Europäischer Schlittenhund

Verfasst von Natalie Decker

Beim Europäischen Schlittenhund handelt es sich um einen leistungsfähigen Mix aus Husky und Jagdhund. Die Tiere besitzen kurzes Fell mit viel Unterwolle und einen enormen Laufwillen. Ihr freundlicher Charakter macht sie zudem zu angenehmen Familien- und Begleithunden.

Europäischer Schlittenhund

Europäische Schlittenhunde sind lauffreudige Hunde vom modernen Typ.

Aussehen: Sportlicher Mix aus Schlitten- und Jagdhund

Der Europäische Schlittenhund wird auch Scandinavian Hound oder Eurohound genannt. Gemeint ist damit ein moderner Hundetyp, der aus der Kreuzung des Alaskan Huskys mit Jagdhunden wie dem Deutsch Kurzhaar, dem English Pointer bzw. verschiedener skandinavischer Vorstehhunde hervorgeht.

Das Erscheinungsbild ist recht uneinheitlich, jeder Hund ist ein Unikat. Zur besseren Orientierung wird bei den Tieren oftmals der Jagdhund-Anteil in Prozent angegeben.

Wie groß wird ein Europäischer Schlittenhund?

Der Eurohound gehört zu den großen Hunden. Rüden erreichen eine Schulterhöhe von bis zu 72 Zentimeter und ein Gewicht von bis zu 34 Kilogramm. Hündinnen sind etwas kleiner und leichter.

Der Körperbau ist schlank, athletisch und hochbeinig. Das doppelte Haarkleid besteht aus kurzem, eng anliegendem Deckhaar und üppiger, dichter Unterwolle. Optisch erinnern diese eleganten Tiere meist eher an drahtige Windhunde als an langhaarige, kompakte Schlittenhunde.

Sämtliche Fellfarben sind möglich

Das Fell kann sämtliche Farben und Muster aufweisen. Typisch sind die mittelgroßen Schlapp- oder Knickohren.

Gut zu wissen: Ein Europäischer Schlittenhund erster Generation, also mit 50 Prozent Jagdhund-Anteil, ähnelt den Vorstehhunden am stärksten. Oftmals werden später in der Zucht weitere Huskys eingekreuzt, sodass sich die Nachkommen optisch immer mehr einem klassischen Schlittenhund annähern.

Europäischer Schlittenhund Muster © Louis-Paul Photo / stock.adobe.com
Sämtliche Fellfarben sind beim Europäischen Schlittenhund möglich.

Charakter: Freundlicher, lauffreudiger Vierbeiner

Dank seiner Schlittenhund-Gene ist der Scandinavian Hound ein äußerst lauffreudiger Hund. Er besitzt aber nicht nur einen unbändigen Laufwillen, er möchte es dem Lenker des Hundegespanns, dem Musher, auch unbedingt recht machen. Insbesondere in bergigem Gelände bringt er hervorragende Leistungen.

Darüber hinaus ist der Eurohound ein intelligenter, führiger und reaktionsschneller Vierbeiner mit rascher Auffassungsgabe, der sich eng an seine Bezugsperson bindet. Dadurch ist er relativ leicht zu trainieren.

Ist ein Europäischer Schlittenhund als Familienhund geeignet?

Der Eurohound ist aber nicht nur ein ausdauernder, gut ansprechbarer Schlittenhund. Sein freundliches, menschenbezogenes Wesen macht ihn auch zu einem angenehmen Begleit- und Familienhund.

Mit Artgenossen kommt er gut zurecht. Ein kleines Rudel bestehend aus zwei oder drei Hunden ist für diesen sozialen Hund ideal. Auch in größeren Gruppen sowie im Zusammenleben mit weiteren Haustieren kommt es normalerweise nicht zu Konflikten.

Neigt der Europäische Schlittenhund zum Bellen?

Die Tiere verfügen unter Umständen über einen gewissen Jagdtrieb, der frühzeitig in geeignete Bahnen gelenkt werden sollte. Wie viele nordische Rassen heulen sie eher als dass sie bellen. Als Wach- oder Schutzhunde sind sie nicht geeignet.

Der Europäische Schlittenhund ist ein Spätentwickler

Der Europäische Schlittenhund gehört zu den Spätentwicklern. Erst mit drei Jahren ist er geistig voll entwickelt und körperlich ausgewachsen. Insbesondere die Rüden brauchen viel Zeit für eine gesunde Entwicklung. Dies sollte beim Training berücksichtigt werden.

Haltung und Beschäftigung des Scandinavian Hound

Als Husky-Jagdhund-Mix ist der Scandinavian Hound für den Zughundesport prädestiniert. Je höher der Jagdhund-Anteil ist, desto besser ist der Vierbeiner für kurze Sprints geeignet. Bis zu 40 km/h können die schlanken Hunde schnell werden.

Musher, die mit ihren Tieren über längere Distanzen fahren wollen, entscheiden sich in der Regel für Exemplare mit geringerem Jagdhund-Anteil. Diese sind dann meist kräftiger gebaut und besitzen ein längeres Fell.

Wie viel Kilogramm kann ein Europäischer Schlittenhund ziehen?

Ein gesunder, gut trainierter Schlittenhund kann in etwa das Vierfache seines Körpergewichts ziehen. Neben dem Gewicht des Menschen muss dabei natürlich auch das Gewicht des Schlittens bzw. Gefährts berücksichtigt werden.

Um ihren Bewegungsdrang ausleben und ihrer Bestimmung nachgehen zu können, sollten Europäische Schlittenhunde zwei- bis dreimal pro Woche ausgiebig rennen dürfen. Sie müssen dabei aber nicht unbedingt einen Schlitten ziehen, sondern können ihren Halter auch beim Joggen oder Radfahren begleiten.

Hundesport mit dem Europäischen Schlittenhund

Viele Eurohounds besitzen zudem einen enormen Spieltrieb, weshalb sie auch für weitere Hundesportarten wie Dummytraining, Rally Obedience, Agility oder Mantrailing zu begeistern sind. Im Turnierhundesport erbringen sie oftmals beeindruckende Leistungen.

Obwohl sie ihre dichte Unterwolle vor Kälte schützt, sollten Europäische Schlittenhunde im Haus leben dürfen. Denn sie brauchen engen Kontakt zu ihrer Familie. Lange alleine bleiben möchten sie nicht, weshalb sie für Menschen mit zeitintensiven Berufen nicht geeignet sind.

Wo fühlt sich der Eurohound am wohlsten?

Ein Haus mit Garten, am besten in ländlicher Umgebung, ist das ideale Zuhause für den lauffreudigen Scandinavian Hound. Er braucht einen sportlichen Halter, der gerne an der frischen Luft unterwegs ist und ihm mehr bieten kann als einfache Gassirunden.

Europäischer Schlittenhund © AnnKristin / stock.adobe.com
In der Natur und auf Achse fühlt der Europäische Schlittenhund sich am wohlsten.

Pflege und Ernährung: Was braucht der Eurohound?

Er sieht zwar nicht wie ein typischer Schlittenhund aus, doch der Eurohound kommt mit Temperaturen von bis zu -25 Grad Celsius problemlos zurecht. Dennoch ist es üblich, den Tieren vor allem bei eisigem Wind einen wärmenden Hundemantel überzuziehen.

Verträgt der Eurohound Wärme?

Liegen die Temperaturen unter 15 Grad, fühlen sich Europäische Schlittenhunde am wohlsten. Sie sollten daher vor allem im Winter, Frühjahr und Herbst trainiert werden. Im Sommer muss das Training entsprechend reduziert werden. Zudem brauchen die Tiere bei hohen Temperaturen ausreichend Abkühlung.

Schutz für empfindliche Pfoten

Um die Pfoten nach einem Schlittenhunderennen oder einer längeren Trainingseinheit zu pflegen, empfiehlt sich die Verwendung einer reichhaltigen Salbe. Sie versorgt die Hundepfoten mit wertvollen Vitaminen und Ölen. Das enthaltene Wachs schützt die Haut zudem vor Nässe und Kälte.

Weitere Tipps rund um die Pflege Ihres Eurohounds bieten Ihnen unsere Ratgeber:

Ernährung des Europäischen Schlittenhunds: Roh- oder Trockenfutter wählen

Für einen aktiven, ursprünglichen Hund wie den Scandinavian Hound ist eine naturnahe Ernährung mit hohem Fleischanteil empfehlenswert, wie sie etwa die biologisch-artgerechte Rohfütterung (BARF) bietet. Denn das Verdauungssystem ist auf die Verwertung von proteinreicher Nahrung ausgelegt. Alternativ kann hochwertiges getreidefreies Trockenfutter gegeben werden.

Insgesamt ähneln seine Ernährungsansprüche jenen des Alaskan Huskys. Insbesondere Welpen und Junghunde brauchen ausgewogenes, nährstoffreiches Futter, um zu gesunden Hunden heranwachsen zu können.

Gesundheit: Robuster Vierbeiner

Der Europäische Schlittenhund ist von Natur aus ein robuster, widerstandsfähiger Vierbeiner. Dennoch können bestimmte Erbkrankheiten auftreten, die auch bei den Ursprungsrassen vorkommen.

Vonseiten des Alaskan Huskys kann er zum Beispiel die Arthrose-Neigung erben. Dabei handelt es sich um einen schmerzhaften Gelenkverschleiß, der durch eine Überbelastung der Gelenke entstehen kann.

Weitere Krankheiten wie Epilepsie und Progressive Retinaatrophie (PRA) können durch den Jagdhund-Einfluss vererbt werden.

Wie alt wird ein Europäischer Schlittenhund?

Ein rassegerecht gehaltener und ausreichend ausgelasteter Eurohound kann ein Alter von 12 bis 14 Jahren erreichen.

Geschichte: Woher stammt der Europäische Schlittenhund?

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Hundesportarten wie Skijöring in Skandinavien wieder populär. Gefragt waren dabei Hunde, die über kurze Distanzen im bergigen Gelände überzeugende Leistungen brachten. Die norwegischen Wettkampfrichtlinien schrieben allerdings die Verwendung von reinrassigen Hunden vor.

Ein Jagdhund vor dem Schlitten

Daraufhin entwickelte sich der Deutsch Kurzhaar zum Favoriten der Musher. Infolgedessen wurde diese Rasse immer mehr in Hinblick auf ihre Schlittenhund- und weniger auf ihre Jagdhund-Qualitäten gezüchtet.

In den 1970er-Jahren kamen in Skandinavien dann Schlittenhunderennen über längere Distanzen in Mode, wie sie auch in Nordamerika gefahren werden. Im Zuge dieser Entwicklung wurden die ersten Alaskan Huskys importiert.

Nicht offiziell anerkannt

Nachdem die Regel, dass nur reinrassige Hunde an Schlittenhunderennen teilnehmen dürfen, im Jahr 1985 fallengelassen wurde, begann man, Alaskan Huskys, Vorstehhunde und Greyhounds zu kreuzen.

Die neuartigen Schlittenhunde sind inzwischen in ganz Europa und in Nordamerika beliebt. Sie werden nicht nur bei klassischen Schlittenhunderennen, sondern auch beim Bikejöring und beim Canicross eingesetzt.

Von der kynologischen Dachorganisation FCI ist der Europäische Schlittenhund allerdings nicht als eigenständige Rasse anerkannt.

Zucht und Anschaffung: Worauf sollte man achten?

Der Europäische Schlittenhund wird in verschiedenen Linien gezüchtet. Es gibt Zuchtlinien, die bevorzugt große, kräftige Hunde hervorbringen, die problemlos längere Distanzen zurücklegen können. Andere sind hingegen auf schlanke Sprinter spezialisiert.

Wer einen Scandinavian Hound kaufen möchte, sollte sich im Vorfeld also genau informieren und sich auch über die eigenen Wünsche in Klaren sein: Soll der Hund weite Strecken laufen können oder auf kurzer Distanz Spitzenleistungen bringen?

Sie wollen einen Eurohound kaufen oder adoptieren? In unseren Ratgebern erfahren Sie, was Sie vor der Anschaffung wissen sollten:

Fazit: Arbeitsfreudiger Wintersportler

Der Europäische Schlittenhund braucht viel Bewegung an der frischen Luft. Werden die lauffreudigen Tiere rassegerecht ausgepowert, zeigen sie sich innerhalb der Familie von ihrer ausgeglichenen, anhänglichen Seite.

Seine sportlichen Leistungen und der unkomplizierte Charakter machen den Eurohound zu einem tollen Freizeitpartner für aktive Hundefreunde.

Steckbrief zum Europäischen Schlittenhund

Besonderheiten:Moderner Hundetyp, der auf die Kreuzung von Alaskan Huskys mit Vorstehhunden wie dem Deutsch Kurzhaar zurückgeht
Charakter:lauffreudig, lernwillig, führig, menschenbezogen
Widerristhöhe:Rüden bis ca. 72 cm
Hündinnen kleiner
Gewicht:Rüden bis ca. 34 kg
Hündinnen leichter
Fell:kurzes Deckhaar mit viel Unterwolle alle Farben
Fellpflege:mäßiger Aufwand, regelmäßiges Bürsten und Kämmen erforderlich
Auslauf:hoher Bewegungsdrang, Beschäftigung v. a. durch Zughundesport
Anfängerhund:eher nein
Bellen:heult recht viel
Lebenserwartung:ca. 12-14 Jahre
Typische Krankheiten:Arthrose, Epilepsie, Progressive Retinaatrophie (PRA)
FCI-Gruppe:nicht anerkannt
Herkunft:Skandinavien

Quellen:


Profilbild Natalie Decker (mit Pferd)

„Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos“, hat Loriot einmal gesagt. Dem würde ich uneingeschränkt zustimmen und ergänzen: „Ein Leben ohne Pferd, Katze und Kaninchen ebenfalls!“ Mein Herz schlägt für alle großen und kleinen Tiere und ich habe das große Glück, als freie Autorin über meine Leidenschaft schreiben zu dürfen. Mit meinen Artikeln möchte ich für den Tierschutz sensibilisieren und Tierfreund/innen nützliche Tipps geben.


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