Appetitlosigkeit bei Katzen This article is verified by a vet

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Appetitlosigkeit wird im medizinischen Fachjargon auch als Anorexie oder Inappetenz bezeichnet. Dabei handelt es sich um eine krankhaft verminderte Futteraufnahme, welche durch unterschiedliche Ursachen hervorgerufen werden kann. Der Begriff muss jedoch von der sogenannten Pseudoanorexie unterschieden werden. Dieser Zustand beschreibt ein vorhandenes Hungergefühl bei gleichzeitiger gestörter Futteraufnahme (z.B. durch Verletzungen des Kiefers oder Schluckbeschwerden).

Um verstehen zu können, wie Appetitlosigkeit bei Katzen entstehen kann, ist ein genauerer Blick auf die Physiologie der Katzen hilfreich:

Das Hungergefühl wird primär über das Hungerzentrum, welches sich im Gehirn befindet, reguliert. Es erhält wichtige Informationen wie den Dehnungszustand des Magen-Darm-Traktes über die dort lokalisierten Hungerrezeptoren. Ist der Magen stark gefüllt, werden die Dehnungsrezeptoren aktiviert. Diese senden dem Gehirn das Signal, dass keine Nahrung mehr aufgenommen werden muss. Andersherum entsteht ein Hungergefühl, wenn der Magen leer ist und die Dehnungsrezeptoren nicht aktiviert werden. Neben diesem Signalweg wird das Hungergefühl jedoch auch noch durch andere Faktoren wie Hormone oder dem Gesundheitsstatus, etwa durch die Akute-Phase-Reaktion der Katze reguliert. Dabei handelt es sich um eine wichtige Reaktion des Immunsystems, bei welcher der Körper Erkrankungen mit einer akuten Entzündung reagiert, welche die zum Beispiel die Wundheilung fördern soll.

Appetitlosigkeit bei Katzen Ursachen

Neben krankhaften Ursachen besteht in den meisten Fällen eine ganz normale harmlose, geschmackliche Abneigung gegen das Katzenfutter. Trotzdem können auch viele verschiedene Erkrankungen die Ursache von Appetitlosigkeit bei Katzen sein, weshalb eine Einteilung in primäre und sekundäre Ursachen von Vorteil ist. Während primäre Ursachen das Hungerzentrum im Gehirn beeinflussen, beschreiben sekundäre Ursachen die Beeinflussung außerhalb des Gehirns, etwa in den viszeralen Organen oder in der Blutbahn:

Primäre Ursachen

Das Hungerzentrum im Gehirn reagiert sensibel auf psychische Faktoren wie Stress oder Angst. Bereits kleine Veränderungen im Haushalt wie ein tierischer Neuzugang oder das Versterben eines Familienmitglieds kann dazu führen, dass die Katze weniger oder gar nicht mehr frisst.

Ein weiterer Faktor ist das Schmerzempfinden. So zeigen Katzen besonders nach operativen Eingriffen oder Verletzungen häufig eine Abnahme des Fressverhaltens.

Ist die Nervenfunktion des Geschmacks- und Geruchssinnes gestört, kann auch dies das Fressverhalten negativ beeinflussen.

Sekundäre Ursachen

Allgemein kann jede Grunderkrankung zu Anorexie bei Katzen führen. Dazu gehören beispielsweise folgende Erkrankungen:

  • Entzündungen: z.B. Magenentzündung (Gastritis) oder Darmentzündung (Enteritis)
  • Erkältungen können durch einen eingeschränkten Geruchssinn dazu führen, dass die Katzen das Futter verweigern
  • Infektionskrankheiten: z.B. Katzenaids (FIV)
  • Tumuröse Erkrankungen
  • Stoffwechselstörungen: z.B. chronische Nierenerkrankungen
  • Vergiftungen
  • Medikamente

Symptome

Da Appetitlosigkeit bei Katzen keine eigenständige Erkrankung ist, handelt es sich hierbei um ein einzelnes Symptom. Dennoch kann es je nach Grunderkrankung zu Begleitsymptomen kommen und in Folge des fehlenden Futters und Nährstoffmangels zu weiteren Folgeerscheinungen kommen:

  • Allgemeinsymptome: Müdigkeit und Schwäche
  • Schwächung des Immunsystems: Bakterien und weitere Krankheitserreger können sich stärker vermehren und beispielsweise die Blut-Hirn-Schranke durchqueren. Damit steigt das Risiko, an Infektionskrankheiten zu erkranken
  • Störung der Organe: Herzmuskelschwund (Atrophie), Nierenschäden bis hin zu totalem Organversagen
Appetitlosigkeit bei Katzen

Diagnose

Zeigt Ihre Katze eine verminderte Futteraufnahme, so sollte sie von einem Tierarzt gründlich untersucht werden. Da die Ursachenliste sehr lang ist, muss eine Ausschlussdiagnostik erfolgen, welche je nach Ursache recht ausführlich sein kann:

Um Differentialdiagnosen bereits etwas eingrenzen zu können, erfragt der Tierarzt während der Besitzerbefragung (Anamnese) wichtige Hinweise bezüglich der Dauer, dem Zeitpunkt des Auftretens sowie das Vorkommen weiterer Symptome. Neben dem Impfstatus und kürzlich aufgetretene Veränderungen im Umfeld der Katze (z.B. Neuzugang oder Futterwechsel) ist auch das Interesse der Katze an dem Futter ein wichtiger Anhaltspunkt. Will die Katze nämlich Futter aufnehmen, ist die Inappetenz wohlmöglich durch beispielweise eine Störung der Kaumechanik entstanden.

Nach der Anamnese erfolgt immer eine klinische Allgemeinuntersuchung, um den aktuellen Gesundheitsstatus der Katze zu ermitteln. Sollte der Kreislauf der Katze nämlich zu schwach für die weiterführende Untersuchung sein, muss dieser erst durch die Gabe von Flüssigkeit und Elektrolyten ausgeglichen werden.

Ist der Kreislauf der Katze stabil, kann mit der speziellen Untersuchung begonnen werden.

Zu aller erst ist eine gründliche Betrachtung (Adspektion) des Kopfes und der Maulhöhle wichtig. Eventuell ist dazu eine medikamentelle Beruhigung (Sedation) oder Narkose nötig. Liegt der Verdacht jedoch nahe, dass die Ursache innerhalb der Speiseröhre oder im Magen liegt, ist die Narkose zur endoskopischen Untersuchung ohnehin notwendig.

Auch sind bildgebende Verfahren wie das Röntgen oder der Ultraschall, sowie eine Blutuntersuchung zur weiteren Diagnostik hilfreich.

Therapie

Was tun, wenn meine Katze nicht mehr frisst?

Die Behandlung von Inappetenz erfolgt durch eine spezielle (Behebung der Ursache) und zusätzlich durch eine symptomatische Therapie. Folgende therapeutische Maßnahmen können bei Inappetenz erforderlich sein:

  • Bei Infektionserkrankungen: ggf. Antibiotika, Virostatika, Antimykotika
  • Entzündungshemmer
  • Massive Unterzuckerung: Glukosesubstitution (z.B. per Infusion)
  • Zwangsernährung: z.B. per Nasensonde, parenteral in die Vene oder orale Zufütterung mittels kanülenloser Spritze
  • Medikamente gegen Übelkeit: Antiemetika
  • Medikamentöse Appetitstimulation: z.B. Diazepam
  • Bei eingeschränktem Geruchs- oder Geschmackssinn: Verfütterung von Futtermitteln mit starken Gerüchen (z.B. Thunfisch)

Wie ist die Prognose?

Die Prognose von Appetitlosigkeit bei Katzen schwankt stark nach der jeweiligen Ursache. Während milde Infekte in der Regel nach einigen Tagen bekämpft werden, können beispielsweise akute Vergiftungen oder eine zu geringe Zuckerkonzentration im Blut auch weniger gut ausgehen. Wichtig sind eine frühzeitige Diagnostik um anschließend wirksam behandeln zu können.

Wie kann Appetitslosigkeit bei Katzen verhindert werden?

Inappetenz bei Katzen ist schwierig zu vermeiden. Trotzdem können einige der auslösenden Erkrankungen wie Infektionskrankheiten oder futtermittelbedingte Inappetenz durch die folgend aufgelisteten prophylaktischen Maßnahmen reduziert werden:

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