03. März 2017 - Aktualisiert 22. Oktober 2019

Bengal-Katze

Bengal Katze

Die Bengal-Katze ist eine wirklich einzigartige Katzenrasse. Schließlich ist sie ein “Haustiger”: Die Züchter der Rasse setzen auf ein Quäntchen Wildkatzenblut. Katzenrassen wie Bengal oder Savannah sind der neuste Schrei in der Zuchtwelt! Was macht eine solche Rasse aus – und was muss man bei deren Haltung beachten? Unser Rasseportrait gibt Antworten.

Noch Anfang des neunzehnten Jahrhunderts waren Großkatzen-Hybride in den europäischen Zoos zu finden. Was sich für zoologische Gärten als nicht praktikabel erwies ist dennoch auf die Kleinkatzenwelt übergegangen. Mit immer mehr Begeisterung werden Katzenrassen aus der Verpaarung wilder Katzenarten mit domestizierten Hauskatzen entwickelt. Das wohl bekannteste Beispiel ist die Bengal, entstanden aus der Kreuzung einer zahmen, schwarzen Hauskatze mit einer wilden Asiatischen Leopardkatze. Das Ergebnis: Eine Katzenrasse, die mit einem langgestreckten Körperbau und einer außergewöhnlichen Fellfärbung überzeugt. Je nach Nähe zu ihren wilden Verwandten benötigt sie manchmal eine erfahrene Hand.

Bengal kitten

Geschichte der Bengal-Katze

Der Ursprung der Bengal-Zucht stammt aus den USA. Dort versuchte die Genetikerin Jean Mill 1963 erstmals die Asiatische Leoparden-Katze mit einer Hauskatze zu kreuzen. Ihr Ziel: Eine zahme Hauskatze zu schaffen, die durch das ursprüngliche Aussehen ihrer Vorfahren überzeugt.

Jean Mill als Gründerin der Bengal-Rasse

Die Idee war allerdings nicht neu: Schon 1889 erwähnte der britische Künstler und Journalist Harrison William Weir eine Kreuzung von Asiatischer Leopardkatze und Hauskatze. Den größten Einfluss auf die Bengal Zucht und offizielle Gründerin der Rasse ist aber Jean Mill, damals noch als Jean Sudgen bekannt. Sie beschäftigte sich schon 1946 in einem Forschungspapier mit dem Thema „Crossbreeding“ – zu Deutsch: „Rassekreuzung“. Anfang der 60er Jahre setzte sie ihr Wissen in die Tat um: Sie kreuzte Hauskatzen mit Asiatischen Leopard-Katzen. Direkte Kreuzungen aus Wild- und Hauskatze nennt man „F1“-Tiere. Aus einer erneuten Kreuzung eines F1-Tieres mit einer Hauskatze wird ein „F2“-Tier und so weiter. F1 und F2-Katzen zeigen oft das wilde Verhalten der Wildkatzen. Jean Mill kreuzte die weiblichen F1-Tiere erneut mit dem Vatertier und erhielt so F2-Katzen. Nach weiteren zwei bis drei Generationen wiesen Nachkommen und Hauskatzen ein ähnliches Verhalten auf.

Aufgrund des Todes ihres Mannes unterbrach Jean Mill ihre Kreuzungsversuche kurzzeitig. Diese setzte sie aber in den 70er Jahren fort, als sie weibliche Hybridtiere vom Wissenschaftler William Centerwall übernehmen konnte. Dieser hatte Asiatische Leopardkatzen mit Hauskatzen verpaart, um ihre Immunität für Feline Leukämie zu untersuchen. Dies war der Startschuss für die moderne Zucht der Bengal-Katze. Die Bengal wurde 1983 offiziell bei der TICA (The International Cat Association) anerkannt. Anfangs wurden noch andere Rassen wie Abessiner, Ägyptische Mau und American Kurzhaarkatzen eingekreuzt. Damit sollte das gewünschte Aussehen der Bengal verfeinert werden. Mittlerweile wird die Bengal reinrassig gezüchtet. Auf Ausstellungen dürfen allerdings nur Katzen ab der vierten Generation („F4“) gezeigt werden. Erst ab dieser Generation gelten die Tiere als „zahm“ und ähneln in ihrem Charakter einer Hauskatze. Die Bengal-Katze hat mittlerweile zahlreiche Freunde gefunden: Sie ist inzwischen von vielen Dachverbänden wie der CFA (Cat Fanciers' Association) anerkannt.

Aussehen

Die geschmeidigen und dennoch athletischen Tiere wiegen bis zu 6 Kilogramm und weisen dabei eine Höhe von bis zu 30 Zentimeter auf. Ihr kraftvoller Körper wird von langen, muskulösen Beinen getragen. Im Verhältnis dazu ist der Kopf der Bengal eher klein. Er wird von hohen Wangenknochen und mandelförmigen Augen dominiert. Die großen Augen der Bengal sind häufig grün oder bei Tieren mit der Farbe „seal point“ blau. Die Ohren sind klein und oben abgerundet, besitzen aber eine breite Basis.

Am auffälligsten ist die „wilde“ Zeichnung der Bengal. Mit horizontal geordneten Flecken, Rosetten und einem helleren Bauch ähnelt sie ihren wilden Vorfahren. Die Beine sind bei den meisten Tieren noch gestreift, sollten aber möglichst Tupfen aufweisen. Bengalen gibt es in den Grundfarben orange, golden, dunkelgelb und sandfarben, oft auch mit „Glitter“. Anerkannt sind die Zeichnungen „marbled“ und „spotted“:

  • Marbled: „Marbled“ erinnert an die „gestromte“ Zeichnung anderer Katzenrassen. Die Zeichnung der Bengal sollte aber so wenig wie möglich an die einer Hauskatze erinnern.
  • Spotted: Die Fellzeichnung „spotted“ ist ausdrücklich gewünscht: „Spotted“ Bengalen ähneln mit ihren großen Flecken und Tupfen den Leopardkatzen. Dabei werden zweifarbige Tupfen („rosetted“) von einfarbigen Tupfen unterschieden.

Kinn, Brust, Bauch und Innenseite der Beine sollten Grundfarben von creme bis weiß aufzeigen. Sie stehen im Kontrast zur Färbung von Flanken und Rücken. Augen, Lippen und Nase werden idealerweise von schmalen, schwarzen Linien umrahmt. Nicht nur das ursprüngliche Aussehen der Bengal-Katze erinnert an das Quäntchen Wildkatzenblut, das diese Rasse so besonders macht!

schnee bengal katze

Bengal-Katze Charakter

Ab der fünften Generation gelten Bengalen offiziell als Hauskatze. Dennoch sind sie aufgrund ihres wilden Erbes aktive Tier, die ein hohes Temperament aufweisen. Bengal-Katzen sollten darum erst ab dieser Generation als Haustiere gehalten werden! Auch Zuchttiere dürfen erst ab der vierten Generation bei Ausstellungen gezeigt werden. Dem Rassestandard nach sind Bengalen vertrauensvoll, aufmerksam, neugierig und freundlich.

Aktive Fellnasen mit einer Vorliebe für Wasser

Die Bengal ist eine Katze, die definitiv Spaß macht! Sie gilt als clever und gelehrig – demnach benötigt sie viel Aufmerksamkeit, um ihren Tätigkeitsdrang in die richtigen Bahnen zu lenken. Liebhaber von Bengal-Katzen stellen oft fest, dass einfaches Kuscheln und Spielen zur Beschäftigung nicht ausreicht. Target-Training und Arbeit mit dem Clicker gehören genauso dazu wie eine Umgebung, die keine Langeweile aufkommen lässt. Bengal-Katzen lieben es, zu klettern und Wasser mögen sie besonders gern. Gesicherter Freigang sorgt dafür, dass der Bengal nicht langweilig wird und sie ihren Bewegungsdrang ausleben kann. Ein großer katzensicherer Garten ist natürlich ideal Bei ruhigeren Tieren eignet sich aber auch ein abgesicherter Balkon mit vielen Möglichkeiten zum Klettern.

Die Bengal ist eine selbstbewusste, eher dominante und aktive Katze. Die Haltung mit gemütlichen, verhaltenen Katzen kann darum zu Problemen führen. Bengalen sollten jedoch niemals alleine gehalten werden. Als Zweitkatze kommen Tiere in Frage, die ein ähnliches Temperament wie die Bengal aufweisen. Ruhigere Katzen wie Perser oder Britisch Kurzhaarkatzen sind dazu nicht geeignet.

Warum kommen F1 bis F4-Bengalen als Liebhaberkatzen nicht infrage?

Bei einer Hybridrasse ist die Aufzucht der einzelnen Tiere besonders wichtig. Denn das wilde Erbe setzt sich besonders bei Katzen durch, bei denen das Wildkatzenblut im Stammbaum nicht zu weit zurückliegt. Bengalen der ersten Generationen weisen beispielsweise stark ausgeprägte Wildtier-Eigenschaften auf. Außerdem ist die Haltung von Bengalen der Generation eins bis vier deutlich anspruchsvoller, da die Tiere als Wildkatzen unter das Artenschutzgesetz fallen.

Als Liebhaber-Katzen eignen sich demnach erst Tiere ab der fünften Generation, denn ab diesem Zeitpunkt gehören Bengalen nicht mehr zu den Hybridkatzen. Somit fallen sie nicht mehr unter das Artenschutzgesetz und können als Hauskatze ohne spezielle Auflagen gehalten werden. Was bei allen Rassekatzen wichtig ist: Erstehen Sie Ihre Katze nur von einem seriösen Züchter, der großen Wert auf die Sozialisierung und Aufzucht seiner Jungtiere legt. Außerdem sollte er Ihnen beim anfänglichen Zusammenleben mit Ihrer Bengal zur Seite stehen. Vereinbaren Sie einen Besuchstermin mit dem Züchter. So können Sie sich vor Ort ein Bild von den Tieren und ihrer Umgebung machen. Die Elterntiere sollten menschenbezogen und zutraulich sein.

zwei bengal katze beide farben

Haltung der Bengal-Katze

Wie bereits erwähnt unterliegen Bengal-Katzen der ersten bis vierten Generation dem Artenschutzgesetz. Für geschützte Arten gelten in Deutschland bestimmte Auflagen: Das Bundesamt für Naturschutz fordert für Wildkatzen und ihre direkten Nachkommen unter anderem ein Außengehege von mindestens 15 Quadratmetern Größe.

Ab der fünften Generation ähnelt der Charakter der Bengal dem Wesen anderer aktiverer Katzenrassen ohne Wildkatzenblut. Auch die Haltung dieser Katzen unterscheidet sich ab diesem Zeitpunkt nur geringfügig von der Haltung anderer Katzen. Ein gesicherter Auslauf oder Balkon sollte gegeben sein. Dabei dürfen Spiel-, Kletter-, Kratz- und Versteckmöglichkeiten nicht fehlen. Damit kann sich die Bengal ihrem Aktivitätslevel entsprechend beschäftigen. Variieren Sie die Umgebung und bieten sie ihr immer neue Reize.

Eine Wasserschüssel auf dem Balkon? Ein kleiner Teich im gesicherten Auslauf? Lassen Sie Ihrer Fantasie freien Lauf! Nach wenigen Wochen mit einer Bengal wird Clickertraining kein Fremdwort mehr für Sie sein. Intelligenz-Spielzeuge und Denkspiele werden von der Bengal gerne angenommen! Da Bengal-Katzen Wasser lieben, eignet sich eine flache, große Wasserschale für Spiel und Spaß – im Sommer draußen, in der kalten Jahreszeit im Badezimmer.

Die Haltung einer Bengal kann für Katzenfreunde, die ruhigere Katzenrassen gewohnt sind, anspruchsvoll sein. Da die Bengal eine intelligente, gelehrige Rasse ist, macht die Beschäftigung mit ihr aber durchaus Spaß.

Bengalkatze

Bengal-Katze Ernährung & Gesundheit

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Bengalen können von einigen rassetypischen Krankheiten betroffen sein. Dazu gehört die Progressive Retinaatrophie (PRA-b). Durch die Degeneration der Retina des Auges kann PRA-b zur Erblindung der Tiere führen. Dies kann bereits während den ersten Lebensjahren geschehen. Eine weitere Erbkrankheit ist die Pyruvatkinase-Defizienz (PK-Def). Dabei werden die roten Blutkörperchen aufgrund eines Enzym-Mangels zerstört, was zu Blutarmut (Anämie) führt. Beide Krankheiten können durch Gentests nachgewiesen werden.

Weiterhin können Bengalen an Hypertropher Kardiomyopathie (HCM) erkranken. Es handelt sich hierbei um eine Herzkrankheit, die eine Verdickung des Herzmuskels hervorruft. HCM kann jährlich mittels Herzultraschall festgestellt werden. Seriöse Züchter lassen Ihre Katzen auf Erbkrankheiten testen und schließen betroffene Tiere von der Zucht aus. Dies ist ein weiterer Grund sich an seriöse Züchter zu wenden, für die das Wohl der Tiere an erster Stelle steht. Von dubiosen Anbietern, die Katzen ohne Papiere veräußern, sollten Sie Abstand halten. Denn ohne Papiere besteht keine Garantie, dass die Tiere gesund sind.

Die beste Vorsorge für Bengal-Katzen ist ein artgerechtes Futter und der jährliche Check-Up beim Tierarzt. Viele Halter von Katzenrassen mit wilden Vorfahren füttern roh. Grund dafür ist, dass einige Bengalen empfindlich auf industrielles Katzenfutter und Bakterien in der Nahrung reagieren. Grundsätzlich versorgt Fertigfutter aus der Dose oder Schale Ihre Bengal-Katze aber mit allem, was sie benötigt! Sollten Sie sich für die Rohfütterung entscheiden, ist eine gründliche Einarbeitung das A und O. Mit den richtigen Supplementen und natürlichen Ergänzungen stellen Sie sicher, dass Sie Ihre Katze rundum gesund ernähren.

So finden Sie den richtigen Züchter

Sie sehen: Die Bengal ist eine spannende Katzenrasse! Haben Sie sich schon beim Lesen in die Bengal verliebt? Nun stellt sich die Frage: Wo findet man so einen besonderen Tiger?

Woran erkennt man einen seriösen Züchter?

Ein seriöser Züchter stellt sicher, dass die Haltung einer Bengal-Katze wirklich richtig für Sie ist! Er stellt einen möglichst frühen Kontakt zwischen den Kitten und ihrer zukünftigen Familie her. Außerdem begleitet er seine Jungtiere in ihr neues Zuhause. Als Mitglied in einem Zuchtverein legt er nicht nur darauf wert, dass seine Katzen dem gewünschten Zuchttyp entsprechen, sondern übernimmt auch Verantwortung für ihre Gesundheit. Dazu gehört auch die Gesundheitsvorsorge der Elterntiere, wie beispielsweise Tests auf genetische Erkrankungen. Auch die tierärztliche Begleitung während der Trächtigkeit ist notwendig. Nach der Geburt der Jungtiere werden diese dem Tierarzt vorgestellt, untersucht, geimpft, entwurmt und artgerecht ernährt. All das kostet natürlich Geld – und schlägt sich im Kaufpreis einer Bengal nieder: Eine Bengal-Katze kostet oft um die tausend Euro. Tiere, die zur Zucht bestimmt sind, sind um einiges teurer. Dabei decken die Züchter bei diesem Preis nur die ihm entstandenen Kosten.

Halten Sie Abstand von Vermehrern!

Auch wenn der Kaufpreis einer Rassekatze wehtut, sollten Sie auf keinen Fall auf sogenannte „Vermehrer“ ausweichen, die „Rassekatzen ohne Papiere“ anbieten! Hier wird in der Regel an der Auswahl und Vorsorge der Elterntiere gespart. Nur selten erhalten die Jungtiere die Sozialisierung und Zeit für die Entwicklung zu gesunden Katzen. Dieses Vertrauen gilt natürlich für beide Seiten. Seien Sie also nicht entsetzt, falls der Bengal-Züchter besondere Bedingungen zur Abgabe seiner Tiere festgelegt hat. Dies kann eine Kastration sein oder eine Haltung, die gesicherten Freigang garantiert. Außerdem muss speziell bei Bengalen folgendes bedacht werden: Nur durch gültige Papiere kann bewiesen werden, dass die Tiere nicht unter Auflagen fallen. Kann dieser Nachweis nicht erbracht werden, steht den Katzen schlimmstenfalls die behördliche Konfiszierung bevor. Wenden Sie sich deshalb ausschließlich an seriöse Züchter.

Wir wünschen Ihnen viel Spaß mit Ihrer Bengal!

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