Maulkorbpflicht beim Hund: Was ist zu beachten?

In Zusammenarbeit mit Baskerville / Company of Animals
Hund mit Maulkorb beim Spaziergang

Ein Maulkorb schützt nicht nur andere vor Personen oder Tiere, sondern auch den Hund selbst vor Gefahren.

Ob auf Reisen oder im Alltag – manchmal gilt für Hunde eine Maulkorbpflicht. Doch anders als viele aber vermuten, ist ein Maulkorb nicht nur zum Schutz vor „Kampfhunden“ gedacht. In vielen Situationen schützt er Ihren Vierbeiner und schenkt dem verantwortungsvollen Hundehalter mehr Freiheiten. Informieren Sie sich, wann ein Maulkorb unabdingbar ist und wo sich sein Einsatz noch lohnt.

Obwohl es gute Gründe für ihren Einsatz gibt, haftet Maulkörben ein schlechter Ruf an. Viele Menschen assoziieren sie in erster Linie mit aggressiven Hunden. Andere wiederum äußern ihre Bedenken, ob ein Maulkorb nicht furchtbar unbequem sei.

Wir wollen uns daher mit diesen Vorurteilen auseinandersetzen. Denn die Verwendung eines Maulkorbs ist oftmals nicht nur notwendig, sondern auch ein Zeichen für eine fürsorgliche und verantwortungsbewusste Hundehaltung.

Wann gilt eine Maulkorbpflicht?

In folgenden Situationen haben Sie leider keine Wahl: Der Maulkorb ist Pflicht. Mit einem gutsitzenden Maulkorb ist dies aber kein Problem!

Maulkorbpflicht in Bus und Bahn

Wer mit Hund in öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist, sollte sich vorher gut über die unterschiedlichen Regelungen informieren: Oft herrscht Maulkorbpflicht. So beispielsweise bei der Deutschen Bahn: Hunde, die nicht in einer Transportbox sitzen können, müssen angeleint sein und einen Maulkorb tragen.

Halten Sie also in jedem Fall immer einen Maulkorb parat, wenn Sie regelmäßig mit Ihrem Hund im Bus oder Zug reisen. Zu Stoßzeiten und auf vollen Bahnhöfen sowie in Zügen mit viel Gedränge sollten Sie die Maulkorbpflicht in jedem Fall einhalten.

Darüber hinaus schreiben einige regionale Verkehrsbetriebe vor, dass Hunde nur mit Maulkorb mitfahren dürfen. Im Bundesland Brandenburg gilt zum Beispiel in allen öffentlichen Verkehrsmitteln ein Maulkorbzwang. Ausgenommen hiervon sind kleine Hunde, die in Taschen mitreisen.

Für mehr Informationen lesen Sie auch unseren Artikel: Reisen mit Hund im Zug.

Maulkorbpflicht auf Reisen

Wer international mit Hund verreist, sollte sich vorher über die Regeln für Hunde informieren. So haben viele Länder in öffentlichen Verkehrsmitteln eine Maulkorbpflicht. Darüber hinaus besteht zum Beispiel in Frankreich für manche großen Hunderassen wie Rottweiler eine Maulkorbpflicht auf öffentlichen Plätzen.

Auch beim Urlaub mit Hund in Italien und Spanien kann je nach Gebiet eine Maulkorbpflicht für bestimmte Hunderassen bestehen. So sollten Hundefreunde in Italien aufgrund einer „erweiterten Maulkorbpflicht“ einen Maulkorb immer griffbereit haben.

Achtung: Viele „Listenhunde“ dürfen in manche Länder gar nicht erst einreisen – egal, ob mit oder ohne Maulkorb! Beachten Sie außerdem immer die Regelungen für die Leinenpflicht.

Maulkorbpflicht für Listenhunde

Auch in Deutschland gilt für einige Hunde eine generelle Maulkorbpflicht im öffentlichen Raum. Das heißt also auf öffentlichen Straßen und Plätzen. Hiervon sind meistens die Listenhunde, umgangssprachlich auch „Kampfhunde“ genannt, betroffen. Wer zu den Listenhunden gehört, regeln die einzelnen Bundesländer.

Zu den „typischen“ Listenhunden zählen beispielsweise der Bullterrier oder der American Staffordshire Terrier. Auch Hunde, die örtlichen Behörden durch aggressives Verhalten aufgefallen sind, unterliegen einem Maulkorbzwang.

Die Vorschriften der Länder regeln außerdem, wie eine Befreiung von dieser Pflicht zu erreichen ist. Dann können Halter beispielsweise nach einem Training in der Hundeschule eine Wesensprüfung mit ihrem Vierbeiner ablegen. Ein bestandener Wesenstest kann „gefährliche Hunde“ von der Maulkorbpflicht befreien.

Situationen, in denen ein Maulkorb hilft

Ein Hundemaulkorb kann viel mehr sein als lästige Pflicht. Denn er bietet auch Schutz. Verantwortungsbewusste Hundehalter nutzen einen Maulkorb, um den eigenen Hund sowie andere Tiere und Menschen zu schützen – oder einfach, um entspannter trainieren zu können. Hier einige Beispiele rund um Situationen, die sich mit Maulkorb besser meistern lassen:

Schutz vor Bissen

Der ursprüngliche Sinn eines Maulkorbs ist und bleibt: Er schützt vor Bissen. Und somit bietet er vielen Hunden eine zweite Chance.

So können zum Beispiel Hunde aus dem Tierschutz, die ihre sozialen Fähigkeiten erst wieder erlernen müssen und dem neuen Halter noch nicht gänzlich vertrauen, von Maulkörben profitieren. Vor allem in neuen Situationen sind sich die Besitzer oftmals unsicher: Wie reagiert mein Hund auf andere Vierbeiner oder Kinder? Wie verhält er sich in der Stadt?

Ein Maulkorb kann dafür sorgen, dass Besitzer und Hund zueinander Vertrauen aufbauen. Das erleichtert nicht nur das Training, sondern es erlaubt Hund und Mensch auch, Angst auslösende Situationen sicher zu üben. Zudem gibt es Maulkörbe, die es dem Halter ermöglichen, den Hund sicher zu belohnen. Das vereinfacht und unterstützt jedes Training.

Auch Spaziergänge werden auf diese Weise entspannter. Denn selbst wenn der eigene Hund an der Leine ist, können nicht abrufbare, freilaufende Hunde Beißvorfälle provozieren. So wird aus dem Gassigang kein Spießrutenlauf.

Wichtig: Zeigt Ihr Hund aggressives Verhalten, ist es immer empfehlenswert einen Spezialisten für Hundeverhalten aufzusuchen. Dieser kann Ihnen am besten helfen, die Ursachen der Aggressivität herauszufinden und Sie beim richtigen Umgang mit Ihrem Hund unterstützen.

Bedenken Sie stets, dass ein Maulkorb nur ein Hilfsmittel zum Schutz darstellt und nicht die Ursache von unerwünschten Verhalten beseitigt.

Maulkorbpflicht beim Hund
Maulkörbe verhindern, dass Ihr Hund etwas vom Boden aufnimmt – zum Beispiel einen Giftköder.

Schutz für „Allesfresser“

Viele Hunde entpuppen sich beim Gassigang als echte Staubsauger: Ob Brötchenreste, Holzstückchen oder Taschentücher, nichts ist vor ihnen sicher. Leider kann dies zu schlimmen Magenverstimmungen führen. Dies verhindert ein Maulkorb, der die Aufnahme von Futter vom Boden unterbindet.

Mehr noch: Er bietet auch Schutz vor Giftködern. Denn leider gibt es immer wieder Hundefeinde, die Fleischstücke mit giftigen oder scharfen Substanzen präparieren. Ein Maulkorb schützt Ihren Hund vor solchen Gefahren. Parallel können Sie daran arbeiten, dem Hund beizubringen, draußen nichts aufzunehmen.

Das Lecken von Wunden verhindern

Viele Hunde neigen dazu, eine vom Tierarzt versorgte Wunde ablecken zu wollen. Dies kann die Wundheilung beeinträchtigen. Eine hervorragende Alternative zum herkömmlichen Trichter, der den Hund stark in seiner Bewegungsfreiheit einschränkt, ist ein gutsitzender Maulkorb.

Ist der Hund bereits an ihn gewöhnt, sorgt das – anders als bei einem Trichter – nicht für zusätzlichen Stress. Das wiederum fördert den Heilungsprozess. Natürlich sollten Sie Ihren Hund trotz Maulkorb nicht allzu lange alleine lassen. Außerdem verhindern nicht alle Maulkörbe das Lecken von Wunden.

Hilfsmittel im Training für jagende Hunde

Grundsätzlich gilt: Jagende Hunde sind an der Leine, gegebenenfalls auch an der Schleppleine, zu führen. Selbst ein Hund, der „nur“ hetzt und nicht beißen kann, ist für das Wild eine Störung und im schlimmsten Fall gefährlich. Aufgestörte Rehe können auf Straßen oder in Zäune laufen.

Im Rahmen eines Antijagdtrainings kann es allerdings hilfreich sein, neue Freiräume zuerst mit Maulkorb zu erlauben.

Maulkorbpflicht bei Tierarzt und Hundefriseur?

Es gibt Situationen, in denen Hundebesitzer kein Risiko eingehen und vorbereitet sein sollten. Ein Besuch beim Tierarzt oder Hundefriseur kann nämlich durchaus problematisch werden. Hat Ihr Hund Angst oder Schmerzen, sorgt das für erheblichen Stress. Zugleich steigt auch die Gefahr, dass ein Hund doch einmal schnappt.

Trägt der Vierbeiner allerdings einen Maulkorb, ist die Beißgefahr – so gering sie auch sein mag – gebannt. Um sich selbst und ihr Personal zu schützen, bitten manche Tierärzte und Hundefriseure grundsätzlich um diese Vorsichtsmaßname. Wenn Sie Ihren Vierbeiner bereits an einen Maulkorb gewöhnt haben, bedeutet das Anlegen dann auch keinen zusätzlichen Stress mehr für Tier und Halter.

Ein Maulkorb schafft Distanz

Viele Hundehalter kennen das Problem: Zwei- und Vierbeiner nähern sich ungefragt ihrem tierischen Gefährten. Vor allem unsicheren Hunden macht dieses Ignorieren ihrer Individualdistanz zu schaffen.

Hier kann Ihnen und Ihrem Liebling ein Maulkorb mehr Freiheit verschaffen. Denn andere Hundehalter halten sich und ihren Hund beim Anblick diese Accessoires meist stärker zurück. Zögern Sie dennoch nicht, den Austausch mit anderen Hundebesitzern zu suchen. Indem Sie anderen erklären, was die Vorteile von Maulkörben abseits der Maulkorbpflicht sind, erhöhen Sie auch deren Akzeptanz als sinnvolles Hilfsmittel im Alltag.

Maulkorbvarianten: So finden Sie die passende Lösung für Ihren Hund

Wie bei so vielen anderen Produkten, ist die Auswahl an Maulkörben groß. Es gibt unterschiedliche Passformen, Größen und auch die verwendeten Materialien unterscheiden sich stark.

Das heißt auf der anderen Seite aber auch: Lassen Sie sich bei der Wahl des passenden Maulkorbs nicht entmutigen, wenn das erste Modell nicht richtig sitzt. Mit ein bisschen Geduld werden Sie bestimmt fündig.

Doch welche Varianten gibt es überhaupt und wie unterscheiden sie sich voneinander? Wir stellen Ihnen im Folgenden die wichtigsten Maulkorbarten vor:

Der „Klassiker“: Metall oder bissfester Kunststoff

Bei diesem Maulkorb-Modell befindet sich ein sogenanntes „Beißgitter“ direkt vor dem Maul des Hundes. In der Regel besteht es aus Metall oder, besser noch, aus bissfestem Kunststoff. Das Beißgitter ermöglicht der Hundeschnauze Freiraum.

Darum ist der klassische Maulkorb keinesfalls nur für „harte Hunde“. Er bietet viel Komfort und schützt gleichzeitig die Gesundheit des Hundes. Denn er kann mit einem klassischen Maulkorb die Schnauze öffnen und hecheln. Viele Maulkorb-Modelle mit Beißgitter ermöglichen es Hunden darüber hinaus, zu trinken und kleine Leckerlis zu fressen – ein großer Vorteil beim Trainieren.

Produktempfehlung: Baskerville Ultra 2.0

  • Robustes Material: Thermoplastikgummi garantiert Biegsamkeit und lange Lebensdauer
  • Weich gepolstert und ergonomische Passform: Hecheln, trinken und Belohnungen annehmen problemlos möglich
  • Drei Befestigungsmöglichkeiten: sicheren Halt ohne Verrutschen, u.a. dank Überkopf-Sicherheitsgurt
Hund mit Maulkorb im Park

Maulkorb aus Stoff oder Nylon

Maulkörbe aus Stoff werden auch als „Maulschlaufe“ bezeichnet. Meist sind Maulschlaufen aus Nylon, das sich um die Schnauze des Hundes legt. Manche Menschen denken, das weichere Stoffmaterial und die fehlenden Gitter seien bequemer für den Hund. Auch wirkt ein Hund mit einer solchen Schlaufe weit weniger bedrohlich.

Doch es gibt einen großen Nachteil: Der Hund kann die Schnauze nicht mehr öffnen und damit auch nicht mehr hecheln. Das wiederum ist nicht nur sehr unbequem, sondern kann schlimmstenfalls zu einem Kreislaufkollaps führen.

Aus diesem Grund eignen sich Maulschlafen nur für sehr kurze Einsätze. Sie sind zum Beispiel sehr hilfreich, wenn der Tierarzt Ihrem Vierbeiner in wenigen Sekunden einen Dorn aus der Pfote ziehen möchte.

Hund mit Maulschlaufe
Maulschlaufen sehen zwar bequem aus, doch nun kann der Hund nicht mehr hecheln. Über einen längeren Zeitraum kann das gefährlich für einen Hund werden.

Maulkorb aus Leder

Maulkörbe aus Leder gibt es in verschiedenen Formen. Ist das Leder wie ein Gitter geformt, also so, dass der Vierbeiner seine Schnauze zum Hecheln öffnen kann? Dann ist er anzuwenden wie ein klassischer Maulkorb.

Ansonsten gehört der Leder-Maulkorb zu den Maulschlaufen und geht mit den entsprechenden Nachteilen einher. Leder ist zudem weniger widerstandfähig als Kunststoff, wenn es um den Einsatz bei Wind und Wetter geht. Kann der Hund während des Tragens am Leder kauen, ist der Maulkorb außerdem nicht sicher.

Maulkorb aus Silikon

Einige Maulkörbe mit Beißgitter aus Silikon sehen den klassischen Maulkörben sehr ähnlich. Doch das Material ist oftmals zu weich: Manche Hunde können es von innen während des Tragens anknabbern. Ein zu weiches Material wie Silikon bietet deshalb keinen zuverlässigen Schutz vor Beißvorfällen, womit diese Maulkörbe nicht immer sicher sind.

Maulkorbpflicht: Wie gewöhne ich den Hund an den Maulkorb?

Ob Listenhund oder nicht – jeder Vierbeiner sollte daran gewöhnt sein, einen Maulkorb zu tragen. Dies funktioniert mit ein wenig Geduld und Leckerlis, die der Hund durch das Beißgitter bekommt.

Steigern Sie die Intervalle, in denen Ihr Hund einen Maulkorb trägt, langsam von einer Sekunde auf wenige Minuten. Belohnen Sie Ihren Vierbeiner nach jedem Training überschwänglich. Dann sieht er ihn nicht als Strafe, sondern als alltägliches Accessoire, mit dem er positive Ereignisse verknüpft.

Auf diese Weise löst das Tragen eines Maulkorbs auch in herausfordernden Situationen, zum Beispiel beim Tierarzt oder im engen Zug, keinen Stress aus. Stattdessen entspannt es den Hund. Einen Maulkorb zu tragen, ist dann keine Pflicht oder negative Erfahrung mehr, sondern macht den Alltag einfacher.

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