Verstopfung bei Katzen This article is verified by a vet

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Spricht der Tierarzt von einer sogenannten Obstipation, sind Verstopfungen im Darm gemeint. Katzen leiden recht häufig unter Verstopfungen, welche sich anfänglich durch rundliche Kotballen und Kotabsatzprobleme erkennbar machen. Welche Ursachen hinter dem Symptom stecken und wie Verstopfungen bei der Katze diagnostiziert und behandelt werden, klären wir im folgenden Artikel:

Wie kommt es zur Verstopfung bei Katzen?

Der Dickdarm hat unter anderem die wichtige Funktion, Wasser und Elektrolyte wie Kalium aus dem Kot für den Körper zurückzugewinnen. Verbleibt der Kot zu lange im Dickdarm oder ist die Wasserrückresorption erhöht, wird zu viel Wasser aus dem Kot gezogen. Daraufhin dickt der Kot ein und die Katze entwickelt Kotabsatzprobleme. Kann der Darm den Kot gar nicht mehr transportieren, handelt es sich um eine Koprostase. Die Folge ist oftmals eine Aufgasung und Anstauung von Kot im Darm, was zu einem Megacolon, einer Erweiterung des Dickdarms führt. Dabei kann die Entstehung von Verstopfungen bei Katzen sehr vielfältig sein, weshalb eine Einteilung in nicht-infektiöse und infektiöse Ursachen zum besseren Verständnis sinnvoll ist:

Nicht-Infektiöse Ursachen

  • Ernährungsbedingt durch Wassermangel (Dehydration) oder ballaststoffarmes Futter
  • Aufnahme von Fremdköpern wie Trichobezoare (Haarballen)
  • Eine Verengung oder gar ein vollständiger Verschluss (Obstruktion) des Darms kann entweder durch einen mechanischen Ileus (z.B. durch Tumore) oder durch einen funktionellen Ileus, sprich eine Verminderung der Darmperistaltik, entstehen. Letzterer kann nach Bauchfellentzündungen und Durchfall oder durch nervale Störungen (z.B. Bandscheibenvorfall) entstehen
  • Kaliummangel (Hypokaliämie) führt zur vermehrten Wasserrückresorption
  • Medikamente und Vergiftungen
  • Bewegungsmangel und Stress

Infektiöse Ursachen

  • Parasitenbefall: z.B. Spulwürmer, Bandwürmer oder Hakenwürmer
  • Bakterielle Infektionen, welche zu Abszessen (z.B. im Bereich des Anus) oder weiteren Entzündungen des Darms führen

Wie äußern sich Verstopfungen bei Katzen?

Verstopfungen können bei Katzen akut (in einem Zeitraum bis zu zwei Wochen) oder chronisch (bis über mehrere Wochen und Monate hinweg) auftreten. Je nach Ursache kann die Katze neben rundlichen, teils harten Kotballen weitere Begleitsymptome zeigen:

  • Manche Ursachen können zu einem geminderten Allgemeinbefinden, Müdigkeit und Verhaltensänderungen (z.B. Absondern oder Aggressivität) führen
  • Probleme und Schmerzen beim Kotabsetzen: vermehrtes Miauen, langes Pressen ohne Kotabsatz
  • Das Kotvolumen kann verringert sein sowie können Beimengungen wie Blut oder Schleim vorkommen
  • Vermindertes Fressverhalten bis hin zu Erbrechen

Wie werden Verstopfungen diagnostiziert?

Tierärzte versuchen per Ausschlussdiagnostik den Grund der Verstopfung herauszufinden. Während der Besitzerbefragung (Anamnese) können bereits einige Differentialdiagnosen ausgeschlossen werden. So zum Beispiel ein Parasitenbefall nach erfolgter Parasitenprophylaxe. Hat die Katze in der vergangenen Zeit Durchfall gezeigt oder Medikamente erhalten, sind auch dies typische Gründe für eine Verstopfung.

In jedem Fall erfolgt während oder nach der Besitzerbefragung eine klinische Allgemeinuntersuchung, um bei dringlichen, lebensgefährlichen Darmverschlüssen frühzeitig eingreifen zu können.

Ist das Allgemeinbefinden der Katze also stark vermindert, so handelt es sich wohlmöglich um einen Notfall. In solchen Situationen ist es wichtig, den Kreislauf der Katze zu stabilisieren und die Ursache sowie die Lokalisation des Darmverschlusses zu festzustellen. Bildgebende Verfahren wie das Röntgen oder der Ultraschall sind dazu das Mittel der Wahl. Eine Blutuntersuchung kann zusätzlich bei der Erfassung des Elektrolythaushaltes helfen und andere gesundheitliche Probleme wie Entzündungen oder Organschäden aufdecken.

Ist das Allgemeinbefinden kaum eingeschränkt, kommen weniger dringliche Ursachen wie ein Wassermangel oder eine ballaststoffarme Ernährung in Frage. Ersteres kann der Tierarzt zum Beispiel an der Zeit erfassen, welche die Nackenfalte der Katze nach dem Hochziehen zum Verstreichen benötigt.

Verstopfung bei Katzen lösen: Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Nicht immer muss eine Verstopfung bei der Katze behandelt werden. Je nach Ursache und Schweregrad kann allerdings symptomatisch sowie speziell therapiert werden.

Die Symptomatische Therapie setzt sich aus folgenden Maßnahmen zusammen:

  • Aktivierung der Darmperistaltik
  • Abführende Mittel (z.B. Lactulose aus Milchzucker)
  • Kotvolumenfördernde Nahrungsergänzungsmittel wie Flohsamenschalen oder Weizenkleie
  • Flüssigkeitstherapie (z.B. per Infusion) gegen Wassermangel
  • Orale Gleitmittel wie Paraffinöl
  • Schmerzmedikation und Antiemetika (gegen Erbrechen)

In manchen Fällen muss eine spezielle, gezielte Therapie durchgeführt werden:

  • chirurgische Maßnahmen bei Darmverschlüssen
  • Infektionserkrankungen: ggf. Antiparasitika oder Antibiotika nach Resistenztestung

Wie ist die Prognose?

Die Prognose ist stark abhängig von dem Erkrankungsgrund und dem Schweregrad. Während nervale Erkrankungen oder das zu späte Erkennen eines vollständigen Verschlusses des Darms für die Katze lebensgefährlich enden können, ist die Prognose von milden Verstopfungen durch beispielsweise einen Wassermangel deutlich besser. In jedem Fall steigt die Heilungschance bei frühzeitigem Erkennen und Behandeln der Ursache.

Wie können Verstopfungen bei Katzen langfristig verhindert werden?

Einige Gründe von Verstopfungen bei der Katze können durch hilfreiche Tipps abgewendet werden:

  • Regelmäßige Bewegung sowie die Fütterung von ballaststoffreichem Katzenfutter unterstützt die Verdauung der Katze
  • Eine ausreichende Wasseraufnahme schützt vor verhärtendem Kot
  • Regelmäßige Parasitenprophylaxe und Kotuntersuchungen
  • Entfernen von Katzenhaaren im Haushalt
  • Möglichkeiten zur Stressbewältigung wie Katzenkratzbäume oder Katzenspielzeug

Franziska Gütgemann, Tierärztin
Franziska Gütgemann

An der Justus-Liebig-Universität Gießen wurde ich zur Tierärztin ausgebildet und durfte Erfahrungen in verschiedensten Bereichen sammeln. Seitdem arbeite ich nicht nur als tierärztliche Autorin, sondern auch an meiner Dissertation. Mein Ziel ist es, Tiere vor krankheitserregenden bakteriellen Erregern zukünftig besser zu schützen. Neben meinem tierärztlichen Wissen teile ich meine eigenen Erfahrungen als glückliche Hundebesitzerin. Dadurch kann ich Ängste und Probleme nachvollziehen und zugleich über diese aufklären.


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