Feline Infektiöse Peritonitis der Katze (FIP) This article is verified by a vet

Tierärztlich bestätigter Inhalt
Verfasst von Franziska Gütgemann, Tierärztin
Feline Infektiöse Peritonitis der Katze (FIP)

Die Feline Infektiöse Peritonitis (FIP) der Katze ist eine tödlich verlaufende Infektionserkrankung, welche durch das gleichnamige Virus der Felinen Infektiösen Peritonitis (FIPV) hervorgerufen wird. Dieses gehört zu den Felinen Coronaviren (FCoV) der Katze und entsteht erst durch zufällige Mutationen des harmloseren Felinen Enteralen Coronavirus (FECV). Während letzteres zu meist milden Magen-Darm-Beschwerden mit Durchfall und Erbrechen führt, erkranken Katzen im Laufe einer Felinen Infektiösen Peritonitis (FIP) unter anderem an einer Bauchfellentzündung (Peritonitis) und Bauchwassersucht einschließlich Verhaltensänderungen und einem stark geschwächtem Allgemeinbefinden. Ob und in welcher Form die Erkrankung auftritt, ist abhängig vom Immunstatus der Katze.

Verbreitung und Eigenschaften

Zu den Felinen Coronaviren der Katze (FCoV) zählen folgende zwei Viren:

  • das Feline Enterale Coronavirus (FECV)
  • das Virus der Felinen Infektiösen Peritonitis (FIPV)

Für ein besseres Verständnis der Krankheitsentstehung der Felinen Infektiösen Peritonitis ist es wichtig, beide Coronaviren einzeln zu betrachten:

Feline Enterale Coronavirus (FECV)

Unter Katzen ist dieses Coronavirus weit verbreitet. Besonders hoch ist dabei der Infektionsdruck in Katzenzuchten. Die Ansteckung erfolgt über Sekrete des Atemtraktes sowie über Kot und Urin per direkten und indirekten Kontakt. Eine große Rolle als Infektionsquelle spielen dabei kontaminierte Fressnäpfe und Katzentoiletten. Auch bei engem Körperkontakt, beispielsweise während des Spielens oder bei Revierkämpfen können die Viren übertragen werden. Gelangt das Feline Enterale Coronavirus (FECV) in das Maul der Katze, so breitet sich die Infektion über die Speiseröhre und den Magen-Darm-Trakt im Körper aus. Erreicht das Virus die regionalen Lymphknoten, befällt es anschließend die Fresszellen (Makrophagen) des Immunsystems.

Virus der Felinen Infektiösen Peritonitis (FIPV)

Die Grundvoraussetzung einer Infektion mit dem Virus der Felinen Infektiösen Peritonitis ist eine vorausgehende Infektion mit dem Felinen Enteralen Coronavirus. Erst zufällig auftretende Mutationen (plötzliche Veränderungen des Erbguts) verursachen die Weiterentwicklung vom Felinen Enteralen Coronavirus (FECV) zum FIP-Virus. Dementsprechend kann jede FECV-infizierte Katze durch Mutationen unter der FIP-Erkrankung leiden. In erster Linie erkranken jedoch immunsupprimierte Katzen wie bereits Kranke (durch z.B. FeLV oder FIV) oder Katzen im ersten Lebensjahr. Besonders häufig wird auch Stress mit dem Auftreten der Erkrankung verbunden. Das heißt also, dass nicht jede FIPV-Infektion zu klinischen Anzeichen führen muss (nur etwa 5 bis 10%).

Kommt es jedoch durch Mutationen zur Entstehung des FIP-Virus und gelangt dieses anschließend in die Fresszellen des Immunsystems, so können sich die Viruspartikel im gesamten Körper ausbreiten. Es können zwei unterschiedliche Verlaufsformen eintreten, welche zu unterschiedlichen Symptomen führen:

  • Die trockene, granulomatöse oder nicht-effusive Form ist an der Bildung vieler kleiner entzündlicher Knötchen in verschiedenen Organen wie der Leber, Milz und Bauchspeicheldrüse erkennbar. Auch in den Lymphknoten sind diese sogenannten Granulome nachweisbar.
  • Die feuchte, effusive oder seröse Form erkennt man an der Ansammlung eines gelbbraunen Sekretes in den Körperhöhen (z.B. Brust-, Bauch- oder Beckenhöhle). Der Grund für diese Sekretbildung sind entzündliche Prozesse in den serösen Häuten, welche die Körperhöhlen von innen auskleiden.

Woran ist die Feline Infektiöse Peritonitis (FIP) bei Katzen erkennbar?

Während das Feline Enterale Coronavirus (FECV) bei Katzen meist nur zu milden Durchfällen und Fieber führt, ruft die Feline Infektiöse Peritonitis eine umfangreiche Symptomatik hervor. Die Inkubationszeit (Zeit zwischen Infektion und Auftreten erster Symptome) variiert bei der FIP deutlich und kann wenige Tage bis mehrere Monate betragen. Je nach Verlaufsform können vor dem Versterben der Katze folgende klinischen Anzeichen auftreten:

  • Geschwächtes Allgemeinbefinden, Fieberschübe und Müdigkeit
  • Bauchwassersucht: vergrößerter Bauchumfang mit gleichzeitiger Gewichtsabnahme und Atembeschwerden wie Atemnot und blau verfärbte Schleimhäute
  • Verhaltensänderungen (z.B. vermehrte Angst oder Aggressivität)
  • Gestörte Bewegungsabläufe (z.B. Lähmungserscheinungen oder Koordinationsprobleme)
  • Gelblich verfärbte Augen- und Maulschleimhaut durch Gelbsucht (Ikterus)
  • Getrübte Augen

Diagnostische Möglichkeiten

Ist das Allgemeinbefinden Ihrer Katze angeschlagen oder fallen Ihnen weitere Symptome auf, ist ein Besuch beim Tierarzt ratsam. Im Rahmen der Besitzerbefragung (Anamnese) und der klinischen Allgemeinuntersuchung kann ein Tierarzt den Impf- und den aktuellen Gesundheitsstatus der Katze ermitteln. Auf Grund der Vielfältigkeit der Felinen Infektiösen Peritonitis (FIP) der Katze ist eine Blutuntersuchung empfehlenswert, um andere mögliche Erkrankungen (Differentialdiagnosen) ausschließen zu können. Wichtige Anzeichen für die Feline Infektiöse Peritonitis bei der Katze ist die Verminderung der roten Blutkörperchen (Erythrozyten), einiger Immunzellen (z.B. Lymphozyten) und Thrombozyten (Blutplättchen), sowie dem Eiweiß Albumin.  Gleichzeitig sind Plasmaproteine und Fibrinogen in der Regel erniedrigt. Liegen diese Veränderungen vor, sind folgende Tests zur Bestätigung der Infektion durchführbar:

  • Indirekter Erregernachweis: Mittels spezifischer Methoden (z.B. ELISA oder Immunfluoreszenz) kann Blutserum oder Bauchwassersekret auf Antikörper untersucht werden. Diese werden im Falle einer Infektion durch das Immunsystem verstärkt gebildet.
  • Direkter Erregernachweis: Kot, Blut oder Bauchwassersekret können molekularbiologisch (z.B. mittels Real-Time Polymerase-Kettenreaktion) untersucht werden.
  • Pathologische Untersuchung: nach dem Versterben oder Erlösen der Katze können im Rahmen der trockenen Form die entzündlichen Granulome nachgewiesen werden.

FIP: Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Die Feline Infektiöse Peritonitis (FIP) der Katze galt bis vor kurzem als unheilbar. In den USA wird nun jedoch ein neuer Wirkstoff eingesetzt, welcher gegen das Virus wirken soll. Dieses Medikament ist in Deutschland allerdings bisher nicht zugelassen, weshalb die Verabreichung durch einen Tierarzt momentan nicht rechtens ist. Sollte das Medikament im Laufe eines Zulassungsverfahrens als wirkungsvoll bestätigt werden, könnten sich Katzenbesitzer aber eventuell in einigen Jahren auf eine mögliche Heilung freuen. Um das Leiden der Katzen bis dahin mindern zu können, werden unterstützende Maßnahmen gegen die klinischen Symptome eingesetzt.

Da die Feline Infektiöse Peritonitis (FIP) der Katze leider nicht heilbar ist, kann alleine das Leiden der Katze durch unterstützende Maßnahmen gemildert werden. Reichen diese Maßnahmen nicht mehr aus und verschlechtert sich der Zustand der Katze, so sollte das Erlösen der Katze durch den Tierarzt  in Erwägung gezogen werden.

Wie ist die Prognose?

Eine Infektion mit dem Felinen Enteralen Coronavirus verläuft meist mild, weshalb die Prognose in den meisten Fällen gut ist.

Kommt es jedoch zur Umwandlung zum Virus der Felinen Infektiösen Peritonitis und bricht die Erkrankung zusätzlich aus, ist die Prognose durch noch fehlende zugelassene Medikamente, insbesondere der feuchten Form, in der Regel aussichtlos. Eine spontane Heilung der trockenen Form wurde jedoch bereits beobachtet.

Schutzmaßnahmen

Grundsätzlich ist für das Virus der Felinen Infektiösen Peritonitis eine Impfung ab der 16. Lebenswoche vorhanden. Diese wird jedoch unter Spezialisten kontrovers diskutiert, weshalb ein Beratungsgespräch mit Ihrem Tierarzt zu empfehlen ist. Daneben sind zum Vorbeugen einer FIP folgende Schutzmaßnahmen im Alltag umsetzbar:

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