Osteuropäischer Schäferhund (VEO)

Verfasst von Kerstin S.

Der Osteuropäische Schäferhund heißt in seiner Heimat Russland „Vostochno Evropeiskaya Ovcharka“ (VEO). Der Gebrauchshund hat vor allem bei Polizei und Militär im Gebiet der ehemaligen Sowjetunion Karriere gemacht. Doch was zeichnet den Vierbeiner heute aus?

Osteuropäischer Schäferhund

Aussehen: Ein „Schäferhund“ in XL

„Das ist aber ein großer Schäferhund!“ – ganz genau – nämlich ein Osteuropäischer: Auf den ersten Blick sehen diese imposanten Vierbeiner für Laien aus wie ein Deutscher Schäferhund in XL. Denn die Silhouette der beiden Rassen gleicht sich sehr, von den dreieckigen Stehohren bis zum langen, dicht behaarten Schwanz.

Wie schwer und wie groß wird ein Osteuropäischer Schäferhund?

Die Widerristhöhe beträgt bei VEO-Rüden 67 bis 72 Zentimeter und bei Hündinnen 62 bis 68 Zentimeter. Dabei wiegen die gut bemuskelten Hunde zwischen 30 bis 60 Kilogramm. Zum Vergleich: Ein Deutscher Schäferhund wiegt zwischen 22 bis maximal 40 Kilogramm.

Was für ein Fell hat der Osteuropäische Schäferhund?

Das Fell besteht aus dichter, weicher Unterwolle und stockhaarigem Deckhaar. Der Osteuropäische Schäferhund hat einfarbig schwarzes Fell oder ist schwarz mit gelben beziehungsweise silbergrauen Abzeichen. Ebenfalls möglich ist eine graue Grundfarbe mit schwarzem „Sattel“ und Maske.

Charakter des VEO: Wie verhält sich der Osteuropäische Schäferhund?

Der Osteuropäische Schäferhund ist gemäß Standard ausgeglichen, bewegungsfreudig, selbstsicher und aufmerksam. Die Rasse wurde primär für den Einsatz als Diensthund gezüchtet. Entsprechend strahlt er Ruhe aus, auch wenn es mal hektisch zugeht. Der VEO arbeitet gerne mit seinem Menschen zusammen, sofern dieser Mensch entsprechende Führungskompetenzen mitbringt.

Welche Besonderheiten hat der VEO?

Dieser Hund liebt es, wenn die Dinge ihren geregelten Ablauf haben. Darum neigt er dazu, Fehlverhalten bei Artgenossen wie ungestümen Junghunden wie ein Schiedsrichter zu korrigieren. Dies kann sich auch auf Menschen übertragen – beispielsweise, indem er streitende oder ängstliche Menschen verbellt. Die Rasse kommuniziert sehr klar und ist gegenüber Artgenossen sozial.

Die Rasse neigt nicht zum Jagen oder Kläffen. Als ausgezeichneter Wachhund wird der VEO jedoch Fremde in seinem Territorium anzeigen.

Erziehung des Osteuropäischen Schäferhund

Gemäß Standard gilt der VEO als leicht zu erziehen, denn er ist intelligent, lernwillig und kooperativ. Voraussetzung hierfür ist aber eine klare Führung: Ist der Mensch unsicher, inkonsequent oder unklar in seinen Ansagen, wird der immer mitdenkende Osteuropäische Schäferhund selbst das Kommando übernehmen wollen.

Härte ist rund um die Erziehung kontraproduktiv, denn sie zerstört die vertrauensvolle Beziehung und dadurch die zielführende Kommunikation zwischen Mensch und Hund nachhaltig.

Die Rasse hat einen hohen Schutztrieb. Das kann dazu führen, dass der VEO seinen Menschen bei Gefahr verteidigen wird. Darum kann unsicheres Führen ein Risiko für unangemessenes Bellen oder Aggressionen gegenüber Dritten, sei es Mensch oder Tier, sein.

Osteuropäischer Schäferhund Charakter © Даша Швецова / stock.adobe.com
Mit konsequenter Erziehung wächst der Osteuropäische Schäferhund zu einem umgänglichen Gefährten heran.

Auch für Hundeprofis eine Herausforderung

Lisa-Marie Lau, Gründerin der Hundeschule Popcorn Pfoten, hat selbst zwei VEO-Hündinnen. Sie weiß: Insbesondere die Junghundejahre können beim VEO anstrengend sein. Erst ab drei Jahren gilt die Rasse als ausgewachsen und wesensfest.

Vorher birgt das Training einige Herausforderungen: „Der heranwachsende Osteuropäische Schäferhund will viel diskutieren und zeigt klar jede kleine Schwäche im Training auf“, blickt sie zurück, und ergänzt: „Wer keine Geduld hat, für den ist der VEO nicht der richtige Hund. Der erwachsene VEO wiederum strahlt eine große Ruhe aus und erdet seinen Menschen im hektischen Alltag.“

Lesetipp: Hundeschule – der richtige Weg zur guten Erziehung

Haltung und Pflege: Zu wem passt ein Osteuropäischer Schäferhund und was braucht er?

Der VEO passt zu hundeerfahrenen Menschen, die gerne mit ihrem Hund arbeiten und diesen souverän führen. Diese drei Aspekte – Know-how, Zeitaufwand und Führung – sollten Interessierte nicht unterschätzen. Sind diese Voraussetzungen erfüllt, ist der Gebrauchshund anpassungsfähig.

Ist der Osteuropäische Schäferhund ein Familienhund?

Ein gut erzogener VEO eignet sich sowohl für Einzelpersonen als auch für Familien mit älteren (Schul)Kindern. Optimal für diesen Hund mit großem Bewegungsradius ist ein ebenerdiges Zuhause mit umzäuntem Grundstück.

Verträgt sich dieser Hund mit Katzen?

Mit Katzen kann der Vierbeiner gut zusammenleben, vor allem, wenn er als Welpe an sie gewöhnt wurde.

Was ist bei der Fellpflege dieser Rasse zu beachten?

Der Osteuropäische Schäferhund sollte alle paar Tage gebürstet werden. Dies löst überschüssige Unterwolle und stärkt die Bindung zum Hund. Insbesondere während des Fellwechsels verhindert regelmäßiges Bürsten, dass sich übermäßig viele Haare in der Wohnung verteilen. Die Fellpflege des VEO erfordert wenig Aufwand.

Alles rund um die Hundepflege erfahren Sie in unseren Ratgebern:

Sport und Aktivität: Die passende Beschäftigung für den Osteuropäischen Schäferhund

Der VEO ist ein vielseitiger Hund, der gerne mit seinem Menschen zusammenarbeitet. Entsprechend eignet er sich hervorragend als Arbeitshund, zum Beispiel als Diensthund bei der Polizei, beim Zoll oder beim Militär. Insbesondere in seiner Heimat ist der Osteuropäische Schäferhund auch als Blindenführhund im Einsatz.

Welche Freizeitaktivitäten passen zum VEO?

Der ausgewachsene VEO begleitet seinen Menschen gerne auf langen Wanderungen und eignet sich für Canicross, die Arbeit als Schlittenhund oder als Reitbegleithund. Mantrailing, Dummytraining und Obedience sind ebenfalls geeignete Hundesportarten für den klugen Osteuropäischen Schäferhund.

Beim Spielen kann es schon mal rauer zugehen, denn der VEO spielt gerne mit vollem Körpereinsatz. Dieser Hund schätzt das gemeinsame Entspannen ebenso wie die Interaktion mit seinem Menschen.

Osteuropäischer Schäferhund spielt © Anna Averianova / stock.adobe.com
Wenn der VEO spielt, dann mit vollem Einsatz.

Gesundheit der Hunderasse: Seriöse Züchter sind entscheidend

Wie viele größere Hunde kann der VEO eine Veranlagung zur Hüftdysplasie und Ellbogendysplasie mit sich bringen. Verantwortungsvolle Züchter testen die potenziellen Elterntiere vor dem Einsatz in der Zucht darüber hinaus auf Progressive Retinaatrophie und Herzerkrankungen.

Mittels DNA-Testung können weitere Erkrankungen wie zum Beispiel der MDR1-Defekt oder die Veranlagung zur degenerativen Myelopathie (DM) ausgeschlossen beziehungsweise reduziert werden.

Wie alt wird ein Osteuropäischer Schäferhund?

Die Rasse kann ein Alter von durchschnittlich zwölf Jahren erreichen.

Braucht ein Osteuropäischer Schäferhund spezielle Ernährung?

Der VEO benötigt kein spezielles Futter. Da der VEO zu den großen Hunden gehört, ist es jedoch bei der Ernährung im Welpen- und Junghundealter besonders wichtig, auf eine angemessene Gewichtszunahme zu achten. Denn wächst der Vierbeiner schneller als seine Knochen, kann dies zu Skelettschäden führen.

Erfahren Sie mehr über das Thema Hundeernährung in unseren Ratgebern:

Herkunft und Geschichte des VEO

Die Geschichte dieses Hundes ist eng mit der Geschichte der zur ehemaligen Sowjetunion (UdSSR, 1922-1991) gehörenden Länder verbunden. 1941 übernahm ein bereits bestehendes Ausbildungslager für Hunde unter dem Namen „Zentrale militärtechnische Hundeschule“ die entscheidende Rolle rund um die Zucht von Diensthunden für die gesamte Sowjetunion.

Der dazu gehörende „Red Star Kennel“ widmete sich der Zucht der Vorfahren des VEO. Das Ziel dabei war ein Diensthund, der in allen Klimazonen des riesigen Reiches und für viele verschiedene Aufgaben einsetzbar war. Neben zahlreichen Mischlingen wurden auch einheimische Hunde wie beispielsweise der Ostsibirische Laika eingekreuzt. 1955 wurde der erste Standard publiziert.

Ist der Osteuropäische Schäferhund von der FCI anerkannt?

Nein, der Osteuropäische Schäferhund ist international nicht von der FCI als eigenständige Rasse anerkannt. Die FCI kooperiert allerdings mit nationalen Verbänden, die die Rasse im jeweiligen Land betreuen.

Der VEO ist entsprechend seiner Herkunft in Ländern der ehemaligen UdSSR wie Russland, Moldawien, Ukraine oder Kirgistan jeweils von einer nationalen Vertretung der FCI anerkannt. Analog dazu geben in zahlreichen anderen Ländern nationale Verbände von der FCI autorisierte Papiere für seriöse VEO-Züchter heraus. Dazu zählen Schweden, Belgien, die Niederlande, Ungarn und die Schweiz.

Anschaffung: Tipps zum Kauf eines VEO

Besonders viele Züchter gibt es in Russland und einigen weiteren ehemals der UdSSR zugehörigen Ländern wie Ungarn. Aber auch im westlichen Europa trifft man mittlerweile einige Züchter.

Wer mit dem Gedanken spielt, einen VEO-Welpen als Familienmitglied einziehen zu lassen und alle erforderlichen Voraussetzungen mitbringt, sollte sich auf die Suche nach einem seriösen Züchter begeben. Neben FCI-Papieren in den Ländern, in denen dies möglich ist, sollten Sie auf die Gesundheitsuntersuchungen der Elterntiere achten.

Sie möchten gern einen Osteuropäischen Schäferhund adoptieren? Unsere Ratgeber zeigen, was vor der Anschaffung wichtig ist:

Ähnliche Rassen: Gibt es Alternativen zum VEO?

Der Osteuropäische Schäferhund hat vor allem Gemeinsamkeiten mit dem Deutschen Schäferhund. „Allerdings bringt der VEO charakterlich mehr von den beteiligten Herdenschutzhunden mit“, ergänzt Hundeverhaltenstherapeutin Lisa-Marie Lau, bei der nicht nur zwei VEO, sondern auch eine Deutsche Schäferhündin leben.

„Der erwachsene VEO ruht in sich, ist selbstsicherer und weniger reaktiv als die eher quirligen Deutschen Schäferhunde. Diese wiederum bringen einen größeren Will-to-please mit.“ Die zu den Vorfahren des Osteuropäischen Schäferhundes zählenden Laikas sind im Vergleich selbstständiger, eigensinniger und haben einen höheren Jagdtrieb.

Wie ähnlich ist der VEO anderen typischen Diensthunden?

Der Holländische Schäferhund teilt viele Eigenschaften mit dem VEO. Im Vergleich zum „Belgischen Schäferhund“, dem Malinois, und dem Dobermann strahlt der Osteuropäische Schäferhund aber weitaus mehr Ruhe und Gelassenheit aus.

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Fazit: Ausgeglichenes Multitalent für erfahrene Hundehalter

Der Osteuropäische Schäferhund ist ein imposanter Gefährte für souveräne Hundehalter auf der Suche nach einem loyalen Gefährten. Mit der richtigen Führung zeigt der VEO nicht nur als Diensthund seine Qualitäten, sondern kann auch als Begleithund mit seinen Menschen leben, wenn diese ihm ausreichend Beschäftigung für Kopf und Körper bieten.

Steckbrief Osteuropäischer Schäferhund

Besonderheiten:Der große Gebrauchshund aus der ehemaligen Sowjetunion ist ein beliebter Diensthund und eignet sich für erfahrene Hundefreunde.
Charakter: wesensstark, sportlich, vielseitig, beschützend
Widerristhöhe:Rüden: 67-72 cm
Hündinnen: 62-68 cm
Gewicht:ca. 30-60 kg
Fell:stockhaariges Deckhaar mit viel Unterwolle in einfarbig Schwarz oder Schwarz mit Abzeichen bzw. „Sattel“ in Braun- oder Gelbtönen
Fellpflege:wenig Fellpflege, haart aber stark
Auslauf:eignet sich für viele Hundesportarten und Aufgaben
braucht viel Auslastung, schätzt dann aber auch Entspannung
Anfängerhund:nein
Bellen:kein Kläffen, zeigt aber mit Bellen in der Kommunikation klar Grenzen auf
Lebenserwartung:rund 12 Jahre
Typische Krankheiten:Hüftdysplasie
FCI-Gruppe:nicht international anerkannt
Herkunft:Russland

Quellen:


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Das zooplus-Forum war für mich der Einstieg ins freiberufliche Schreiben: Hier kamen 2011 interessierte Katzenfreunde zusammen, um ein eigenes Print-Magazin namens „Pfotenhieb“ zu entwickeln. Neben meinem Germanistik-Studium durfte ich einige Beiträge für den „Pfotenhieb“ verfassen. Heute widme ich mich, mittlerweile als glückliche Hundehalterin, vor allem Tier- und Gesundheitsthemen.


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