Tollwut bei Katzen This article is verified by a vet

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Verfasst von Amelie Krause, Tierärztin
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Unter der Tollwut wird eine meist plötzlich auftretende und tödlich endende virale Infektionserkrankung verstanden, welche durch sogenannte Lyssaviren (auch Tollwutviren) hervorgerufen wird. Neben Katzen können auch andere Tiere wie Hunde, Rinder, Schweine oder Hühner erkranken. Auch besitzt die Tollwut zoonotisches Potential, sodass wir Menschen ebenfalls unter der Infektionserkrankung leiden können. Das Wort „Lyssa“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie „Wahnsinn“ oder „Irrationale Wut“. Die englische Bezeichnung „rabies“ stammt dahingegen aus dem Latein und drückt „Wut“ oder „Raserei“ aus. Beide Begriffe spiegeln die tollwutbedingte Symptomatik wider, so treten beispielsweise ein vermehrter Speichelfluss und ein gesteigertes Angriffs- und Beißverhalten auf. Bei der Tollwut handelt es sich um eine anzeigepflichtige Tierseuche.

Übertragung und Eigenschaften von Tollwut

Das Tollwutvirus zählt zur Familie der sogenannten Rhabdoviridae. Weltweit gibt es elf verschiedene Spezies des Tollwutvirus, wobei zwei von ihnen für die Katze von Bedeutung sind:

  • Das Klassische Tollwutvirus (Rabies) teilt sich in zwei weitere Formen auf: Die silvatische Form, abgeleitet vom Wort „Wald“, ist besonders in den USA und in Europa verbreitet. Die wichtigsten Virusüberträger dieser Form sind wildlebende Fleischfresser wie der Fuchs, Waschbären und Stinktiere. Dahingegen tritt die urbane Form, abgeleitet vom Wort „Stadt“, eher in Asien und Afrika auf. Diese betrifft vor allem Katzen, Hunde und Menschen.
  • Das Europäische Fledermaustollwutvirus 1 und 2 (ELBV 1/2) führt bei Katzen und anderen Säugetieren eher selten zu Infektionen.

Der Hauptübertragungsweg des Tollwutvirus sind Bissverletzungen, indem infizierter Speichel in den Körper des Bissopfers gelangt. Daneben können sich Katzen aber auch über bereits offene Wunden infizieren. Beim Menschen spielen auch Organtransplantationen eine Rolle. Als erstes befallen die Tollwutviren die in der Wunde freigelegten Muskelzellen. Da Muskulatur viele periphere Nervenfasern besitzt, können die Tollwutviren von hier aus über aufsteigende Nervenbahnen das Zentrale-Nervensystem (ZNS) befallen und gelangen so über das Rückenmark zum Gehirn. Dort angekommen weitet sich die Infektion erneut über absteigende Nervenbahnen aus, sodass neben den Speicheldrüsen auch die Augen und die Haut befallen werden.

Tollwut bei Katzen: welche Symptome treten auf?

Umso näher die Wunde am Zentralen-Nervensystem (ZNS) liegt, desto schneller kann das Tollwutvirus das Nervengewebe infizieren. Wird eine Katze durch ein infiziertes Tier gebissen, so treten die ersten Anzeichen in der Regel nach zwei Wochen bis hin zu zwei Monaten auf.

Aufgrund der Wanderung entlang der Nervenbahnen verläuft die Tollwut bei Katzen in drei verschiedenen Stadien, welche sich wie folgt in ihrer Klinik unterscheiden:

  1. Prodromalstadium (2-5 Tage): Die Katzen lecken und kratzen sich an der Wunde und zeigen neben Erbrechen auch Unruhe und ein gesteigertes Angstverhalten.
  2. Exzitationsstadium (2-7 Tage): Es kommt zu generalisierten Muskelzuckungen und Krampfanfällen. Diese bedingen den starken Speichelfluss, welcher für die Tollwut charakteristisch ist. Da die Katzen zudem ein gesteigertes Wut- und Beißverhalten zeigen, ist die Infektionsgefahr in diesem Stadium besonders hoch. Tritt dieses Stadium nicht oder nur schwach auf, wird dies als „Stille Wut“ bezeichnet.
  3. Paralytisches Stadium (3-4 Tage): Nach und nach verlieren die Katzen durch fortschreitende Lähmungserscheinungen das Bewusstsein. Sind die Atemmuskulatur oder die Herzmuskulatur von diesen Lähmungen betroffen, kommt es schlussendlich zum Versterben der Katze.

Wie wird Tollwut bei Katzen entdeckt?

Plötzlich eintretende Verhaltensänderungen müssen nicht immer nur ein Zeichen für Tollwut sein. Andere Infektionserkrankungen (z.B. Toxoplasmose oder Staupe), starke Schmerzen und innere Verletzungen von Nervengewebe (z.B. durch einen Bandscheibenvorfall) sowie Stress sollten daher durch einen Tierarzt ausgeschlossen werden. Wurde die Katze nicht prophylaktisch gegen Tollwut geimpft, sollte jedoch in jedem Fall eine Tollwutinfektion in Betracht gezogen werden.

Ab diesem Zeitpunkt ist es notwendig, die tollwutverdächtige Katze in Quarantäne zu verwahren und Schutzmaßnahmen einzuleiten.

Um den Tollwutverdacht zu erhärten, ist zu allererst eine ausführliche Besitzerbefragung und die Überprüfung des Impfstatus der Katze wichtig. Kommt der Tierarzt zu der Erkenntnis, dass eine Tollwutinfektion bei der Katze sehr wahrscheinlich ist, muss diese unverzüglich geprüft werden. Da ein direkter sowie indirekter Virusnachweis bei lebenden Katzen jedoch schlecht auswertbar ist, erfolgt die gängige Tollwutdiagnose per pathologischer Untersuchung nach dem Versterben bzw. Erlösen der Katze. So sind folgende Nachweismethoden das derzeitige Mittel der Wahl:

  • Mittels einer histologischen Untersuchung von Gehirngewebe unter dem Mikroskop können sogenannte Negri-Körperchen (virale Einschlusskörperchen in Nervenzellen) erkannt werden.
  • Ein indirekter Virusnachweis erfolgt per Immunfluoreszenz (IF).
  • Ein direkter Virusnachweis kann mittels molekularbiologischer Methoden (z.B. Real Time Polymerase-Kettenreaktion) durchgeführt werden.

Behandlungsmöglichkeiten und Prognose

Da Tollwut bei Katzen und anderen Tieren tödlich verläuft, ist eine kurative Behandlung leider nicht möglich. So müssen tollwutverdächtige Tiere laut der „Verordnung zum Schutz gegen die Tollwut“ durch einen Tierarzt erlöst werden, um die Katze vor dem Leiden zu bewahren und weitere Tollwutinfektionen zu verhindern.

Wie kann Tollwut bei Katzen verhindert werden?

Obwohl es in Deutschland keine Pflicht zur Tollwutimpfung bei der Katze gibt, wird sie durch die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet) des Friedrich-Löffler-Instituts dringendst empfohlen. Dies betrifft insbesondere Freigänger, welche Kontakt zu wildlebenden Tieren wie beispielswiese Füchse haben. Die Grundimmunisierung erfolgt ab der 12. Lebenswoche und je nach Impfstoff-Hersteller zusätzlich ab dem 15. Lebensmonat. Eine Wiederholungsimpfung sollte alle 2 bis 3 Jahre erfolgen. Weiterhin empfiehlt es sich, Kontakt zu auffälligen Wildtieren zu vermeiden und diese bei der zuständigen Behörde zu melden.

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