Kampfhunde

Verfasst von Jana Schubert
American Staffordshire Terrier Kampfhund

Zu Unrecht verurteilt? Rassen wie der American Staffordshire Terrier werden in vielen Ländern als Kampfhund bezeichnet. Warum eigentlich?

Es gibt eine Reihe von Rassen, die als besonders gefährlich gelten. Umgangssprachlich bezeichnet man sie als „Kampfhunde“. Der Begriff hat jedoch keine rechtliche Relevanz. Kampfhunde werden auch Listenhunde genannt, da jedes Land seine eigenen Listen mit Hunden führt, für die bestimmte Regelungen gelten. Eine EU-weit einheitliche Gesetzgebung existiert in Bezug auf Kampfhunde nicht.

Woher kommt der Begriff Kampfhund?

Der Begriff des Kampfhundes hat seine Wurzeln in der Geschichte der betroffenen Hunderassen. Er stammt aus dem 19. Jahrhundert. Hundekämpfe waren zu dieser Zeit sehr populär. Viele der heute als Kampfhunde titulierten Rassen wurden vermehrt und teilweise auch speziell für diese Spektakel gezüchtet. Man konzentrierte sich auf diese Rassen, da ihre physische Konstitution und ihr hoher Muskelanteil vielversprechend für den Einsatz als Kämpfer waren.

Jedoch ist und war der entscheidende Aspekt für seine Aggressivität, wie der jeweilige Hund erzogen beziehungsweise abgerichtet wird. Daher gilt die Bezeichnung ‚Kampfhund‘ heute unter Fachleuten als diskriminierend. Schließlich wird kein Hund zum Kampfhund geboren. Es ist vielmehr der Mensch, der ihn zu einem solchen ausbildet. Oftmals erweisen sich Vertreter von Kampfhunde-Rassen als friedlich und menschenbezogen, wenn man sie rassegerecht hält und ihnen einen Platz in der sozialen Gemeinschaft gibt.

Der Charakter eines Kampfhundes

Kampfhund – das klingt natürlich sehr beängstigend. Sofort hat man spitze Zähne und ein geiferndes Maul vor Augen. Sicher hat sich der Begriff auch wegen seiner reißerischen Färbung so gut in unseren Köpfen verankert. Doch wie sind sie nun wirklich, diese Kampfhunde?

Jeder Kampfhund ist anders. Genau wie bei „normalen“ Hunden zeigen Kampfhunde unterschiedliche Charaktereigenschaften. Was sie vielleicht eint, ist ihr starker Charakter und ihr Potenzial für Aggression. Wird in der Ausbildung der aggressive Aspekt des Tieres gefördert, wird es diesen Wesenszug betont ausprägen. Kritiker merken aber an, dass dies in gewisser Weise für jede Hunderasse gilt.

Die Verantwortung liegt beim Halter

Ähnlich wie bei Menschen mit muskulöser Erscheinung können auch die kaninen Kraftpakete sehr sensibel und sanftmütig sein – wenn sie in diesem Verhalten bestärkt werden und ihre Erziehung in diese Richtung zielt. Fördert der Mensch die Entwicklung hin zu einem friedfertigen Hund, kann er ein völlig normales Verhalten zeigen. Auch eine liebevolle, aber konsequente Führung im Alltag spielt eine Rolle, wie der Hund agiert. Letztendlich liegt die Verantwortung also nicht beim Tier, sondern beim Züchter oder Halter.

Wer darf Kampfhunde halten?

Grundsätzlich darf jede Person Kampfhunde halten – sofern Zucht, Kauf oder Besitz nicht durch ein lokal oder national geltendes Gesetz verboten oder eingeschränkt wurden.

Wichtig zu wissen: Kampfhunde sind oft nicht einfach im Umgang und nicht für Anfänger geeignet.

Züchter und Tierheime wissen in der Regel um die Probleme, die sich mit einem Vertreter einer sogenannten Kampfhunde-Rasse ergeben können. In den falschen Händen kann es tatsächlich zu Übergriffen auf Menschen oder andere Tiere kommen. Medien berichten immer wieder von solchen Vorfällen.

Kampfhund Kangal © Beata / stock.adobe.com
Böser Hund oder schlechter Halter? Rassen wie der Kangal haben ein ausgeprägtes Territorial- und Schutzverhalten. Sie brauchen eine konsequente Erziehung eines erfahrenen Halters.

Die Anforderungen der Kampfhunde-Haltung

Seriöse Abgabestellen von Kampfhunden achten daher darauf, dass ein potenzieller neuer Besitzer den Anforderungen, die die Haltung eines Kampfhundes an ihn stellt, gerecht wird. Außerdem wird darauf geschaut, dass der Hund bei dem neuen Halter ein optimales und stabiles Umfeld geboten bekommt. So soll sichergestellt sein, dass der Hund sich gut entwickelt und möglichst lange in seinem neuen Zuhause bleiben kann.

Das sollten Kampfhunde-Halter unter anderem mitbringen:

  • Volljährigkeit
  • Erfahrung in der Hundehaltung
  • Rassekenntnis
  • Bereitschaft, sich bei der Hundeausbildung von Trainern begleiten zu lassen
  • Eine stabile, reflektierte Persönlichkeit
  • Verantwortungsgefühl
  • Liebe, Zeit und Geduld

Bekannte Rassen unter den Kampfhunden

Welche Rassen fallen Ihnen ein, wenn Sie an Kampfhunde denken? Sicherlich sind Rottweiler, Staffordshsire und vielleicht auch Kangal dabei. Diese Hunde zählen zu den bekanntesten Vertretern der Kampfhunde. Traurige Berühmtheit haben sie nach Angriffen auf Erwachsene und teils auch auf Kinder erlangt.

Wichtig: Auch diese Hunderassen sind von ihrem Wesen her grundsätzlich eher freundlich und friedlich. Bei einem erfahrenen Hundehalter zeigen sie sich in der Regel entspannt statt vorsätzlich angriffslustig. Allerdings brauchen diese Hunde ein hohes Maß an körperlicher Auslastung.

  • Rottweiler: Im 19. Jahrhunderts war der Rottweiler beim Adel sehr beliebt. Seine Aufgabe bestand darin, Vieh zu treiben und zu bewachen. Im 20. Jahrhundert hat er sich einen Namen als Polizei- und Militärhund gemacht.
  • Staffordshire: Diese Rasse wurde speziell für Hundekämpfe gezüchtet. Er tritt dominant auf und braucht einen Menschen, der ihn sauber ausbildet und selbstsicher führt.
  • Türkischer Kangal: Ursprünglich wurde die Rasse für den Schutz von Tierherden gezüchtet. Heute wird er gerne von Polizei und Militär als Wachhund genutzt. Sein starkes Territorial- und Schutzverhalten sorgt dafür, dass er alle Mitglieder seines Rudels verteidigt und daher gegenüber anderen Menschen oftmals aggressiv auftritt.

Gesetze für den Umgang mit Kampfhunden

Bei Wissenschaftlern, Experten und Hundebesitzern besteht keine Einigkeit darüber, welche Hunderassen als die gefährlichsten der Welt gelten. Jedes Land hat seine eigenen Listen für Hunde, die verboten oder mit Regulierungen belegt werden. Diese Hunde werden Listenhunde genannt.

Die Gesetzgebung bezüglich der Listenhunde ist weltweit unterschiedlich.

Manche Rassen dürfen weder gezüchtet noch verkauft werden. Für andere muss man bestimmte Voraussetzungen erfüllen, wie ein polizeiliches Führungszeugnis oder einen wirklich guten Grund für die Haltung vorlegen. Die unterschiedlichen Regelungen machen Kauf, Haltung und Reise mit Kampfhunden anspruchsvoll und manchmal auch verwirrend.

Kampfhunde in der EU

Die EU hält sich aus dem Thema Kampfhunde weitestgehend heraus. Die einzelnen EU-Mitgliedstaaten haben frei Hand, entsprechend präsentiert sich die Gesetzeslage als inhomogener Flickenteppich. Hundehalter sollten sich vor dem Kauf oder der Einreise über die Regelungen erkundigen.

Fazit: Der Begriff Kampfhund führt in die Irre

Kampfhunde, ihre Haltung und die zugehörige Gesetzgebung werden kontrovers und mitunter emotional diskutiert. Fakt ist, dass der Begriff „Kampfhund“ oft abwertend gebraucht wird und den so bezeichneten Hunden nicht gerecht wird. Richtig ist aber auch, dass es Hunderassen gibt, bei denen, ihre Zuchtgeschichte betrachtend, eine gewisse Vorsicht angebracht ist.

Weltweit gibt es unterschiedliche Gesetze für Kampf- und Listenhunde – einfache, übersichtliche Regeln wird man hier nicht finden. Daher macht es Sinn, sich im Einzelfall umfassend zu informieren, welche Gesetze für Ihr Anliegen und die jeweilige Hunderasse gelten.

Quellen:


Jana Schubert
Profilbild von zooplus Magazin Autorin Jana Schubert

Schon als Baby habe ich lieber mit unserer Perserkatze gekuschelt als mit meinem Teddy. Später ging ich meinen Eltern so lange auf die Nerven, bis ich ein Pferd adoptieren durfte. Mit meinen Tieren habe ich viel erlebt. Und auch wenn das Leben mit Tieren nicht immer einfach ist, kommt für mich kein anderes in Frage. Denn Tiere berühren mich an einer Stelle meiner Seele, wo sonst nichts und niemand hinkommt. Diesen Zauber spüre ich sogar, wenn ich über Vierbeiner schreibe. Ich hoffe, etwas davon kommt bei Ihnen an.


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