{"url":"https://www.zooplus.de/magazin/hund/hundesport-spiel/dummytraining","title":"Dummytraining als Hundesport: Tipps für Anfänger und Fortgeschrittene","mag_id":219055,"is_single":true,"cat_name":"Hund","sub_cat_id":84,"sub_cat_name":"Hundesport und Spiel","cat_id":79}
Was ist Dummytraining? Einen Futterbeutel werfen oder verstecken – und der Hund bringt ihn zurück. So zumindest die Vorstellung vieler Laien. Doch Dummy-Arbeit mit Hund ist viel mehr als das! Lernen Sie hier den facettenreichen Hundesport besser kennen.
Dummytraining ist ein Hundesport, der aus dem Jagdtraining stammt. Dabei ging es ursprünglich um das Finden und Apportieren von erlegten Vögeln oder Kleinwild. Um Jagdhunde auszubilden, ohne mit toten Wildtieren arbeiten zu müssen, kam der „Dummy“ zum Einsatz. Der Dummy ist also eine Attrappe und ersetzt echtes Wild.
Finden und Bringen – klingt einfach? Aber beim professionellen Dummytraining kommt es auf viele Details an. So darf der Vierbeiner die Attrappe zum Beispiel nicht „knautschen“ – schließlich wäre dies bei einer zu apportierenden Ente eine jagdliche Nullnummer. Beim Dummytraining ist das Zusammenspiel zwischen Mensch und Hund von großer Bedeutung.
Apportieren als Basis der Dummy-Arbeit
Viele Hunde können „das Bällchen zurückbringen“. Doch richtiges Apportieren spielt sich meist auf einem anderen Niveau ab. Im Dummytraining geht es darum, den Dummy auf Kommando zu holen und abzugeben – natürlich in die Hand.
Hundetrainerin Carolina Jaroch: „Sauber aufgebautes Apportieren ist Voraussetzung für erfolgreiche Dummy-Arbeit. Man darf dabei Apportieren nicht mit Spielen verwechseln!“
Übrigens: Die Links zu den im Video gezeigten Produkten finden Sie in der YouTube-Videobeschreibung.
Wie geht Dummytraining?
Bei der Suche nach dem Dummy gibt es drei Möglichkeiten:
Markieren: Der Dummy fliegt durch die Luft, der Hund beobachtet die Flugbahn und merkt sich, wo er gelandet ist. Besonders knifflig wird dies, wenn der Hund zwischendurch andere Aufgaben lösen soll. Auch mehrere parallele Fallstellen mit verschiedenen Dummys sind möglich und steigern den Schwierigkeitsgrad.
Suche/Verlorensuche: Hier ist echte Nasenarbeit gefragt. Denn der Hund sucht den Dummy selbstständig über den Geruch, ohne die Fallstelle zu kennen. Das zu durchschnüffelnde Gelände ist in der Regel 50 mal 50 Meter groß.
Einweisen: Bei dieser Variante weiß der Halter, wo der Dummy liegt, und weist den Hund mit antrainierten Signalen in die richtige Richtung ein. Einweisen ist gleichzeitig eine prima Übung für den Gehorsam auf Distanz. Vor den ersten Trainingserfolgen ist Geduld gefragt, denn der Hund muss die Signale sicher verknüpfen. Dann erst können sie für das Einweisen in eine bestimmte Richtung zum Einsatz kommen. Neben Handzeichen und Wortsignalen spielen auch Pfeifensignale eine wichtige Rolle beim Einweisen.
Für welche Hunde eignet sich Dummytraining?
Prädestiniert für Dummytraining sind alle Hunderassen, die gerne apportieren. Hierzu zählen natürlich besonders die klassischen Retriever-Rassen vom Golden Retriever über den Labrador bis hin zum Chesapeake Bay Retriever. Sie zeichnet darüber hinaus aus, dass sie gerne mit ihrem Menschen zusammenarbeiten.
Dummytraining mit Jagd- und Hütehunden
Auch viele kooperative Jagdhunde wie der Deutsch Drahthaar bringen hervorragende Eigenschaften für die Arbeit mit dem Dummy mit. Manche Hütehunde wie der Border Collie lieben Dummy-Arbeit – bei ihnen ist es im Training besonders wichtig, das teils übereifrige Temperament in geordnete Bahnen zu lenken.
Vom Wesen her eigenständige Vierbeiner wie Herdenschutzhunde oder Windhunde arbeiten weniger kooperativ mit ihrem Zweibeiner zusammen – Dummytraining erfordert hier mehr Geduld.
Voraussetzungen: Wann beginnt man mit Dummytraining?
Bevor Sie sich mit Ihrem Vierbeiner ins Abenteuer Dummytraining stürzen, sollte der Hund über einen guten Grundgehorsam verfügen. So spielt zum Beispiel „bei Fuß gehen“ eine große Rolle. Ebenso wird Steadiness der Hunde großgeschrieben. Das bedeutet, der Hund wartet geduldig, bellt und winselt nicht und läuft nur auf Kommando los – für viele Vierbeiner eine große Herausforderung.
Gemeinsam lernen
Doch es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. „Natürlich sollte Grundgehorsam vorhanden sein, aber wir trainieren auch immer wieder einzelne Elemente wie Impulskontrolle, bei Fuß gehen oder den Rückruf in unseren Dummy-Kursen“, sagt Carolina Jaroch.
Anders als in vielen anderen Hundeschulen sind in ihren Trainings alle Hunderassen vom Chihuahua bis zum Weimaraner und natürlich Mischlinge willkommen, denn: „Dummytraining ist aus unserer Sicht eine der schönsten Beschäftigungen für die meisten Mensch-Hund-Teams.“
Dummytraining mit Welpen
Können auch Welpen mit Dummy-Arbeit starten? Ja! Allerdings geht es dann auch darum, Grundkommandos parallel zu erlernen. Zudem sollten Sie die Übungseinheiten sehr kurz halten. Aber früh übt sich und erste kleine Schritte können Sie bereits im Welpenalter in Sachen Dummytraining gehen! Hierzu gehört zum Beispiel das korrekte Aufbauen des Apportierens.
Auch kleinere Hunde können in ihrem eigenen Tempo mit Dummys arbeiten. Achten Sie aber darauf, dass sie sich nicht überanstrengen!
Was bringt Dummytraining?
Im Idealfall macht diese Hundesportart Ihnen und Ihrem Vierbeiner tierisch viel Spaß. Ganz nebenbei profitieren Sie und Ihre Fellnase zudem von weiteren Vorteilen des Dummytrainings:
Festigen von im Alltag sinnvollen Kommandos wie „Bleib“ oder „Stopp“
Angepasst auch für Senioren oder Hunde mit Handicap möglich
Stärkt das Selbstvertrauen der Hunde
Viel Bewegung im Freien für Mensch und Hund
Nützliches Zubehör fürs Dummytraining
Eins vorweg: Im professionellen Dummytraining spielen der Futter-Dummy oder mit Pelz umwickelte Dummys kaum eine Rolle. Stattdessen lernen die Vierbeiner, genormte Dummys zu bringen. Diese sind durchschnittlich 10 Zentimeter lang und 500 Gramm schwer. Es gibt auch Attrappen für kleinere Hunde.
Auch die Farbwahl sollte nicht zufällig erfolgen: Weiße und blaue Dummys sind für den Vierbeiner gut zu sehen – sie eignen sich vor allem für Anfänger. Grüne, orangefarbene oder rote Attrappen sind jedoch nahezu unsichtbar für Hundeaugen und fordern zusätzlich.
Wer professionell durchstartet, wird sich weiteres Equipment zulegen. Zum Beispiel Markierstangen, um den Hund beim Finden zu unterstützen. Puder kann dabei helfen, die Windrichtung zu bestimmen – ein wichtiges Kriterium für den vierbeinigen Nasenarbeiter.
Zum Transport eignet sich am besten eine geräumige Dummy-Weste oder eine Dummy-Tasche, in der viele Attrappen und weiteres Zubehör Platz finden.
Übrigens: Ein Dummy ist definitiv kein Kauspielzeug! Nach dem Training sollten Sie alle Dummys sicher verstauen. Niemals sollte der Vierbeiner die Chance bekommen, an einem herumliegenden Dummy zu kauen.
Wie lerne ich Dummytraining?
Einzelne Trainingseinheiten des Dummytrainings können Sie auch ohne einen Experten einüben – zum Beispiel mit Online-Videos oder einem guten Buch, das die Trainingsschritte einzeln beschreibt. Unseren Buchtipp finden Sie in den Quellen am Ende des Beitrags.
Doch wer wirklich in den Dummy-Sport mit Hund einsteigen möchte, sollte einen entsprechenden Kurs in einer Hundeschule oder einem Hundesportverein in der Nähe besuchen.
Rücksichtsvoll in Wald und Flur
Carolina Jaroch: „Nach einer Einführung geht’s bei uns in der Gruppe ab in die Natur – Wiese, Wasser, Wald. In der Natur gemeinsam mit dem Hund zur arbeiten, ist sehr bereichernd, aber: Insbesondere während der Wildschonzeit gilt es natürlich, Rücksicht zu nehmen.“
Hunde, die unkontrolliert wildern, gehören auch beim Dummytraining an die Schleppleine oder in ein eingezäuntes Areal!
Wasserarbeit im Dummytraining – doppelte Freude für wasserliebende Retriever!
Auf die Plätze, fertig, los: Prüfungen und Wettbewerbe
Wettbewerbe gibt es in verschiedenen Klassen vom Anfänger bis zum Experten. Wer vom Start weg sauber trainiert, kann sich bald an erste Wettkampferfahrungen wagen. Hierzu gehören auch sogenannte Working Tests. Allerdings sind für diese häufig nur Retriever-Rassen zugelassen.
Dummy-Arbeit auf höchstem Niveau
Das gilt auch für den jährlich stattfindenden GermanCup des Deutschen Retriever Clubs (DRC). Solche überregionalen Events sind auch für Zuschauer spannend und zeigen, wie die Dummy-Arbeit auf höchstem Niveau aussehen kann. In Deutschland bietet der Berufsverband für Hundeerzieher:innen und Verhaltensberater:innen e.V. (BVH) eine Dummy-Prüfung für alle Rassen und Mischlinge an.
Die einsehbaren Prüfungsordnungen bieten auch allen, die aus reinem Spaß an der Freude trainieren, Inspirationen für die nächsten Schritte und neue Herausforderungen. Denn das Wichtigste beim Dummytraining sind das gemeinsame Lernen und die Freude an der innigen Zusammenarbeit zwischen Mensch und Hund.
Training mit Futterbeutel
Gut zu wissen: Eine Variante des Dummytrainings geht auf den Hundetrainer Jan Nijboer zurück, der auch Treibball für Hunde entwickelt hat. Nijboer arbeitet in seinem Erziehungskonzept des Natural Dogmanships nicht mit klassischen Dummys, sondern mit dem Futter-Dummy, der die Mahlzeiten des Hundes enthält.
Kurz und knapp: Die häufigsten Fragen zum Thema Dummytraining
Hier finden Sie Antworten auf häufig gestellte Fragen rund um den Hundesport für Supernasen und Teamworker.
Wie übe ich Dummytraining Schritt für Schritt?
Dummytraining baut man am besten in kleinen Schritten auf. Ziel ist nicht nur, dass der Hund etwas aufhebt, sondern dass er konzentriert sucht, bringt und sauber abgibt. Wecken Sie seine Apportierfreude und üben Sie Kommados wie „Bleib“, „Hier“ und „Gib“. Bei Anfängern genügen schon fünf bis zehn Minuten Training pro Tag. Denn die geistige Auslastung ist meist deutlich anstrengender als ein normaler Spaziergang.
Welche Übungen gibt es im Dummytraining?
Die Übungen im Dummytraining gehen auf die drei Grundpfeiler Markieren, Einweisen und Suchen zurück. Je nach Ausbildungsstand werden die Aufgaben immer komplexer. So kann der Hund beispielsweise mehrere Dummys apportieren oder seine Nase im hohen Gras, im Wasser oder über kleine Hindernisse hinweg einsetzen.
Wie sieht ein typischer Trainingsplan aus?
Die Fähigkeiten werden Schritt für Schritt aufgebaut. Wie schnell Sie dabei vorgehen können, hängt vom Alter, der Motivation und der Vorerfahrung Ihres Hundes ab. Ein beispielhafter Trainingsplan für eine einzelne Übungseinheit von etwa 15 Minuten sieht dabei so aus: Drei Minuten Aufwärmen, z. B. mit Fußarbeit und leichtem Apportieren. Dann folgen zehn Minuten Dummytraining mit Übungen, die an das Niveau Ihres Hundes angepasst sind. Zum Abschluss gibt’s Lob und eine kurze Spieleinheit.
Fazit: Körperliche und geistige Auslastung
Dummytraining nutzt Elemente des Jagdverhaltens, aber in kontrollierter Form. Der Hundesport eignet sich für viele Rassen, um sie artgerecht auszulasten. Insbesondere Rassen, die gerne ihre Nase einsetzen und gerne apportieren, haben oft viel Freude am Dummytraining. Richtig aufgebaut kann es bei manchen Hunden sogar helfen, ihren Jagdtrieb in geordnete Bahnen zu lenken. Denn der Hund lernt, mit seinem Menschen zusammenzuarbeiten, statt selbstständig Wild zu verfolgen.
Quellen:
Buchtipp: Schnatz, Tina: Dummyfieber – das ultimative Dummytrainingsbuch für Jederhund. Zossen 2021.
Nijboer, Jan: Hunde erziehen mit Natural Dogmanship. Stuttgart 2012.
Das zooplus-Forum war für mich der Einstieg ins freiberufliche Schreiben: Hier kamen 2011 interessierte Katzenfreunde zusammen, um ein eigenes Print-Magazin namens „Pfotenhieb“ zu entwickeln. Neben meinem Germanistik-Studium durfte ich einige Beiträge für den „Pfotenhieb“ verfassen. Heute widme ich mich, mittlerweile als glückliche Hundehalterin, vor allem Tier- und Gesundheitsthemen.
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