Xoloitzcuintle

Verfasst von Natalie Decker
Xoloitzcuintle

Breite Brust, langgestreckter Körper, dreieckige Ohren: Diese Merkmale zeichnen den Xoloitzcuintle aus.

Der Xoloitzcuintle ist eine der ältesten Hunderassen des amerikanischen Doppelkontinents. Bekannt sind vor allem die haarlosen Vertreter dieser Rasse, es gibt aber auch behaarte Exemplare. Die freundlichen, ruhigen Vierbeiner eignen sich gut als Begleit- und Familienhunde und können unter Umständen auch von Allergikern gehalten werden.

Aussehen: Varietäten mit und ohne Fell

Der Xoloitzcuintle ist auch als Xolo beziehungsweise Mexikanischer Nackthund bekannt. Allerdings sind nicht alle Exemplare dieser Hunderasse tatsächlich haarlos. Bei der haarlosen Varietät sind laut Rassestandard auf der Stirn und an der Schwanzspitze kleine Haarbüschel erlaubt. Die Haut ist dick, glatt und weich. Sie besitzt eine schwarze, graue oder braune Farbe, auch gefleckte Tiere kommen vor.

Darüber hinaus existiert eine vollständig behaarte Varietät mit kurzem Fell. Die möglichen Fellfarben entsprechen den Hautfarben des haarlosen Xoloitzcuintle.

Größe des Mexikanischen Nackthunds

Charakteristisch für den Xoloitzcuintle sind sein länglicher, muskulöser Körperbau, die breite Brust und die fledermausartigen, dreieckigen Ohren. Die Rasse wird in drei Größen gezüchtet:

  • Standard: 46 bis 60 Zentimeter (+2 Zentimeter Toleranz)
  • Mittel: 36 bis 45 Zentimeter
  • Miniatur: 25 bis 35 Zentimeter

Ist der Xoloitzcuintle eine Qualzucht?

Das Fehlen des Fells lässt sich auf einen Gendefekt zurückführen, der durch eine natürliche Mutation entstanden ist. Dieses veränderte Gen beeinflusst auch das Zahnwachstum, weshalb dem haarlosen Xoloitzcuintle einige oder sogar alle Zähne fehlen. Behaarte Rassevertreter haben hingegen ein intaktes Gebiss.

Zudem ist die Haarlosigkeit ein sogenannter Letalfaktor. Das bedeutet: Werden zwei haarlose Hunde dieser Rasse miteinander verpaart, sterben viele Welpen bereits im Mutterleib ab.

Aufgrund dieser gesundheitlichen Probleme sehen einige Tierschützer beim Xoloitzcuintle die Kriterien für eine Qualzucht erfüllt. Verboten sind Zucht und Haltung dieser Rasse aber nicht.

Xoloitzcuintle
Den Xoloitzcuintle gibt es in verschiedenen Farben. Auch gefleckte Exemplare kommen vor.

Als freundlicher, ruhiger Zeitgenosse fügt sich der Xoloitzcuintle harmonisch ins Familienleben ein. Mit Artgenossen, Katzen und Kindern kommt der gesellige Mexikaner in der Regel problemlos zurecht. Die Rasse wird als intelligent und anpassungsfähig beschrieben. Von Anfängern kann der Xolo aufgrund seines ausgeglichenen Wesens meist gut gehalten werden.

Seinen Besitzern gegenüber verhält sich der Mexikanische Nackthund anhänglich und liebevoll. Im Kontakt mit Fremden legt er dagegen ein gewisses Misstrauen an den Tag. Er ist aufmerksam und wachsam, aber niemals aggressiv.

Diese Eigenschaften machen ihn zu einem zuverlässigen Familien-, Begleit- und Wachhund.

Bei Stress kommen ihm die Tränen

Der Xoloitzcuintle ist ein sensibler Hund, der mit viel Geduld und liebevoller Konsequenz erzogen werden muss. Verspürt der Mexikanische Nackthund emotionalen Stress, zeigt er ein bemerkenswertes Verhalten: Ihm laufen Tränen über das Gesicht.

Der exotische Vierbeiner ist gerne draußen unterwegs, weshalb er das Leben in einem Haus mit Garten sehr genießt. Grundsätzlich kommt der genügsame Xoloitzcuintle aber auch in Wohnungshaltung gut zurecht.

Da er sehr menschenbezogen ist, sollte er nicht über einen längeren Zeitraum alleine gelassen werden. Eine Zwingerhaltung, getrennt von seinen Bezugspersonen, kommt für den anhänglichen Mexikaner nicht infrage.

Sport und Spiel

Ein aktiver, kluger Hund wie der Xoloitzcuintle liebt ausgedehnte Spaziergänge sowie Intelligenz- und Futtersuchspiele. Er lässt sich zudem für verschiedene Hundesportarten wie Agility, Obedience und Dog Dancing begeistern. Auch als tierischer Begleiter beim Joggen, Wandern beziehungsweise Radfahren ist er geeignet.

Ein Hund für Allergiker?

Dank seines fehlenden Haarkleids kann der Mexikanische Nackthund womöglich auch von Allergikern gehalten werden. Eine Garantie für die Verträglichkeit gibt es aber nicht, da die Allergiesymptome nicht von den Haaren selbst, sondern von den Hautschuppen beziehungsweise dem Speichel ausgelöst werden.

Bevor der Xolo einziehen darf, sollten Allergiker daher ausgiebig testen, ob ein Zusammenleben überhaupt möglich ist.

Die Haut des Mexikanischen Nackthunds neigt zu Unreinheiten und Hautkrankheiten und benötigt daher eine besondere Pflege.

In regelmäßigen Abständen sollte die Hundehaut mit einer milden Lotion eingerieben werden, um sie mit Feuchtigkeit zu versorgen. Verletzungen müssen desinfiziert und mit einer Wundsalbe behandelt werden.

Schmutz kann mit einem feuchten Tuch abgerieben werden. Im Sommer müssen insbesondere die hellen Hautpartien mit Sonnencreme vor Sonnenbrand geschützt werden. Da die haarlosen Rassevertreter genetisch bedingte Zahnprobleme haben, sollten sie bereits im Welpenalter ans Zähneputzen gewöhnt werden.

Weiches Futter für Hunde mit Gebissproblemen

Aufgrund des fehlenden Haarkleids braucht der nackte Xolo mehr Energie, um seine Körpertemperatur aufrechtzuerhalten. Es ist deshalb empfehlenswert, hochwertiges Futter in mehreren kleinen Portionen über den Tag verteilt zu füttern. Übergewicht sollte vermieden werden.

Für Exemplare mit Kieferfehlbildungen beziehungsweise Gebissproblemen ist weiches Nassfutter besser geeignet als hartes Trockenfutter. Die Tiere können es besser kauen, was wichtig für die Verdauung und die Nährstoffversorgung ist.

Trotz seiner fehlenden Zähne braucht der Xolo zusätzlich softe Kauartikel, auf denen er herumnagen darf.

Wie bereits erwähnt, ist die Haarlosigkeit des Xoloitzcuintle mit gewissen gesundheitlichen Problemen verbunden. Dazu zählen vor allem die Veranlagung für Zahnprobleme sowie das erhöhte Risiko für Hauterkrankungen.

Parasiten haben es auf der dicken, robusten Haut jedoch überraschend schwer.

Bei starker Sonneneinstrahlung droht insbesondere bei hellhäutigen Rassevertretern Sonnenbrand. Daher sollten helle Hautpartien mit Sonnencreme eingerieben werden. Auch ein leichtes Mäntelchen kann Schutz bieten.

Gut zu wissen: Wie alle anderen Hunde schwitzt auch der Xolo nur an den Ballen, nicht am gesamten (nackten) Körper.

Wie alt wird der Mexikanische Nackthund?

Bei guter Pflege kann diese exotische Rasse circa zwölf bis 15 Jahre alt werden.

Trotz seiner Nacktheit ist der Xoloitzcuintle nicht übermäßig kälteempfindlich, wodurch dieser widerstandsfähige Hund auch in kühleren Regionen gehalten werden kann.

Dennoch ist es ratsam, ihm bei extremer Kälte einen Mantel anzuziehen. Friert der Mexikanische Nackthund, beginnt er zu zittern.

Beim Mexikanischen Nackthund handelt es sich keineswegs um eine moderne Züchtung – sondern um eine der ältesten Hunderassen Amerikas, womöglich sogar weltweit.

Bereits seit etwa 3.500 Jahren kennt man in Mexiko haarlose Hunde. Die älteste Darstellung des Xolo, eine Tonfigur, wird ungefähr auf das Jahr 1700 vor Christus datiert.

Damals war der Xoloitzcuintle wahrscheinlich hoch angesehen. Insbesondere Kranken diente der freundliche Begleithund als „lebendige Wärmflasche“. Er hatte den Ruf, gesundheitliche Probleme wie Erkältungen, Rheuma und Asthma zu lindern.

Wie spricht man Xoloitzcuintle aus?

Der Name Xoloitzcuintle kommt aus der Azteken-Sprache Nahuatl wird Scholoitz-kuint-li ausgesprochen. Übersetzen lässt sich der etwas kompliziert klingende Name mit „Hund des Gottes Xolotl“.

Der Mexikanische Nackthund wurde demzufolge als irdischer Stellvertreter des Xolotl betrachtet, des aztekischen Gottes des Blitzes, Unheils und Todes.

Die Aufgabe dieses hochverehrten Hundes war es, Tote ins Jenseits zu begleiten. Es wurden mumifizierte Tiere gefunden, die zu den Verstorbenen ins Grab gelegt worden waren. Zu besonderen Anlässen wurde der Xolo auch geopfert und sein Fleisch als Delikatesse verspeist.

Zucht und Anschaffung: Wie viel kostet ein Xoloitzcuintle?

Ein reinrassiger, gesunder Xoloitzcuintle ist ab etwa 1.500 Euro aufwärts zu haben. Seine Zucht erfordert viel Fachwissen, denn es gibt einige Besonderheiten zu beachten.

Werden zwei nackte Exemplare miteinander verpaart, sterben die haarlosen Embryonen bereits im Mutterleib ab. Denn der Gendefekt, der die Haarlosigkeit verursacht, ist ein sogenannter Letalfaktor.

Daher müssen als Elterntiere ein nackter und ein behaarter Xolo ausgewählt werden. Der Nachwuchs besteht dann je zur Hälfte aus haarlosen und behaarten Tieren. Behaarte Tiere dürfen nicht miteinander verpaart werden.

Vorfahre des Chinesischen Schopfhunds

Der Xoloitzcuintle ist eine offiziell anerkannte Hunderasse, die vom kynologischen Dachverband FCI der Gruppe 5 „Spitze und Hunde vom Urtyp“ zuordnet wird.

Durch Kreuzungen mit europäischen Gesellschaftshunden entstand wohl der Chinesische Schopfhund. Auch mit dem Peruanischen Nackthund ist der Xolo eng verwandt.

Fazit: Hässlich? Hauptsache gesund!

Der Xoloitzcuintle ist ein Exot, mit dem man auf der Hundewiese oder in der Hundeschule garantiert auffällt. Sein haarloses Äußeres polarisiert: Bei Wettbewerben, die den „hässlichsten Hund der Welt“ küren, landen immer wieder Vierbeiner dieser Rasse auf den ersten Plätzen.

Wichtiger als sein Aussehen ist allerdings seine Gesundheit. Wer einen Xolo in die Familie aufnehmen möchte, sollte unbedingt einen seriösen Züchter aufsuchen und die nackte Hundehaut gut pflegen.

Steckbrief zum Xoloitzcuintle

Besonderheiten: Der Xoloitzcuintle ist eine alte Hunderasse aus Mexiko. Es gibt Rassevertreter mit und ohne Fell.
Charakter: freundlich, anhänglich, ruhig, intelligent
Widerristhöhe: Standard: 46-60 cm (+2 cm Toleranz)
Mittel: 36-45 cm
Miniatur: 25-35 cm
Gewicht: 4-25 kg
Fell: haarlos oder kurzes Fell

Fell- bzw. Hautfarbe: schwarz, grau, leberfarben oder bronze, rosa- oder kaffeefarbene Flecken möglich

Hautpflege: mittlerer Aufwand
Auslauf: ist gern draußen unterwegs, Beschäftigung z. B. durch Agility oder Obedience
Anfängerhund: ja
Bellen: wachsam, kündigt Besuch durch Bellen an
Lebenserwartung: 12-15 Jahre
Typische Krankheiten: Zahnprobleme, Hautkrankheiten, Wunden
Preis: ab 1.500 €
FCI-Gruppe: 5 „Spitze und Hunde vom Urtyp“
Bewegungsbedarf: mittel
Herkunft: Mexiko

Natalie Decker
Profilbild Natalie Decker (mit Pferd)

„Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos“, hat Loriot einmal gesagt. Dem würde ich uneingeschränkt zustimmen und ergänzen: „Ein Leben ohne Pferd, Katze und Kaninchen ebenfalls!“ Mein Herz schlägt für alle großen und kleinen Tiere und ich habe das große Glück, als freie Autorin über meine Leidenschaft schreiben zu dürfen. Mit meinen Artikeln möchte ich für den Tierschutz sensibilisieren und Tierfreund/innen nützliche Tipps geben.


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