Ein Hund, der gegenüber anderen Vierbeinern oder sogar Menschen aggressives Verhalten zeigt, ist ein hohes Risiko – insbesondere dann, wenn er bereits schnappt, andere Hunde oder gar einen Menschen gebissen hat. Wir zeigen, was Sie tun können, wenn Ihr Hund beißt. Doch vorweg sei gesagt: Jeder Hund ist anders bezüglich Charakter und Vorgeschichte, darum gibt es keine Patentlösung für alle Fälle.
Bedenken Sie: Ein Hund beißt nicht aus Lust und Laune. Es kündigt sich meist lange vorher an und beruht in vielen Fällen auf verfestigten Missverständnissen in der Kommunikation zwischen Mensch und Tier.
Professionelle Hilfe holen
Um diese zu erkennen, ist es sinnvoll, einen professionellen Hundetrainer mit an Bord zu holen. Gemeinsam können Sie den Ursachen auf den Grund gehen und künftige Aggressionen vermeiden.
Übrigens: Nicht selten entwickeln sich kleine oder sehr gutmütige Vierbeiner zu bissigen Hunden, weil die Halter die Erziehung der „lammfrommen“ Vierbeiner zu wenig ernstgenommen haben. Hier ist langfristiges Umdenken am anderen Ende der Leine gefragt!
Sicherheit geht vor: Der Maulkorb
Im Vordergrund steht bei aggressivem Verhalten die Gefahrenvermeidung. Ein potenziell bissiger Hund sollte beispielsweise nur mit Maulkorb in der Öffentlichkeit unterwegs sein, gegebenenfalls müssen Sie auch im privaten Umfeld Vorsichtsmaßnahmen treffen. Legen Sie Wert auf eine positive Gewöhnung an den Maulkorb.
Wichtig: Wenn Sie nicht garantieren können, dass Ihr Vierbeiner unterwegs nicht beißt, bleibt Ihnen keine andere Option, als ihn einen Maulkorb tragen zu lassen. Achten Sie hierbei darauf, dass der Hund ohne Einschränkungen hecheln kann. Nach einer Gewöhnungszeit stört der Maulkorb Ihren Gefährten nicht und Sie strahlen größere Sicherheit aus, was sich wiederum positiv auf das gemeinsame Training auswirkt.
Wenn Hunde auf andere Hunde aggressiv reagieren
Aggressives Veralten gegenüber anderen Hunden kann vor einer Eskalation aufgelöst werden, indem die Hundehalter bei den ersten Anzeichen einer ungemütlichen Begegnung (Umkreisen, Knurren) entschlossen und gelassen in verschiedene Richtungen weitergehen.
Wenn Sie wissen, dass Ihr Hund nur gegenüber bestimmten anderen Hundegruppen aggressiv ist (Rüden, Schäferhunden, etc.), dann können Sie durch vorausschauendes Spazierengehen und Absprachen mit anderen Hundebesitzern entsprechende Begegnungen vermeiden – natürlich lohnt auch dann ein paralleles Training.
Hund beißt anderen Hund: Das sind die Folgen
Sollte es doch einmal zu einem Kampf kommen, handelt es sich bei gut sozialisierten Tieren in der Regel um einen Kommentkampf, der nicht auf Beschädigung ausgelegt ist. Doch auch diese können zu ernsthaften Folgen führen, vor allem bei massiven Größenunterschieden.
Gravierender sind jedoch meist unangekündigte Angriffe von Hunden, die kein normales Sozialverhalten an den Tag legen und ohne Vorwarnung beißen. Zudem kann der hiervon betroffene angegriffene Hund, durch dieses einschneidende Schlüsselerlebnis geprägt, künftig ebenfalls aggressiv auf Hundebegegnungen reagieren.
Was tun, wenn es zum Kampf kommt?
Wenn Ihr Hund beißt oder gebissen wird, gehen Sie auf keinen Fall dazwischen. Schreien oder Schlagen mit der Leine würde die Kontrahenten nur noch aggressiver machen und Sie zusätzlich in Gefahr bringen.
Ziehen Sie auch Hunde nie auseinander, wenn Sie ineinander verbissen sind, um die Verletzungen nicht noch zu verschlimmern. Es kann sinnvoll sein, die Hunde durch ein lautes Geräusch (platzende Plastiktüte) oder Wasser aus einer mitgeführten Flasche soweit zu irritieren, dass Sie sie gefahrlos trennen und anleinen können.
Ursachen: Warum beißt mein Hund mich immer?
Häufig liegt eine schlechte Sozialisierung und damit verbundene Unsicherheit oder Angst dem Problem zugrunde. Bei einigen Rassen kann auch der Schutzinstinkt schnell überhandnehmen, was sie zu einer Gefahr werden lässt.
Und natürlich können Erziehungsfehler dieses Verhalten begünstigen beziehungsweise festigen, etwa wenn der Vierbeiner gelernt hat, dass er mit Drohgebärden oder Schnappen zum Erfolg kommt. Schließlich darf er dann auf dem Sofa sitzen bleiben oder muss sein Spielzeug nicht abgeben. In diesem Fall wäre dringend ratsam, am besten unterstützt von einem Profi, diese Erziehungsfehler zu korrigieren.
Weitere mögliche Ursachen
Natürlich gibt es noch viele weitere Gründe, warum ein Hund zuschnappt – abhängig von seinem Alter, seiner Rasse, dem Gesundheitszustand und der aktuellen Situation. Denkbar sind u. a. folgende Auslöser:
Erziehung: Wie bringt man einem Hund bei, nicht zu beißen?
Lenken Sie mögliche Gefahrensituationen bereits vom Welpenalter an positiv: Wenn Ihr junger Vierbeiner beispielsweise aggressiv gegenüber Gästen ist, wäre eine gute Übung, den Hund bei Besuch „Sitz“ machen zu lassen. Läuft dies gut, darf der Besucher ihm ein Leckerli geben.
Bei ersten Tendenzen zu schnappen, empfiehlt es sich, sofort gegenzusteuern. Arbeiten Sie mit Ihrem Hund am Grundgehorsam und verwenden Sie beim geringsten Anzeichen unerwünscht aggressiven Verhaltens ein Abbruchsignal wie „Aus“. Zeigen diese Vorgehensweisen nicht den erwünschten Erfolg, können Sie den Hund mit einem lauten Geräusch, beispielsweise einer Wurfkette, ablenken und die Situation so lösen.
Wenn ein Hund beim Streicheln zuschnappt, könnte dies ein Hinweis auf Schmerzen sein.
Konsequenzen: Was soll ich machen, wenn mein Hund mich beißt?
Strahlen Sie möglichst stets Ruhe und Gelassenheit aus. Hunde registrieren sofort, wenn Sie bei einem herannahenden Jogger nervös werden oder gar Angst vor Ihrem Vierbeiner haben, was wiederum das aggressive Verhalten verstärken kann. Haben Sie allgemeine Dominanzprobleme innerhalb der Familie, sodass der Hund sich bestimmten Mitgliedern gegenüber aggressiv zeigt, macht es Sinn, sich auf eine gemeinsame Vorgehensweise festzulegen. Denn wenn verschiedene Regeln gelten, verunsichert dies den Hund.
Aggressive und dominante Vierbeiner haben ihren Schlafplatz am besten etwas im Abseits. Es kann helfen, den Hund aus einigen Räumen ganz auszuschließen, um dominante Tiere leichter kontrollieren zu können.
Wie diszipliniere ich einen Hund, der mich beißt?
Ziel ist es, das unerwünschte Verhalten sicher zu stoppen, statt den Hund zu bestrafen. Denn körperliche Strafen oder Einschüchterung verschlimmern das Beißen oft, da der Hund Stress oder Verteidigungsverhalten entwickelt.
Bei ernstem Knurren oder Abwehrbeißen entschärfen Sie die Situation, indem Sie auf Distanz gehen. Belohnen Sie ruhiges Verhalten, da positive Verstärkung langfristig am erfolgsversprechendsten ist.
Besuch in der Tierarztpraxis
Nach Beißvorfällen ist es dringend zu empfehlen, professionelle Hilfe durch einen Hundetrainer oder Hundepsychologen in Anspruch zu nehmen und an der Impulskontrolle des Hundes zu arbeiten. Kurze, klare Übungen können helfen, das Problem in den Griff zu bekommen.
Darüber hinaus sollten Sie durch einen Tierarzt abklären lassen, ob Ihr Hund womöglich Schmerzen hat oder an einer neurologischen Erkrankung leidet. Beides kann zu Verhaltensänderungen führen und den Hund bissig werden lassen.
Kurz und knapp: Die häufigsten Fragen rund um bissige Hunde
Hier finden Sie Antworten auf häufig gestellte Fragen rund um Beißvorfälle bei Hunden.
Warum beißt mein Hund, wenn ihm etwas nicht passt?
Manche Hunde besitzen rassebedingt eine eher niedrige Frustrationstoleranz, etwa der Malinois oder der American Staffordshire Terrier. Allerdings entscheidet nicht die Rasse allein, ob ein Hund aus Frust zubeißt. So können auch eine schlechte Sozialisierung im Welpenalter sowie zu wenig körperliche und geistige Auslastung dazu führen, dass ein Hund andere Hunde oder auch Menschen beißt.
Warum beißt mich mein Hund in die Hand?
Die Hand ist oft das Körperteil, das sich dem Hund nähert. Warum der Hund hineinzwickt, hängt von der individuellen Situation ab. Es kann sich beispielsweise um aufgeregtes Übersprungsverhalten beim Spielen handeln, aber auch um eine Abwehrreaktion – etwa, wenn dem Hund die Krallen geschnitten werden sollen.
Warum beißt mein Hund plötzlich beim Streicheln?
Wenn ein Hund plötzlich beim Streicheln schnappt oder beißt, ist das oft ein Zeichen dafür, dass ihm etwas unangenehm ist – körperlich oder emotional. Möglicherweise tut ihm die Stelle weh, die gerade berührt wurde. Manche Hunde mögen es aber auch einfach nicht, (lange) gestreichelt zu werden. Werden Signale wie Erstarren, Gähnen oder Wegdrehen übersehen, kann der Hund irgendwann deutlicher reagieren.
Warum beißt mein Hund beim Spielen?
Hunde benutzen beim Spielen ihr Maul ähnlich wie Menschen ihre Hände. Problematisch wird das Beißen erst, wenn der Hund zu fest zwickt bzw. hektisch oder gezielt aggressiv wird. Dann ist der Hund möglicherweise überdreht oder das Spiel hat seinen Jagdtrieb ausgelöst. Denkbar ist auch, dass das Spiel den Hund gestresst oder frustiert hat.
Warum beißt mein Hund sich selbst?
Wenn ein Hund sich selbst beißt, beknabbert oder leckt, kann das viele Ursachen haben. Eventuell leidet er unter Parasitenbefall (z. B. Flöhe oder Milben) und versucht, durch das Knabbern den Juckreiz zu stillen. Manche Hunde zeigen dieses Verhalten aber auch aus Angst bzw. Langeweile, woraus sich eine Art Zwangsverhalten entwickeln kann.
Muss man bissige Hunde einschläfern?
Ein Hund muss nicht eingeschläfert werden, nur weil er gebissen hat. Entscheidend sind Ursache, Schwere, Häufigkeit und das Risiko für Menschen oder andere Tiere. Eine Einschläferung ist immer das letzte Mittel – etwa, wenn ein Hund aufgrund von massiven neurologischen Problemen beißt und sich die Ursache nicht ausreichend behandeln lässt.
Fazit: Verhaltensprobleme ernst nehmen
Wenn ein Hund beißt, ist das in vielen Fällen ein Kommunikationsproblem und nicht einfach Ungehorsam. Um Ihrem Vierbeiner dieses unerwünschte Verhalten abzutrainieren, sollten Sie die Ursache herausfinden und nach Möglichkeit beheben. Denn bissige Hunde sind eine Gefahr für sich und andere – insbesondere, wenn Kinder im Haushalt leben.
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