilden.

Schutztrieb kann durchschlagen

Der Bullterrier hat von Natur aus einen starken Schutztrieb. Wenn Sie es zulassen, wird er versuchen, „sein Rudel“ zu verteidigen, denn er ist überaus loyal. Das können Sie als Halter jedoch leicht mit einem konsequenten Handeln und einer starken Führung unterbinden.

Damit versichern Sie dem Tier, dass Sie Herr der Lage sind und es nicht an Ihrer Stelle auf eine mögliche Bedrohung reagieren muss. Gehen Sie doch mit Ihrem Bully in die Hundeschule! Dort erhalten Sie Unterstützung bei der Erziehung und stärken die Beziehung zu Ihrem Vierbeiner.

Sport als Ausgleich

Damit Sie dem Energieniveau des Bullterriers gerecht werden, sollten Sie sich von Anfang an darum bemühen, ihn reichlich auszulasten. Ausgiebige Spaziergänge mit variantenreichem Spiel sind gut geeignet. Agility-Trainings und Hundesport jeglicher Art helfen dabei, die überschüssige Energie des Tieres in kontrollierte Bahnen zu leiten.

Haltung: Registrierung beim Amt ist unter Umständen nötig

Der Bullterrier gilt in zahlreichen Ländern als Listenhund. Das bedeutet oftmals, dass man sich nicht einfach einen Bully kaufen kann. Seine Haltung muss in vielen Regionen angemeldet und bewilligt werden. Hintergrund dafür ist der frühere Einsatz der Rasse als sogenannte „Kampfhunde“.

In manchen Staaten und Bundesländern Deutschlands ist die Haltung zum Beispiel vollkommen untersagt. Andere wiederum erlauben diese, wenn in einem durchzuführenden Gutachten die Ungefährlichkeit des Tieres festgestellt werden kann.

Eine starke Persönlichkeit ist gefragt

Der Halter eines Bullterriers sollte über Durchsetzungskraft verfügen. Aufgrund seines starken Willens braucht der Bully einen erfahrenen Halter, der sich eine konsequente Erziehung zutraut. Für Anfänger ist die Rasse nur bedingt geeignet.

Mit Anfeindungen umgehen

Wer einen Bullterrier adoptieren möchte, muss leider immer noch mit Unverständnis und Kritik seitens seiner Mitmenschen rechnen. Der Bully ist in den Köpfen als Archetyp des „Kampfhundes“ verankert und kann Angst sowie Ablehnung auslösen. Man sollte sich ein dickes Fell zulegen, und die Vorurteile mit einem Lächeln und einem wohlerzogenen Hund an der Leine entkräften.

Ernährung: Was gehört in den Futternapf?

Ein zu hoher Eiweißgehalt im Futter kann sich negativ auf den Gesundheitszustand der Haut auswirken. Besonders weiße Bullterrier, die häufiger zu Hautproblemen neigen, benötigen eine ausgewogene und eher eiweißarme Nahrung.

Ein geringerer Eiweißgehalt schont den Organismus und besonders die Nieren des Bullterriers. Bei Rassevertretern, in deren Familie bereits Nierenerkrankungen vorkamen, kann eine falsche Ernährung schlimme Folgen haben.

Nicht zu viel Futter geben

Da Bullterrier schnell an Gewicht zunehmen, sollte die Futtermenge nicht zu groß sein. Die Nahrung sollte außerdem fettarm und gutverdaulich sein. Um den Nährstoffbedarf des Bullterriers zu decken, sollten die täglichen Mahlzeiten etwa aus 60 Prozent Fleisch (oder anderen hochwertigen Proteinen) und aus 40 Prozent Gemüse, Obst und Getreide oder Reis bestehen.

Barfen als beliebte Alternative

Neben Trocken– und Nassfutter stellt das Barfen (biologisch artgerechte Rohfütterung) eine geeignete Fütterungsmethode dar. Dabei muss der genaue Nährstoffbedarf Ihres Vierbeiners bekannt sein, da sonst gefährliche Mangelerscheinungen auftreten können.

Um eine genauere Auskunft über den Bedarf Ihres Bullterriers zu erhalten, der je nach Geschlecht, Gewicht, Alter und Aktivitätslevel variieren kann, wenden Sie sich am besten an Ihren Züchter oder Tierarzt.

Zudem sollte Ihrer Fellnase immer ausreichend frisches Wasser in einem Napf zur Verfügung stehen.

Gesundheit und Pflege: Testen Sie Welpen auf Taubheit

Im Allgemeinen kann sich der Bullterrier bei artgerechter Haltung über eine stabile Gesundheit freuen. Allerdings kommen durchaus genetisch bedingte Krankheiten vor.

Taubheit kommt bei weißen Bullys häufiger vor

Speziell weiße Tiere leiden manchmal unter Taubheit. Außerdem neigt die Rasse zu Herz- und Kreislaufproblemen, Tumoren, Nabelbrüchen sowie Nieren- und Gelenkerkrankungen.

Lassen Sie sich unbedingt vom Züchter nachweisen, dass er alle erforderlichen, medizinischen Tests durchgeführt hat. Das betrifft allerdings nicht nur die Welpen, sondern auch die Elterntiere. Im Zweifelsfall oder bei lückenhafter Dokumentation sehen Sie besser vom Kauf ab.

Lebenserwartung des Bullterriers

Wenn keine gesundheitlichen Bedenken im Raum stehen, können Sie mit einer Lebenserwartung von bis zu zwölf Jahren rechnen.

Regelmäßige Check-ups

Der Bullterrier ist zäh und zeigt nicht gerne, wenn er unter Schmerzen leidet. Um sicherzugehen, dass mit Ihrem Hund alles in Ordnung ist und sich keine gesundheitlichen Probleme anbahnen, sollten Sie einmal im Jahr zur Kontrolle beim Tierarzt vorbeischauen.

So pflegen Sie Ihren Bullterrier

Die Fellpflege des Bullterriers ist einfach und wenig zeitaufwendig. So braucht das kurze und glatte Fell nur einmal die Woche gut durchgebürstet werden. Wenn Sie dann noch die Krallen regelmäßig schneiden und Augen und Ohren reinigen, ist Ihr Bullterrier bereits ausreichend gepflegt.

Geschichte des Bullterriers

Der Bullterrier hat seine Wurzeln im England des frühen 19. Jahrhunderts. Die Rasse entstand als eine Kreuzung zwischen der englischen Bulldogge alten Typs, dem um 1880 ausgestorbenen White English Terrier und dem Dalmatiner.

Bevorzugt werden dabei die sogenannten Allrounder, die alle drei Hundetypen perfekt vereinen. Dennoch gibt es bis heute Rassevertreter, die äußerlich besonders einem der drei Vorfahren ähneln. Diese Bullterrier unterteilt man je nachdem in den Dalmatiner-Typ (eher hochläufig, etwas leichter und eleganter), den Bulldog-Typ (eher kurzläufig, schwerer und etwas plumper) oder den Terrier-Typ.

Hundekämpfe: ein grausamer, aber beliebter Zeitvertreib

Die systematische Zucht der Bullterrier-Rasse begann um das Jahr 1850 mit dem Tierhändler James Hinks aus Birmingham, England. Da es aus den ersten Jahren keine Zuchtbücher oder andere Aufzeichnungen gibt, ist das genaue Zuchtbestreben des Rasseschöpfers Hinks nicht bekannt.

Vermutet wird, dass er im Bullterrier eher einen Begleithund als einen Kampfhund sah, eine Art „modisches Accessoire“ für den wohlhabenden Gentleman der aufkommenden Mittelschicht.

Einen Namen machte sich der Bullterrier allerdings vor allem als Kampfhund in den berüchtigten Tierkämpfen des 18. und 19. Jahrhunderts. Der Adel und das englische Volk liebten den Nervenkitzel der Hundekämpfe und erhofften sich zum Teil hohe Wettgewinne aus den Kämpfen.

Vom Kampf- zum Familienhund

Die muskulösen und schnellen Bullterrier erwiesen sich derart abgerichtet als furchtlos, aggressiv und beißwütig und boten den Zuschauern eine oft brutale Show.

Als diese grausame Art der Volksbelustigung in England verboten wurde, haftete dem Bullterrier das Image als unbarmherziger Kampfhund bereits so fest an, dass er dieses bis heute nicht mehr losbekommt. Dabei galt die Rasse schon damals als im Grunde genommen friedlich und gehorsam.

Deshalb dauerte es nicht lange, bis der Bully aufgrund seines liebenswerten, loyalen Charakters den Weg vom Kampfplatz in die Wohnzimmer der Menschen fand: Er wurde zum geschätzten Familienhund.

Schon gewusst? Der Bullterrier wurde nur kurze Zeit als Kampfhund eingesetzt. Schon 1835 wurden die Kämpfe verboten.

Bullterrier Hundesport © deponte / stock.adobe.com
Hundesport hilft, die überschüssige Energie des Bullterriers in kontrollierte Bahnen zu leiten.

Anschaffung: Was kostet der Bullterrier?

Ein gesunder Bully-Welpe kostet zwischen 1200 Euro und 1600 Euro in der Anschaffung. Die monatlichen Kosten für Futter, Tierarzt und Entwurmung machen nochmals um die 50 Euro aus.

Kauf nur vom VDH-registrierten Züchter

Weil der Bullterrier ein Listenhund ist, kann sich die Anschaffung etwas komplizierter gestalten. Informieren Sie sich vor dem Kauf, welche Regularien an Ihrem Wohnort für die Haltung eines Bullterriers gelten.

Suchen Sie unbedingt einen VDH-eingetragenen Züchter auf. Nur so ist gewährleistet, dass es sich bei dem jungen Hund wirklich um einen reinrassigen Bulli handelt, der den Anforderungen des Standards entspricht und bei dem Sie mit keinen „bösen Überraschungen“ im Sozialverhalten rechnen müssen.

So finden Sie Ihren Bully-Welpen

Lassen Sie sich nicht nur mit der Auswahl eines Welpen, sondern vor allem mit der Auswahl des richtigen Züchters Zeit. Scheuen Sie sich nicht, den Züchter mit Fragen zu „löchern“, um sich ausgiebig über die Zuchtbedingungen und den Gesundheitszustand der Hunde zu informieren. Der Züchter sollte unbedingt langjährige Erfahrung in der Haltung der Bullterrier mitbringen und am besten Mitglied in einem Verein sein.

Ein gewissenhafter Züchter, dem das Wohl seiner Hunderasse am Herzen liegt, wird Ihnen gerne Auskunft geben und Ihnen bereitwillig die Zuchtstätte, das Muttertier und seine Zertifizierungen zeigen.

Fazit: Charmanter Familienhund für erfahrene Halter

Der Bullterrier ist ein wunderbarer Hund, der das Familienleben mit viel Witz und Esprit bereichert – stundenlanges Spielen und Kuscheln inklusive. Sie sollten jedoch wegen des schlechten Images des Bullterriers auf skeptische Blicke beim Spazierengehen gefasst sein.

Quellen:


Jana Schubert
Profilbild von zooplus Magazin Autorin Jana Schubert

Schon als Baby habe ich lieber mit unserer Perserkatze gekuschelt als mit meinem Teddy. Später ging ich meinen Eltern so lange auf die Nerven, bis ich ein Pferd adoptieren durfte. Mit meinen Tieren habe ich viel erlebt. Und auch wenn das Leben mit Tieren nicht immer einfach ist, kommt für mich kein anderes in Frage. Denn Tiere berühren mich an einer Stelle meiner Seele, wo sonst nichts und niemand hinkommt. Diesen Zauber spüre ich sogar, wenn ich über Vierbeiner schreibe. Ich hoffe, etwas davon kommt bei Ihnen an.


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