Darmverschluss bei Katzen This article is verified by a vet

Tierärztlich bestätigter Inhalt
Verfasst von Franziska Gütgemann, Tierärztin
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Darmverschlüsse bei Katzen können unterschiedliche Symptome hervorrufen. Daher ist es nicht so leicht, eine mögliche Erkrankung festzustellen. Welche Anzeichen es für einen Darmverschluss bei Katzen gibt, was die Ursachen sein können und wie die Erkrankung bei Ihrer Fellnase am besten behandelt werden kann, erfahren Sie im folgenden Artikel.

Ein Darmverschluss (Ileus) bei Katzen kann unvollständig (Subileus) oder vollständig vorkommen. Als Ursache kommen bei Samtpfoten insbesondere abgeschluckte Fremdkörper wie Fäden oder Spielzeuge, Einstülpungen des Darms (Invaginationen) infolge einer Darmentzündung oder Drehungen bestimmter Darmabschnitte (Volvolus) in Frage.

Aufgrund dieser vielen Möglichkeiten kann ein Darmverschluss bei Katzen jeder Rasse und jeden Alters auftreten. Erkennt man den Ileus nicht frühzeitig, kann er zu schweren Schocksymptomen und zum Versterben der Katze führen. Deshalb es wichtig, ihn frühzeitig zu erkennen, damit der Tierarzt rechtzeitig mit einer Behandlung beginnen kann.

Wie entsteht ein Darmverschluss bei Katzen?

Darmverschlüsse können auf unterschiedliche Weise entstehen und an verschiedenen Darmabschnitten auftreten. So beobachtet man Dünndarmverschlüsse häufiger als Dickdarmverschlüsse. Für eine bessere Übersicht wird das Erkrankungsbild nach der jeweiligen Ursache eingeteilt:

Mechanischer Ileus: Mechanische Hindernisse können das Darmlumen (innere Schicht der Darmwand) so weit einschränken, dass eine Passage des Darminhaltes nicht mehr möglich ist. Der Verschluss kann entweder durch eine Einengung (Obstruktion, z.B. durch einen äußeren Tumor), durch eine Verlegung des Darmlumens (Obturation, z.B. durch Kotsteine oder Fremdkörper) oder durch eine Abklemmung (Strangulation, z.B. durch eine Darmeinstülpung oder Darmdrehung) entstehen.

Paralytischer Ileus: Eine Lähmung der Darmmuskulatur kann die Muskeltätigkeit (Peristaltik) des Darmes stören. Häufige Gründe hierfür sind entzündliche Geschehen in der Bauchhöhle, etwa im Rahmen einer Bauchspeicheldrüsenentzündung oder infolge einer Operation. Daneben sollten aber auch Vergiftungen und Stoffwechselstörungen in Betracht gezogen werden.

Wieso ist ein Darmverschluss so gefährlich?

Bei einer gesunden Katze gelangt aufgenommenes Futter über das Maul und die Speiseröhre in den Magen. Von dort aus wird der Nahrungsbrei nach und nach in kleineren Portionen in den Dünndarm transportiert. Im Dünndarm wird der Futterbrei verdaut und wichtige Nährstoffe über die Schleimhaut aufgenommen. Durch die Darmmuskulatur wird der Nahrungsbrei anschließend in den Dickdarm weitergeleitet, welcher den Überresten wertvolles Wasser entzieht. Der nun eingedickte Kot scheidet die Katze dann schlussendlich über den Anus aus.

Kommt es allerdings zu einem Darmverschluss, wird dieser Kreislauf gestört: Indem der Nahrungsbrei nicht mehr weitertransportiert wird, entsteht ein Rückstau. Dieser Rückstau führt in der Regel zum Erbrechen des aufgestauten Nahrungsbreis und durch Gasbildung zu einer Erweiterung des Magens (Magendilatation). Zusätzlich kann es je nach Schwere und Art des Darmverschlusses aber auch zum Abdrücken wichtiger Gefäße kommen.

Wird zum Beispiel der venöse Abfluss bei gleichzeitigem Erhalt des arteriellen Blutzuflusses verhindert, kann es zu massiven Funktionsverlusten und einem Multiorganversagen kommen. Das fehlende Blut in den restlichen Körperteilen kann außerdem zu einem hypovolämischen Schock (durch Volumenmangel) führen, welcher für die Katze lebensgefährlich enden kann.

Welche Symptome treten beim Darmverschluss bei Katzen auf?

Nicht jeder Darmverschluss muss bei der Katze plötzlich zu starken Schmerzen führen. So ruft ein vollständig verschlossener Darm schneller Symptome hervor als ein unvollständig verschlossener Darm.

Besonders häufig sind folgende Anzeichen bei einem Darmverschluss:

  • Verschlechterung des Allgemeinbefindens, Bewegungsunlust und Unruhe
  • Vermehrtes Speicheln und Würgen, gegebenenfalls Erbrechen sowie Verweigern von Futter
  • Ist der Darm nicht vollständig verschlossen, haben die Katzen manchmal normalen Kot. Ist der Darm hingegen gänzlich verschlossen, so kann der Stuhlgang vollständig aussetzen.
  • Die Bauchdecke ist stark angespannt und viele Katzen reagieren unruhig, aggressiv oder schmerzhaft während des Abtastens.
  • Manche Katzen miauen vermehrt.
  • Kalte Pfoten und Zittern, starke Teilnahmslosigkeit, Bewusstlosigkeit sowie blasse Schleimhäute sind wichtige Warnzeichen für einen hypovolämischen Schock. In diesem Fall sollten Sie umgehend ein Tierarzt aufsuchen, da es sich um eine lebensgefährliche Situation handelt.
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Ein Symptom bei einem Darmverschluss bei Katzen kann Übelkeit und Erbrechen sein.

Diagnostische Maßnahmen beim Darmverschluss

Bei Symptomen wie Bewusstlosigkeit, mehrfaches Erbrechen oder Durchfall sowie ausbleibendem Stuhlgang sollten Sie nicht lange mit einen Tierarztbesuch warten. Neben einem Darmverschluss kann es sich zum Beispiel auch um gefährliche Vergiftungen oder andere schwerwiegende Erkrankungen handeln. Bei Lageveränderungen des Darmes lautet die Regel daher: Umso früher man die Ursache erkennt, desto besser ist die Prognose.

Bereits im Zuge der Besitzerbefragung (Anamnese) untersucht der Tierarzt Ihre Fellnase auf ihr Allgemeinbefinden und ihre Vitalparameter (z.B. Atem- und Herzfrequenz, Körperinnentemperatur, Zustand der Schleimhäute). Diese Werte sind für die Planung der Narkose im Falle eines notwendigen operativen Eingriffes sehr wichtig. Sollte die Katze bereits Kreislaufprobleme haben, wird der Kreislauf mittels Infusionen, Sauerstoff oder Medikamenten wieder stabilisiert.

Bei Verdacht eines Darmverschlusses führt der Tierarzt anschließend eine Ultraschall- oder Röntgenuntersuchung durch. So kann er die Ursache genauer lokalisieren und das Ausmaß und notwendige Maßnahmen des Ileus besser beurteilen. Sind zum Beispiel chirurgische Maßnahmen erforderlich, helfen die erhobenen Informationen bei der Vorbereitung und Planung der Operation.

Wie behandelt man einen Darmverschluss bei Katzen?

Die Therapie eines Darmverschlusses richtet sich immer nach der Ursache und der Lokalisation. Handelt es sich um einen Notfall wie zum Beispiel einer Abschnürung, so sind in der Regel operative Maßnahmen erforderlich.

Hat die Katze jedoch nur einen kleinen Fremdkörper verschluckt, welcher den Darm passieren kann oder liegt eine Lähmung der Darmmuskulatur vor, so können bereits konservative Maßnahmen helfen. Dazu zählen zum Beispiel:

  • vorübergehender Futter- und Wasserentzug
  • Flüssigkeitsinfusionen, falls nötig mit Elektrolyten
  • Mittels einer Magensonde kann rückgestauter Nahrungsbrei entfernt werden.
  • Medikamente gegen Übelkeit, Erbrechen und Schmerzen sowie zur Anregung der Peristaltik (Muskeltätigkeit verschiedener Hohlorgane)

Wie ist die Prognose?

Nicht immer muss ein Darmverschluss bei Katzen gefährlich sein. Dennoch sollten Sie bei Verdacht umgehend ein Tierarzt aufsuchen, da eine frühzeitige Therapie die Prognose erheblich verbessern kann.

Wie kann ich einen Darmverschluss bei meiner Katze verhindern?

Katzen können auf unterschiedliche Weise an einem Darmverschluss erkranken, weshalb prophylaktische Maßnahmen nicht verallgemeinert werden können. Dennoch können Sie zum Verhindern eines Ileus zum Beispiel auf freiliegende Dinge im Haushalt wie Fäden oder kleine unförmige Dinge achten. Sorgen Sie dafür, dass Ihre Katze genügend Spielzeug zur Verfügung hat, damit sie sich nicht auf die Suche nach Alternativen macht.

Bei der Auswahl von Balkon- oder Gartenpflanzen sollten Sie sich über die Giftigkeit der Pflanzen informieren. Oleander oder Eiben können beispielsweise zur Lähmung des Darmes (und damit zu einem paralytischen Ileus) sowie zu weiteren Magen-Darm-Problemen führen.

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