Fieber bei Katzen This article is verified by a vet

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Verfasst von Franziska Gütgemann, Tierärztin
Fieber bei Katzen

Wird bei einer Katze eine Körperinnentemperatur von über 39 Grad Celsius gemessen, kommt entweder eine Überwärmung (Hyperthermie) oder Fieber (Pyrexie) in Frage. Die Hyperthermie zeichnet sich durch eine erhöhte Wärmeproduktion oder –zufuhr mit gleichzeitiger ungenügender Wärmeabgabe aus. Fieber ist gekennzeichnet durch eine gehirngesteuerte Sollwert-Erhöhung der Körperkerntemperatur durch beispielsweise Infektionserkrankungen bedeutet. Obwohl Fieber auf uns Tierbesitzer in erster Linie ungesund wirkt, hat das Allgemeinsymptom eine wichtige immunstärkende Wirkung und trägt zum Beispiel zur Bekämpfung von Infektionserregern bei.

Fieber bei Katzen – Regulation und Funktion

Um die Entstehung von Fieber verstehen zu können, ist es ratsam, einen genaueren Blick auf die Anatomie und Physiologie der Katze zu werfen:

Temperaturregulation

Die Körperkerntemperatur wird durch das Temperaturregelzentrum der Katze reguliert, welches sich in einem Teil des Zwischenhirns, dem Hypothalamus befindet. Auf der Haut verteilte Temperaturrezeptoren empfangen Kälte- oder Wärmesignale aus der Umgebung und leiten diese über aufsteigende Nervenbahnen zum Hypothalamus. Über absteigende Nervenbahnen leitet das Gehirn die Signale weiter an die Muskulatur und Schweißdrüsen.

  • Wärmeabgabe: Registriert der Körper zu viel Wärme, so gibt das Gehirn die Anweisung zur Erschlaffung der Muskulatur in den Wänden von Blutgefäßen. Dies führt anschließend zu einer peripheren Gefäßerweiterung, wodurch das Blut überflüssige Wärme über die Haut abgeben kann.
  • Wärmeproduktion: Ist es der Katze zu kalt, geschieht das Gegenteil. Damit weniger Wärme über die Haut abgegeben wird, spannt sich die Gefäßmuskulatur an und die peripheren Gefäße verengen sich. Gleichzeitig werden der Stoffwechsel und die restliche Muskulatur aktiviert, was durch Kältezittern oder Schüttelfrost beobachtet werden kann.

Fieberentstehung

Bei Katzen liegt die normale Körperinnentemperatur zwischen 38 und 39 Grad Celsius. Steigt die Temperatur jedoch auf höhere Werte, ist von Fieber die Rede. Oftmals wird das Allgemeinsymptom von uns Besitzern als schädlich angesehen, jedoch ist Fieber in erster Linie eine Schutzfunktion des Körpers. Indem der Sollwert der Körperkerntemperatur im Gehirn erhöht wird, wird die Aktivität des Immunsystems verbessert. Dies liegt daran, dass die Immunzellen (z.B. Fresszellen oder Granulozyten) bei Katzen ab einer Temperatur von über 39 Grad Celsius besser arbeiten können.

Ab einer gewissen Höhe kommt es jedoch zum Stocken dieser positiven Immunantwort.

Wodurch wird Fieber bei Katzen ausgelöst?

Fieber ist immer eine Reaktion auf negative Reize die dem Körper Schaden zufügen. Bei Katzen können es insbesondere folgende Leiden sein:

Infektiöse Ursachen:

  • Bakterien: in der Regel können alle Bakterien nach Eindringen in den Körper zu Fieber führen. Häufige Beispiele sind Streptokokken, Chlamydien oder Anaplasmen.
  • Viren: z.B. Feline Immundefizienz-Virus (FIV, Katzenaids), Feline Infektiöse Peritonitis (FIP), Feline Leukämie-Virus (FeLV), Felines Herpesvirus-1 (FHV-1), Feline Parvo-Virus (FPV, Feline Panleukopenie), Feline Calicivirus
  • Systemische Pilzerkrankungen (Mykosen)
  • Parasiten: z.B. Lungenwürmer oder Toxoplasmose

Nicht-Infektiöse Ursachen:

  • jegliche Gewebsentzündung (z.B. der Bauchspeicheldrüse, Lunge oder Leber sowie Abszesse der Haut und anderer Organe)
  • Autoimmunerkrankungen: z.B. Pemphigus foliaceus oder Lupus erythematodes
  • Neoplasien (Tumore)
  • Giftstoffe (z.B. Medikamente)

Während Fieber also eine wichtige Immunreaktion ist, wird eine Hyperthermie überwiegend durch Stress oder eine erhöhte Umgebungstemperatur ausgelöst.

Fieber bei Katzen erkennen: Wie zeichnet sich Fieber bei Katzen aus?

Bei Katzen ist Fieber als Temperaturerhöhung über 39 Grad Celsius definiert. An folgenden Symptomen kann man aber oftmals schon vor dem Temperaturmessen erkennen, ob die Katze Fieber entwickelt hat:

  • Mattes Allgemeinbefinden und Müdigkeit
  • Zittern und Bewegungsunlust
  • Eventuell beschleunigte Atmung (normal 20 bis 40 Atemzüge pro Minute)
  • Sinkender Appetit und ggf. Wasserverlust (Nackenfalte verstreicht nur langsam nach dem Hochziehen, fester Kot, pappige Maulschleimhäute)

Natürlich können je nach Ursache noch weitere Begleitsymptome auftreten. Dazu zählen insbesondere Magen-Darm-Beschwerden (z.B. Erbrechen, Durchfall).

Wie wird Fieber bei Katzen diagnostiziert?

Verhält sich die Katze auffällig ruhiger und zeigt weitere oben genannte Symptome, ist es ratsam, die Körperinnentemperatur der Katze zu messen. Hierfür gibt es zwei Möglichkeiten:

  1. Mittels eines digitalen Fieberthermometers kann die rektale Körperinnentemperatur gemessen werden. Vor Benutzung sollte dieses gründlich gereinigt und desinfiziert werden. Damit es für die Katze angenehmer ist, kann dazu etwas medizinisches Gleitgel, Vaseline oder unparfümierte Creme für sensible Haut aufgetragen werden. Da das rektale Einführen dennoch sehr unangenehm sein kann, sollte die Katze zum Schutz aller Beteiligten festgehalten werden.
  2. Alternativ kann ein Infrarot-Messgerät eingesetzt werden, welches die Temperatur am Ohr der Katze misst. Dies ist zwar meist einfacher zu bedienen, jedoch sind die Ergebnisse nicht immer genau.

Sollte das Fieber nicht innerhalb eines Tages verschwinden oder zeigt die Katze noch weitere Begleitsymptome, so sollte ein Tierarzt aufgesucht werden. Dieser entscheidet anhand der Besitzerbefragung und klinischen Allgemeinuntersuchung die weiterführende Diagnostik (z.B. Blutuntersuchung, Kotuntersuchung oder bildgebende Verfahren).

Behandlungsmöglichkeiten

Fieber kann symptomatisch durch die Gabe von sogenannten Antipyretika (Fiebersenkern) gesenkt werden. Da es sich dabei jedoch um kein festes Krankheitsbild handelt, muss zu allererst die zugrundeliegende Erkrankung behandelt werden:

  • Infektionserkrankungen: Medikamente wie Antibiotika gegen Bakterien, Virostatika gegen Viren, Antiparasitika gegen Parasiten oder Antimykotika gegen Pilze
  • Autoimmunerkrankungen: ggf. Gabe von Immunsupressiva (z.B. Glukokortikoide)
  • Tumore: chirurgischer Eingriff, Bestrahlung oder Chemotherapie

Wie ist die Prognose?

Die Prognose von Fieber richtet sich nach der Grunderkrankung und kann daher nicht verallgemeinert werden.

Wie kann Fieber verhindert werden?

Um Katzen vor Fieber, genauer genommen vor den Grunderkrankungen schützen zu können, sind folgende Ratschläge nützlich:

  • Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung
  • Viele Infektionserkrankungen (z.B. Katzenschnupfen, FeLV oder FIP) können durch empfohlene Impfungen verhindert werden
  • Wunden sollten zum Schutz vor bakteriellen Infektionen gereinigt und anschließend desinfiziert werden
  • Handelt es sich um einen Mehrkatzenhaushalt, so sollte die erkrankte Katze von den gesunden Katzen bis zur Genesung getrennt werden

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