Leukose bei Katzen (FeLV) This article is verified by a vet

Leukose bei Katzen (FeLV)

Als Leukose oder Leukämie (griechisch: leukos – weiß, haima – Blut) wird eine Krebserkrankung durch eine übermäßige Produktion unreifer und veränderter weißer Blutzellen (Leukozyten) bezeichnet. Bei Katzen spielt das Feline Leukämievirus (FeLV) eine besondere Rolle bei der Krankheitsentstehung der infektiösen Katzenleukose, wobei nicht jede Infektion mit dem Katzenleukämievirus zum Ausbruch einer Leukose führen muss. Kommt es jedoch zu der Erkrankung, endet diese bei unseren Hauskatzen in der Regel tödlich.

Das Feline Leukämievirus (FeLV)

Das Leukämievirus der Katzen kommt weltweit vor und kann jede Rasse sowie jedes Alter infizieren. Es wird zu den Oncornaviren gezählt, welche eine krebserregende Eigenschaft besitzen. Ob das Virus jedoch eine Katzenleukose hervorruft, hängt stark von dem Immunstatus, Virustyp (a, b und c) und der aufgenommenen Virusmenge ab.

Da die Übertragung entweder über direkten Kontakt zu kontaminiertem Nasensekret, Kot und Urin, Speichel, sowie Augenausfluss und Milch oder über indirekten Kontakt zu Katzentoiletten oder Futterplätze geschieht, ist die Ansteckungsgefahr an Orten mit hoher Katendichte besonders hoch. Ein hoher Infektionsdruck besteht also besonders in Tierheimen, bei Katzenausstellungen oder Mehr-Katzen-Haushalten. Am häufigsten werden die Viren während des engen Kontaktes bei Revierkämpfen beobachtet, Feten können jedoch auch über die mütterliche Gebärmutter infiziert werden.

Die Erkrankung verläuft in 4 verschiedenen Stadien:

  1. Schnelle Vermehrung des Virus im Lymphgewebe der Maulhöhle und Knochenmark sowie Verbreitung im Blutsystem. Die Viren können in dieser Phase von gesunden Katzen in der Regel eliminiert werden.
  2. Das Virus zirkuliert über Wochen im Blut und wird über alle Sekrete und Exkrete ausgeschieden. Auch in dieser Phase ist eine Elimination des Virus noch möglich.
  3. Immunschwache Tiere entwickeln das Bild der Katzenleukose. Die Viren verbleiben im Knochenmark und können kaum noch durch das Immunsystem bekämpft werden.
  4. Erneute Virusverbreitung im Blut, massive Ausscheidung und Tod durch die Folgen der Infektionskrankheit

Welche Symptome treten bei der Katzenleukose auf?

Die Klinik der Katzenleukose kann stark schwanken und ist wie erwähnt abhängig vom Immunstatus, dem Virustyp und der Virusmenge:

Während der Virusverbreitung im Blut:

  • Allgemeinsymptome wie Schwäche, Fieber
  • Entzündungen der Maulschleimhaut (Stomatitis)

Nach mehreren Monaten der Virusverbreitung kommt es zu FeLV-assoziierten Krankheiten, welche jedes Organ betreffen können:

  • Verminderte Bildung von Blutzellen im Knochenmark (Knochenmarkssuppression) und daraus resultierende Immunsuppression und Blutarmut (Anämie)
  • Bakterielle und virale Sekundärinfektionen in Folge des geschwächtes Immunsystems
  • Krebs: Lymphosarkom, Fibrosarkom, Leukämie
  • Trächtige Katzen: Totgeburten
  • Magen-Darm-Beschwerden: Magenentzündung, Erbrechen, Durchfall, chronische Zahnfleischentzündungen
  • Nierenschäden: vermehrter Harndrang, Blutbeimengungen
  • Gelbsucht (Ikterus) durch beispielsweise Zerstörung der roten Blutkörperchen (Hämolytische Anämie) oder Leberschäden mit gelbverfärbten Schleimhäuten
  • Atemwegssymptome: Niesen, Husten, Atemnot
  • Nervale Klinik: z.B. Lahmheit oder Verhaltensänderungen
  • Lymphknotenvergrößerung
  • Bei Ausbruch der Katzenleukose kommt es meist innerhalb von 3 Jahren zum Tod

Wie wird FeLV diagnostiziert?

Da Leukose bei Katzen eine Vielzahl an Symptomen hervorrufen kann, ist die Abgrenzung zu anderen ähnlichen Infektionskrankheiten wie Katzenaids, hervorgerufen durch das Feline Immunodeficiency Virus (FIV), oder krebsartige Krankheiten durch einen Tierarzt sehr wichtig. Auf Grund ihrer Vielseitigkeit kann die Diagnosestellung allerdings recht lange dauern, zudem ist jede wiederaufflammende Krankheit leukoseverdächtig.

Zum Ausschluss möglicher Differentialdiagnosen erfragt der Tierarzt während der Besitzerbefragung (Anamnese) einige wichtige Anhaltspunkte. Dazu zählen beispielsweise das Alter, der mögliche Kontakt zu anderen Katzen sowie die der Impfstatus des Tieres.

Für die weiterführende Diagnostik ist die Feststellung des aktuellen Gesundheitsstatus notwendig. Dazu werden im Rahmen der klinischen Allgemeinuntersuchung die Schleimhäute, die Herz- und Atemfrequenz und die rektale Körperinnentemperatur gemessen.

Ist der Kreislauf des Patienten stabil, kann mit der speziellen Untersuchung begonnen werden.

Die Blutabnahme ist das erste Mittel der Wahl, welche im akuten Stadium die im Blut zirkulierenden Viren direkt nachweisen kann. Befindet sich das Virus jedoch in einem anderen Stadium und somit versteckt im Knochenmark, zeigt der Bluttest trotz vorliegender FeLV-Infektion ein negatives Ergebnis an. In diesem Fall kann die PCR-Methode (Polymerase Kettenreaktion) eingesetzt werden, welche die DNS des Virus nachweisen kann.

Wie kann die Viruserkrankung behandelt werden?

Eine ursächliche Therapie der Katzenleukose ist schwierig, weshalb die Behandlung in erster Linie immunstärkende und symptomatische Maßnahmen beinhaltet:

Wie ist die Prognose?

Eine Infektion mit dem Felinen Leukämievirus muss nicht immer zu einer Leukose bei Katzen führen. Gesunde Katzen mit einem starken Immunsystem können die Viren zum Teil vollständig bekämpfen. Kommt es aber zu einem Krankheitsgeschehen, so endet die Erkrankung meist nach etwa 3 Jahren tödlich.

Wie kann Leukose bei Katzen verhindert werden?

Sollte bereits eine Katze im Haushalt an FeLV erkrankt sein, so sind folgende Vorsichtsmaßnahmen zum Schutz anderer Katzen besonders wichtig:

  • Erkrankte Katzen und gesunde Tiere streng voneinander trennen
  • Regelmäßige Reinigung und Desinfektion von kontaminierten Plätzen und Gegenständen (z.B. Katzentoilette, Futternäpfe, etc.)

Um Katzen allgemein vor einer Infektion mit dem Felinen Leukosevirus zu schützen, kann gegen das Virus geimpft werden. Sollte ihre Katze jedoch bereits das Virus in sich tragen, so sollte auf Grund der Gefahr eines plötzlichen Krankheitsausbruches keine Impfung erfolgen. Tierärzte empfehlen daher die Impfung im Anschluss eines Bluttests. Negativ getestete Freigänger können in folgenden zeitlichen Abständen geimpft werden:

  • Erste Injektion: ab 9 Wochen
  • Zweite Injektion: nach 3 Wochen

Franziska Gütgemann, Tierärztin
Franziska Gütgemann

An der Justus-Liebig-Universität Gießen wurde ich zur Tierärztin ausgebildet und durfte Erfahrungen in verschiedensten Bereichen sammeln. Seitdem arbeite ich nicht nur als tierärztliche Autorin, sondern auch an meiner Dissertation. Mein Ziel ist es, Tiere vor krankheitserregenden bakteriellen Erregern zukünftig besser zu schützen. Neben meinem tierärztlichen Wissen teile ich meine eigenen Erfahrungen als glückliche Hundebesitzerin. Dadurch kann ich Ängste und Probleme nachvollziehen und zugleich über diese aufklären.


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