Rat Terrier

Verfasst von Natalie Decker
Rat Terrier

Der Rat Terrier entstand aus einer Kreuzung von Glatthaar-Foxterrier und Manchester Terrier.

Der Rat Terrier trägt seine ursprüngliche Aufgabe bereits im Namen: Er wurde einst für die Rattenjagd gezüchtet. Heute wird der intelligente, temperamentvolle Vierbeiner immer noch gerne auf amerikanischen Farmen gehalten – etwa als Wach- und Jagdhund. Er macht sich aber auch zunehmend als freundlicher Familienhund einen Namen.

Aussehen: Kompakter Hund im Jack-Russell-Look

Der Rat Terrier ist ein kleiner bis mittelgroßer Hund. Er wird in zwei Größenschlägen gezüchtet:

  • Standard: 33 bis 46 Zentimeter groß, circa 4,5 bis 11,3 Kilogramm schwer
  • Miniatur: 25 bis 33 cm Zentimeter groß, weniger als 4,5 Kilogramm schwer

Sein Fell ist kurz, glatt und glänzend. Es verfügt über einen recht hohen Weißanteil mit verschiedenfarbigen Flecken. Diese sind meist schwarz und/ oder braun, können aber auch sandfarben, blau oder rot sein.

Optisch erinnert die Rasse etwas an den britischen Jack Russell Terrier, den Parson Russell Terrier oder den spanischen Ratonero Bodeguero Andaluz.

Keilförmiger Kopf, kräftiger Kiefer

Der Körperbau des Rat Terriers ist kompakt und athletisch. Sein Kopf ist keilförmig, die braunen, ovalen Augen stehen weit auseinander. Sowohl dreieckige Stehohren als auch Klappohren, sogenannte Button Ears, sind laut amerikanischem Rassestandard zulässig.

Typisch ist der kräftige Fang, der eine rot-braune Tan-Zeichnung aufweisen kann. Manche Welpen kommen mit einem Stummelschwanz zur Welt. Eine normal lange Rute wird in Bogenform über dem Rücken getragen.

Rat Terrier © George / stock.adobe.com
Der keilförmige Kopf und die weit auseinanderstehenden braunen Augen sind typisch für den Rat Terrier.

Charakter: Wie ist das Wesen des Rat Terriers?

Der Rat Terrier wurde einst gezüchtet, um Jagd auf Ratten zu machen. Sein ursprüngliches Aufgabengebiet wirkt sich noch heute auf seinen Charakter aus. Hunde dieser Rasse gelten als temperamentvolle, mutige Vierbeiner, die – typisch Terrier – durchaus eigensinnig sein können.

Seiner Familie gegenüber zeigt sich das lebhafte Energiebündel freundlich und zugewandt. Fremden begegnet dieser Vierbeiner eher misstrauisch, was ihn zu einem guten Wachhund macht. Aggressiv ist er aber nicht, sofern er gut sozialisiert wurde.

Für wen sind Rat Terrier geeignet?

Im Gegensatz zu vielen anderen Terriern möchte der Amerikaner seinem Besitzer gefallen – eine Tatsache, die die Erziehung und das Training erleichtertet. Motivierte Anfänger können also durchaus lernen, einen Hund dieser Rasse zu führen.

Wird er körperlich und geistig ausreichend gefordert, macht der Rat Terrier auch als Familienhund eine gute Figur. Mit Artgenossen kommt er in der Regel gut zurecht.

Katzen oder Kleintiere sollten aber lieber nicht im Haushalt leben, da diese den Jagdinstinkt des eifrigen Rattlers wecken könnten.

Treuer Bürobegleiter

Lange alleine bleiben möchte dieser anhängliche, soziale Hund nicht. Für Berufstätige ist diese Rasse daher nicht unbedingt geeignet.

Allerdings ist es möglich, aus dem kompakten, freundlichen Vierbeiner einen braven Bürohund zu machen. Damit die „Zusammenarbeit“ mit den menschlichen Kollegen klappt, muss die Fellnase in den Pausen entsprechend ausgelastet werden.

Haltung und Beschäftigung: Was braucht der Rat Terrier?

In den USA hat die chemische Rattenbekämpfung den tierischen Rattenfänger teilweise arbeitslos gemacht. Dennoch wird der Rat Terrier immer noch als fleißiger Farmhund gehalten und erfreut sich auch als liebevoller Familienhund zunehmender Beliebtheit.

Jäger bilden den lebendigen, neugierigen Vierbeiner gerne für die Jagd auf Eichhörnchen, Waschbären beziehungsweise Schwarzwild aus.

Hundesport mit dem Rat Terrier

Wird der Rat Terrier nicht für jagdliche Zwecke gehalten, sollte er einem Antijagdtraining unterzogen werden, um unerwünschte Zwischenfälle mit Wildtieren oder Katzen zu vermeiden.

Um den feurigen Jagdhund auszupowern, eignen sich diverse Hundesportarten wie Agility, Obedience, Dog Dance oder Flyball. Kleine Tricks lernt er ebenfalls blitzschnell und mit großer Begeisterung. Darüber hinaus ist eine Ausbildung zum Such- oder Polizeihund möglich.

Der Rat Terrier braucht viel Auslastung

Aufgrund seines Bewegungsdrangs ist für den amerikanischen Terrier die Haltung in einem Haus oder einer Wohnung mit Garten empfehlenswert. Allerdings muss der Garten gut eingezäunt sein, da der agile Vierbeiner gerne buddelt und hoch springen kann.

In einer Stadtwohnung fühlt sich dieser sportliche Hund nur dann wohl, wenn er regelmäßig Ausflüge in den Park, in den Wald oder auf die Hundewiese unternehmen darf.

Pflege und Ernährung: Unkompliziertes Kerlchen

Das kurze Haarkleid des Rat Terriers erfordert nur wenig Pflege. Es sollte ungefähr einmal wöchentlich mit einem Fellpflegehandschuh gestriegelt werden. Während des Fellwechsels sollte man dann öfter zur Bürste greifen, um lose Haare zu entfernen.

Zahnproblemen vorbeugen

Auch in Sachen Ernährung stellt der pfiffige Amerikaner keine großen Ansprüche. Hochwertiges Hundefutter, egal ob nass oder trocken, nimmt er dankbar an. Ideal ist eine Sorte, die für kleine Rassen entwickelt wurde.

Gut zu wissen: Da diese Hunderasse zu Zahnstein und Zahnfleischentzündungen neigt, dürfen Zahnpflege-Snacks nicht fehlen. Es ist ratsam, das Tier bereits im Welpenalter ans Zähneputzen zu gewöhnen.

Gesundheit: Diverse Erbkrankheiten

Der Rat Terrier gilt gemeinhin als gesunde Rasse, sofern er genügend Bewegung und geeignetes Futter erhält. Auch ein harmonisches Zusammenleben mit seiner Familie ist wichtig für das Wohlbefinden des kleinen Rattenjägers.

Allerdings kommen einige Erbkrankheiten bei dieser Rasse vor.

So neigen die amerikanischen Farmhunde beispielsweise zu Augenkrankheiten wie progressiver Retinaatrophie (PRA) sowie zu Fehlstellungen der Linse, die zur Erblindung führen können.

Wie alt wird der Rat Terrier?

Zu den weiteren Krankheiten, die beim Rat Terrier beobachtet werden, zählt die Mitralklappendendokardiose, ein angeborener Herzfehler.

Zudem zählen Epilepsie, angeborene Taubheit und die Legg-Calvé-Perthes-Krankheit, eine Hüfterkrankung junger Hunde, zu den typischen gesundheitlichen Problemen dieser Rasse.

Nichtsdestotrotz besitzt der Rat Terrier eine überdurchschnittlich hohe Lebenserwartung. Sie liegt bei etwa 15 bis 18 Jahren.

Geschichte: Prominenter Taufpate

Der Rat Terrier ging aus der Kreuzung von Glatthaar-Foxterrier und Manchester Terrier hervor. Mit der Zucht wurde 1820 in Großbritannien begonnen.

Ziel war es, einen Hund zu züchten, der während einer festgelegten Zeitspanne möglichst viele Ratten tötet.

Ende des 19. Jahrhunderts gelangte der Rat Terrier in die USA. Dort wurde er schnell zu einem beliebten Farmhund, der Haus und Hof von Ungeziefer befreit.

Ihren Namen erhielt die Rasse übrigens von Teddy Roosevelt, dem 26. Präsidenten der Vereinigten Staaten.

Stammvater des American Hairless Terrier

Im Laufe der Zeit wurden immer mehr Glatthaar-Foxterrier eingekreuzt, wodurch sich die ursprüngliche Fellfarbe, Schwarz mit Loh, zugunsten eines höheren Weißanteils veränderte. Darüber hinaus waren weitere Rassen wie Beagle und Whippet an der Zucht beteiligt.

Rat Terrier ohne Haare

Gewusst? Der American Hairless Terrier geht auf den Rat Terrier zurück. Im Jahr 1972 kam zufällig ein Welpe zur Welt, der das Nackt-Gen in sich trug. Daraus wurde die neue haarlose Rasse entwickelt, die dem Rat Terrier ansonsten gleicht.

Mit anderen Nackthunden wie dem mexikanischen Xoloitzcuintle ist der American Hairless Terrier nicht näher verwandt.

Rat Terrier beim Agility © Mark Herreid / stock.adobe.com
Arbeitswillige, agile Hunde wie der Rat Terrier können durch Agility rassegerecht ausgelastet werden.

Zucht und Anschaffung: Wo kann ich einen Rat Terrier kaufen?

Von der FCI, dem kynologischen Dachverband, ist der Rat Terrier bislang nicht offiziell als eigenständige Rasse anerkannt.

Daher gibt es in Europa kaum Züchter dieser Rasse. Wer einen Rat Terrier kaufen möchte, muss deshalb womöglich lange suchen oder sogar einen Welpen aus den USA importieren.

Wie viel kostet ein Rat Terrier?

Vom American Kennel Club ist die Hunderasse jedoch anerkannt. Amerikanische Züchter verkaufen ihre Rat Terrier meist ab 650 US-Dollar (circa 615 Euro). Hinzu kommen dann die Kosten für die Überführung ins Zielland.

Alternativen für Terrier-Fans

Außerhalb der USA ist der Rat Terrier bislang kaum vertreten. Hundefans, die ihr Herz an diesen fleißigen Rattler verloren haben, begeistern sich aber vielleicht auch für andere Rassen wie den Jack Russell Terrier oder den Foxterrier.

Extra-Tipp: In den Tierheimen warten viele weitere Terrier und Terrier-Mischlinge auf ein neues, liebevolles Zuhause.

Fazit: Vierbeiner mit Seltenheitswert

Seine kompakte Größe und sein starker Wille zu gefallen machen den Rat Terrier zu einem umgänglichen Vierbeiner, der auch Anfängern viel Freude bereiten wird.

Leider ist die Rasse in Europa nur selten zu finden. Interessenten sollten Verkaufsangebote deshalb unbedingt auf ihre Seriosität prüfen: Es werden nämlich immer wieder andere, ähnlich aussehende Rassen und Mischlinge als reinrassige Rat Terrier verkauft.

Steckbrief zum Rat Terrier

Besonderheiten: Kompakter, kleiner bis mittelgroßer Hund, der ursprünglich als Rattenfänger eingesetzt wurde.
Charakter: temperamentvoll, eigensinnig, freundlich, intelligent
Widerristhöhe: Standard: 33-46 cm, Miniatur: 25-33 cm
Gewicht: Standard: ca. 4,5-11,3 kg, Miniatur: bis 4,5 kg
Fell: kurz, glatt, glänzend Weiß mit Platten oder Scheckungen in Schwarz, Braun, Rot, Blau und/ oder Apricot
Fellpflege: geringer Aufwand
Auslauf: braucht viel Beschäftigung und bewegt sich gern
Anfängerhund: ja
Bellen: bellt bei Langeweile
Lebenserwartung: 15-18 Jahre
Typische Krankheiten: erblich bedingte Taubheit, Augenkrankheiten, Mitralklappen-Endokardiose, Epilepsie
Preis: ab circa 615 Euro
FCI-Gruppe: nicht anerkannt
Bewegungsbedarf: hoch
Herkunft: USA

Quellen:


Natalie Decker
Profilbild Natalie Decker (mit Pferd)

„Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos“, hat Loriot einmal gesagt. Dem würde ich uneingeschränkt zustimmen und ergänzen: „Ein Leben ohne Pferd, Katze und Kaninchen ebenfalls!“ Mein Herz schlägt für alle großen und kleinen Tiere und ich habe das große Glück, als freie Autorin über meine Leidenschaft schreiben zu dürfen. Mit meinen Artikeln möchte ich für den Tierschutz sensibilisieren und Tierfreund/innen nützliche Tipps geben.


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