Hypertrophe Kardiomyopathie (HCM) der Katze This article is verified by a vet

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Verfasst von Franziska Gütgemann, Tierärztin
Hypertrophe Kardiomyopathie (HCM) der Katze

Als Hypertrophe Kardiomyopathie (HCM) der Katze wird eine Erkrankung des Herzmuskels bezeichnet, bei welcher die Muskulatur der linken Herzkammer deutlich vergrößert ist. Die HCM ist die häufigste erworbene Herzerkrankung der Katze und tritt entweder durch eine genetische Veranlagung insbesondere bei den Rassen Maine Coon, Kartäuser, Ragdoll, Perser, Rex und Britisch Kurzhaar oder in Folge von anderen Grunderkrankungen wie eine Schilddrüsenüberfunktion auf. In den meisten Fällen sind die betroffenen Katzen bereits im fortgeschrittenen Alter, wobei auch junge Katzen unter der Herzerkrankung leiden können.

Was passiert bei der Hypertrophen Kardiomyopathie der Katze?

Zum besseren Verständnis der HCM ist ein Blick auf die Anatomie des Herzens ratsam:

Das Herz der Katze besteht aus einer linken und rechten Herzkammer, welche durch eine muskuläre Wand voneinander getrennt sind. Jede Herzkammer steht über eine sogenannte Atrioventrikularklappe (AV-Klappe) mit dem jeweiligen Vorhof in Verbindung. Die linke Herzklappe wird als Mitralklappe oder Bikuspidalklappe bezeichnet, während die rechte Herzklappe als Trikuspidalklappe benannt wird. Strömt das Blut über die hintere Hohlvene (Vena cava caudalis) in den rechten Vorhof ein, gelangt es danach über die Öffnung der Trikuspidalklappe in die rechte Herzkammer. Über die Kontraktion dieser Herzkammer wird das Blut über die Pulmonalarterie in die Lunge befördert. Dort findet die Anreicherung des Blutes mit Sauerstoff statt und anschließend fließt das Blut über die Pulmonalvenen in den linken Vorhof. Von hier aus strömt es nach Öffnung der Mitralklappe in die linke Herzkammer und nach Kontraktion der Herzmuskulatur über die Aorta in den großen Kreislauf.

Bei der HCM ist die Herzmuskulatur der linken Herzkammer vergrößert. Durch die Größenzunahme resultiert gleichzeitig eine Verengung der linken Herzkammer, wodurch auch weniger Blutvolumen in den großen Kreislauf gepumpt werden kann. Die Folge ist ein Blutdruckabfall, welcher durch Kompensationsmechanismen des Herzens reduziert werden soll. Da diese jedoch weiterhin zu Veränderungen im Herzmuskel führen, wird das Herzvolumen weiterhin gemindert und es droht ein Blutrückstau in den linken Vorhof. Schreitet dieser Prozess fort, können Wassereinlagerungen in der Lunge (Lungenöde) oder im Brustkorb (Thoraxerguss) auftreten.

Ursachen der HCM

Die Hypertrophe Kardiomyopathie wird in eine primäre und sekundäre HCM eingeteilt:

  • primäre HCM: genetische Veranlagung
  • sekundäre HCM: in Folge von Grunderkrankungen wie eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose), Subaortenstenose, Niereninsuffizienz oder Bluthochdruck

Welche Symptome treten bei einer HCM auf?

An folgenden Symptomen kann eine HCM bei Katzen erkannt werden:

  • Müdigkeit, Bewegungsunlust sowie reduzierter Appetit
  • Maulatmung oder Hecheln
  • Nur sehr selten tritt aufgrund einer HCM bei Katzen kardiales Husten auf
  • Bläuliche Maulschleimhäute

Welche diagnostischen Möglichkeiten gibt es?

Die Diagnose der Hypertrophen Kardiomyopathie erfolgt mittels eines Herzultraschalls. Dieses projiziert verschiedene Schnitte des Herzens auf einen Bildschirm, anhand derer der Durchmesser der verschiedenen Herzkammern und Vorhöfe abgemessen werden kann. Auch kann der Schweregrad der Erkrankung eingestuft werden, welcher für die Therapie und Prognose von Entscheidung ist. Empfehlenswert ist es, den Herzultraschall durch einen erfahrenen Kardiologen in regelmäßigen Abständen wiederholen zu lassen, da dadurch die Progressivität der Herzerkrankung eingeschätzt werden kann. Um Grunderkrankungen wie eine Schilddrüsenüberfunktion oder Niereninsuffizienz ausschließen zu können, sind zusätzlich Blutuntersuchungen und Hormon-Screenings ratsam. Auch empfiehlt sich eine regelmäßige Blutdruckmessung.

Wie wird die HCM bei Katzen behandelt?

Nicht immer muss die Hypertrophe Kardiomyopathie bei der Katze medikamentös behandelt werden. So ist die Therapie einer asymptomatischen HCM unter Tierärzten umstritten. Folgende Medikamente können jedoch zur Behandlung einer HCM bei der Katze eingesetzt werden:

  • Entwässernde Medikamente wie kaliumsparende Diuretika
  • ACE-Hemmer zur Gefäßerweiterung und erfolgendem Blutdruckanstieg
  • Erhöhung der Kontraktionsfähigkeit der Herzmuskulatur (z.B. durch Pimobendan)
  • Medikamente zur Verhinderung einer lebensgefährlichen Aortenthrombose (z.B. Clopriogrel)
  • Antiarrhythmika bei Herzrhythmusstörungen

Neben der medikamentösen Behandlung sind jährliche Kontrollen mittels eines Herzultraschalls sinnvoll, um die laufende Therapie gegebenenfalls anpassen zu können.

Wie ist die Prognose?

Eine Hypertrophe Kardiomyopathie muss nicht immer zwingend zu klinischen Symptomen und einer Einschränkung der Gesundheit der Katze führen. Um den Schweregrad einschätzen zu können, sind daher wiederholte Herzuntersuchungen notwendig. Die Prognose ist günstiger bei geringgradigen Verdickungen, als bei bereits vorliegenden Wassereinlagerungen in der Lunge. Laut Studien leben Katzen mit einer dekompensierten HCM etwa noch eineinhalb Jahre, wobei diese Überlebenszeit deutlich schwanken kann. Das Ansprechen auf die Medikamente, die Zusammenarbeit zwischen Tierarzt und Tierbesitzer sowie die Medikamentendosis spielen dabei eine wichtige Rolle.

Kann die HCM bei meiner Katze verhindert werden?

Bei besonders häufig betroffenen Katzenrassen wie die Maine Coon empfiehlt es sich, regelmäßig das Herz mittels eines Herzultraschalls untersuchen zu lassen. Auch sind spezielle Gentests bekannt, welche die erbliche Veranlagung einer Hypertrophen Kardiomyopathie bei der Katze detektieren können.

Um den Gesundheitsstatus einer bereits erkrankten Katze selber überwachen zu können, kann die Atemfrequenz zuhause gezählt werden. Atmet die Katze erschwert und steigt die Atemfrequenz, so können Wassereinlagerungen in der Lunge die Ursache sein. Eine normale Atemfrequenz in Ruhe beträgt bei Katzen etwa 40 Atemzüge pro Minute. Achten Sie beim Zählen auf das Heben des Brustkorbes und dokumentieren Sie die Ergebnisse regelmäßig. Bei Abweichungen ist es ratsam, einen Tierarzt aufzusuchen und ein Herzultraschall durchführen zu lassen.

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