Hund frisst Gras Dieser Artikel ist tierärztlich verifiziert

jack russell terrier hund frisst gras

Knabbert ein Hund hin und wieder an Gras, ist das unbedenklich. Doch manchmal stecken auch ernste Ursachen dahinter.

Es kursieren verschiedene Gerüchte, wieso Hunde beim täglichen Spaziergang wie Schafe das schmackhafte Gras anknabbern. Doch ist das eigentlich normal oder müssen Sie sich Sorgen machen, wenn Ihr Hund Gras frisst?

Ursachen: Warum frisst mein Hund Gras?

Nährstoffmangel, Dominanzverhalten oder Übelkeit sind alles Schlagwörter, die Hundehalter mit Grasfressen von Hunden in Verbindung setzen.

Besonders hartnäckig ist das Gerücht, wonach Hunde Gras fressen würden, um zu erbrechen. Studien haben allerdings herausgefunden, dass nur wenige Hunde nach dem Grasen erbrechen.

Doch welche Gründe führen dann dazu, dass Ihr Hund Gras frisst?

1. Durst

Auch wenn Sie es nicht direkt vor Augen haben, befindet sich in Pflanzen eine große Menge an Wasser. Ist Ihr Hund dehydriert und verspürt Durst, kann er durch Grasfressen seinen Flüssigkeitshaushalt wieder aufbauen. Achten Sie daher stets darauf, dass Ihr Vierbeiner zu jeder Zeit die Möglichkeit zum Trinken hat.

2. Verschluckter Fremdkörper

Hunde reagieren häufig instinktiv, wenn sie einen Fremdkörper verschluckt haben. Durch das Fressen von Gras wickelt sich dieses um den Gegenstand. Nun kann der Darm ihn besser transportieren und möglichst ohne Verletzungen aus dem Körper ausscheiden.

Ähnlich wirkt übrigens auch Sauerkraut, das häufig gegen verschluckte Fremdkörper zum Einsatz kommt.

3. Langeweile

Langeweile kennt jeder – sogar Ihr Hund. Dann passiert es schon einmal, dass er bei einem alltäglichen Spaziergang wie eine Kuh auf der Wiese stehen bleibt.

Möchten Sie Ihrem Hund und sich selber mehr Abwechslung bieten, können Sie mit Ihrem Liebling gerne die verschiedenen Hundesportarten ausprobieren!

hund frisst gras auf wiese © sanjagrujic / stock.adobe.com
Frisst ein Hund Gras, steckt in den meisten Fällen Langeweile dahinter.

4. Stress

Ist Ihr Hund gestresst, schnappt auch er ab und zu nach Gras. Dabei kann er zum einen die im Gras enthaltenen Zucker aufnehmen und seinen niedrigen Blutzuckerspiegel wieder steigern. Zum anderen kann das Kauen die Freisetzung von Endorphinen (Glückshormone) fördern.

5. Verdauungsprobleme

Hunde fressen vieles, darunter auch feste Knochen und Haare. Diese Gewebe, die besonders beim Barfen Einsatz finden, sind für Ihren Hund allerdings schwerer verdaulich als herkömmliches Trocken– oder Nassfutter.

Um die Verdauung dieser harten Gewebe zu erleichtern, frisst ein Hund daher häufig Gras.

Tipps für den Notfall: Lesen Sie in unserem Artikel, wie Sie Erste Hilfe bei Ihrem Hund leisten können.

Lebensgefahr: Wann kann Grasfressen beim Hund gefährlich sein?

Bereits der Vorfahre Ihres Hundes – der Wolf – nahm und nimmt regelmäßig Gras zu sich. Dieses Verhalten ist also nicht nur erworben, sondern in den Genen Ihres Lieblings verankert.

Dementsprechend ist davon auszugehen, dass es sich beim Grasfressen um ein natürliches Verhalten des Hundes handelt. Generell sollten Sie also nicht verbieten, dass Ihr Hund Gras frisst.

Hund frisst Gras: Drei Gefahren

Nur in seltenen Fällen kann das für Ihren Hund schädlich sein. In den folgenden Fällen sollten Sie das Grasfressen bei Ihrem Hund aber definitiv unterbinden:

1. Vergiftungsgefahr

Achtung! Viele Landwirte versetzen wirtschaftlich genutzte Wiesen oder Acker (z.B. Maisfelder) mit Dünger, Herbiziden oder Pestiziden. Nimmt Ihr Hund die dort wachsenden Pflanzenteile auf, kann er sich dabei schwer vergiften.

Auch bestimmte Pflanzen bilden Giftstoffe, die sie vor Fraß durch Tiere schützen sollen. Erste Anzeichen für eine Vergiftung bei Ihrem Hund sind starkes Speicheln und Erbrechen.

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Vorsicht: Die Herbstzeitlose ist nur eine von vielen Giftpflanzen, die Ihrem Hund gefährlich werden kann.

2. Darmverschluss

Auch die Menge des gefressenen Grünzeugs spielt eine entscheidende Rolle. Frisst Ihr Hund nur wenige Grashalme, ist dies meist nicht besorgniserregend.

Rupft er jedoch ganze Grasbüschel und sogar Erde aus dem Boden und schlingt diese in Sekundenschnelle herunter, droht Gefahr. Denn starke Ansammlungen von Gras im Magen können im schlimmsten Fall einen gefährlichen Darmverschluss (Ileus) hervorrufen.

3. Verletzungen

Nicht jedes Gras ist gleich. Während manche Grasarten kurz und weich sind, so sind andere Gräser scharfkantig und hart. Letztere Gräser sollte Ihr Hund nicht fressen, da die scharfen Kanten die empfindliche Schleimhaut im Maul oder Darm verletzen können.

Zusätzlich kann sich Ihr Hund an den harten Gräsern verschlucken, die auch gerne mal im Rachen hängen bleiben und die Atmung Ihres Hundes erschweren können. Zeigt Ihr Hund Atemnot und können Sie den feststeckenden Grashalm nicht aus dem Maul entfernen, sollten Sie unbedingt Ihren Tierarzt hinzuziehen!

Hund frisst Gras: Können sie das überhaupt verwerten?

Hund sind zwar keine reinen Fleischfresser (Karnivore), doch sie nehmen größtenteils tierisches Futter zu sich. Daher sind auch sie auf einen kleineren pflanzlichen Anteil in ihrer Ration angewiesen. Viele pflanzliche Futter wie Gurken oder Karotten können Hunde in der Regel gut verdauen.

Gras hingegen verdaut der Darm der Vierbeiner weniger, weshalb Sie teils ganze Grashalme oder Anteile inklusive Schleimbeimengungen im Kot Ihres Hundes entdecken können. Manchmal bleiben die Grashalme auch am After hängen, weshalb Ihr Hund ab und zu mit dem Hintern über den Boden rutscht.

Fazit: Sollte ich einschreiten, wenn mein Hund Gras frisst?

Zusammengefasst können Sie sich merken, dass es nicht immer ein böses Zeichen sein muss, wenn Ihr Liebling wie ein Pflanzenfresser schon wieder nach Grünzeug schnappt. In den meisten Fällen frisst ein Hund Gras als Zeitvertreib oder dazu, seine Verdauung anzuregen.

Wirkt Ihr Hund beim Grasen jedoch stark gestresst oder zeigt er Symptome für Schmerzen, sollten Sie dies als Warnsignal deuten. Generell lautet die Devise: Gehen Sie lieber einmal zu viel zum Tierarzt, als einmal zu wenig!

Sind Sie sich nicht sicher, ob Ihr Hund durch seine Nahrung genügend Nährstoffe aufnimmt, bietet sich außerdem eine entsprechende Ernährungsberatung für Hunde an.

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Quellen:


Franziska G., Tierärztin
Profilbild von Tierärztin Franziska Gütgeman mit Hund

An der Justus-Liebig-Universität Gießen wurde ich zur Tierärztin ausgebildet und durfte Erfahrungen in verschiedensten Bereichen sammeln. Seitdem arbeite ich nicht nur als tierärztliche Autorin, sondern auch an meiner Dissertation. Mein Ziel ist es, Tiere vor krankheitserregenden bakteriellen Erregern zukünftig besser zu schützen. Neben meinem tierärztlichen Wissen teile ich meine eigenen Erfahrungen als glückliche Hundebesitzerin. Dadurch kann ich Ängste und Probleme nachvollziehen und zugleich über diese aufklären.


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