Sphynx-Katze Dieser Artikel ist tierärztlich verifiziert

Sphynx-Katze

Sphynx-Katzen gelten als sehr intelligent und verschmust – und sind höchst umstritten.

Die Sphynx-Katze zählt zu den Nacktkatzen und sie polarisiert. Während manche Tierfreunde die Zucht dieser Rasse kritisch sehen, schwärmen andere von den ungewöhnlichen Samtpfoten.

Aussehen: Eine Katze ohne Fell

Die Sphynx (auch Sphinx geschrieben) ist eine muskulöse Nacktkatze – typisch für die Rasse ist ihr fast gänzlich fehlendes Fell. Den Körper der Sphynx bedeckt nur ein leichter, kaum sichtbarer Flaum. Ebenfalls typisch ist die lose hängende, leicht faltige Haut.

Dabei sind die Farben der Haut so abwechslungsreich wie die Fellfarben normal behaarter Katzen. Die Sphynx kann also auch gefleckt sein oder Weißanteile haben. Die Falten am Kopf sind gemäß Standard Pflicht.

Auf dem eckigen Kopf sitzen große, offene Ohren. Die Augen der Sphynx-Katze sind gemäß Standard „zitronenförmig“ und stehen leicht schräg über prominenten Wangenknochen.

Gibt es Qualzucht-Merkmale?

Es gibt einige Sphynx-Katzenrassen, die keine Schnurrhaare haben. Diese Tasthaare (auch Vibrissen genannt) sind jedoch für Katzen wichtig, um sich im Raum zu orientieren. Katzenzuchten ohne Tasthaare gelten daher in Deutschland als Qualzuchten.

Mehr zu diesem Thema finden Sie unter dem Punkt „Gesundheit“.

Wie groß wird die Sphynx-Katze?

Die Sphynx ist eine mittelgroße Katze. Sie erreicht eine Körperlänge von bis zu 100 Zentimetern und eine Schulterhöhe von bis zu 40 Zentimetern.

Katzen wiegen durchschnittlich vier Kilogramm. Kater wiegen etwas mehr, bis zu sieben Kilogramm.

Verwechselungsgefahr mit anderen Rassen

Obwohl sie ebenfalls ein Blickfang ist: Die Sphynx hat mit ihrer Namensgeberin, der altägyptischen Sphinx, nichts gemein. Ebenfalls ähnlich aussehende Rassen sind die Devon Rex oder Don Sphynx.

Sphynx-Katze ohne Tasthaare © Andrea Izzotti / stock.adobe.com
Katzen ohne Tasthaare gelten in Deutschland als Qualzucht.

Charakter der Sphynx-Katze: Eine verschmuste Kuschelkatze

Sphynx-Katzen sind intelligent, lebhaft und anhänglich. Viele von ihnen lieben es, mit Artgenossen oder ihren Menschen zu kuscheln.

Sie sind sehr treu, aber auch gegenüber anderen Haustieren wie Hunden meist aufgeschlossen.

Eine Quasselstrippe auf vier Pfoten

Wenn Sie eine Sphynx einziehen lassen möchten, sollten Sie kein Problem damit haben, wenn diese ab und zu Geräusche von sich gibt.

Sphynx-Katzen gehören nämlich zu der gesprächigeren Sorte. Ihr Miauen ist jedoch keineswegs laut. Sie geben oftmals bloß leise zwitschernde Geräusche von sich.

Nicht immer für Allergiker geeignet

Es wird oft gesagt, dass Sphynx-Katzen von Allergikern problemlos als Haustiere gehalten werden können. Dies kann für einzelne Personen gelten, eine Garantie gibt es jedoch nicht. Der Grund dafür ist folgender:

Die verursachenden Allergene finden sich im Speichel von Katzen – und nicht in ihren Haaren. Erst bei der Fellpflege gelangen der Speichel und damit die Allergene ins Fell. Deshalb kann es vorkommen, dass Menschen, die gegen Katzenhaare allergisch sind, auch allergisch auf Sphynx-Katzen reagieren.

Haltung: Besonderheiten im Umgang mit einer Sphynx-Katze

Die Sphynx hat die gleichen Bedürfnisse wie jede andere Katze. Es gibt jedoch einige Punkte, die Sie bei dieser speziellen Rasse beachten sollten:

Kuscheln und Spielen

Gut sozialisierte Sphynx-Katzen brauchen mindestens einen Artgenossen, um glücklich zu sein. Am besten eignet sich eine andere Sphynx-Katzenrasse oder eine ebenso anhängliche Katzenrasse.

Hinweise für den Freigang

Eine Sphynx sollten Sie nicht in den ungesicherten Freigang lassen. Ihre außergewöhnliche Optik in Kombination mit großer Zutraulichkeit machen sie zu einem beliebten Diebesgut.

Alternativ zum Freigang können Sie Ihren Katzen einen katzensicheren Balkon einrichten, auf dem sie sich bei passenden Wetterverhältnissen nach Lust und Laune austoben können.

Beschäftigungsmaterial für Kopf und Körper

Wohnungskatzen brauchen unbedingt ausreichend Gelegenheiten, sich auszutoben und ihre klugen Köpfe einzusetzen.

Sie können beispielsweise Intelligenzspielzeuge verwenden, die Ihre Katzen geistig herausfordern. Sie können Ihren Katzen aber auch andere Tricks beibringen – zum Beispiel das Apportieren.

„Sonderfell“: Die richtige Pflege von Nacktkatzen

Katzenfell ist keine Dekoration, sondern erfüllt im Alltag nützliche Schutzfunktionen.

Wer mit Sphynx-Katzen zusammenlebt, sollte sich darüber im Klaren sein, dass Nacktkatzen empfindlicher sein können. Bei Revierkämpfen kommt es aufgrund des fehlenden Fells schneller zu Verletzungen. Darüber hinaus tragen einige Tiere im Winter gerne einen Katzenpullover.

Übrigens: Entgegen weitverbreiteter Annahmen hat die Sphynx keine höhere Körpertemperatur als andere Katzen. Weil bei Nacktkatzen das isolierende Fell fehlt, fühlen sie sich lediglich wärmer an als Katzen mit Fell.

Haarlose Katzen brauchen besondere Hautpflege

Da haarlose Katzen kein Fell haben, bildet sich mit der Zeit eine dünne Talgschicht auf der Haut.

Um die Haut der haarlosen Katze mit genug Feuchtigkeit zu versorgen, baden Katzenbesitzer ihre Sphynx daher regelmäßig (etwa einmal pro Woche) mit milden Katzenshampoos. Um Hautreizungen zu vermeiden, können Sie Ihre Sphynx alternativ alle paar Tage mit einem feuchten Tuch abreiben.

Einölen der Haut

Für eine gepflegte Haut kann auch ein mildes Öl (zum Beispiel Kokosöl) geeignet sein, das Sie nach dem Baden sanft in die Haut einmassieren können.

Bedenken Sie jedoch, dass die Haut von Katzen sehr empfindlich ist. Fragen Sie daher zunächst Ihren Tierarzt, ob das Öl für die Haut Ihrer Katze geeignet ist.

Wenn die Haut nach dem Einölen gerötet ist oder Ihre Katze juckt, sollten Sie das Einölen sofort beenden.

Sonnenbrand vorbeugen

Besonders im Sommer hat diese Katze ein Problem: Je heller die Haut, desto empfindlicher ist sie gegenüber Sonnenbrand und Hautkrebs. Schattige Plätze sind daher ein absolutes Muss.

Fragen Sie zudem Ihren Tierarzt, ob Katzen-Sonnenschutzmittel für Ihre Katze geeignet sind.

Ernährung: Was frisst die Sphynx?

Die Thermoregulation von Nacktkatzen ist komplexer als die von behaarten Katzen. Aufgrund des fehlenden Fells verliert die Sphynx schneller Wärme, sodass sie mehr Energie benötigt, um ihren Wärmehaushalt auszugleichen.

Schätzungen zufolge benötigte die Sphynx daher rund 20 Prozent mehr Futter als Katzen mit Fell. Setzen Sie daher auf qualitativ hochwertiges Futter und passen Sie die Futtermenge an Größe und Aktivität an.

Hinweis: Welche Fütterungsmethode für Ihre Katze geeignet ist, hängt von individuellen Faktoren ab. Lassen Sie sich daher gerne von Ihrem Tierarzt oder Katzenernährungsberater beraten.

Gesundheit: Wie gesund ist eine Sphynx?

Eine gesunde Sphinx hat eine durchschnittliche Lebenserwartung von 18 Jahren. Allerdings ist die Rasse vergleichsweise selten und bringt einige Herausforderungen für die Zucht mit sich:

Der kleine Genpool dieser Katzenrasse kann ein gewisses Risiko für die Zucht darstellen – insbesondere im Hinblick auf Inzucht und damit verbundene Krankheiten (wie zum Beispiel Nierenkrankheiten).

Verantwortungsbewusste Züchter sollten daher wissen, wie sie mit diesen Herausforderungen umgehen und Paarungen mit einem niedrigen Inzuchtkoeffizienten planen.

Hautkrankheiten

Obwohl durch Hefepilze verursachte Hautentzündungen (Dermatitis) bei Katzen selten sind, scheinen Sphynx-Katzen häufiger Probleme damit zu haben. Zudem haben die haarlosen Katzen ein höheres Risiko für Hautkrebs.

Herzkrankheiten

Sphynx-Katzen können zudem aufgrund einer Mutation im ALMS1-Gen eine hypertrophe Kardiomyopathie (HCM) entwickeln. Da diese Krankheit tödlich enden kann, sollten Sie daher vor der Zucht einen Gentest durchführen lassen.

Erkrankungen der Ohren

Aufgrund ihrer Neigung zu Allergien und erblich bedingten Fellveränderungen ist die Sphynx häufiger von Ohrenentzündungen durch Malassezien betroffen.

Ist die Sphynx eine Qualzucht?

In Paragraph 11b (1) des Deutschen Tierschutzgesetzes ist zu lesen: „Es ist verboten, Wirbeltiere zu züchten […], soweit im Falle der Züchtung züchterische Erkenntnisse […] erwarten lassen, dass […] erblich bedingt Körperteile oder Organe für den artgemäßen Gebrauch fehlen oder untauglich oder umgestaltet sind und hierdurch Schmerzen, Leiden oder Schäden auftreten.“

Ein Berliner Gericht hat hierauf basierend im Jahr 2015 entschieden: Nacktkatzen, die ohne Tasthaare geboren werden, zählen in Deutschland als Qualzucht. Denn die Tasthaare seien Sinnesorgane und als solche für Katzen unbedingt notwendig.

In Deutschland gelten Nacktkatzen nach aktuellem Stand (11/2023) nur dann als Qualzucht, wenn ihnen die Schnurrhaare aufgrund erblicher Anlagen fehlen. Züchter, die diese Rassetiere ohne Schnurrhaare züchten, können Sie dem für die Region zuständigen Amtstierarzt melden.

Wichtig: Diese Einordnung gilt nur für Deutschland. Die Gesetzeslage variiert von Land zu Land. Bitte informieren Sie sich daher stets über die Rahmenbedingungen in Ihrer Region. Darüber hinaus wird derzeit das Merkmal der generellen Haarlosigkeit als Qualzucht diskutiert – auch hier könnte eine Neueinstufung folgen.

Zucht: Woher stammt die Sphynx-Katze?

Die Sphynx-Katze ist in vielen Ländern sehr selten und zudem stark umstritten. Denn – und das sollte sich jeder Interessierte unbedingt vor Augen führen – ihr außergewöhnliches Aussehen war ursprünglich ein zufälliger Defekt.

Die Ursprünge der Sphynx

Die Sphynx-Katze hat ihren Ursprung nicht von den Azteken, sondern in Kanada. Im Jahr 1966 brachte eine Hauskatze versehentlich ein haarloses Kätzchen zur Welt – so begann die Zucht der Sphynx.

Die Besitzer züchteten die haarlose Katze weiter und gaben ihr den Namen „Prune“. Einige der Kätzchen hatten Fell, andere waren haarlos.

Doch das Problem war: Die Kitten hatten ernsthafte gesundheitliche Probleme, denn ihr Immunsystem konnte sich nicht richtig entwickeln. Das bedeutete zuerst das Ende der Zucht.

Anerkennung als Katzenrasse

Mitte der 1970er Jahre wurden neue haarlose Katzen gefunden, sodass die Zucht fortgesetzt wurde. Die Sphynx ist seit 1971 als Rasse anerkannt. Der bekannteste Vertreter der Katzenrasse ist wohl „Mr. Bigglesworth“ aus dem Film Austin Powers.

Kauf einer Sphynx: Was Sie hierbei beachten sollten

Canadian Sphynx sind selten – wer diese Rasse sucht, muss sich daher gedulden. Da Sphynx-Kätzchen von unseriösen Züchtern in den meisten Fällen schwerwiegende Krankheitsprobleme haben, sollten Sie unbedingt einen verantwortungsvollen Züchter suchen.

Stellen Sie daher bestmöglich sicher, dass der Züchter:

  • einen eindeutigen Herkunftsnachweis besitzt
  • die Elterntiere auf Erbkrankheiten (zum Beispiel HCM und polyzystische Nierenerkrankung PKD) untersucht wurden und frei von diesen sind
  • er zu einem von der Féderation Internationale Féline (FiFe) anerkannten Verein gehört

Wie viel kostet eine Sphynx-Katze?

Die Sphynx ist eine der teureren Katzenrassen. Die Preise beginnen bei 800 Euro, können aber schnell auf über 1000 Euro und mehr steigen.

Fazit: Eine kontroverse Katzenrasse

Die Sphynx-Katze ist eine friedliche Katze mit einem sanften Charakter. Gesunde Tiere erfreuen sich daher auch in Mehrtierhaushalten großer Beliebtheit.

Bevor Sie sich für diese Rasse entscheiden, sollten Sie sich jedoch ausreichend mit den besonderen Haltungsbedingungen sowie den gesundheitlichen Anforderungen und möglichen Problemen einer Nacktkatze auseinandersetzen.

Die Gesundheit kritisch hinterfragen

Gleichzeitig handelt es sich bei dieser Rasse aber auch um eine Laune der Natur, die der Mensch heute bewusst züchtet. Ein möglichst exotisches und vom Durchschnitt abweichendes Erscheinungsbild ist eine Motivation für die Katzenzucht, die Sie daher kritisch hinterfragen sollten.

Bevor Sie sich für diese Rasse entscheiden, sollten Sie sich ausreichend über die Vor- und Nachteile informieren und beim Kauf auf alle wichtigen Punkte achten.

Steckbrief zur Sphynx-Katze

Besonderheiten: Die Sphynx-Katze zeichnet sich durch ihr fehlendes Fell aus, und bedarf aus Tierschutzgründen einer kritischen Betrachtung. Sie liebt den Kontakt zu anderen Katzen und schmust gerne mit ihren Besitzern.
Charakter: verschmust, intelligent, verspielt
Größe: bis 100 cm (Kater und Katze), Schulterhöhe: bis 40 cm (Kater und Katze)
Gewicht: etwa 7 kg (Kater), etwa 4 kg (Katze)
Augenfarbe: alle Farben möglich
Farben: verschiedene Farbvarianten der Haut möglich
Fell: nur bedingt vorhanden (Nacktkatze)
Fellpflege: Pflegeleicht, gelegentliches Baden oder Abputzen ausreichend
Lebenserwartung: 18 Jahre
Typische Krankheiten: verschiedene Krankheiten wie hypertrophe Kardiomyopathie (HCM) und Hauterkrankungen bekannt, Exemplare ohne Tasthaare gelten zudem in Deutschland als Qualzucht
Preis: mindestens 800 Euro
Herkunft: Kanada

Quellen:


Franziska G., Tierärztin
Profilbild von Tierärztin Franziska Gütgeman mit Hund

An der Justus-Liebig-Universität Gießen wurde ich zur Tierärztin ausgebildet und durfte Erfahrungen in verschiedensten Bereichen sammeln. Seitdem arbeite ich nicht nur als tierärztliche Autorin, sondern auch an meiner Dissertation. Mein Ziel ist es, Tiere vor krankheitserregenden bakteriellen Erregern zukünftig besser zu schützen. Neben meinem tierärztlichen Wissen teile ich meine eigenen Erfahrungen als glückliche Hundebesitzerin. Dadurch kann ich Ängste und Probleme nachvollziehen und zugleich über diese aufklären.


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