Pyrenäen-Berghund

Pyrenäen-Berghund

Aufopferungsvoll, tapfer und treu bis in den Tod: Der imposante Pyrenäen-Berghund verkörperte das Ideal mittelalterlicher Werte wie kaum ein anderer Hund. So wurde der einstige Herdenschutzhund aus den Pyrenäen schon früh zum Bewachen von Schlössern eingesetzt. Auch der Hof Ludwigs des XIV. schmückte sich mit der Anwesenheit der attraktiven Pyrenäen-Berghunde.

Aussehen: Eine kraftvolle Statur und mächtige Mähne

Bewundernden oder respektvollen Blicken anderer Menschen können sich die Besitzer eines Pyrenäen-Berghundes sicher sein. Mit seiner kraftvollen Statur und seiner mächtigen Mähne beeindruckt der Riese selbst Hundekenner.

Allein seine enorme Größe sorgt dafür, dass man diesen Rassehund nicht übersehen kann. Rüden erreichen eine stattliche Widerristhöhe von 70 bis 81 Zentimetern, Hündinnen sind mit 65 bis 75 Zentimetern geringfügig kleiner. Dabei bringen die Hunde zwischen 65 bis 60 Kilogramm auf die Waage.

Auch die helle Fellfarbe des Pyrenäen-Berghundes fällt ins Auge – zumindest wenn er nicht inmitten einer Schafherde steht. Der Rassehund erscheint in den Farben Reinweiß oder Hellgelb. Hellgelbe, lohfarbene, wolfsgraue oder hellgraue Abzeichen an Kopf, Ohren und Rute sind erlaubt.

Die dicke Haarpracht des Pyrenäen-Berghundes

Das doppelte Haarkleid, bestehend aus dichter, feiner Unterwolle und dem rauen, wetterfesten Deckhaar, ist recht lang. Es kann sowohl gerade als auch gewellt sein. Die dicke Haarpracht, die die Hunde vor den extremen klimatischen Bedingungen der Bergwelt schützte, verleiht den Rassehunden einen majestätischen Eindruck.

Verstärkt wird dieses Bild durch das lange Fell um den Hals herum, das sich hier zu einer Art Mähne verdichtet. Auch an der Rute und an den Läufen ist das Haar etwas länger als an den übrigen Körperstellen.

Trotz seiner beachtlichen Größe ist die Gesamtstatur des Pyrenäen-Berghundes eher lang als hoch. Die Brust ist tief und breit, der Rücken gerade und muskulös.

Die recht kleinen, dreieckigen Schlappohren an dem großen, breiten V-förmigen Kopf liegen flach an und richten sich nur bei Aufmerksamkeit leicht auf. Auch die im Ruhezustand hängende, buschige Rute trägt er im angespannten oder aufgeweckten Zustand über den Rücken gekrümmt.

Seine mandelförmigen Augen sind verhältnismäßig klein und stets dunkelbraun. Seine Nase ist von tiefschwarzer Farbe. Typisch für den Pyrenäen-Berghund sind auch seine doppelten Afterkrallen an den Hinterläufen, auch Wolfskrallen genannt.

Verhalten: Selbstbewusst und freiheitsliebend

Ursprünglich als Herdenschutzhund gezüchtet, zeigt der Pyrenäen-Berghund bis heute eine ausgeprägte Wachsamkeit. Er liebt es sein „Rudel“ zu hüten und zu bewachen. Er ist mutig und im Notfall bereit, seine Schützlinge jederzeit zu verteidigen.

Da er früher häufig lange Zeit mit der Schafherde allein gelassen wurde, ist er es gewohnt, Entscheidungen selbständig zu treffen. So sagt man dem Pyrenäen-Berghund auch als Familienhund noch eine gewisse Eigensinnigkeit und Skepsis nach. Das kann dazu führen, dass er die Befehle seines Besitzers schon mal hinterfragt und nicht unbedingt „aufs Wort“ gehorcht.

Trotz seines selbstbewussten und freiheitsliebenden Wesens ist er gleichzeitig aber auch sehr menschenbezogen und sanftmütig. Zu seinen Lieben entwickelt der gutmütige Riese eine sehr starke Bindung. Besonders im Umgang mit Kindern oder kleineren Haustieren legt er eine unglaubliche Geduld und Sanftmut an den Tag.

Ein guter Familienhund

Seine Gelassenheit und Gutmütigkeit gegenüber Schwächeren machen aus dem ehemaligen Herdenschutzhund einen angenehmen und ruhigen Partner. Er ist – unter bestimmten Voraussetzungen – auch als Familienhund gut geeignet.

Er besitzt eine hohe Reizschwelle und ist von Natur aus alles andere als aggressiv. Eine Eigenschaft, die ihm heute nicht nur als Familienhund zugutekommt, sondern ihn auch als Herdenschutzhund davor bewahrte, grundlos Risiken einzugehen.

Im Kampf mit einem Wolf oder Bären hätte er schließlich nicht nur seine Herde außer Acht lassen müssen. Er hätte auch riskiert, selbst verletzt oder gar getötet zu werden.

Strahlt Stärke aus

Vielmehr setzt der imposante Riese darauf, sich durch seine bloße Gegenwart Respekt zu verschaffen. Er weiß um seine Stärke und Ausstrahlung und verlässt sich darauf, dass seine „Feinde“ schon von sich aus die Flucht ergreifen.

Spätestens wenn sein kraftvolles Bellen ertönt, weiß sein Gegenüber, dass er sich mit diesem Kraftpaket besser nicht anlegen sollte.

So steht er Fremden in seinem Revier misstrauisch gegenüber, wird aber niemals ohne Grund andere Tiere oder Menschen angreifen.

Bei artgerechter Haltung und mit Hilfe einer konsequenten und liebevollen Erziehung, die so früh wie möglich einsetzen sollte, wird aus dem eigenwilligen Gebirgshund damit ein zuverlässiger Beschützer und liebenswürdiger Begleiter der Familie.

Pyrenäenberghund im grass

Erziehung: Ein enges Vertrauensverhältnis

Da Pyrenäen-Berghunde als recht eigenwillig gelten und Befehle gerne mal hinterfragen, muss von Beginn an ein enges Vertrauensverhältnis zwischen Hund und Halter aufgebaut werden. Der Hund muss auf die Fähigkeit seines „Rudelführers“ vertrauen können.

Pyrenäen-Berghunde sind keine Anfängerhunde. Sie brauchen eine erfahrene Hand, die Ihnen mit der nötigen Konsequenz, aber vor allem mit liebevoller Geduld und viel Einfühlungsvermögen den Weg weist.

Nur unter der richtigen Führung entwickeln sie sich zu einem treuen und verlässlichen Partner, der dann seinen Menschen – auch im wörtlichen Sinn – stets zur Seite stehen wird.

Haltung: Viel Platz und ein großer Garten

Ein Pyrenäen-Berghund braucht viel Platz. Als Herdenschutzhund ist er es gewohnt ein riesiges Territorium zu überwachen und so benötigt er auch als Familienhund ein Grundstück mit einem großen Garten, um seinen angeborenen Wachinstinkt ausleben zu dürfen.

Beengte Wohnverhältnisse in der Stadt oder gar in einem Zwinger sind nichts für die freiheitsliebenden und naturverbundenen Hunde. Für Auslastung und Zufriedenheit sorgen außerdem lange Wanderungen und viel Bewegung ohne Leine.

Sowohl im Haus als auch bei seinem täglichen Auslauf gilt, dass das Territorial-Verhalten des Pyrenäen-Berghundes nicht unterschätzt werden darf.

Grundsätzlich hält dieser Rassehund alles, was er überblicken kann, als sein Revier, das es zu beschützen und notfalls zu verteidigen gilt. Eine angemessene Umzäunung Ihres Grundstücks ist daher unerlässlich.

Pflege: Gründliches Bürsten ist ein Muss

Das längere Fell sollte regelmäßig gebürstet werden, um nicht zu verfilzen. Ein gründliches Ausbürsten jeden zweiten bis dritten Tag reicht aber aus, um das schöne Fell angemessen zu pflegen und den Glanz zu bewahren.

Ebenso benötigen Ohren und Augen eine regelmäßige Reinigung und Kontrolle und auch die Wolfskrallen an den Hinterläufen müssen in bestimmten Abständen gestutzt werden.

Gesundheit: Neigung zu Hüftgelenksdysplasie

Trotz seiner robusten körperlichen Verfassung neigt der Pyrenäen-Berghund – wie fast alle Hunde seiner Größe und seines Gewichts – zu Ellbogen- und Hüftgelenksdysplasie (HD).

Auch Krebserkrankungen und Arthrose im zunehmenden Alter treten bei den Rassehunden häufiger auf. Regelmäßige Tierarztbesuche können das Auftreten dieser Krankheiten zwar nicht verhindern, aber dank einer frühen Diagnose wächst die Chance auf Heilung.

Ernährung: Die Futtermenge ist nicht zu unterschätzen

Als Halter eines solch großen Tieres sollten Sie die tägliche Futtermenge nicht unterschätzen. Wichtiger noch als die Menge ist jedoch die Qualität des Futters. Ratsam ist eine gute Mischung aus Trockenfutter und Fleisch.

Ausgewachsene Pyrenäen-Berghunde fressen ca. ein bis zwei Kilogramm Futter pro Tag (abhängig von Größe, Geschlecht und Aktivität des Hundes), wobei mindestens die Hälfte des Futters aus frischem Fleisch bestehen sollte.

Gute Erfahrungen haben einige Züchter auch mit dem sogenannten Barfen gemacht. „BARF“ steht für „biologisch, artgerechtes, rohes Futter“ und nimmt Abstand vom industriell hergestellten Hundefutter.

Zucht: Enger Austausch der Züchter

Die Zahl der Züchter außerhalb des Ursprungslandes Frankreich stieg Ende des 20. Jahrhunderts erheblich an. Die verschiedenen Züchter sind nach wie vor um einen engen Austausch bemüht, um über die Landesgrenzen hinweg für eine breite Zuchtbasis und damit für einen hohen Qualitätsstandard der Hunderasse zu sorgen.

Die Erhaltung des wachsamen und sanften Wesens und der Gesundheit stehen bei der Auswahl der Zuchttiere im Vordergrund.

Pyrenäenberghund welpe

Geschichte: Bewacher von Schlössern

Zwischen Mittelmeer und Atlantik trennen die Pyrenäen die Iberische Halbinsel von der Landmasse Europas. Diese mächtige Gebirgskette ist die Heimat der Pyreneän-Berghunde, die sowohl auf der französischen wie auch der spanischen Seite lebten.

Als die ersten Rassestandards für die Herdenschutzhunde aufgestellt wurden, konnten sich die beiden Länder Frankreich und Spanien jedoch nicht auf eine gemeinsame Version verständigen. Das Ergebnis dieses Scheiterns sind zwei eigenständige Standards für zwei verschiedene Hunderassen: Zum einen der des hier beschriebenen französischen Chien de Montagne des Pyrénées (Pyreneän-Berghund oder auch Patou genannt) und zum anderen der des spanischen Mastín del Pirineo (Pyreneän-Mastiff).

Beide Standards unterscheiden sich in Wesen und Erscheinungsbild jedoch nur unwesentlich. Schließlich blicken die beiden Rassen auf eine gemeinsame Geschichte zurück.

Der Pyrenäen-Berghund und seine Vorfahren

Die Vorfahren des Pyrenäen-Berghundes wie auch die des Pyrenäen-Mastiffs lebten vermutlich bereits vor 3000 Jahren in der Region. Darauf deuten Skelette aus der Bronzezeit hin, wie Harper Trois-Fonteneys in seinem Buch „Meine Reisen und meine Hunde“ berichtet.

Bereits im frühen Mittelalter wurden die beeindruckenden Tiere als Herdenschutzhunde eingesetzt, die die wertvollen Schafherden in der Wildnis vor Bären und Wölfen beschützen sollten. Ihr dickes Fell schützte sie dabei nicht nur vor den extremen klimatischen Bedingungen des Hochgebirges, sondern auch bei Angriffen wilder Tiere.

Zusätzlich legten die Hirten ihren Hunden Stachelhalsbänder an, um tödliche Attacken hungriger Bären oder Wölfe zu vermeiden. Schließlich waren die großen weißen Herdenschutzhunde für die Hirten unschätzbare Helfer. Sie arbeiteten sehr selbständig und standen ihrer Herde jederzeit überaus treu zur Seite. Selbst bei längerer Abwesenheit, konnte sich der Hirte auf den Wachinstinkt, das Reaktionsvermögen und den Mut seiner Hunde verlassen.

Prestigeträchtige Gesellschaftshunde

So fanden die tapferen und imposanten Riesen bald auch beim Adel Gefallen. Pyrenäen-Berghunde wurden bereits seit Beginn des 15. Jahrhunderts auf französischen Schlössern als Wächter eingesetzt und avancierten im 17. Jahrhundert zu prestigeträchtigen Gesellschaftshunden.

Überlieferungen zeigen, dass unter anderem am Château de Lordes und später am Hof des französischen Königs Ludwig XIV. die beeindruckenden Hunde gehalten wurden.

Trotz dieser prominenten Vertreter geriet der Rassehund, für den im Jahr 1923 der erste offizielle Standard verfasst wurde, im Laufe der Jahre etwas in Vergessenheit. Die Zeiten der großen Schafzucht waren vorüber und in den Pyrenäen lebten kaum noch Bären oder Wölfe, die den übriggebliebenen Schafherden gefährlich hätten werden können. Schlachten und Kriege taten ihr Übriges und kaum jemand konnte die großen Herdenschutzhunde ernähren.

Zum Glück gab es in und außerhalb Frankreichs ein paar Liebhaber, die an der beeindruckenden Rasse festhielten und mit ein paar Zuchttieren das Überleben des Pyrenäen-Berghundes sicherten.

Der zunehmende Tourismus in den Pyrenäen in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts verhalf den Hunden wieder zu mehr Bekanntheit und machte sie auch außerhalb des französischen Gebirges zu beliebten Wach- und Familienhunden.

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