Sphynx-Katze

Sphynx-Katze mit Tasthaaren

Die Sphynx-Katze sieht geheimnisvoll aus – und ist höchst umstritten.

Die Sphynx zählt zu den Nacktkatzen und sie polarisiert. Während manche Tierfreunde die Zucht dieser Rasse aus Kanada kritisch sehen und von Qualzucht sprechen, schwärmen andere von den ungewöhnlichen Samtpfoten. Unstrittig ist: Hat eine Sphynx-Katze keine Tasthaare, ist sie in Deutschland als Qualzucht einzustufen. Machen Sie sich hier ein eigenes Bild von der Sphynx-Katze.

Aussehen: Die Katze ohne Fell

Obwohl sie ebenfalls ein Blickfang ist: Diese Katzenrasse hat mit ihrer Namensgeberin, der altägyptischen Sphinx, nichts gemein.

Die Sphynx ist eine mittelgroße, muskulöse Katze, die bis zu sieben Kilogramm auf die Waage bringen kann. Auf dem eckigen Kopf sitzen große, offene Ohren. Die Augen der Sphynx-Katze sind gemäß Standard „zitronenförmig“ und stehen leicht schräg über prominenten Backenknochen.

Typisch für die Rasse ist zum einen das fast gänzlich fehlende Fell. Den Körper der Sphynx bedeckt nur ein leichter, kaum sichtbarer Flaum. Ebenfalls typisch ist die lose hängende, leicht faltige Haut. Die Falten am Kopf sind gemäß Standard Pflicht.

Die Farben der Haut sind so abwechslungsreich wie die Fellfarben normal behaarter Samtpfoten. Die Sphynx kann also auch gefleckt sein oder Weißanteile haben.

Achtung: Es gibt leider Züchtungen der Sphynx-Katze, die keine Tasthaare haben. Hierbei handelt es sich um eine Qualzucht. Denn die Tasthaare gelten als Sinnesorgane von Katzen.

Charakter der Sphynx-Katze: Verschmuste Kuschelkatze

Sphynx-Katzen sind intelligent, verspielt, lebhaft und anhänglich. Viele von ihnen lieben es, mit Artgenossen und Menschen zu kuscheln. Sie sind sehr auf ihre Besitzer bezogen und sind anderen Haustieren wie Hunden gegenüber meist freundlich.

Wenn Sie eine Sphynx einziehen lassen möchten, sollten Sie kein Problem damit haben, wenn diese ab und zu Geräusche von sich gibt. Sphynx-Katzen gehören nämlich zu der gesprächigeren Sorte. Ihr Miauen ist jedoch keineswegs laut. Sie geben oftmals bloß leise Zwitscherlaute von sich.

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Besonderheiten im Umgang mit einer Sphynx-Katze?

Die Sphynx hat die gleichen Bedürfnisse wie jede andere Samtpfote. Es gibt allerdings ein paar Details zu beachten.

Kuscheln, Spielen, Glücklichsein

Gut sozialisierte Sphynx-Katzen brauchen mindestens einen Artgenossen zum Glücklichsein. Am besten ist eine weitere Sphynx oder eine Samtpfote, die ebenso anhänglich ist.

Eine Sphynx sollte zudem nicht in den ungesicherten Freigang. Ihre außergewöhnliche Optik in Kombination mit großer Zutraulichkeit machen sie zu einem beliebten Diebesgut. Alternativ zum Freigang können Sie Ihren Lieblingen einen katzensicheren Balkon einrichten, auf dem sie sich bei passenden Wetterverhältnissen nach Lust und Laune austoben können.

Wie jede Samtpfote brauchen Nacktkatzen regelmäßige und abwechslungsreiche Beschäftigung. Dafür kann zum Beispiel Intelligenzspielzeug verwendet werden, welches die Sphynx-Katze mental fordert. Die aktiven Vierbeiner können sogar das Apportieren lernen.

Informieren Sie sich hier rund um das Beschäftigen von Wohnungskatzen.

„Sonderfell“: Die Pflege von Nacktkatzen

Katzenfell ist keine Deko, sondern erfüllt sinnvolle Schutzfunktionen im Alltag. Wer mit einer oder mehreren Sphynx-Katzen zusammenlebt, sollte darum beachten, dass Nacktkatzen empfindlicher sein können. Bei Raufereien mit Artgenossen werden sie aufgrund des fehlenden Fells schneller verletzt.

Darüber hinaus berichten viele Halter davon, dass die Sphynx entgegen mancher Vorurteile keine höhere Raumtemperatur braucht, um sich wohlzufühlen.

Übrigens: Entgegen weitverbreiteter Annahmen hat die Sphynx auch keine höhere Körpertemperatur als andere Katzen. Weil bei Nacktkatzen das isolierende Fell fehlt, fühlen sie sich lediglich wärmer an als Katzen mit Fell.

Ein Problem, das sich diese Katzenrasse mit dem Menschen teilt: Je heller die Haut, desto empfindlicher ist sie für Sonnenbrand. So können helle Nacktkatzen im Verlauf eines Sommers auch etwas bräunen. Eine Katzen-Sonnencreme ist allerdings nach Erfahrung der meisten Halter nicht nötig. Fragen Sie im Zweifel Ihren Tierarzt.

Weil Nacktkatzen kein Fell haben, das den Talg der Haut aufnimmt, lagert sich mit der Zeit eine leichte Talgschicht ab. Manche Katzenhalter baden ihre Sphynx darum regelmäßig. Alternativ können Sie die Sphynx einfach alle paar Tage mit einem feuchten Tuch abreiben.

Eignen sich Nacktkatzen für Allergiker?

Oftmals wird behauptet, dass Sphynx-Katzen von Allergikern ohne Probleme als Haustier gehalten werden können. Bei einzelnen Menschen kann dies zutreffen, eine Garantie hierfür gibt es jedoch nicht.

Denn die Allergene sind nicht nur im Fell, sondern auch in Hautschuppen und Speichel von Katzen zu finden. Deshalb kann es vorkommen, dass Katzenhaar-Allergiker auch auf Sphynx-Katzen allergisch reagieren. Fragen Sie bei Verdacht auf Tierhaarallergien einen Allergologen um Rat. Hilfreich kann es außerdem sein, einige Stunden im Zuhause eines Züchters zu verbringen.

Wie gesund ist eine Sphynx?

Sphynx-Katzen sich vergleichsweise selten. Dadurch ist der verfügbare Genpool ziemlich klein. Entsprechend kann es leichter zu bestimmten Krankheiten kommen. Hinzu kommt bei einigen Vertretern dieser Rasse noch das problematische Qualzuchtmerkmal der fehlenden Tasthaare.

Ist die Sphynx eine Qualzucht?

In Paragraph 11b (1) des Deutschen Tierschutzgesetzes ist zu lesen: „Es ist verboten, Wirbeltiere zu züchten, […] soweit im Falle der Züchtung züchterische Erkenntnisse […] erwarten lassen, dass […] erblich bedingt Körperteile oder Organe für den artgemäßen Gebrauch fehlen oder untauglich oder umgestaltet sind und hierdurch Schmerzen, Leiden oder Schäden auftreten.“

Ein Gericht hat hierauf basierend im Jahr 2015 entschieden: Nacktkatzen, die ohne Tasthaare geboren werden, zählen in Deutschland als Qualzucht. Denn die Tasthaare dienen als Sinnesorgane und sind für Katzen unbedingt nötig.

Züchter, die mit Tieren ohne ausgebildete Schnurrhaare züchten, können und sollten Sie dem für die Region zuständigen Amtsveterinär melden.

Porträt Sphynx-Katze ohne Tasthaare
Diese Sphynx-Katze hat keine Schnurrhaare und gilt damit als Qualzucht. Bitte unterstützen Sie auf gar keinen Fall solche Züchtungen!

Häufige Erkrankungen

Ein weiteres Risiko rund um die Zucht dieser Katzenrasse stellt der kleine Genpool dar. Dieser führt oft zu Inzucht und damit verbundenen Krankheiten.

Verantwortungsvolle Züchter wissen aber, wie man diesem Problem mit gut durchdachten Verpaarungen mit geringem Inzuchtkoeffizienten vorbeugt. Sie testen außerdem die Elterntiere vor dem Zuchteinsatz auf die Herzkrankheit HCM und die Nierenkrankheit PKD. Denn die Rasse kann zu beiden Erkrankungen neigen.

Schätzungen zufolge benötigt die Sphynx aufgrund ihrer Haarlosigkeit zudem rund 20 Prozent mehr Futter als Katzen mit Fell. Die Thermoregulation von Nacktkatzen gestaltet sich komplexer: Durch das fehlende Fell verliert die Sphynx schneller an Wärme. Zum Wärmeausgleich wird also mehr Energie benötigt.

Tipp: Setzen Sie auf ein hochwertiges Futter für Ihre Sphynx-Katze.

Die problematische Herkunft der Sphynx-Katze

Die Sphynx-Katze ist in Deutschland sehr selten und außerdem höchst umstritten. Denn – und das sollten sich alle Interessierten unbedingt vor Augen halten – ihr außergewöhnliches Aussehen war ursprünglich ein zufälliger Defekt. Dieser wurde vom Menschen anschließend bewusst weitergezüchtet.

Die Ursprünge der Sphynx-Katze

Die Sphynx-Katze kommt nicht, wie oft zu lesen, von den Azteken, sondern stammt aus Kanada. 1966 gebar eine Hauskatze per Zufall ein haarloses Katzenbaby. Damit begann die Zucht der Sphynx.

Der Besitzer züchtete mit der haarlosen Katze, die er auf den Namen „Prune“ taufte, weiter. Einige der Kitten besaßen Fell, andere waren haarlos. Doch die Kitten wiesen schwere Gesundheitsprobleme auf: Ihr Immunsystem konnte sich nicht richtig entwickeln. Somit kam es beinahe zum Ende der Zucht.

Mitte der 1970er-Jahre konnten jedoch weitere haarlose Katzen ausfindig gemacht werden und die Zucht setzte sich fort. Seit 1971 ist die Sphynx als Rasse anerkannt. Die berühmteste Vertreterin der Katzenrasse ist wohl „Mr. Bigglesworth“ aus dem Film Austin Powers.

Nacktkatzen-Zucht in der Kritik

Sphynx-Katzen ohne Tasthaare gelten als Qualzucht. Somit ist ihre Zucht in Deutschland verboten, weshalb sich auch die Zahl ihrer Züchter hierzulande stark reduziert hat.

Die Canadian Sphynx ist dabei nicht die einzige Nacktkatze, die in der Kritik steht. Komplett frei von Körperhaaren ist die Kohona aus Hawaii. Da auch dieser Rasse die Tasthaare fehlen, ist ihre Zucht in Deutschland aufgrund des Tierschutzgesetzes verboten.

Die von keinem seriösen Verein anerkannte Levkoy entstand aus Kreuzungen zwischen Scottish Fold und Nacktkatzen wie der Sphynx. Manche Züchter schreiben, die gekrümmten Ohren erinnerten an eine exotische Blüte. Tatsächlich sind die Ohren schlicht deformiert – eine Mutation, die mit schweren Wirbelsäulenschäden einhergehen kann.

Die Bundestierärztekammer hat eine Checkliste zu Qualzuchten bei Katzen erstellt. Trifft auch nur eines der Kriterien zu, lautet die Empfehlung: „Erwerben Sie die Katze auf keinen Fall!“ Hierzu zählen unter anderem die Merkmale „hat (fast) kein Fell“ und „die Katze oder das Muttertier hat gefaltete Ohren“.

Die Checkliste der Bundestierärztekammer können Sie als PDF-Datei herunterladen.

Achtung bei einem Kauf

Canadian Sphynx sind selten. Wer auf der Suche nach dieser Rasse ist, muss Geduld mitbringen. Wartezeiten sind sehr wahrscheinlich. Warten Sie unbedingt auf einen verantwortungsvollen Züchter, statt „auf die Schnelle“ ein Sphynx-Kitten zu kaufen.

Denn leider gibt es viele unseriöse Anbieter, die Nacktkatzen ohne eindeutigen Herkunftsnachweis und ohne ausgiebige Untersuchungen der Elterntiere anbieten. Viele schließen sich fragwürdigen, nicht von der Féderation Internationale Féline (FiFe) anerkannten Vereinen an, um vermeintliche Papiere zu erhalten.

Kaufen Sie kein Kitten, dessen Züchter es vor der zwölften Woche abgibt. Kaufen Sie außerdem nur dort, wo die Elterntiere auf die Erbkrankheiten HCM und PKD hin untersucht worden sind. Alle zur Zucht eingesetzten Tiere sollten zudem unbedingt Tasthaare besitzen.

Worauf Sie generell beim Besuch von Züchtern achten sollten, erfahren Sie hier: 10 Fragen an Katzenzüchter.

Ähnliche Rassen

Neben der Sphynx gibt es weitere Nacktkatzenrassen. Diese sind jedoch in Deutschland noch seltener.

Hierzu gehört die Don Sphynx, eine Katzenrasse aus Russland. Die Don Sphynx gibt es in fünf Fellvarianten, eine davon ist die „nackte“ Version. Positiv hervorzuheben ist, dass die „Russische Sphynx“ immer über Schnurrhaare verfügt. Katzenzüchter haben mit der haarlosen Variante der Don Sphynx und Siam-Katzen zudem eine weitere Nacktkatze erschaffen, die Peterbald.

Eine andere Rasse, die Devon Rex, sieht der Sphynx-Katze trotz Fell ähnlich und ist ebenfalls sehr menschenbezogen. Ihr gelocktes Fell beruht übrigens auf der gleichen Mutation wie die Haarveränderungen bei der Canadian Sphynx.

Sphynx-Katze: Eine höchst kontroverse Rasse

Die Sphynx-Katze ist eine Laune der Natur, die der Mensch heute mit Kalkül vermehrt. Ein möglichst exotischer und vom Durchschnitt abweichender Look ist eine kritisch zu hinterfragende Motivation für die Katzenzucht.

Zweifellos gibt es viele charmante und sympathische „haarlose“ Vierbeiner. Doch jeder Tierfreund sollte sich vor dem Kauf eines Kittens genau fragen: Warum muss es eine Nacktkatze sein? Im Vordergrund sollte auf keinen Fall der außergewöhnliche „Alien-Look“ stehen, den manche Sphynx-Halter betonen. Es sollte vielmehr um die Verantwortung für einen vierbeinigen Gefährten gehen, der einfach nur Katze sein möchte.

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