Kaninchen

zweifarbig kaninchen im grass

Kaninchen zählen zu den beliebtesten Haustieren der Welt. Kein Wunder, denn mit ihren langen Ohren, dem weichen Fell und den sanften Augen sehen sie richtig niedlich aus. Gleichzeitig gelten sie als sozial, pflegeleicht und kostengünstig. Doch sind Kaninchen tatsächlich die perfekten Haustiere? Was Sie vor der Anschaffung beachten sollten und wie Sie Kaninchen wirklich artgerecht halten, erfahren Sie hier.

Haltung: Auch ein Hase hat Bedürfnisse

Auf der Skala der beliebtesten Haustiere weltweit belegen die putzigen Langohren Platz drei – direkt nach Katzen und Hunden. Sie sind weder zu groß, noch zu klein, sie sind zutraulich, preiswert in Anschaffung und Haltung und scheinen auch sonst nur wenige Ansprüche an ihren Besitzer zu stellen.

Leider stimmt dieses Bild nicht immer mit der Realität überein. Die Folge dieser Fehleinschätzung ist, dass viele Kaninchen nicht artgerecht gehalten werden. Sie müssen in zu kleinen Käfigen leben, haben keinen Kontakt zu Artgenossen und erfahren kaum Auslauf. Dabei haben Kaninchen – auch wenn sie es nicht direkt zeigen – durchaus wichtige Bedürfnisse, die von ihren Besitzern nicht außer Acht gelassen werden sollten.

Zwei Kaninchen sind besser als eins

Eines der grundlegendsten Bedürfnisse des Kaninchens ist sein Wunsch nach Interaktion und Kommunikation mit Artgenossen. Weder Menschen noch andere Haustiere, wie etwa Meerschweinchen, können dieses Bedürfnis stillen. Selbst ein Kind, welches sich mehrere Stunden täglich mit seinem Kaninchen beschäftigt, wird niemals einen Artgenossen ersetzen können. Ein Kaninchen sollte also niemals allein gehalten werden.

Wer sich für den Kauf dieser Tiere interessiert, sollte mindestens zwei oder mehr Kaninchen bei sich aufnehmen. Sollen es nicht mehr als zwei sein, eignet sich am besten ein Pärchen. Wobei der Rammler unbedingt kastriert sein sollte. Denn Häsinnen können pro Jahr fünf bis zehn Mal Nachwuchs bekommen. Die Kastration unterbindet übrigens nicht nur die unerwünschte Vermehrung, sondern kann in Gruppen, in denen mehrere Rammler leben, auch Rang- und Revierkämpfe vermindern.

Zwei kleine Kaninchen
Kaninchen brauchen mindestens einen Artgenossen, um glücklich zu sein.

Buddeln, Verstecken, Haken schlagen – ein Kaninchen braucht Bewegung

Ein weiteres, oft unterschätztes Grundbedürfnis von Kaninchen ist die Bewegung. Ob Riesenkaninchen oder Zwergkaninchen: Alle Kaninchen brauchen Platz und Auslauf. Ein handelsüblicher Hasenkäfig reicht als Dauer-Behausung nicht aus. In freier Wildbahn lebende Kaninchen rennen, schlagen Haken, buddeln und graben sich unterirdische Gänge und Höhlen. Für Hauskaninchen ist ein Auslauf in dieser Form natürlich nicht möglich.

Doch Besitzer können einiges tun, um diesen natürlich Trieb zu befriedigen. Ein möglichst großes Außengehege oder ein geräumiges und abwechslungsreich gestaltetes Innengehege mit Versteck- und Beschäftigungsmöglichkeiten, kombiniert mit regelmäßigem Auslauf, sollte Ihrem Kaninchen zur Verfügung stehen.

Ein großes Gehege im eigenen Garten ist ideal

Kaninchen können das ganze Jahr über im Freien leben – vorausgesetzt im Gehege gibt es einen geschützten Rückzugsort. Dies kann ein Holzhäuschen, ein hohler Baumstamm oder eine andere Art von Höhle sein. Ein großes, sicheres und witterungsgeschütztes Gehege im eigenen Garten kommt den Bedürfnissen der putzigen Fellfreunde sicherlich am nächsten.

Wer die Möglichkeit in seinem Zuhause hat, baut seinen Fellnasen also am besten eine Behausung im eigenen Garten. Anregungen und Material für den Bau finden Sie in Heimtiergeschäften oder im Internet. Ideal ist eine eingezäunte Fläche von etwa sechs Quadratmetern, auf denen sich die Langohren nach Lust und Laune austoben können.

Wichtig ist, dass die Fläche sowohl nach oben als auch nach unten gut abgesichert ist. Die Umzäunung sollte möglichst tief in der Erde verankert werden, damit sich die fleißigen Buddler nicht unter dem Gitter hindurchgraben können. Nach oben sollte ein Dach oder ein Gitter die Kaninchen vor Katzen oder anderen Feinden schützen.

Können Kaninchen auch in einer Wohnung leben?

Eine Haltung in der Wohnung ist unter bestimmten Voraussetzungen durchaus möglich. Allerdings sollten diese unbedingt eingehalten werden, damit sich die Kaninchen bei Ihnen wohlfühlen. Ein Kaninchen, das den ganzen Tag nur in einem kleinen Käfig sitzen muss, wird seelisch verkümmern. Sorgen Sie deshalb dafür, dass Ihre Tiere täglich mehrere Stunden Auslauf bekommen.

Um zu verhindern, dass sich die Langohren dabei an Teppichen, Kabeln, Steckdosen oder Zimmerpflanzen vergehen, sollten Sie einen kaninchensicheren Bereich in Ihrer Wohnung schaffen.Dort sollten sie Ihre Lieblinge auch mal für einige Zeit aus den Augen lassen können.

Allerdings sollten auch im Innengehege Versteck- und Beschäftigungsmöglichkeiten vorhanden sein: Höhlen und Gänge aus Blumentöpfen, hohlen Baumstämmen, Röhren, Wurzeln und Schlafhäuschen – am besten angeordnet auf mehreren Ebenen, die mit Rampen miteinander verbunden sind.

Erstausstattung: Was gehört in den Kaninchenstall?

Neben Schlafhäuschen und interessanten Gegenständen zum Spielen, Bewegen und Verstecken sollte der Kaninchenstall mit einer Heuraufe und einer Wasserflasche für Kleintiere ausgestattet sein. Wenn Sie zusätzlich einen Kaninchenkäfig besitzen, also zum Beispiel die Kaninchen tagsüber in einem Gehege im Garten laufen lassen und abends in den Käfig bringen, darf auch im Käfig Heu und Frischwasser nicht fehlen.

Der Boden des Käfigs sollte mit einer Zeitung ausgelegt werden, die sie bei der Reinigung problemlos durch eine neue ersetzen können. Über die Zeitung streuen Sie eine Schicht Kleintier-Einstreu und Stroh. Empfehlenswert ist darüber hinaus, Wurzeln, Zweige oder Rindenstücke zum Nagen bereit zu legen. Die Zähne der Nager wachsen ständig nach und müssen durch das natürliche Nage-Bedürfnis abgenutzt werden.

Ernährung: Was frisst ein Kaninchen?

Anders als wir Menschen besitzen Kaninchen nur eine sehr schwache Magen-Darm-Muskulatur. Die Nahrung kann deshalb nicht durch das Zusammenziehen der Muskeln durch Magen- und Darmtrakt transportiert werden. Der Nager verdaut, indem er ständig frisst. Dadurch wird immer wieder neue Nahrung von oben „drauf gedrückt“ und die bereits aufgenommene Nahrung wird weiter geschoben.

Heu, zum Beispiel in einer Heuraufe, sollte daher immer zur Verfügung stehen. Als alleiniges Nahrungsmittel reicht es allerdings nicht aus. Um den Nährstoffbedarf zu decken, sollten Sie zusätzlich frisches Gemüse und Obst sowie Grünfutter reichen. Achten Sie darauf, dass Ihr Kaninchen sich abwechslungsreich ernährt und genügend Ballaststoffe aufnimmt. Nimmt Ihr Langohr stark zu, ist dies ein Zeichen, dass das Futter zu energiereich ist. Sprechen Sie mit Ihrem Tierarzt, wie sie das Futter in diesem Fall umstellen können.

kleines Mädchen füttert hase
Kaninchen lieben frisches Gemüse.

Fressen des Blinddarmkots

Eine Besonderheit von Kaninchen ist, dass sie ausgeschiedene Teile ihres Kots fressen. Es handelt sich dabei um den so genannten Blinddarmkot, der direkt am After aufgenommen wird und die Kaninchen mit lebensnotwendigen Nährstoffen und Vitamin B versorgt.

Erst durch das Ausscheiden und das erneute Aufnehmen des Kots können die auf diesem Weg aufgeschlüsselten Vitamine vom Körper verwertet werden. Auch wenn der Anblick im ersten Moment irritiert: Bitte hindern Sie Ihren Liebling nicht an diesem natürlichen Verhalten. Das Fressen des Blinddarmkots ist für eine funktionierende Verdauung und die Gesundheit unerlässlich.

Gesundheit und Pflege

Verdauungsstörungen und damit verbundene Folgeerkrankungen stellen für Kaninchen ein ernstzunehmendes Gesundheitsrisiko dar. Tatsächlich liegt ein Großteil der Krankheitsursachen im empfindlichen Verdauungssystem. Neben genetischen Ursachen gehen den Verdauungsstörungen häufig eine falsche Ernährung sowie Zahnprobleme voraus. Eine mangelnde Abnutzung der schnell wachsenden Zähne oder Zahnschiefstellungen sollten deshalb möglichst frühzeitig mit dem Tierarzt besprochen werden.

Leider neigen Kaninchen dazu, Ihre Beschwerden „stillschweigend“ hinzunehmen, so dass Symptome häufig zu spät erkennbar sind. Um Veränderungen möglichst frühzeitig festzustellen, sollten Sie die Zähne, das Fressverhalten und die Verdauung Ihrer Kaninchen deshalb regelmäßig kontrollieren.

Auch tierärztliche Routineuntersuchungen sowie empfohlene Impfungen, zum Beispiel gegen die Kaninchenseuchen RHD und Myxomatose, sollten Sie als verantwortungsvoller Halter in Anspruch nehmen.

Reinigung des Kaninchenheims

Eine entscheidende Rolle für die Gesundheit Ihrer Tiere spielt auch die Hygiene. Dazu gehört, dass das gesamte Gehege einmal wöchentlich vollständig gereinigt wird. Die Einstreu sollte ausgetauscht werden und Böden mit heißem Wasser gereinigt werden. Falls Sie Ihr Kaninchen in der Wohnung halten und Decken oder Teppiche als Untergrund ausgelegt haben, sollten Sie diese ebenfalls regelmäßig waschen.

Futter- und Trinkflasche sowie die Kaninchen-Toilette (meist eine separate Ecke im Gehege oder eine Art Katzenklo mit Kaninchen-Einstreu) müssen täglich gesäubert werden. Heißes Wasser, ggf. versetzt mit ein wenig Essigessenz, reicht hierfür aus. Antibakterielle Reinigungsmittel müssen Sie nur verwenden, wenn ein Tier erkrankt ist.

Ist ein Kaninchen das richtige Haustier für Sie?

So putzig und liebenswürdig Kaninchen sind, sie machen – wie jedes Haustier – nicht nur viel Freude, sondern auch Arbeit. Die Reinigung des Geheges macht sich schließlich nicht von allein. Und auch wenn Sie mal verreist sind, möchten Ihre Kaninchen frisches Futter, Wasser und einen sauberen Käfig.

Vor dem Kauf eines Kaninchens sollten Sie sich deshalb genau überlegen, ob Sie in der Lage sind, Ihrem Kaninchen ein artgerechtes Zuhause zu bieten. Dei Nager können über 10 Jahre alt werden und bleiben damit für lange Zeit bei Ihnen. Überlegen Sie sich bereits vor dem Kauf, wo und wie Sie Ihre Kaninchen halten möchten.

  • Haben Sie in Ihrem Garten bzw. Ihrer Wohnung ausreichend Platz für ein geräumiges Gehege?
  • Sind Familienmitglieder möglicherweise allergisch gegen Tierhaare?
  • Wer in der Familie kümmert sich um die Reinigung und Pflege?
  • Wer versorgt die Kaninchen, wenn Sie einmal verreist sind?

Je besser Sie sich auf Ihre langohrigen Mitbewohner vorbereiten und je genauer geklärt ist, wer für die Reinigung und Pflege der Kaninchen verantwortlich ist, desto mehr Freude werden Sie an den sozialen Haustieren haben.

Kaninchen putzt sich
Wichtig ist, dass Sie sich der Verantwortung, die die Haltung von Kaninchen mit sich bringt, bewusst sind.

Kaninchen und Kinder

Viele Kinder wünschen sich ein Haustier, doch das Ausmaß der Pflege können sie noch nicht überblicken. Als Eltern sollten Sie sich bewusst sein, dass ein Großteil der Arbeit an Ihnen hängen bleibt. Kleine Kinder sind mit der Reinigung des Geheges überfordert und größere Kinder, die bereits Verantwortung übernehmen können, werden diese aus schulischen oder beruflichen Gründen nicht unbedingt zehn Jahre lang tragen können.

Nichtsdestotrotz sind Kaninchen für Kinder in den meisten Fällen eine Bereicherung. Sie lernen Verantwortung zu übernehmen und Rücksicht auf die Bedürfnisse anderer Lebewesen zu nehmen. Die Interaktion mit den geselligen Tieren bereitet Freude und spendet in schwierigen Momenten Trost. Eltern, die ihren Kindern den Wunsch nach eigenen Kaninchen erfüllen möchten, jedoch Angst haben, dass irgendwann die ganze Arbeit auf sie zurückfällt, sollten sich am besten in einem Tierheim nach älteren Kaninchen umschauen. Auf diese Weise geben Sie den Tieren die Chance auf ein zweites, schönes Zuhause und können gleichzeitig testen, ob die Haltung von Kaninchen auch für einen längeren Zeitraum möglich ist.

Verstehen Sie die Sprache der Kaninchen

Kaninchen sind sehr kommunikative Tiere, die durch Laut- und Körpersprache interagieren. Wer die „Sprache“ der Kaninchen versteht, kann auf die angezeigten Bedürfnisse der Tiere Rücksicht nehmen. Auch Kinder lernen schnell, die angezeigten Körperhaltungen zu interpretieren und entsprechend zu reagieren.

Hier ein kleiner Überblick über mögliche Verhaltensweisen:

  • Das Kaninchen drückt sich flach auf den Boden und legt die Ohren an: In der freien Natur bedeutet dieses Verhalten, dass es sich unterwirft. Auch Hauskaninchen zeigen diese Körpersprache manchmal. Meist geschieht dies aus Unwohlsein und Angst. Das Kaninchen sollte in diesem Fall zunächst in Ruhe gelassen werden.
  • Das Kaninchen bleibt reglos, mit weit geöffneten Augen sitzen: Auch dieses Verhalten signalisiert, dass das Kaninchen im Moment keinen Kontakt oder Berührung durch den Menschen wünscht. Wildlebende Kaninchen zeigen diese Reaktion, wenn eine Flucht vor dem Feind nicht mehr möglich ist.
  • Das Kaninchen sitzt aufrecht und legt die Ohren an: Vorsicht! Ihr Kaninchen scheint bereit für den Angriff zu sein. Wenn es zusätzlich knurrt, sollten Sie besser Abstand von ihm nehmen.
  • Das Kaninchen trommelt mit den Hinterläufen fest auf den Boden: Auf diese Art und Weise warnen Kaninchen sich gegenseitig. Es kann sein, dass Ihr Kaninchen Gefahr wittert und seine Kameraden darauf aufmerksam machen möchte.
  • Das Kaninchen legt sich flach auf den Boden, dreht sich zur Seite oder den Rücken und streckt die Gliedmaßen lang: Glückwunsch! Ihr Kaninchen geht es in diesem Moment richtig gut. Es fühlt sich wohl, sicher und genießt!
  • Das Kaninchen springt und schlägt in seinem Gehege Haken: Prima, Ihr Kaninchen scheint genügend Platz in seinem Zuhause zu haben. Anders als in der freien Wildbahn, wo sie durch Haken schlagen ihre Feinde abschütteln wollen, zeigen Hauskaninchen dieses Verhalten meist aus purer Freude und Übermut.

Ein Kaninchen soll es sein?

Durch ihre kommunikative und gesellige Art können Kaninchen zu wertvollen Sozialpartnern werden. Wer lernt, auf die Bedürfnisse der Tiere zu achten, ihnen genügend Auslauf bietet und sich um die notwendige Fütterung, Reinigung und Pflege sorgsam kümmert, wird sich über zufriedene und friedliche Haustiere freuen können.

Wurden die Langohren im Mittelalter noch als Nahrungsmittel- und Pelzlieferant gezüchtet, erfreuen sich die Kaninchen heute einer großen Beliebtheit als Heimtiere. Kein Wunder, dass es heute eine Vielzahl von Hauskaninchen-Züchtungen gibt. Zu den bekanntesten gehören zum Beispiel das Zwergkaninchen, das unter zwei Kilogramm wiegt, das Langhaarkaninchen wie Angora- und Fuchskaninchen, das Widderkaninchen, deren Ohren seitlich herabhängen oder das Riesenkaninchen, das mehr als fünf Kilogramm wiegt. Nun bleibt also nur noch die Frage: Welches Kaninchen soll es bei Ihnen werden?

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